„Man kann sich nicht darauf verlassen, dass das, was vor den Wahlen gesagt wird, auch wirklich nach den Wahlen gilt.“
(Angela Merkel, CDU)

Ein Freud’scher Versprecher ist sinngemäß eine unbeabsichtigte, sprachliche Fehlleistung, der unterbewusste Denkprozesse zugrunde liegen. Mittels dieses Versprechers gibt daher derjenige, der ihn ausspricht, zu erkennen, wie er tief im Innern wirklich denkt. Bei jemandem, der ignorant, arrogant und weltfremd ist, braucht man den Freud’schen Versprecher eigentlich gar nicht mehr, denn der Betreffende hält das, was er sagt, für absolut selbstverständlich und zulässig. Er demonstriert damit unzweifelhaft und – womit sich wieder die Verwandtschaft zum Freud’schen Versprecher zeigt – auch ganz unbewusst, welches Gedankengut er sein eigen nennt. Kennt man aber anhand derartiger Äußerungen das wahre Gedankengut eines Menschen, dann lässt sich durchaus auch absehen, welche Handlungen er befürworten wird und welche nicht. Das sei den nun folgenden Ausführungen einmal voran gestellt.

„Wir haben jetzt einen funktionierenden Sozialstaat …“
(Andrea Nahles, SPD)

Es gibt Menschen – sie stehen ganz weit oben in der Hierarchie – die seitens der Bevölkerung einen Auftrag erhalten haben. Zu diesem Auftrag zählt, dass sie sich für die Interessen des Gros der Bevölkerung einzusetzen haben, um Ungleichbehandlung unmöglich zu machen. Ich spreche von den vermeintlichen „Volksvertretern“, von unseren so genannten, gewählten Politikern. Ich spreche von denjenigen, die man niemals in Bus oder Bahn antrifft, weil sie sich chauffieren oder fliegen lassen. Ich spreche von denjenigen, die man niemals beim Einkaufen sieht, weil sie dafür ihr Personal haben. Es handelt sich auch um diejenigen, denen man niemals auf der Straße begegnet, weil sie von Leibwächtern abgeschirmt werden. Warum besteht eigentlich die Notwendigkeit, solche Menschen durch Leibwächter von ihren Wählern abzuschirmen? Irgendeinen Grund muss das doch haben und Beliebtheit ist es ganz sicher nicht …

„Wenn Sie was Ordentliches gelernt haben brauchen Sie keine drei Minijobs.“
(Peter Tauber, CDU)

Aufgrund der Abschirmung ist es für Otto Normalverbraucher nicht gerade einfach, mit „seinem Volksvertreter“ ins Gespräch zu kommen. Wenn nämlich nicht gerade Wahlkampf ist und besagter Volksvertreter ins Haus kommt, um einem den Eierlikör wegzusaufen, dann sind die Hürden doch ziemlich hoch gelegt und es gibt sogar „Volksvertreter“, die sich nicht erblöden, für derartige Gespräche eine Entlohnung zu verlangen. Dreimal hatte ich bisher mit diesen so genannten „Volksvertretern“ zu tun und alles geschah im Zusammenhang mit dem vermeintlich „funktionierenden“ Sozialstaat, respektive dem H4-Menschenrechtsverbrechen. Einmal, als es wirklich absolut dringend war, ließen sich besagte „Volksvertreter“ tatsächlich nach nur einem Jahr an Wartezeit (sic!) zu einer Antwort herab. Ein andernmal wurden im Zusammenhang mit den Entgleisungen des Jobcenters gesammelte Aktenberge vom „Volksvertreter“ schlicht als Fälschungen bezeichnet und der „Volksvertreter“ drohte mir mit einem Verleumdungsprozess, sollte ich damit an die Öffentlichkeit gehen. Beim dritten Fall war nach langem Kampf ein Gesprächstermin (in Berlin, im Reichstag!) ausgemacht worden und ich nahm die weite Reise nebst Aktenschlepperei auf mich, nur um vor Ort gesagt zu bekommen, dass der feine Herr vorzeitig in Urlaub gegangen sei. Das war das Verhalten von Kommunal-, Landes- und Bundespolitikern einem einfachen Otto Normalverbraucher gegenüber: Alle überein!

„Wenn sie sich waschen und rasieren finden Sie auch einen Job.“
(Kurt Beck, SPD)

Meine Erfahrung sagt mir, dass solche „Herrschaften von was Besseres“ alles daran setzen, unter sich und somit ungestört zu bleiben. Sie hören dann nur noch (weil es ja aus ihrer eigenen sozialen Schicht kommt) das, was sie hören wollen. Darauf baut sich ihre Weltsicht auf. Die beeinflusst ihre Denk- und Handlungsweise. Das, was sie nicht hören oder nicht hören wollen, blenden sie aus bzw. vermeiden es – sei es, indem sie den Kontakt zum „Fußvolk“ vermeiden oder indem sie unerreichbar sind. Diejenigen aber, auf die sie hören, agieren genauso. Eine derartige soziale Schicht kennt das Leben des einfachen Bürgers gar nicht und will es, um das eigene, verzerrte Weltbild beibehalten zu können, auch gar nicht kennenlernen. Sie sorgen für soziale Kahlschläge und begreifen das nicht einmal. Sie beschönigen die Wirklichkeit und damit die Folgen ihrer eigenen Handlungen und sind sich dessen nicht bewusst, dass zeitgleich Verteilungskämpfe um überlagerte Lebensmittel von denen ausgetragen werden müssen, die überleben wollen. Wahrscheinlich wollen sie sich auch der Folgen ihrer eigenen Handlungen gar nicht bewusst werden, denn das würde sie sicherlich verzweifeln lassen.

