Hallo Herr Spahn!

Wie ich den Medien entnehmen konnte, halten Sie jeden Job, auch dann wenn er schlecht bezahlt ist, für zumutbar. Diese Einstellung gefällt mir! Rein zufällig trifft es sich da ganz gut, dass meine Gattin und ich – beide berufstätig – die zusammen drei Pflegefälle im Rahmen der häuslichen Pflege an der Backe haben (nämlich meine geistig behinderte, aggressive Schwägerin, meine stark Alzheimer-demente Schwiegermutter und meinen von bereits selbstschädigendem Altersstarrsinn geplagten Schwiegervater – alle drei von uneinsichtig-abweisendem, unkooperativem Verhalten) uns ernsthaft überlegen, ob wir nicht nach einer Haushaltshilfe für die drei Pflegefälle suchen sollen. Wäre das nichts für Sie – da es doch zumutbar ist? Wir würden Ihnen dafür sogar den gesetzlichen Mindestlohn zahlen und bereits Ihre Tätigkeit im Rahmen eines Minijobs würde uns über Gebühr entlasten, so dass wir uns endlich auch mal wieder vernünftig um den eigenen Haushalt kümmern und auch mal wieder ein eigenes Leben leben könnten. Es reicht auch völlig aus, wenn Sie nur tagsüber tätig werden, denn um die zahllosen nächtlichen Störungen können wir uns selbst kümmern. Was würde Sie erwarten? Nichts Schlimmes, das versichere ich Ihnen! Ist doch alles zumutbar! Machen sie sich selbst ein Bild davon: Hier sind exemplarisch mal ein paar Highlights aus den vergangenen vier Wochen.

– Essen für die Pflegefälle kochen (auch wenn das trotz vorheriger Absprache oftmals mit „Wir wollen was anderes haben!“ zurückgewiesen wird oder ungekühlt stehen bleibt, bis Maden darin herum kriechen).
– Den Pflegefällen zumindest beim Waschen des Körpers behilflich sein (denn das Duschen wird mit der Begründung „Das macht die Haut dünner!“ ja sowieso konsequent boykottiert; BTW: ich kann dazu eine Atemschutzmaske zur Verfügung stellen).
– Tägliches Dahinterstehen bei der Medikation und Zuteilung der Medikamente (damit die nach schier endloser Diskussion auch mal eingenommen werden).
– Täglich mehrfache Einkäufe für die Pflegefälle (d. h. jedes Teil einzeln, weil die zum Erstellen eines Einkaufszettels unfähig geworden sind).
– Stundenlanges Putzen von deren Wohnung (weil Essensreste einfach auf den Fußboden und auch sonst überall hingeworfen und breitgetreten werden; BTW: nach nur zwei Stunden haben die aus einer auf Hochglanz polierten Wohnung wieder ein ultimatives Messie-Dreckloch gemacht, so dass die Arbeit niemals aus geht).
– Abwehr von im Durchschnitt einem unvermittelt und anlasslos erfolgendem, massivem Angriff seitens meiner Schwägerin täglich (ohne sie dabei zu verletzen, versteht sich, denn „die meint das ja nicht so“).
– Erledigung aller Schreibarbeiten für die Pflegefälle u. d. h. Pflegeversicherung, Vormundschaftsgericht, Finanzamt, Handwerker etc. (weil die derartige Schrifttücke mit der Begründung „Die sollen uns alle in Ruhe lassen!“ andernfalls unbeantwortet ins Altpapier werfen).
– So etwa alle drei Tage Beseitigung von regelmäßig in der Wohnung verteilten und weiträumig verschmierten Fäkalien u. d. h. Erbrochenes, Kot und Urin (weil der Weg zur Toilette mal wieder zu lang gewesen ist oder man es einfach nicht mehr rechtzeitig geschafft hat; BTW: Pants sind nur was für Babys und nicht für erwachsene Menschen, weswegen man so etwas auch vehement verweigern kann).
– Permanentes Waschen der Wäsche (die anschließend allerdings seitens der Pflegefälle mit Schmutzwäsche und Müll zusammengeworfen wird und daher nochmals gereinigt werden kann; auch ist ist häufiger ein zweimaliges Waschen vonnöten um den üblen Geruch nach Kot und Verwesung da raus zu kriegen).
– Mehrmals wöchentliches Gesundheitsmonitoring von allen drei Pflegefällen u. d. h. Blutdruck, Puls und Gewicht messen sowie für deren Hausarzt aufbereiten (was sich immer hinzieht, weil die Pflegefälle dabei nicht mitspielen wollen, denn den Ernst ihrer gesundheitlichen Situation können die geistig nicht mehr erfassen).
– Mehrmals wöchentliches Hinterherreparieren (heute der vor Dreck nicht mehr funktionsfähige Rasierapparat, morgen der unter zwei Zentner Kampfgewicht zusammengebrochene Küchenstuhl, dazu durch Essensreste verstopfte Küchenspüle, defekte Beleuchtungen, abgerissene Schubladen, gewaltsam verbogene Fenstermechaniken uns.; BTW: die sind diesbezüglich äußerst erfinderisch und rasten völlig aus, wenn etwas wirklich soweit hingeholfen wurde, dass ein Handwerker ran muss).
– Verbale Aggressivität, begleitet von haltlosen Unterstellungen und grundloses Anbrüllen überhört man einfach (weil bspw. einer der Pflegefälle sich in seiner durch und durch phlegmatischen Teilnahmslosigkeit gestört gefühlt hat).
– Etwa alle zwei Tage Beseitigung des durch die Fehlleistungen der Schwägerin entstandenen Chaos (in Lebensmittelregale gestopfter Verpackungsmüll, in die Betten gekippte Essensreste, Sortierung der zuvor getrennten und anschließend zusammengeschütteten Abfälle wie Restmüll und Bio, im Keller zum Vergammeln zwischengelagerte Lebensmittel zurück in den Kühlschrank bringen etc.).
– Terminierung und Begleitung bei Friseur-, Arzt- und Apothekenbesuchen (wozu selbstverständlich jedes einzelne Mal eine lange, sinnlose Diskussion wegen des „Warum“ erfolgen muss).
– Rund-um-die-Uhr-Betreuung wenn bspw. nachmittags um 16:00 Uhr lautstark nach dem Frühstück oder morgens um 05:30 Uhr lautstark nach dem Mittagessen verlangt wird (weil die keinerlei zeitliche Orientierung mehr haben).
– Schwiegermutter daran erinnern, sich nicht komplett gehen zu lassen und wenigstens am Nachmittag das Nachthemd gegen Tageskleidung auszutauschen (was sie aber nicht einsieht, weil sie später „das Nachthend ja sowieso wieder anziehen“ muss).

