Ich habe lange mit mir gerungen und mich gefragt, ob ich den nun folgenden Beitrag so überhaupt bringen kann. Oder ob er nicht vielleicht doch zu persönlich ist, ob er nicht vielleicht die Beteiligten in einem negativen Licht erscheinen lässt. Aber auf der anderen Seite: Es sind nun einmal Tatsachen. Alltäglichkeiten, nicht beschönigt und nicht schlimmer dargestellt als sie sind. Es ist der alltägliche Wahnsinn. Warum also drumrumreden?

Frühschicht, Haushalt, Mittagessen, Spätschicht. Dazwischen: Pflege! Wenn ich nach Hause komme: Pflege! Wenn meine Kollegen bei der Pflege Feierabend haben, drei Kreuze machen und nach Hause gehen können, dann geht für mich die Pflege weiter: 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche. Das ist mein Alltag. Meine Frau und ich, das sind zwei berufstätige Personen. Die kümmern sich um drei Pflegefälle, von denen einer (meine Schwägerin) geistig schwerstbehindert und zudem noch aggressiv und nicht medikamentös eingestellt ist, lt. ärztlichem Attest grenzdebil. Ihr Verhalten folgt einem festen Muster: Zuerst ein paar Tage Ruhe, gefolgt von ein paar Tagen an von Drohgebärden begleiteten, völlig irrationalen Handlungen und schließlich der ungehemmte Angriff gegen andere (ganz gleich wen): Schlagen, Kneifen, Kratzen, Beißen und am liebsten Zustechen mit einem x-beliebigen, spitzen Gegenstand. Auf ausdrückliches Anraten von Pflegeversicherung und MDK führe ich seit gut einem Jahr ein kleines Pflegetagebuch. Darin wird der alltägliche Wahnsinn dokumentiert. Wie sieht diese häusliche Pflege aus? Hier sind mal ein paar klitzekleine Auszüge aus den vergangenen vier Wochen.

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03.07.18: Wir sind zurück aus dem dringend nötigen Urlaub. Schwiegervater hat seine Medikamente zwar eingenommen, aber inwiefern das regelmäßig geschehen ist, bleibt fraglich. Schwiegermutter hat die Einnahme ihrer Medikamente durchweg verweigert und auch weder im Garten noch im Haushalt irgendetwas getan, weil sie sich permanent „erstmal hinlegen“ musste. Meine Schwägerin begegnet mir, kaum dass sie meiner ansichtig wird, mit Zähnefletschen, Fäusteschütteln und Schlagversuchen. Das Dreckloch der Pflegefälle stinkt genauso abartig wie seine Bewohner, die weder auch nur rudimentäre Körperpflege betrieben noch wenigstens einmal ihre Dreckwäsche gewechselt haben: Der unerträgliche Mief wabert mittlerweile bereits bis ins OG hoch. Schwägerin hat bereits sortiertes Leergut in unserem Keller gründlich durcheinander gebracht und ich sortiere das alles neu. Nach Absprache kümmere ich mich um den eigenen und meine Frau um den Haushalt zzgl. der Wäsche der Pflegefälle. Medikamentenzuteilung bei Schwiegervater (Wochenration) und Dahinterstehen während der Einnahme durch mich.

04.07.18: Meine Frau kümmert sich ganztägig um Haushalt und Wäsche der Pflegefälle. Schwägerin hat in unserem Keller schon wieder das Leergut durcheinander gebracht und ich sortiere das neu. Ferner hat sie Müll i. d. Waschküche verteilt und Restmüll in den Verpackungsmüll gekippt. Ich sortiere auch das (appetitlich geht anders!) und beseitige die Sauerei i. d. Waschküche. Zudem schleppt sie Lebensmittel a. d. Kühlschrank der Pflegefälle in unsere Küche, was ich rückgängig mache. Ich erledige Einkäufe f. d. Pflegefälle und koche denen Essen. Medikamentenzuteilung bei Schwiegervater und Dahinterstehen während der Einnahme durch mich.

05.07.18: Schwiegermutter ergeht sich bei der kleinsten Kleinigkeit in lautstark gebrüllten, unflätigen Beschimpfungen: Sie hat jegliches Augenmaß für das soziale Miteinander verloren und kultiviert einen unerträglichen Egoismus. Ferner klagt sie über Leibschmerzen, weil sie zu wenig getrunken hat und dehydriert ist. Von mir nimmt sie nichts zum Trinken an, wohl aber von meiner Frau und anschließend geht es ihr binnen Rekordzeit besser. Ich erledige Arztgänge f. d. Pflegefälle. Schwiegervater wird, als er stürzt, von mir aufgefangen. Medikamentenzuteilung bei ihm und Dahinterstehen während der Einnahme durch mich. Angriff seitens meiner Schwägerin gegen meine Frau (wird abgewehrt).

