OK. Es ist Montag. Montage sind nicht gerade meine Lieblingstage. Ich bin wieder im Fahrdienst. Akzeptiert. Mit einem Auto, das mich hasst! Zähneknirschend akzeptiert: Es kommt wieder zum Kampf – der Möchtegerntransformer oder ich! Ich meine, das mit dem Transit und mir nimmt mittlerweile bereits echt persönliche Züge an. Ich habe mit dem Ding binnen der letzten gut hunderttausend Kilometer ja nun schon so einiges erlebt. Daran, dass die Elektrik sich manchmal ausgesprochen kreativ verhält, habe ich mich gewöhnt. Damit, dass die Karre mitunter nicht anspringen will, rechne ich ganz fest. Das ich bereits zweimal vollbesetzt liegen geblieben bin nehme ich dem Auto echt übel. Das andauernd irgendwas kaputt geht ist der Normalfall und da warte ich schon regelrecht drauf. Die Schleuder hat jetzt knapp 200.000km runter. Der Motor ist auch noch locker für die fünffache Fahrleistung gut. Aber der Rest ist bis dahin längst abgefallen und verloren gegangen.

Ich meine, wenn die in der Werkstatt schon sagen „Och, Eckhard, du bist das Fahren mit kaputten Autos doch gewöhnt!„, dann spricht das vielleicht für die Fahrkünste, aber nicht wirklich für das Fahrzeug. Und was habe ich mit dem Transit nicht schon alles erlebt: Beleuchtung hier und Radlager da, zur Auflockerung ’ne Lichtmaschine nebst Batterie; darf’s vielleicht auch ’ne neue Bremsanlage sein? Oder ein Kabelbaum? Wie wär’s mit Türscharnieren oder ’ner Kühlerreparatur? Und warum auch nicht gleich neue Türgriffe, nachdem man die alten in der Hand hat? Und so weiter, endlos. Vom leergefahren übernommenen Auto ganz zu schweigen. Das wichtigste Teil an dem Fahrzeug hat aber von Anfang an gefehlt. Das ist nämlich ein Griff. Draußen dran, zum Wegschmeißen!

Heute also morgens das Auto übernommen und die Gäste eingesammelt. Dauerte, weil zwei Omas noch auf Winterzeit liefen und folglich nicht fertig waren. Merkwürdigerweise aber sprang das Auto auf Anhieb an. Was mich äußerst misstrauisch machte, denn – wie schon gesagt – das Ding hasst mich! Das beruht übrigens auf Gegenseitigkeit. Wenn es meins wäre, dann hätte ich es wahrscheinlich schon längst mit Überredung versucht. Unter Zuhilfenahme eines Vorschlaghammers als Argumentationshilfe!

Die erste Tour verlief bis auf die Omas-Winterzeit-Verzögerung auch ganz zufriedenstellend. Nur fiel mir auf, dass sich die seitliche Schiebetür anfangs doch arg schwer bewegen ließ und dass irgendwo von hinten so ein Geräusch wie von Plastik auf Plastik erklang. Die Ursache dieses Geräusches ließ sich schnell ausmachen: Die Innenverkleidung war dabei abzufallen, weil das Teppichklebeband nachgelassen hatte. Wieder festgedrückt. Die Seitentür wurde mit jedem Fahrgast auch immer leichtgängiger. Zweite Tour. Losgefahren. „KLONK!“ machte es 50m weiter von irgendwo rechts hinten und die Windgeräusche nahmen schlagartig zu. Seitentür einen Spalt breit offen, aber keine diesbezügliche Anzeige auf dem Armaturenbrett. Irgendwo rechts ran gefahren und die Seitentür wieder zugemacht.

Nach hundert Metern ertönte ein „KLONK!“ von irgendwo rechts hinten und die Windgeräusche nahmen schlagartig zu. Seitentür einen Spalt breit offen, aber keine diesbezügliche Anzeige auf dem Armaturenbrett. „Leck mich doch!„, dachte ich und fuhr stur weiter. Drittletzten Gast eingesammelt. Bin noch nicht wieder aus dem Ort draußen, da macht es von irgendwo rechts hinten „KLONK!“ und die Windgeräusche nahmen wieder schlagartig zu. Zähne zusammengebissen – nein, da ist nichts; da kann gar nichts sein! – und weitergefahren. Die letzten Gäste eingesammelt und Rückfahrt. „KLONK!“ machte es von irgendwo rechts hinten und die Windgeräusche nahmen schlagartig zu. War da was? Nein, da war garantiert nichts! Zum Schichtende wanderte dieses motorisierte Wrack (wieder) in die Werkstatt, auf seinen dortigen, angestammten Parkplatz. Wird aber immer wieder repariert, denn der Arbeitgeber muss sparen – koste es, was es wolle! Das war die Frühschicht.

Nachmittags die mobile Heimtücke abgeholt. Tür war nur provisorisch gemacht worden, weil erst Teile bestellt werden mussten. Da ist wohl einiges vom Plastikpofel zerbröselt. Erste Tour – läuft. Na ja, die Bordelektrik spinnt mal wieder. Beim Einschalten der Warnblinke geht die Nebelschlussleuchte mit an, aber das kennt man ja. Wenn’s weiter nichts ist … Der Bordcomputer bräuchte dringend mal ’ne unvergessliche Neuprogrammierung. Mit ’ner Dynamitstange! Zweite Tour und … „Tack-tack-tack-tack-tack!“ sagte das so genannte Auto und mit diesem Geräusch bin ich heute zum dritten Mal vollbesetzt liegen geblieben. Irgendwie mit Werkstatthilfe wieder zum Laufen gekriegt und dann die Leute abgesetzt, dabei bloß nicht den Motor abstellen und bloß kein Licht anmachen! Ist ja nun keineswegs so, dass der Schrotthaufen verkehrsunsicher wäre, ganz im Gegenteil sogar – Autos, die nicht fahren, sind tatsächlich viel verkehrssicherer als alles, was auf unseren Straßen sonst so unterwegs ist! Mal sehen, was mich morgen erwartet. Es gibt nichts schlimmeres als unzuverlässige Autos und was Ford da zusammengeklebt hat, das ist die Fahrzeug-gewordene Unzuverlässigkeit! ICH WILL MEINEN URALTEN VW-KÄFER ZURÜCK, DENN DER LIEF UND LIEF UND LIEF UND …!!! (Bis Kalli und Hörni vom TÜV kamen.)

Passend zum Auto kam mir beim Fahren ein uraltes Lied in den Sinn. Das stammt aus den 1970er Jahren von Schobert & Black und fällt in die Kategorie „Höherer Blödsinn“. Es nennt sich „Die Leiden eines Liedermachers“ und hat als technische Errungenschaft das Auto zum Thema. Da ich es bei Youtube nicht finden konnte lud ich es kurzerhand selbst hoch. Man muss nicht den ganzen Songext kennen, doch die letzte Strophe sollte sich auf jeden Fall unauslöschlich ins Gedächtnis einprägen. Die lautet: „Oh du verdammte Scheißkarre! Morgen kaufe ich mir ein Fahrrad!