So, meine diesjährige Chilisaison ist nun auch endgültig gelaufen. Hier ist (wie schon in meinem alten Blog üblich) der Rückblick. Von dem „Außer-der-Reihe“-Zeug zum Naschen mal abgesehen, hat meine Loreley-Zucht in zwei Balkonkästen genau 174 Früchte gebracht. Loreley habe ich den Genshake übrigens gemäß der Textzeile „… ich weiß nicht was soll es bedeuten …“ im Loreley-Lied genannt. Aber der Reihe nach. Beginnen wir zunächst mit dem „Außer-der-Reihe“-Zeug zum Naschen.

Zucht 1

Sorte: Unbekannt (ein Mix aus roten und schwarzen „Blumentopf-Nasch-Chilis“ von Netto)
Aussaat: 12.11.2017
Behälter: 2*8cm-Blumentöpfe
Erste Keimung: 26.11.2017
Erste Blüte: 18.03.2018
Bestäubung: Mittels feinem Pinsel und durch Schütteln der Blüten
Ansetzen erster Früchte: 27.03.2018
Erste Ernte: 22.04.2018
Letzte Ernte: 12.07.2018
Sonstiges: Diese beiden Sorten zeichnen sich durch einen aromatisch-würzigen Geschmack aus. Die schwarzen Chilis (sie sind bereits essbar und weisen ein Dill-artiges Aroma auf) reifen nach längerer Pause nach rot hin ab und werden dann auch schärfer. Sie müssen anschließend aber beizeiten abgenommen werden, da sie nach dem Rotfärben recht schnell zum Faulen tendieren. Die rote Sorte dagegen ist von Anfang an ziemlich feurig, benötigt zur Reifung allerdings mindestens vier Wochen länger als die schwarze Sorte. Die „Blumenpott-Nasch-Chilis“ wurden entkernt (Saatgutgewinnung für die kommende Saison!) und zerkleinert eingefroren. Das wanderte dann immer so nach und nach an diverse Mahlzeiten und hat sich sehr schnell verbraucht. Auffällig: Erstmals seit Jahren lag bei diesen vorwiegend in der Wohnung gezogenen Pflanzen KEIN Befall durch Blattläuse und Weiße Fliege vor.

Zucht 2

Sorte: Höchstwahrscheinlich indonesisches Rawit
Aussaat: 26.11.2017
Behälter: 1*18cm-Blumentopf
Erste Keimung: 06.12.2017
Erste Blüte: 10.06.2018
Bestäubung: Mittels feinem Pinsel
Ansetzen erster Früchte: 22.06.2018
Erste und letzte Ernte: 20.08.2018
Gewöhnung an draußen (Balkon): 10.04.2018 1h, 11.04.2018 1h, 14.04.2018 1h, 15.04.2018 2h, 18.04.2018 1h, 19.04.2018 4h, 20.04.2018 4h, 21.04.2018 6h, 27.04.2018 3h, 02.05.2018 6h, 03.05.2018 7h, 04.05.2018 7h, 05.05.2018 10h, 06.05.2018 8h, 07.05.2018 8h, 08.05.2018 6h, 09.05.2018 6h, 11.05.2018 4h, 12.05.2018 8h
Dauerhaft raus auf den Balkon ab: 14.05.2018
Sonstiges: Ich hätte nie gedacht, dass aus dem von getrockneten Chilis abgenommenen Saatgut überhaupt etwas kommt, doch wenn es sich um rein sonnengetrocknete Chilis handelt, dann funktioniert das offensichtlich doch. Sahen die Planzen anfangs noch klein, schwach, dünnstängelig und buschig aus, so änderte sich das aber im Laufe der Zeit, vor allem nachdem sie dauerhaft draußen standen. Allerdings blieb es bei einer einzigen Frucht, was im Falle von Rawit wohl auch kein Wunder ist, denn diese Sorte wird als mehrjährig beschrieben. Sie soll erst im zweiten Jahr nennenswert und erst im dritten Jahr üppig tragen, sofern sie in Lavaerde sitzt (die ich natürlich nicht besitze). Für norddeutsche Outdoor-Verhältnisse ist das aber ohnehin ein absolutes No Go, denn mehrjährige Sorten sind hier draußen erfahrungsgemäß kaum möglich.

Daneben versuchte ich noch die Zucht einer mir nicht näher bekannten Sorte von grünen Chilis, von Scotch Bonnet und von Red Savina. Leider erwiesen sich diese drei Versuche als Fehlschläge auf ganzer Linie: Entweder gar keine Keimung (grüne Chilis, die ich geschenkt bekommen hatte) oder aber die Keimlinge fielen einfach braun verfärbt um (Scotch Bonnet und Red Savina, hatte ich eingetauscht). Was noch blieb ist der Mix aus Habanero 7pot Infinity, Bhut Jolokia, Trinidad Moruga Scorpion und Carolina Reaper mit dem Ziel der Züchtung einer neuen Sorte namens „Loreley“ und deswegen in nunmehr dritter Generation immer wieder kreuz und quer bestäubt. Das hat sich auf das Aussehen von etwa der Hälfte der Früchte bereits ausgewirkt: Sie ähneln Alien – und zwar nicht nur hinsichtlich des Aussehens! Daher werde ich diesen Mix nachfolgend auch als „Loreley“ bezeichnen (obwohl da das Endstadium wahrscheinlich noch längst nicht erreicht ist): Es lebe die Genpanscherei!