06.07.18: Ich erledige Apotheken- und Arztgänge f. d. Pflegefälle. Schwägerin – sie begegnet mir mit Drohgebärden i. Form v. Schlagversuchen – hat Biomüll in die Altpapiertonne gekippt. Ich sortiere die unappetitliche Schweinerei. Angriff von ihr gegen Schwiegervater, wobei er verletzt wird. Ich repariere hinter Schwiegermutter her (Spülmaschine). Medikamentenzuteilung bei Schwiegervater und Dahinterstehen während der Einnahme durch mich.

07.07.18: Meine Frau kümmert sich um d. Haushalt der Pflegefälle. Als sie Schwägerin die stinkenden Lumpen ausziehen und die neu einkleiden will, kommt es unvermittelt zum Angriff (meine Frau wird verletzt). Später schleppt Schwägerin mehrfach angefressene Lebensmittel in unseren Kühlschrank. Als ich das Zeug (gleichfalls mehrfach) zurück bringe, ergeht sie sich (auch mehrfach) übergangslos in zahlreichen Angriffen (über zehn) gegen mich (wird abgewehrt). Schwägerin nimmt triefnasse Wäsche von der Leine und packt die in ihren Schrank. Als meine Frau und Schwiegermutter dagegen einschreiten, kommt es zu Angriffen gegen beide (mit Verletzung Schwiegermutter). Meine Frau und ich kommen darin überein, ihr aufgrund der grundlosen Aggressivität jetzt doch mal das zur Beruhigung verschriebene Melperon versuchsweise zu verabreichen. Schwiegervater als offizieller Vormund ist allerdings strikt dagegen, so dass das im Bedarfsfall heimlich geschehen muss. Wir tätigen Einkäufe f. d. Pflegefälle. Gesundheitsmonitoring bei allen, Medikamentenzuteilung bei Schwiegervater und Dahinterstehen während der Einnahme durch mich. Umfangreiche Aufbereitung der Gesundheitsdaten von den Pflegefällen f. deren Hausarzt durch mich.

09.07.18: Zahlreiche Angriffe v. Schwägerin gegen meine Frau, als die sie zwecks Friseurbesuch umziehen will. Schwägerin zieht dabei alle Register, tickt komplett aus und wirft auch Mobiliar im Wohnzimmer der Pflegefälle um bzw. durch die Gegend. Schließlich bleibt sie dreckig und stinkend und meine Frau geht mit ihr eben so zum Friseur. Wir erledigen Einkäufe f. die Pflegefälle. Schwägerin hat indessen unbeaufsichtigt bergeweise alte Putzlappen in unsere Wohnung geschleppt und damit unsere Küchenschränke vollgestopft. Wir beseitigen den Mist. Medikamentenzuteilung bei Schwiegervater und Dahinterstehen während der Einnahme durch mich.

15.07.18: Nachfeier von meinem 60. Geburtstag und der Tisch in der Gaststätte ist schon lange vorbestellt. Schwiegermutter pennt bis 10:30 Uhr und verkündet völlig unerwartet (am Vorabend klang das nämlich noch gänzlich anders), dass sie nicht mit will. Schwägerin schlägt in die gleiche Kerbe und ergeht sich darüber hinaus in einem Angriff gegen meine Frau. Beide Pflegefälle bleiben zuhause. Schwiegervater kommt mit, bekleckert sich reichlich beim Essen und pisst noch in der Gaststätte ein. Ich begleite ihn beim Toilettengang und helfe ihm bei der Säuberung. Zuvor wurde das Tragen von Pants (von denen reichlich vorhanden sind) seinerseits mit der üblichen Begründung, er sei kein Baby mehr, kategorisch abgelehnt. Stattdessen macht er sich lieber zum Affen – aber soweit kann er nicht mehr denken: Es lebe der überbordende Altersstarrsinn! Als die Kellnerin ihn fragt, welches Getränk er denn haben möchte, kommt als stereotype, ständig wiederholte Antwort: „Weiß ich nicht. Irgendwas!“ Schließlich bestelle ich für ihn. Da er sein Gebiss nicht eingesetzt hat, schlingt er nur wenige Brocken vom Essen unzerkaut runter und klingelt hinterher zuhause bei uns Sturm, weil er Hunger hat. Meine Frau macht ihm Essen: So kann man auch bei einer Feier alles versauen! Die Pflegefälle sind nur noch hochnotpeinlich! Die anderen Gäste (viele!) sehen pietätvoll darüber hinweg; insbesondere Verwandtschaft von meiner Seite fragt aber, inwieweit er überhaupt noch zurechnungsfähig ist. Dabei ist Schwiegervater sogar noch der mental fitteste Pflegefall von allen! Medikamentenzuteilung bei Schwiegervater und Dahinterstehen während der Einnahme durch mich. Schwägerin hat eingepisst oder/und eingeschissen und läuft daher unten ohne rum, weil sie keine Schlüpfer mehr findet. Schwiegermutter kümmert das alles nicht, denn die muss sich in ihrem unendlichen Phlegmatismus den ganzen Tag über „erstmal hinlegen“. Bei allem Wohlwollen: Schwiegermutter ist nicht mehr im Entfernstesten dazu in der Lage, Schwägerin auch nur noch in irgendeiner Form ansatzweise zu pflegen! Meine Älteste (die als Gast auch zugegen ist) bemerkt, dass Schwiegermutter sich hemmungslos gehen sowie nach Strich und Faden bedienen lässt, seit wir aus dem Urlaub zurück sind. Die Küche der Pflegefälle sieht wie ein Scheißhaus aus und die Bewohner dieses Scheißhauses kümmert das nicht im Mindesten.

