Was wäre wenn … – was wäre, wenn Albert Einstein heute bei uns hier in Deutschland leben würde? Käme er dann auch so groß raus wie es damals zu seiner Zeit gewesen ist? Oder liefe das alles ganz anders? Betrachten wir daher mal Einsteins Werdegang ungefähr im Zeitraum von 1879 bis 1922.

1879: Albert Einstein wird in Ulm als Sohn eines Handwerkers geboren.
1880: Umzug nach München.
1882: Albert Einstein gilt als Spätentwickler, denn er kann erst mit drei Jahren sprechen.
1885: Volksschulbesuch und er passt sich nicht an, gilt als aufrührerisch. Gute Leistungen in den Naturwisenschaften und schlechte Leistungen in den Sprachen.
1888: Besuch des Gymnasiums und respektloses Verhalten den Lehrern gegenüber.
1894: Schulabbruch ohne Abschluss und Umzug nach Mailand, auch um dem Wehrdienst zu entgehen.
1895: Albert Einstein will in der Schweiz studieren und fällt durch die Aufnahmeprüfung der heutigen ETH Zürich.
1895: Aufgrund von Beziehungen besucht er ersatzweise eine Schweizer Schule um dort das Abitur (Matura) nachzuholen.
1896: Einstein holt das Abitur (Matura) nach.
1896: Er nimmt an der heutigen ETH Zürich ein Studium als Lehrkraft auf und fällt dabei durch Schwänzen und Ignoranz auf.
1900: Er verlässt die Hochschule mit einem Diplom als Fachlehrer für Mathematik und Physik.
1901: Jobben als Hauslehrer.
1902: Arbeit als kleiner Angestellter am Schweizer Patentamt in Bern.
1905: Er reicht in den „Annalen der Physik“ zwei Aufsätze ein, die heute zusammen als „Spezielle Relativitätstheorie“ betrachtet werden und die Fachzeitschrift bringt diese Beiträge auch.
1906: Einstein promoviert im Bereich der „Physikalischen Chemie“.
1909: Berufung zum Dozenten für theoretische Physik an der Universität Zürich.
1911: Anstellung als Professor der theoretischen Physik an der deutschen Universität Prag.
1912: Anstellung als Professor an der ETH Zürich.
1915: Publikation der „Allgemeinen Relativitätstheorie“.
1922: Verleihung des Physik-Nobelpreises.

Soweit der Werdegang von Albert Einstein in den ersten 43 Jahren seines Lebens. Könnte sich so etwas heute noch einmal wiederholen? Oder anders gefragt: Ausgehend von 2018 wäre Albert Einstein im Jahre 1975 geboren worden. Hätte er unter den deutschen Verhältnissen seit damals einen ähnlich erfolgreichen Werdegang hinlegen können? Spielen wir das doch einfach mal durch!

1975: Albert Einstein wird irgendwo in Westdeutschland in irgendeiner Stadt als Sohn eines Handwerkers geboren, was keine guten Startvoraussetzungen sind.
1978: Er ist ein Spätentwickler, was nach geltendem gesellschaftlichen Konsens mit einer geistigen Behinderung gleichgesetzt wird.
1981: Aufgrund der vermeintlichen Behinderung bleibt ihm der Besuch einer regulären Grundschule verwehrt; stattdessen schiebt man ihn gleich in eine Sonderschule ab.
1984: Höhere Bildung bleibt ihm verwehrt und er gilt allen Bemühungen der Normierung zum Trotz als unangepasst und als aufrührerisch.
1990: Er bricht die Sonderschule ab und verlässt als Wehrdienstverweigerer Deutschland.
1991: Mangels Abschluss hat er keinerlei Chancen auf höhere Bildung. Mangels wissenschaftlicher Reputation werden seine Arbeiten von der Fachwelt abgelehnt und niemals publiziert.
1992: Er verdingt sich als Hilfsarbeiter, ist häufig arbeitslos und bezieht Arbeitslosenhilfe, ist de facto zum Sozialfall geworden.
2005: Mit Inkrafttreten von H4 gilt er als ungelernter, unqualifizierter, arbeitsscheuer Sozialschmarotzer, der gezwungen ist, hier und da das Gesetz zu übertreten, um überhaupt überleben zu können. Vorstrafen sind die unausweichliche Folge.
2018: Als Langzeitarbeitsloser wird er als Neosklave in Zwangsarbeit zu verschiedenen Unternehmen abkommandiert; keiner kennt ihn und eine Perspektive hat er nicht, so dass er vollends auf die schiefe Bahn gerät und im Knast landet oder aber depressiv wird.

Zwei Lebensläufe: Einer davon entspricht der Historie und hat sich vor rund 120 Jahren abgespielt. Der andere ist zwar rein fiktiv, berücksichtigt aber unsere heutigen Verhältnisse. Gemessen an diesen Verhältnissen wäre heute auch ein Albert Einstein bei uns chancenlos. Man erinnere sich: Im Jahre 2006 erschien der Bericht des UN-Sonderberichterstatters für das Recht auf Bildung, Vernor Munoz Villalobos. Er äußerte sich nach seinem Besuch deutscher Schulen *Sarkasmus ein* „äußerst positiv“ *Sarkasmus aus*:
– „Das deutsche Schulsystem ist besser als in Botswana“ und
– „Das deutsche Schulsystem ist noch kein Fall für den internationalen Gerichtshof.“
Der UN-Bericht wurde seinerzeit kurzzeitig seitens der Grünen publiziert, musste anschließend aber unter der Merkel-Ägide und mit ausdrücklicher Billigung von der SPD wieder zurückgezogen werden. In Folge galt er als vertraulich.

