Mitunter gibt es ja Freeware-Programme, die über den grünen Klee gelobt und als „Must Have“ bezeichnet werden. Ich bin bei derartigen Bewertungen immer sehr vorsichtig, um nicht zu sagen sogar ausgesprochen misstrauisch. Music Collection – ein Musikverwaltungsprogramm für Windows – fällt in diese Kategorie. Es entnimmt die benötigten Information primär den ID3v2-Tags der Musikdateien. Ohne die Tags geht gar nichts! Ich habe mir das jetzt mal etwas intensiver angeschaut – zum zweiten Mal übrigens, denn bei meinem ersten Test vor rund einem Jahr packte ich das noch in die Schublade „überflüssiger Murks“. Ist es aber nicht. Es ist eigentlich sogar sehr gut und sehr durchdacht – für jemanden, der es gebrauchen kann. Ich selbst zähle allerdings nicht zu dieser Klientel. Doch dazu weiter unten mehr.

Zunächst zum Programm selbst. Was macht es? Es sortiert eine vorhandene Musiksammlung – nach Künstler, Genre, Label, Komponist, Album und-und-und – je nachdem, welche Form von Sortierung man gerade gewählt hat. Das Anklicken eines Albums (bzw. von dessen Cover) führt zur Titelliste und vermittels des eingebauten Players (der durch wirklich guten Sound besticht) lässt sich der betreffende Titel abspielen. Die Freeware greift dabei auf im Web verfügbare Infos zurück und soll theoretisch etwaig fehlende Informationen zum betreffenden Titel (z. B. Albumcover, Songtext usw.) ergänzen können. Praktisch dagegen, na ja … Doch auch dazu weiter unten mehr. Ich habe die Version 2.9 portabel mal angetestet. Sie kommt als selbstentpackendes EXE-Archiv von gut 7MB Größe und beansprucht nach dem Entpacken rund 20MB an Speicherplatz.

Die Startdatei ist „Music Collection.exe“ und beim Start meldet die Software sich mit englischer Sprache. Aufgrund der wirklich reichhaltigen – und anfangs daher ziemlich irritierenden – Möglichkeiten ist zweckmäßigerweise zuerst auf Deutsch umzuschalten. Die Übersetzung ist zwar nicht perfekt, aber angesichts der Vielfalt von Bedienungslementen doch sehr hilfreich. Das Umschalten geschieht in der Menüzeile mit „Tools/ Select language/ Deutsche“. Auf der Arbeitsfläche sind nun ein paar Testeinträge zu sehen. Die werden durch die eigene Musiksammlung ersetzt. Dazu mit „Datei/ Neue Albensammlung“ eine neue (zunächst noch leere) Albensammlung erstellen und (als MS-Access-MDB-Datei) unter geeignetem Namen abspeichern.

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Jetzt ist die neue, leere Sammlung noch „mit Leben“ (d. h. mit Inhalten) füllen. Dazu selektiert man „Alben hinzufügen – Scannen nach Audio Dateien“, gibt den Pfad zur eigenen Musiksammlung (bzw. zu bestimmten Teilen davon) an und klickt auf den Button „Scan starten“.

Anschließend werden die gefundenen Ergebnisse aufgelistet. Sie müssen noch in die Datenbank von Music Collection übernommen werden. Dazu das Häkchen vor das jeweilige, erwünschte Ergebnis setzen oder aber den Häkchenbutton in der Fußzeile des Programmfensters für „alle aktivieren“ anklicken. Nun den Button „Speichern als“ mit der Option „separates Album“ betätigen bzw., um das Album einem bereits vorhandenen und in der Baumansicht verzeichneten Künstler hinzuzufügen, mit der Option „bereits gespeichertes Album“ betätigen. Damit hat das Programm diesen Teil der Musiksammlung katalogisiert.

Dabei geschieht folgendes: Wenn Music Collection anhand der ID3-Tags Interpret und Album identifizieren kann, dann erscheint links auf der Arbeitsfläche in der Baumstruktur der Name des Künstlers. Ist im ID3-Tag auch noch das Cover gespeichert, dann wird es rechts dargestellt. Alles, was nicht identifiziert werden kann, erscheint in der Baumstruktur unter „Various artists“. Ein manuelles Sortieren auf dem Wege des Verschiebens ist leider NICHT möglich! Genau das aber ist das wahrscheinlich mit Abstand größte Manko des Programms.

Bei diesen „nicht erkannten“ Titeln (Titel und Interpret werden zwar korrekt angezeigt, lassen sich aber vom Programm nicht automatisch zuordnen) ist ein manuelles Editieren dennoch möglich. Dazu „Album/ Album Eigenschaften“ wählen. Dann den Reiter „Titel“ aktivieren und den zu bearbeitenden Titel anklicken. Unter „Liedtext“ kann man nun versuchen, die Lyrics herunterzuladen, was allerdings zumeist in der Fehlermeldung „Liedtext nicht gefunden!“ mündet. Man kann jedoch manuell einen Liedtext im Web suchen, als TXT-Datei speichern und den dann einlesen.

Dann wird der Text angezeigt, sobald man den betreffenden Titel anklickt. Klickt man dagegen auf das Playersymbol vor dem Titel, dann wird der in Music Collection integrierte Player aktiviert (alternativ kann auch ein weiterer, externer Player eingebunden werden).

Auf ähnliche Weise lässt sich das Cover des übergeordneten Eintrags (also bspw. von „Various artists“) mit dem Reiter „Cover“ verändern. Man kann dann eine vorhandene Datei (PNG, GIF, JPG …) einlesen oder aber alternativ das Programm selbst im Web danach suchen lassen. Letzteres erbringt m. E. vom Resultat her aber eher Zumutungen als echte Treffer. Ich meine, wenn für die Puhdys ein Cover der Kastelruther Spatzen angeboten wird, dann dreht sich mir persönlich der Magen um – und derartige „Ergebnisse“ waren bei etlichen Versuchen die Regel!

Alles in allem finde ich das Programm irritierend. Es läuft gut und ist wirklich durchdacht, gar keine Frage. Wer über eine Musiksammlung verfügt, die bereits von vornherein nach Interpreten und Alben abgespeichert worden ist und bei der alle ID3v2-Tags auch wirklich gesetzt sind und wer sich auf MS-Windows festlegen lassen will, der wird kaum etwas Besseres zur Musikverwaltung finden. Wer allerdings (wie ich) über eine historisch gewachsene Sammlung mit vielen, vielen Digitalisierungen von Vinyl oder Kassette verfügt, wo darüber hinaus noch der Mainstream nur einen Bruchteil ausmacht und sich viele Künstler im gleichen Ordner versammeln, der kann mit der Software nichts anfangen. Denn um sie in dem Falle effektiv einsetzen zu können, müsste zuvor alles von Hand umgespeichert und hinsichtlich der Tags vervollständigt werden, damit Music Collection damit etwas anfangen kann: Eine Arbeit von Jahren! Erschwerdend kommt noch hinzu, wie sich im Versuch zeigte, dass Music Collection bei unvollständigen Tags mitunter den Künstler nicht erkennt, deswegen unter „Various artists“ ablegt und auch wieder keine Korrektur möglich ist. Daher: Wer so eine vorsortierte Musiksammlung inklusiver vollständiger Tags wie oben beschrieben sein eigen nennt, ist wirklich sehr gut bedient. Für alle anderen aber ist Music Collection so überflüssig wie ein Kropf!