16.07.18: Schwägerin hat schon wieder eingeschissen und/oder eingepisst und rennt mangels Schlüpfern unten ohne rum. Meine Frau erledigt die Wäsche der Pflegefälle. Deren wie ein Scheißhaus aussehende Küche ist mit noch mehr Schmutzgeschirr zugemüllt worden und darüber kreist ein Atompilz von Fliegen. Das Mittagessen haben sie vergammeln lassen, weil es bei 33°C im Schatten draußen gestanden hat – die schlingen den verdorbenen Krähenfraß trotzdem runter (igitt!). Ich repariere hinter Schwiegermutter her (Sat-Receiver). Sie erweist sich – wieder einmal – als unfähig, ihren Fernseher zu bedienen. Sie will, dass Zwei und Drei eingeschaltet wird, meint aber in Wirklichkeit Dreiundzwanzig, bloß ist ihr dieser Begriff hoffnungslos entfallen. Alle Pflegefälle stehen erst auf, als ich von der Frühschicht komme und legen sich wieder hin, kurz bevor meine Spätschicht beginnt und folgern daraus messerscharf: Der macht ja gar nichts! Der sitzt den ganzen Tag über nur rum und bohrt in der Nase! Ich könnte ob dieser undankbaren Ignoranz kotzen und lasse die das auch wissen, woraufhin ich – natürlich, denn wie könnte es auch anders sein – der Bösewicht bin. Schwiegervater versucht, mir vorzuschreiben, was ich am nächsten Tag zu tun habe und als ich das mit der Begründung, arbeiten zu müssen, ablehne, da heißt es wieder einmal: „Du arbeitest ja gar nicht!“ Schwiegervater ist offensichtlich mittlerweile ebenso unzurechnungsfähig geworden wie seine Frau und seine geistig behinderte Tochter. Schwiegermutter kümmert sich tagsüber um rein gar nichts, denn die muss sich die ganze Zeit über „erstmal hinlegen“, um ihre zwei Zentner Kampfgewicht zu pflegen. Sie verweigert seit Tagen massiv jegliche Medikation. Medikamentenzuteilung bei Schwiegervater und Dahinterstehen während der Einnahme durch mich.

18.07.18: Wie jeden Mittwoch kommt die Sozialstation, um Schwägerin zu baden. Schwägerin hat ihr Bett vollgeschissen – die Scheiße liegt noch da drin – und kriegt nach dem Baden wieder die Scheißeklamotten an, weil sie sich aggressiv gegen frische Wäsche sträubt. Schwiegermutter kümmert das alles nicht; die lässt sogar die Scheiße – welche zufällig seitens der Sozialstationsmitarbeiterin bemerkt wird – liegen, weil sie sich den ganzen Tag über „erstmal hinlegen“ muss. Ihr unerträglicher Phlegmatismus führt zur äußerst lautststarken, verbalen Auseinandersetzung mit der Schwester von der Sozialstation, wobei Schwiegermutter im Verlauf dieser Auseinandersetzung (die selbst bei uns im OG deutlich zu vernehmen ist) ausgesprochen ausfällig-beleidigend wird. In der Küche der Pflegefälle krabbeln kleine, schwarze Käfer rum (weil die im dortigen Dreck massenhaft Nahrung finden), aber das Ungeziefer stört die Pflegefälle nicht im Mindesten. Schwägerin sitzt nach dem Baden rum, versucht ihre Zahnprothesen rauszuprokeln und stinkt nach Scheiße. Medikamentenzuteilung bei Schwiegervater und Dahinterstehen während der Einnahme durch mich.

