Gestern in Hannover … – da löste ich mein letztes Geburtstagsgeschenk zum fast ein halbes Jahr zurück liegendem Sechzigsten ein. Meine Frau hatte mir nämlich seinerzeit Karten für das Santiano-Konzert „Im Auge des Sturms“ geschenkt. Das fand in der TUI Arena statt. Die fasst 14.000 Leute – und war praktisch ausverkauft! OK: Hannover – Norden. Hauptstaddt eines Landes, dass zwar „nur“ ein Meer (nämlich die Nordsee) hat, aber immerhin. Böse Zungen behaupten ja, dass die leicht schäbige Ansiedlung am Kreuzungspunkt von A2 und A7 nur deswegen entstanden ist, weil die Autofahrer da soviel aus dem Fenster schmeißen – aber sei’s drum. Für Santiano also folglich fast ein Heimspiel. Nun sind wir Nordlichter allerdings nicht gerade für überschäumendes Temperament bekannt. Wenn einer mehr als „Moin“ sagt, dann ist er entweder ’ne Quasselstrippe, völlig dun oder gilt als heiter-ausgelassene Stimmungskanone. Beachtet man diesen kulturell bedingten Hintergrund, dann muss ich sagen: Das war gestern ’ne Riesenfete! Der Saal hat gekocht und irgendwann hielt es keinen mehr auf den Sitzen!

Santiano haben aber auch echt gut gespielt, dazu noch die Multimedia-Lightshow und die Pyrotechnik – das hatte echt was! Das lief übrigens dreisprachig ab: Die Songs auf Hochdeutsch und Englisch, die Ansage gar nicht mal selten op Plattdütsch – was manchem Besucher Fragezeichen in die Augen zauberte, wie ich grinsend feststellte. Die Altersstruktur des Publikums war bunt gemischt, denn vom Zehnjährigen bis zum betagten, weißhaarigen Opa war alles vertreten: Musik erhält eben jung!

Ursrünglich ging meine Befürchtung ja in die Richtung, dass die nur die Titel vom letzten Album bringen. Da waren viele eher ruhige Stücke mit dabei und die gefielen mir weniger. Doch weit gefehlt! Es wurde ein bunter Mix aus Altem und Neuem präsentiert und selbst die auf CD doch eher ruhigen Stücke rockten live richtig. Was zu der Erkenntnis führte: Santiano ist im Grunde genommen primär ’ne Live-Band. Die Studioaufnahmen können nicht annähernd die Stimmung rüberbringen, die bei so einem Konzert herrscht! Zwei Stunden durchgespielt und nach „nur“ drei Zugaben war dann allerdings schon Schluss. Äh, wie jetzt? Keiner wollte das so richtig glauben. Als dann allerdings so ein Bautrupp damit begann, die Bühne zu demontieren, da kapierten wir’s endlich und traten den Heimweg an. Ich muss sagen: Das hat sich gelohnt – für Auge und Ohr (und für die Synästhesie)! Das war Spitzenklasse! Und beim Abschiedssong „Hoch im Norden“ sang dann eigentlich auch die ganze Halle mit.