„H4 bedeutet nicht arm.“
(Jens Spahn, CDU)

Sie haben nach langer, ganz bewusster Weigerung höchst erstaunt zur Kenntnis nehmen müssen, dass es in diesem unserem Lande so etwas wie „Kinderarmut“ gibt, versuchen aber, das kleinzureden. Darüber, wo die Kinderarmut herkommt, denken sie nicht nach, denn dann müssten sie ja auch zugeben, dass es Erwachsenenarmut als Ursache davon gibt und dass die wiederum auf dem bereits erwähnten, sozialen Kahlschlag basieren könnte. Oder aber auf der Tatsache, dass sie es als durchaus rechtmäßig betrachten, ein Existenzminimum willkürlich soweit zu kürzen, dass die Betroffenen entweder verhungern müssen oder aber sich durch ihren Überlebenskampf zwangsläufig kriminalisieren. Oder dass vielleicht von ihnen befürwortete, zum Leben unzureichende Dumpinglöhne die Ursache sein könnten. Auch die Tatsache, dass sich unter ihrem Regime des neoliberalen Wirtschaftsterrors die Anzahl der Armenspeisungen (denn um etwas anderes handelt es sich bei den Tafeln nicht) locker verdreifacht hat, sehen sie nicht als soziales Versagen an, sondern betrachten es vielmehr als Indiz für den vermeintlich funktionierenden Sozialstaat. Davor, dass sehr viele Senioren ihren Lebensunterhalt durch das Sammeln von Pfandflaschen bestreiten müssen (was sich auf eine durch und durch verfehlte Rentenpolitik zurückführen lässt), verschließen sie die Augen. Was sie ja auch problemlos tun können, denn alte Menschen sterben sowieso irgendwann: Aus den Augen, aus dem Sinn.

„Die Erhöhung von H4 war ein Anschub für die Tabak- und Spirituosenindustrie.“
(Philipp Mißfelder, CDU)

Im Grunde genommen wissen sie doch schon längst nicht mehr, was einen funktionierenden Sozialstaat überhaupt ausmacht, denn den gibt es schon lange nicht mehr. So lange aber die Leute nicht reihenweise verhungern oder anderweitig verrecken, fühlen sie sich in ihrem schändlichen tun durchaus bestätigt. Und dann kommen solche Sprüche, wie ich sie hier zitiert habe. Die kommen mit einer Selbstverständlichkeit, dass einem dabei vor lauter Empörung die Worte fehlen. Zuletzt seitens des neuen CDU-„Kronprinzen“ Jens Spahn. Dabei ist Spahn garantiert kein Einzelfall. Er hat nur abgesondert, was sich von selbst aus dem von realitätsfernem Sonderbewusstsein einer abgeschotteten Möchegernelite ergibt: Ich darf das sagen, weil ich ganz oben stehe und obwohl ich kompentenzallergisch bin! Für so eine Einstellung – bei der Spahn dem politischen Mainstream entspricht – existiert ein Begriff. Der nennt sich obszön. Solange aber gewisse Mainstream-Politiker weiterhin auf ihrer rosa Wolke leben, ist von denen außer obszönen Worten, Verhöhnung und nicht minder schlimmen Taten auch nichts anderes zu erwarten.

„Mit 600€ Rente ist man noch nicht arm.“
(Franz Müntefering, SPD)

Genau deswegen aber wenden sich die Menschen von den früheren Volksparteien ab. Genau deswegen folgen sie denjenigen, die ihnen das Blaue vom Himmel runter versprechen. Genau deswegen erlebt rechtes Gedankengut z. Zt. einen ungeheuren Aufschwung. Das war schon einmal so – nämlich um 1932 herum – und aktuell kommt es zur Neuauflage: Die Geschichte wiederholt sich offensichtlich. Was es dafür braucht sind lediglich zwei Fakten, nämlich große soziale Missstände und abgehobene, ignorant-arrogante Politmarionetten, die über dem normalen Leben stehen und die daher davon nun wirklich so rein gar nichts mitkriegen. Die deswegen auch alle Schuld an den Verhältnissen inklusive der politischen Veränderungen weit von sich weisen. Weil der Begriff Schuld in ihrem Vokabular nicht vorkommt – jedenfalls nicht, wenn er deren eigene soziale Schicht betrifft. Schuld sind nämlich immer die anderen. Wenn man die dann noch auf geignete Weise gegeneinander ausspielt, dann kann man sich getrost zurücklehnen und bis in alle Ewigkeit ein leistungsloses Grundeinkommen in fürstlicher Höhe kassieren. Dann braucht man sich auch keine Sorgen um die Altersarmut in der Bevölkerung u. ä. Probleme zu machen. Weil einen das nicht selbst betrifft und auch niemals betreffen wird: Nach mir die Sintflut! Warum eigentlich wählt ihr so eine Zeckenkaste immer und immer wieder? Seid ihr krank?!?

„Deutschland ist reiches, aber hysterisches Land.“
(Sigmar Gabriel, SPD)