21.07.18: Ich tätige Einkäufe für d. Pflegefälle. Meine Frau und ich machen Essen für die. Meine Frau erledigt deren Haushalt und Wäsche, weigert sich aber verständlicherweise angesichts der von Schwiegermutter veranstalteten Sauerei irgendwann. Alles steht bei denen mit schmutzigem Geschirr voll: Tisch, Arbeitsplatten, Spüle und darüber kreisen Fliegen. In deren Schränken befindet sich gar nichts mehr. Schwiegermutter glänzt durch absoluten Phlegmatismus, muss sich den ganzen Tag über „erstmal hinlegen“ und brüllt dabei lautstark rum, wieviel sie doch arbeiten müsste, was sie alles machen und dass ihr keiner helfen würde – dabei liegt sie seit gut zwei Jahren bloß noch rum, rührt keinen Finger mehr, lässt sich alles (aber auch wirklich alles!) vor den Arsch bringen, betrachtet uns als 24h-Dienstpersonal und verfettet mangels Bewegung. Gesundheitsmonitoring bei allen Pflegefällen, Medikamentenzuteilung bei Schwiegervater und Dahinterstehen während der Einnahme durch mich. Schwägerin rennt bei 33°C im Schatten mit dicker Winterkluft rum und verweigert aggressiv jegliche Sommerbekleidung. Es stinkt in deren Wohnung!

23.07.18: Schwiegermutter lässt sich nach Herzenslust gehen und rührt keinen kleinen Finger, muss sich den ganzen Tag über „erstmal hinlegen“. Trotz intensiver Reinigungsarbeiten seitens meiner Frau am Vortag sieht die Pflegefälle-Wohnung schon wieder wie ein Scheißhaus aus. In der Küche steht jede einzelne Ablagefläche mit Schmutzgeschirr voll und darüber kreisen Fliegen; zum Ausgleich dafür sind die Schränke leer. Am Fußboden klebt man fest. In den anderen Zimmern liegt Schmutzwäsche rum und stinkt. Die Wollmäuse spielen Kriegen. Schwägerin (die bei 33°C im Schatten dicke Winterkleidung trägt und jegliche Körperhygiene aggressiv verweigert) stinkt mangels Duschen drei Meilen gegen den Wind. Schwiegermuter verweigert schon seit Tagen jegliche Medikation. Schwiegervater stinkt, weil er schon ewig nicht mehr geduscht hat und die Ansicht vertritt, dass Schwitzen und einmal im Halbjahr duschen völlig ausreichen. Schwiegermutter verlangt von meiner Frau, dass die nach der Arbeit deren Wäsche, Haushalt und den Garten in Rekordzeit auf die Reihe bringt. Das führt zur lautstarken Auseinandersetzung zwischen meiner Frau und der unflätige Beschimpfungen brüllenden Schwiegermutter, woraufhin meine Gattin in Streik tritt. Medikamentenzuteilung bei Schwiegervater und Dahinterstehen während der Einnahme durch mich.

25.07.18: Schwägerin bringt in unserem Keller sortiertes Leergut durcheinander. Ich komme darauf zu und sage ihr, dass sie das lassen soll, was mit Drohgebärden (Schlagversuche) beantwortet wird. Ich sortiere das Zeug neu. Sie hat eingepisst und eingeschissen und ihre so verdreckte, stinkende Unterwäsche auf der Kellertreppe verteilt. Schwiegervater stolpert darüber und kann meinerseits gerade so eben im letzten Augenblick vor einem Sturz die Treppe hinunter bewahrt werden. Schwägerin schmeißt Schmutzwäsche zwischen die nicht weggeräumte, saubere Wäsche und verweigert nach dem Duschen durch das DRK aggressiv das Tragen frischer Kleidung. Sie geht i. d. Keller und zieht das seit drei Wochen stinkende und in d. Schmutzwäsche liegende Zeug wieder an. Schwiegermutter kümmert das alles nicht, denn die muss sich den ganzen Tag über „erstmal hinlegen“. Im Tagesverlauf ruft Schwiegermutter dann um Hilfe, weil ihr ja „sooo schlecht und schwindelig“ ist und weil sie „soooo ’ne Schmerzen“ hat. Ich bringe in Erfahrung, dass sie bei 37°C im Schatten bislang allerhöchstens 1/4 Liter Flüssigkeit aufgenommen hat und folglich total dehydriert ist. Gegen ihren Willen – weil das Zeug ja nicht aus der Apotheke stammt und daher auch gar nicht helfen kann – flöße ich ihr einen Liter Wasser ein. Eine halbe Stunde später geht es ihr plötzlich schon wesentlich besser, welches Wunder … Nach vorausgegangenem „Wir brauchen nichts; wir haben alles“ folgt ein „Wir haben nichts mehr zum Essen!“, woraufhin meine Frau und ich unmittelbar vor Geschäftsschluss einen Mega-Lebensmitteleinkauf für die Pflegefälle tätigen, der bei den drei Personen für mindestens eine Woche (wenn nicht sogar zwei) ausreicht. Die Waren können jedoch nicht direkt in den Kühlschrank der Dreckschweine eingeräumt werden, weil darin seltene Schimmelsorten (zentimeterhoch!) und Ungeziefer (Fliegen, Käfer, Maden) gezüchtet werden. Meine Frau übernimmt dessen unappetitliche Reinigung. Medikamentenzuteilung bei Schwiegervater und Dahinterstehen während der Einnahme durch mich.

