Nachts im Garten … ist viel Viehzeug unterwegs. Das weiß ich seit vergangenem Jahr, als ich mir eine Wildkamera vom Typ Maginon WK3HD als Fotofalle vom einem Bekannten auslieh. Igel, Marder, Iltis, Waschbär (viele Waschbären!), Wildkatze, Hauskatze usw. Seit unser Kater im vergangenen August nach 16 ausgefüllten Lebensjahren verstorben ist wittert das Viehzeug wieder Morgenluft. Jedenfalls deuteten etliche Spuren im Garten darauf hin. Schon seit geraumer Zeit spielte ich daher mit dem Gedanken, mir selbst eine Wildkamera zuzulegen. Jetzt hatte Aldi-Nord das Nachfolgemodell, nämlich die Maginon WK4HD im Angebot, Kostenpunkt rund 80 Teuronen. Ja, und da schlug ich zu – denn das Kameramodell war mir im Grunde genommen ja bereits geläufig.


Die geöffnete Kamera (innenliegendes Batteriefach auch geöffnet).

Die Kamera wird mit Batterien, Befestigungsgurt, Wandhalterung (nebst Befestigungsmaterial), Speicherkarte (4 GB, ausreichend für 1774 Bilder) sowie USB-Kabel geliefert. Das Gehäuse der Kamera ist rundum quasi aus einem Guss und besteht aus Kunststoff. Vorn befinden sich zwei seitliche Sensoren für links und rechts sowie ein mittiger Sensor, welcher oben im Bereich der IR-LEDs eingelassen ist. Das Oberteil wird von den IR-Scheinwerfer-LEDs dominiert. Darunter ist das an sich winzige Objektiv tief ins Gehäuse eingelassen zu finden. Zwei Klappbügel mit Drehgelenken auf der Gegenseite fixieren diesen Elektronik-Teil auf dem Batteriefach, welches sage und schreibe 8 AA-Batterien fasst (der Batteriesatz soll ein halbes Jahr durchhalten – wer’s glaubt). Das Batteriefach ist nur von Innen bei aufgeklappter Kamera zu öffnen.

Hinten außen am Batteriefach angeflanscht befinden zwei recht stabil erscheinende Plastikbügel (das einer der Unterschiede gegenüber der WK3HD, der mir aufgefallen ist), durch den ein Spanngurt zur Kamerabefestigung gezogen wird. Der mitgelieferte Spanngurt ist knapp 2m lang und reicht locker für Baumstämme bis zu 50cm Durchmesser aus – der zweite Unterschied; der dritte Unterschied betrifft die maximale Speicherkartengröße, die bis zu 32GB betragen darf. Der vierte mir aufgefallene Unterschied besteht darin, dass die WK4HD zusätzlich einen Anschluss für ein Netzteil (12V, 1A, plus innen und minus außen) aufweist, welches aber nicht im Lieferumfang enthalten ist. BTW: Eine seitliche Lasche gestattet es, die Kamera mit einen Schloss vor unbefugtem Zugriff zu sichern.


Kamerarückseite mit den beiden 1/4-Zoll-UNC-Stativ-Gewinden für die Wandhalterung und den Bügeln für den Befestigungsgurt.

Man öffnet nun also die beiden Klappbügel und klappt die Kamera auf. Dann hat man: Oben den Monitor und darunter die Bedienungstasten. Ganz unten wird links die Speicherkarte eingeschoben und rechts ist ein kleiner Schiebeschalter mit den Funktionen „Off-Setup-On“ angebracht. Zunächst aber muss das Batteriefach beschickt werden; anschließend die Speicherkarte einschieben.


Der innenliegende Monitor mit dem Menü.


Die Bedienungselemente unter dem Monitor. Der USB-Anschluss (Mini-USB) befindet sich rechts neben dem Speicherkarteneinschub.

Jetzt geht’s an das Programmieren der Kamera. Die kann: Entweder Bilder oder Videos oder beides in zwei verschiedenen Zeiträumen aufnehmen. Bei hinreichend viel Licht handelt es sich um Farbaufnahmen; bei IR-Beleuchtung hingegen (u. d. h. bei Dunkelheit) um Schwarzweißaufnahmen. Die Umschaltung dazwischen geschieht automatisch. Man betätigt also den Schiebeschalter rechts unten und schiebt ihn auf „Setup“, anschließend auf „Menü“ drücken. Daraufhin erscheint das Menü auf dem Bildschirm. Hinweis: Programmierung, Aufnahme und Bildqualität unterscheiden sich vom Vorgängermodell in keinster Weise. Jetzt lässt sich sehr viel einstellen: Fotos oder Videos, Bildgröße (2592*1944px bzw. 5M, 3264*2448px bzw. 8M, 4000*3000px bzw. 12M, wobei 8M und 12M zwar interpoliert werden, aber rein optisch eine bessere Qualität ergeben), Zeitstempel ein oder aus, Zeitschaltuhr, Länge der Videoaufnahmen, Datum und Uhrzeit usw. Besonders die Zeitschaltuhr ist hier von Interesse, weil die Kamera ja nicht ständig, sondern nur nachts eingesetzt werden soll. Video habe ich nicht ausprobiert und für Fotos 12M gewählt. Hat man alle Einstellungen vorgenommen, dann empfiehlt es sich unbedingt, die Speicherkarte noch seitens der Kamera zu formatieren. Anschließend wird das Menü verlassen und der Schiebeschalter auf „Off“ gestellt. Nun die Kamera zuklappen und die Bügel schließen. Sie ist jetzt eingerichtet und kann an geeigneter Stelle montiert werden.