Zucht 3

Sorte: Loreley
Aussaat: 12.01.2018
Behälter: 2*40cm-Balkonkästen
Erste Keimung: 26.01.2018
Letzte Keimung: 20.02.2018
Erste Blütenansätze: 21.04.2018
Gewöhnung an draußen (Balkon): 10.04.2018 1h, 11.04.2018 1h, 14.04.2018 1h, 15.04.2018 2h, 18.04.2018 1h, 19.04.2018 4h, 20.04.2018 4h, 21.04.2018 6h, 27.04.2018 3h, 02.05.2018 6h, 03.05.2018 7h, 04.05.2018 7h, 05.05.2018 10h, 06.05.2018 8h, 07.05.2018 8h, 08.05.2018 6h, 09.05.2018 6h, 11.05.2018 4h, 12.05.2018 8h
Dauerhaft raus auf den Balkon ab: 14.05.2018
Verlauf der ersten Ernte: 4 Chilis 09.07.2018, 8 Chilis 12.07.2018, 9 Chilis 17.07.2018, 2 Chilis 25.07.2018
Beginn zweite Blüteperiode: 27.07.2018
Verlauf der zweiten Ernte: 7 Chilis 01.08.2018, 12 Chilis 06.08.2018, 15 Chilis 14.08.2018, 17 Chilis 20.08.2018, 3 Chilis 29.08.2018, 15 Chilis 30.08.2018, 2 Chilis 08.09.2018
Beginn dritte Blüteperiode: 19.09.2018
Zurück in die Wohnung: 02.10.2018 (wg. nasskalter Witterung reingenommen; Einzelfrüchte fallen nämlich bereits verfault ab)
Verlauf der dritten Ernte: 37 Chilis 13.10.2018, 12 Chilis 17.10.2018, 17 Chilis 21.10.2018 (erster Kasten weg und die Reste wandern zwar in die Blumenvase, kommen aber leider nicht mehr), 9 Chilis 30.10.2018, 5 Chilis 05.11.2018 (Saisonende, zweiter Kasten weg und starker Befall mit Blattläusen sowie Weißer Fliege)
Sonstiges: Gab es anfangs noch standortbedingte Unterschiede zwischen den Pflanzen in beiden Behältern, so verwischten die sich spätestens mit Beginn der zweiten Blüteperiode. Ab Juni musste etwa einmal monatlich nachgedüngt werden. Dafür gelangte „Mairol Universal Dünger“ zum Einsatz und das funktionierte ziemlich gut. Der Befall durch Schädlinge blieb mir draußen diesesmal weitgehend erspart (ein paar wenige Blattläuse zählen nicht), was aber vielleicht auf den langen, heißen und trockenen Sommer zurückzuführen sein mag. In einer sechsmonatigen Dürreperiode habe ich jedenfalls vorher noch keine Chilis gezüchtet!

In Summe konnte ich bei nur zwei Balkonkästen 174 Chilis abnehmen, was aufgereinigt gut 800g entspricht – eine so reichliche Ernte bei so wenig Einsatz hatte ich zuletzt vor 15 Jahren, als es auch ziemlich warm war. Das zeigt mal wieder, dass Chilis gar nicht genug Wärme bekommen können! Und was unterscheidet die Loreley jetzt von den Ausgangssorten? Da wäre erst einmal das Aussehen. Die Früchte des Reapers oder des Scorpions tragen Merkmale vom 7pot, die vom Jolokia Merkmale vom Reaper und umgekehrt, also alles querbeet und bunt gemischt. Barbarisch scharf, sehr stark riechend und von äußerst blumigem Aroma ist das alles. Am auffälligsten wird der Unterschied allerdings beim Aufschneiden der Früchte. Denn dann stellt man dreierlei fest, nämlich:
1. Einige Früchte sind innen nahezu komlett mit Plazentagewebe gefüllt und die Samen sitzen irgendwie dazwischen.
2. Einige Früchte tragen so etwas ähnliches wie ein „Kind“ in sich (sind also außen gelb oder rot und beinhalten innen ein winziges, grasgrünes und voll ausgebildetes Mini-Chili).
3. Bei einigen Früchten sind die Falten wieder zusammengewachsen und sogar in diesen etwas merkwürdigen Hohlräumen haben sich Samen gebildet.

Egal – verarbeitet worden ist alles und das Saatgut für die nächste Saison liegt schon bereit. In den kommenden Tagen werde ich die Töpfe für die nächste Saison vorbereiten und dann schau’n wir mal. Rund 50g der Ernte sind bereits in diverse Gerichte gewandert, wurden also direkt gegessen. Etwa 150g habe ich so nach und nach zu 12 Gläsern Höllenpaste verarbeitet und die geht auch gut weg. Da werde ich demnächst auch nochmal wieder neue kochen, diesesmal vielleicht etwas schärfer – d. h. da kommen dann weniger Zwiebeln, dafür aber mehr Chilis rein. Ideal wäre es, wenn ich nahezu alles zu Höllenpaste verarbeiten könnte, denn das würde Platz in der Tiefkühltruhe schaffen. Das jedoch scheitert z. Zt. noch an der Anzahl der zur Verfügung stehenden Gläser. Mal sehen, vielleicht so nach und nach … Nächste Woche ist jedenfalls erstmal wieder die die Aussaat der „Blumentopf-Nasch-Chilis“ dran, weil: Es gibt Ostern doch nichts schöneres als frische Chilis auf dem Tisch, nicht wahr?