26.07.18: Schwägerin hat Schmutzgeschirr der Pflegefälle i. unseren Keller geschleppt. Ich beseitige den Mist. Schwiegervater hat volle Granate eingeschissen und die Scheiße i. d. ganzen Pflegefälle-Wohnung verteilt. Meine Frau und Schwiegermutter machen das sauber. Schwiegermutter allerdings wäscht die ätzend-atemberaubend stinkenden Lumpen von ihm nicht aus, sondern schmeißt die bloß in einen Eimer, den sie auf die Kellertreppe stellt. In Folge durchzieht der unerträgliche Scheißhausgestank bei 39°C im Schatten das gesamte Haus! Meine Frau schmeißt das Zeug dann ins Wasser. Schwiegervater, dem die Scheiße an den Beinen runtergelaufen ist, wird von meiner Frau zum ersten Mal seit Monaten zwangsgeduscht, nachdem ich ihm gegenüber sehr lautstark werden musste, da Schwiegervater sich mit Händen und Füßen gegen das Duschen wehrte. Da zu vermuten ist, dass das Ganze auf einer Lebensmittelvergiftung basiert und er (wieder einmal!) total vergammelten Dreck in sich reingeschüttet hat, besorgt meine Frau vom Hausarzt Medikamente für ihn. Schwägerin hat eingepisst oder/und eingeschissen und rennt unten ohne rum, weil sie keine Schlüpfer mehr findet. Als ich ihr sage, dass sie wenigstens eine Hose anziehen soll, kommt es unvermittelt und umgehend zum Schlagangriff ihrerseits (wird abgewehrt): Die Pflegefälle sind unzurechnungsfähige und unkooperative Dreckschweine – alle! Schwiegervater hat den ganzen Tag über jegliche Medikation verweigert – er steuert bewusst wieder auf einen Zusammenbruch hin. Zwischen ihm und mir kommt es deswegen zur lautstarken, heftigen Auseinandersetzung. Spätabends stürzt er dann schwer bzw. ist wegen fehlender Medikation zusammengeklappt. In Folge will er die gesamte Tagesration an Medikamenten für den Folgetag auf einmal auffressen, wovon ich ihn abhalte und was noch einmal in einer lautstarken Auseinandersetzung, bei der Schwägerin unvermittelt mit Fäusten auf mich losgeht (wird abgewehrt), mündet. Schwiegermutter klingelt so lange bei uns Sturm, um mir etwas zu erzählen, was sie längst wieder vergessen hat, bis ich, nachdem das hirnlose Klingeln im Minutentakt erfolgt ist und ich zwanzigmal umsonst die Treppe rauf und runter rannte, die Klingel abstelle. Wozu um alles in der Welt opfert man eigentlich noch soviel Pflegezeit für die???