Ein Waschbär: Einer der nächtlichen Besucher (bearbeitete Aufnahme).

Zur Kameramontage empfiehlt die Bedienungsanleitung eine Höhe von ein bis zwei Metern. Kann man machen, wenn man Elche oder ausgewachsene Rothirsche ablichten will. Für Wildschwein, Luchs und Wolf ist ein Meter Höhe schon das äußerste der Gefühle. Rechnet man eher mit Marder, Waschbär, Iltis usw. – Spuren im Schnee weisen ja darauf hin, welches Viehzeug sich am Ort der Fotofalle rumtreibt – dann sind zwanzig bis dreißig Zentimeter Höhe wesentlich geeigneter. Zum Ausrichten der Kamera kann – muss aber nicht – ein Laserpointer recht hilfreich sein. Auch sollte die Kamera an halbwegs wettergeschützter Stele montiert werden. Bei der Schutzart IP54 übersteht sie zwar problemlos den schlimmsten, norddeutschen Land-Unter-Regenguss (IP44 hingegen kann man in solchen Fällen gleich liegenlassen), doch Regentropfen oder Schneeflocken auf der Linse gestatten nun einmal keine vernünftigen Fotos. Viel wichtiger ist aber die Bildreihenfolge. Mit „Anzahl Fotos“ wählt man vor, wieviele Aufnahmen hintereinander weg geschossen werden sollen. Drei bis fünf ist hier ein optimaler Wert. Mit der „Verzögerung“ gibt man an, wie lange die Kamera bis zur nächsten Fotoserie warten soll. Der Mindestbetrag von fünf Sekunden (nicht mehr!) empfiehlt sich hier und der geeignete Zeitraum für nachtaktive Tiere erstreckt sich von 20:00 Uhr abends bis 06:00 Uhr morgens. Zuletzt die Kamera öffnen und den Schiebeschalter auf „On“ stellen, dann Kamera wieder schließen.

Warum ist das mit Fotoanzahl und Verzögerung so? Bei der Wildkamera handelt es sich um eine Fotofalle. D. h. es werden Zufallsbilder geschossen. Das Meiste davon kann man gleich wegwerfen; da lässt der Wind ein Blatt vorbei fliegen oder bewegt Äste und es ist nichts auf den Fotos drauf. Ein Tier muss schon zufällig in den Erfassungsbereich laufen und das lässt sich nicht planen. Mit steigender Bildanzahl – und mit den o. a. Einstellungen werden schon etliche Bilder geschossen – erhöht sich auch die Chance, dass man brauchbares Bildmaterial erhält. Unscharfe Aufnahmen sind eher die Regel denn die Ausnahme, denn fluchtbereite Wildtiere bewegen sich sehr schnell – nicht selten zu schnell. Das mindert dann die Anzahl brauchbarer Aufnahmen auch nochmal. Es empfiehlt sich, die Speicherkarte täglich zu kontrollieren. Dazu klappt man die Kamera wieder auf, stellt den Schiebeschalter auf „Off“, entnimmt die Speicherkarte und klappt die Kamera wieder zu. Bilder auf den Rechner übertragen, Karte erneut einsetzen und Kamera wieder scharf machen – das geht zumindest sehr viel einfacher als das Ding abzumontieren und per USB anzuschließen. Wunder darf man bei den Bildern nicht erwarten, aber für so ein winziges Objektiv bei denkbar schlechten Lichtverhältnissen ist die Aufnahmequalität doch erstaunlich gut.

Eine Nachbearbeitung der Fotos lohnt sich fast immer. Sollte man Videos aufgenommen haben, dann lassen sich (unter Windows) mit dem „Free Video to JPG Converter“ (einem Installer) Einzelfotos aus dem AVI-Video entnehmen – was sich allerdings nur dann wirklich lohnt, wenn in der Kamera die maximale Videoauflösung von 1920*1080px gewählt worden ist. Zur Bearbeitung der JPG-Fotos empfehlen sich im Falle von Schwarzweiß der „Pog’s Mono Renditionizer“ (portabler 8bf-Filter, läuft bspw. unter IrfanView oder unter XnView) und ansonsten für alle Fotos der portable „JPG Illuminator„. Alle genannten Programme sind Freeware.

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