Lieber Herr Spahn, wie Sie unschwer feststellen können, ist das alles gar nicht so schlimm, keine schwere Arbeit und durchaus zumutbar! Überlegen Sie doch einmal: Andere aus ihrer sozialen Schicht geben sehr viel Geld dafür aus, um an Events, die sie für das pralle Leben halten, teilnehmen zu dürfen! Ich dagegen biete Ihnen die einmalige Chance, das nicht nur völlig kostenlos zu bekommen, sondern obendrein sogar noch Geld dabei zu verdienen! Denn rechnen Sie mal: Beim Minijob bleiben Ihnen abzüglich Renten- und Krankenversicherung (eine preiswerte KV ohne großartige Leistungen voraus gesetzt) doch garantiert noch 132 Euro monatlich zum Leben übrig – und nach Ihrer eigenen, zehn Jahre zurück liegenden Einschätzung reicht das doch zum Leben völlig aus! Sie werden zugeben müssen, dass so ein Angebot, wie ich es Ihnen mache, Ihnen doch geradezu auf den Leib geschneidert ist! Da können sie gar nicht „Nein“ sagen! Sicher, für jemanden, der noch nie in seinem Leben richtig gearbeitet hat, mag das jetzt etwas befremdlich klingen, aber versuchen Sie es doch einfach mal – nur Mut! Wir brauchen Menschen, die anzupacken wissen – Menschen wie Sie! Ich bitte Sie daher, nicht zu zögern und sich umgehend mit mir in Verbindung zu setzen – so ein unschlagbares Angebot gibt’s kein zweites Mal! Benutzen Sie dazu bitte das Kontaktformular in meinem Blog. Für Ihre zu erwartende, tatkräftige Unterstützung bedanke ich mich an dieser Stelle jetzt schon!

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