28.07.18: Die Pflegefälle sind um 10:00 Uhr aufgestanden und Schwiegermutter klingelt bei uns Sturm. Sie verlangt mit den Worten „du arbeitest ja gar nicht – du kannst auch mal was tun“ ultimativ, dass ich denen den Frühstückstisch decke – was ich verweigere. Phlegmatie und Faulheit gut und schön, aber derartige Kleinigkeiten kann sie nun wirklich noch selbst erledigen! Währenddessen bemängelt Schwiegervater, dass die hungern müssten, weil nichts mehr zum Essen da wäre – wie jetzt, nach dem Megaeinkauf von vor 3 Tagen? Des Rätsels Lösung: Schwägerin hat viele der Lebensmittel aus dem Kühlschrank genommen und i. d. Küche sowie in deren Keller verteilt, wo das Zeug bei 39°C in Rekordzeit vergammelt ist. Meine Frau kann gerade noch verhindern, dass Schwiegervater schon wieder den verschimmelten Müll in sich reinschaufelt. Wir tätigen daraufhin unabhängig voneinander und jeweils mehrfach Einkäufe für die Pflegefälle (dauert!), weil die sogar zum Schreiben eines simplen Einkaufszettels unfähig sind. Als ich die Frischwaren in deren Kühlschrank packe begegnet Schwägerin mir mit Drohgebärden (Schlagversuche). Ich behandle Schwiegervaters Rippenverletzung von dem Sturz vor zwei Tagen. Da er in seinem Starrsinn glaubt, immer noch ohne Rollstuhl, Rollator oder Gehhilfe auskommen zu können, legt er sich andauernd auf die Fresse: Selbst Schuld; jeder hat ein Recht auf Sturz! Aber wir können dann stundenlang im Krankenhaus auf sein Untersuchungsergebnis warten. Meine Frau kümmert sich um deren Wäsche und kocht Essen f. d. Pflegefälle. Schwiegervater hat in seiner unendlichen Einfalt und in seinem absoluten, technischen Unverständnis die gesamte Heizungsanlage stromlos gemacht und somit die Warmwasserversorgung im ganzen Haus lahmgelegt – ich mache das rückgängig. Abends gegen 19:00 Uhr – es ist Samstag und alle Geschäfte haben längst geschlossen – sollen wir noch einmal für Schwiegermutter einkaufen. Was aber nicht funktioniert und weswegen das Pflegepersonal (O-Ton) „sich nie um sie kümmert“: Schwiegermutter hat keinerlei Zeitgefühl mehr und kultiviert einen gepflegten Egoismus. Beim wöchentlichen Gesundheitsmonitoring treten Probleme auf: Schwiegermutter hat Saft i. d. Küche verschüttet, alles breitgematscht und man bleibt überall – Fußboden, Tisch etc. – kleben. In ihrer Spüle stapelt sich das Schmutzgeschirr und darüber kreisen Fliegen. Sie kümmert das nicht, denn sie musste sich den ganzen Tag über „erstmal hinlegen“. Saubermachen ist ihr zu anstrengend. Zum Monitoring wird aber ein gewisser, halbwegs sauberer Mindestraum benötigt: Ich beseitige daher einen Teil der Sauerei, während Schwägerin das mit Drohgebärden (Fäusteschütteln und Zähnefletschen) begleitet. Schwiegervater wird, als er sich hinsetzen will, von mir vor einem Sturz bewahrt. Gesundheitsmonitoring bei allen Pflegefällen, Medikamentenzuteilung bei Schwiegervater und Dahinterstehen während der Einnahme durch mich. Inwieweit Schwiegermutter ihre Medikamente eingenommen hat ist nicht zu ermitteln. Deren ganze Wohnung stinkt penetrant nach Scheiße – weiß der Teufel woher. Was aber auch kein Wunder ist, wenn niemals gelüftet wird (es könnten ja Einbrecher einsteigen) und wenn den ganzen Tag über ständig die Jalousien runter sind (damit die „bösen Nachbarn“ nicht in die Wohnung gucken können). Meine Frau kümmert sich bis Mitternacht um das Dreckloch der Pflegefälle, damit das wenigstens wieder halbwegs für Menschen bewohnbar wird.

29.07.18: In den frühen Morgenstunden werden wir durch lautes Geschrei geweckt und begeben uns höchst alarmiert zu den Pflegefällen, weil wir annehmen müssen, dass dort schon wieder etwas passiert ist. Doch Entwarnung: Es handelt sich „nur um eine ganz normale Unterhaltung“, die deswegen so extrem lautstark geführt wird, dass andere in einer anderen Wohnung davon wach werden, weil die Hörgeräte unauffindbar verlegt worden sind. Wir kochen Essen f. d. Pflegefälle, weil Schwiegermutter sich in ihrer unendlichen Lethargie „erstmal hinlegen“ muss und Schwiegervater nicht fähig ist, für sich selbst zu sorgen (scheitert schon an Tütensuppe, dem Kochen von Eiern oder dem Warmmachen von Würstchen). Schwägerin begegnet mir mit Drohgebärden (Schlagversuche), greift mehrfach Schwiegermutter an (Wurfangriffe mit verschiedenen Gegenständen – das ist jetzt echt neu …) und prokelt sich in einem Akt von selbstverletzendem Verhalten zwei Zähne aus dem Kiefer. Medikamentenzuteilung bei Schwiegervater und Dahinterstehen während der Einnahme durch mich. Meine Frau kümmert sich um Schwiegervaters Rippenverletzung, weil der meine Hilfe ablehnt, denn ich bin „nur angeheiratet“.