Das war vor zwölf Jahren. Damals kam so ein „daher gelaufener Ausländer“ wie dieser Villalobos 😉 und wagte es, Deutschlands Bildung zu kritisieren. So eine Frechheit aber auch! Merkel und Konsorten haben daraufhin allerdings umgehend gehandelt: Anstatt alles nur auszusitzen verschlimmerten sie die Situation. Von 2003 bis 2014 war ich als Vertretungs- und Aushilfs-Lehrkraft tätig. Im Zuge dieser Lehrtätigkeit habe ich aus allererster Hand miterleben können, wie hierzulande reine Herkunftspädagogik betrieben wird: Selbst sehr erfolgversprechende, hochbegabte Schüler wurden gemäß stillschweigender Übereinkunft der fest angestellten, so genannten „Pädagogen“ teils ganz offen als minderwertig betrachtet, weil sie nicht den richtigen „Stallgeruch“ aufwiesen. Es war einfach nur unmenschlich und zum Kotzen! Sollte die UN heute noch einmal hier so eine Schulinspektion durchziehen, dann bin ich absolut nicht sicher, dass wir heute immer noch besser als in Botswana dastehen und noch kein Fall für den internationalen Gerichtshof sind! Nicht nach einer dritten Rüge der UN wegen H4!

Denn wie sieht es heute aus? Da ist erst einmal die Schulempfehlung am Ende der Grundschulzeit. Meine eigene Erfahrung dabei: Die ist für’n Ar… Vergessen! Drüber hinweg setzen, soweit es irgend möglich ist! Weil sich diese Empfehlung zu mindestens 80% an der sozialen Herkunft orientiert. OK, nehmen wir an, ein Kind aus der sozialen Unterschicht kommt trotzdem auf’s Gymnasium. Da wird’s schon schwierig mit den Lehrmitteln, denn viele davon laufen außer der Reihe und sind selbst zu beschaffen. Und wenn die Kohle dafür nicht da ist?!? Nehmen wir weiter an, besagtes Kind schafft das Abitur, studiert obendrein sogar noch. Im Rahmen eines Studiums sind zwangsläufig Reisen zu machen, ein Austausch hier, ein Praktikum da usw. Wie denn ohne Moos?

Irgendwie – mit vielen „Studentenjobs unter der Hand“ (also in Form von Schwarzarbeit) beißt es sich da durch, beendet sein Studium. Es will im Bereich der Wissenschaft bleiben, weil ihm das liegt. Ein prekäres Leben auf Abruf ist dadurch vorgezeichnet. Hier eine schlecht bezahlte, befristete (Teilzeit-) Stelle und da die BaföG-Rückzahlung, dazu unbezahlbarer Wohnraum und uneingeschränkte Mobilität wird sowieso stillschweigend voraus gesetzt. Wovon denn eigentlich?!? Glücklich derjenige, der dann auf ein dickes, fettes Finanzploster von Papi zurückgreifen kann. Arschkarte für denjenigen, der vielleicht sehr viel mehr auf dem Kasten, aber eben nicht die finanziellen Mittel zur Verwirklichung hat. Diese Zustände sind eine direkte Folge der Pseudoreligion des Neoliberalismus. Merke: Neoliberalismus und Chancengleichheit schließen einander a priori aus! Käme heute noch einmal jemand wie Albert Einstein, dann hätte er keine Chance und geriete unter die Räder. Das System sorgt dafür, dass Besitzende unter sich bleiben, und zwar unabhängig von Fachwissen, Können, Talenten und Fähigkeiten.

Was aber bedeuten derartige Verhältnisse für unsere Gesellschaft, bedeuten sie für Deutschland? Wir sind ein Land ohne materielle Rohstoffe. Der einzige Rohstoff, den wir haben, ist das Know How. Um aber Know How auch umsetzen zu können bedarf es der Bildung, und zwar eben KEINER Bildung, die nur Geldsäcke begünstigt, sondern stattdessen einer chancengleichen Bildung für alle. Die aber ist schon lange nicht mehr gegeben. Mit anderen Worten: Wir ignorieren und negieren den einzigen Rohstoff, der uns zur Verfügung steht und auf den wir in Zukunft bauen könnten. Was bleibt dann am Ende? Fremdbestimmte Idiocracy

Danke dafür, ungeliebte Politclowns! Und dann wundert ihr euch, wenn die Leute den selbsternannten „Volksparteien“, die das alles verbockt haben, weglaufen. Von welchem Planeten kommt ihr eigentlich?!? Da frage ich mich doch unwillkürlich: Wie abgehoben-realitätsfremd-ignorant-egoistisch (oder anders ausgedrückt: wie dämlich!) müssen so genannte „Volksvertreter“ eigentlich sein, wenn sie tatsächlich glauben, die Weichen dafür stellen zu müssen, dass künftige Hoffnungsträger wie Dreck behandelt werden?