30.07.18: Schwiegermutter klingelt bei uns Sturm, weil sie will, dass ich die gleichen Einkäufe wie vorgestern noch einmal tätige. Sie hat längst wieder vergessen, dass die Lebensmittel noch unangetastet bereits im Keller liegen. Schwiegervater verlangt ob seiner sturzbedingten Rippenprellung nach Franzbranntwein, weil (O-Ton) „die im Krieg auch immer alles damit eingerieben haben“. Meine dahingehende Argumentation, dass es sich bei Franzbranntwein um verdünnten Spiritus handelt, der oberflächlich desinfiziert und die Haut austrocknet, bei Prellungen aber unwirksam ist, vermag er nicht zu folgen, weil das irgendwie in seinem Oberstübchen nicht mehr ankommt: Es ist wirklich um Größenordnungen zweckmäßiger, mit einem Backstein über Quantenphysik zu diskutieren! Als ich ihm die geprellte Partie mit Dichlofenac einreiben will stellt sich raus, dass die Tube im Schweinestall der Pflegefälle seit gestern abend unauffindbar verschwunden ist. Endlose, vergebliche Sucherei folgt: Ja, dann eben nicht. Dann muss er aushalten. Schwiegermutter besteht darauf, dass ich trotzdem einkaufe, weiß aber nicht, was einzukaufen ist. Ich lehnt das mit der Begründung, zur Arbeit zu müssen ab, woraufhin das übliche „Arbeit? Du arbeitest ja gar nicht!“ folgt. Ich könnte ihr ob dieser Ignoranz jedesmal die Fresse polieren und halte mich gewaltsam zurück, weil die das in ihrer fortgeschrittenen Demenz einfach nicht mehr rafft. Schwägerin begegnet mir mit Drohgebärden (Schlagversuche). Medikamentenzuteilung bei Schwiegervater und Dahinterstehen während der Einnahme durch mich.

31.07.18: Ich tätige Einkäufe f. die Pflegefälle. Schwägerin begegnet mir mit Drohgebärden (Schlagversuch) und rennt bei 38°C im Schatten in dicker Winterkluft rum. Als sie dazu aufgefordert wird, sich hinsichtlich Sommerbekleidung umzuziehen, geht sie mit einem Kneifangriff auf meine Frau (wird verletzt) und mit zwei Schlagangriffen auf mich los (wird abgewehrt). Zusammen schaffen wir es dann aber doch noch, sie umzuziehen (einer hält sie gewaltsam fest und einer zieht sie um). Medikamentenzuteilung bei Schwiegervater und Dahinterstehen während der Einnahme durch mich. Meine Frau kümmert sich stundenlang um die seitens Schwiegervater vor mir verheimlichten und liegengebliebenen Schreiben der Krankenkasse. Die Küche der Pflegefälle sieht wieder aus wie ein Scheißhaus: Auf jeder nur erdenklichen Ablagefläche steht Schmutzgeschirr rum und dazwischen gammeln überall Essensreste vor sich hin; die Schränke sind leer und am Fußboden klebt man fest. Über allem kreisen Fliegen. Schwiegermutter kümmert das nicht, denn die muss sich den ganzen Tag über „erstmal hinlegen“.

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Soweit die Auszüge aus meinem Pflegetagebuch; soweit der ganz alltägliche Wahnsinn. Wer will mit mir tauschen? Klar, man könnte die Hilfe einer Sozialstation beanspruchen. Das wurde auch schonmal versucht. Aber das ist unerwünscht, „weil Fremde im Haus nichts zu suchen haben“. Die Kollegin wird ergo gar nicht erst reingelassen. Der öffnet man ebensowenig wie bspw. dem Briefträger, dem Schornsteinfeger oder dem Paketboten. Klar, man könnte eine Tagespflege besuchen, aber man „will mit Fremden nichts zu tun haben“. Und gewaltsam kann ich die Pflegefälle ohne Entmündigung nicht dahin zwingen. Zumindest bei Schwiegervater mit seinem „offiziellen“ Pflegegrad 2 ist lt. MDK ja noch volle Geschäftsfähigkeit gegeben. Auch wenn diese Einstufung m. E. nur zwecks Kosteneinsparung ganz bewusst viel zu niedrig vorgenommen worden ist. Klar, man könnte eine Haushaltshilfe engagieren (das Pflegegeld ist ja da) aber „dann kommen nur Polen und die klauen oder die schicken uns sogar Scwarze“. Mit meiner Ansicht, dass die alle drei längst schon Fälle für’s Heim sind, bin ich leider in der Minderheit. Die wollen eben nicht – Punkt! Unkooperatives, ablehnendes Verhalten wird ganz, ganz groß geschrieben. Ich bemerke das auch nur allzu oft selbst, wenn ich von denen wieder einmal mit der Begründung „Das geht dich alles nichts an weil du nur angeheiratet bist!“ rausgeschmissen werde. Also so alle zwei bis drei Tage.

Schwiegermutter ist jetzt 80 Jahre alt. Schwiegervater ist 86. Meine Schwägerin ist 58. Bevor ich da einen u. U. jahrelangen Prozess ohne Rückendeckung durch meine Frau vom Zaun breche lasse ich lieber der Natur ihren Lauf – so oder so. So hart das auch klingen mag: Entweder das Problem löst sich in absehbarer Zeit auf ganz natürliche Weise von selbst oder ich komme irgendwann von der Arbeit nach Hause und finde ob der tatkräftigen Mithilfe meiner Schwägerin (die lt. Aussagen diverser, um Hilfe gebetener Pflegedienste in die Geschlossene gehört) Leichen vor. Dann ist es an der Polizei, die allesamt abzutransportieren. Meine Frau will das alles nicht so sehen, denn Demenz … das passiert immer anderen und ganz woanders und sehr weit weg, aber doch nicht ihren Eltern! Denn sie wissen nicht, was sie tun: Die verhalten sich wie trotzige, alles austestende Kleinkinder, bei denen man ständig dahinter stehen muss, das aber nicht kann. Einerseits fordern sie Hilfe ein und andererseits weisen sie die so ziemlich zeitgleich zurück.

Würde man die alleine lassen, dann wären die binnen eines Monats im eigenen Dreck erstickt oder verhungert. Für zurechnungsfähig (im Sinne von Eigenverantwortlichkeit) halte ich die alle nicht (mehr). Aufgrund des durch und durch unkooperativen Verhaltens – leider nicht nur mir gegenüber – habe ich meine Hilfeleistungen bei denen seit Jahresanfang bis auf ein Minimum runtergefahren, so dass es jetzt „nur“ noch 25-30 Wochenstunden sind, mithin also mehr als einem Halbtagsjob entspricht. Deswegen sieht es bei denen auch oftmals ziemlich verheerend aus. Meine Gattin und ich haben das weitgehend aufgeteilt: Ich kümmere mich vorwiegend um unseren und sie sich wann immer möglich um deren Haushalt. Was allerdings nicht ausreicht, wenn von denen zwei Stunden nach ausgiebigem Putzen alles wieder in den vorherigen, dreckig-chaotisch-stinkenden Zustand versetzt worden ist. Aber das raffen die nicht mehr. Dazu haben die schon viel sehr abgebaut.

Vielleicht noch ein abschließendes Wort über meine Schwägerin: Mir ist durchaus bewusst, dass ich ihr „Lieblingsfeind“ bin. Weil ich mich im Gegensatz zu allen anderen gegen sie zur Wehr setze, immer darauf bedacht, sie durch Abwehrmaßnahmen möglichst nicht zu verletzen. Alle anderen tun das nicht – die stecken die Angriffe u. d. h. das Kneifen, Kratzen, Schlagen, Zustechen und Beißen widerstandslos ein. Wenn ich das auch tun würde, dann könnte ich das hier schon nicht mehr schreiben. Dann wäre ich nämlich schon längst mit einer Grabegabel aufgespießt, mit einer Gartenschere abgestochen oder mit einem Rechen erschlagen worden. Aber im Juli ging’s eigentlich; da hat sie sich, mit im Mittel nur einem Angriff alle drei Tage gegen mich, doch sehr zurückgehalten. Denn auch durchschnittlich drei Angriffe täglich gegen mich kommen häufiger vor. Insbesondere dann, wenn sie sich in einem Akt der Selbstverletzung Schmerzen zugefügt hat. Dann ist sie nämlich unberechenbar und geht grundlos und blindlings unvermittelt auf alles und jeden los, auch gegen Dritte. Die o. a. Zahlenangaben betreffen daher auch nur mich alleine; die Angriffe gegen andere bleiben dabei unberücksichtigt und kommen eigentlich noch hinzu. Pants gegen ihre Unsauberkeit sind illusorisch, denn das verläuft wie o. e. mit dem Umziehen und die hat sie sich schneller wieder vom Leib gerissen als man ihr die anlegen kann. Ergo stinkt sie und bleibt wie sie ist, was letztlich auf eine schleichende Verwahrlosung hinaus läuft …

PS: Selbstverständlich sind sowohl die zuständige Kranken- wie auch die zuständige Pflegekasse schriftlich und aktenkundig über diese Zustände in Kenntnis gesetzt worden und werden auch immer und immer wieder auf’s Neue telefonisch daran erinnert. Aber von deren Seite kommt … – rein gar nichts! Das „Warum“ dabei ist natürlich sonnenklar: Wegsehen ist billiger … Die verstecken sich nämlich hinter der „Einzelfallbetrachtung“ und sehen das Ganze nicht. Wollen es wohl auch nicht sehen … Das ist eben die Pflegewüste Deutschland.