KISS steht für „Keep It Super Simple“ oder für „Keep It Simple & Stupid“. Ich bin ein entschiedener Verfechter dieser Philosophie, und zwar in allen Lebenslagen! Ganz einfach schon deshalb, weil das, was nicht eingebaut ist, auch nicht kaputt gehen kann. Und was überschaubar bleibt, das kann man auch selbst reparieren. Deswegen setze ich bspw. bei Musikanlagen auf miteinander verdrahtete Einzelkomponenten. Deswegen brauche ich beim Auto keinen völligen überflüssigen Elektronik-Schnickschnack. Überhaupt: Elektronik und da ganz speziell die IT … Wir haben am Samstag Jahreshauptversammlung von der Siedlergemeinschaft. Für die Technik bin ich mal wieder zuständig.

Da sollen zwei Vorträge gehalten werden; beide mit Multimedia-Unterstützung, wie sich das heute gehört. Zur Verfügung stehen ein 32Bit-Läppie Baujahr 2003 mit Windoof XP und ein Casio-Beamer, Baujahr 2012. Beide Geräte harmonieren gut miteinander – weiß ich, weil ich das schonmal ausprobiert habe. Nun also die Vorträge als Präsentationen … Einer besteht aus Folien in JPG-Form. Schnell mittels IrfanView ’ne EXE-Diashow draus gebastelt, ausprobiert, null Problemo. Einer ist ’ne PowerPoint-Präsentation auf ’nen Apple-Rechner, sowohl das PP wie auch der Rechner topmodern. Die Präsentation liegt im proprietären PPTX-Format vor. Warum? Weil da einschwebende Texte und solche Sachen drin sind. Als ich das sah, da erinnerte ich mich wehmütig an die guten, alten Tageslichtprojektoren … Damals war nämlich noch der Inhalt wichtig. Und nicht die Verpackung!

Ergo machte ich mich an die Konvertierung. Sicher, mit aktuellen Versionen von OpenOffice oder LibreOffice kann ich die PPTX-Sachen einlesen und wiedergeben. Diese Officeversionen laufen eben bloß auf dem Uralt-Rechner nicht mehr, weil dafür mindestens Windoof 7 nötig ist. Es folgte die lange und intensive Suche nach Altversionen. Habe ich auch gefunden. Damit aber lässt sich der Einschwebe-Quatsch nicht darstellen – die Folie bleibt leer! Gut, dann also PPTX mit ’ner aktuellen Version von OpenOffice nach PPT konvertiert, weil PowerPoint 2000 auf dem Uralt-Rechner schon drauf ist. Darstellung OK, Texte sind da, aber die Gimmicks von wegen Einschweben und so sind weg. Mir ist das wurscht – ich achte auf die Inhalte. Andere bemängeln jetzt die fehlende Verpackung …

Warum wird heute auf das Drum und Dran soviel Wert gelegt? Warum konzentriert sich keiner mehr auf das Wesentliche, nämlich auf die Inhalte? Dann wäre die KISS-Philosophie nämlich sehr viel verbreiteter: RTF-Format für Textdokumente, Open-Document-Formate für die anderen Sachen, PDF für unnveränderliche Druckerzeugnisse, JPG für Bilder, MP3 für Musik usw. Aber „Datei/ Speichern unter …“ scheint die meisten Menschen bereits zu überfordern! Obwohl, das erklärt dann ja im Grunde genommen auch schon einiges. Wer mit „Datei/ Speichern unter …“ bereits überfordert ist, der ist garantiert mit Inhalten auch überfordert. Und wer mit Inhalten überfordert ist, der legt dann natürlich allergrößten Wert auf die Verpackung, also auf den Gimmick-Quatsch u. ä. Abgesehen davon nervt es mich ganz einfach, wenn jeder mit absoluter Selbstverständlichkeit erwartet, dass derjenige, dem zugearbeitet wird, auch über gleichwertige Möglichkeiten verfügt. Das ist schlicht weltfremd! Das ist die Art, in der unsere Politiker vorgehen!

Sicherlich spielt die allseits verbreitete Bequemlichkeit da auch noch mit rein. KISS bedeutet nämlich auch, mal um die Ecke denken zu müssen und nach besseren Lösungen zu suchen. Das kann man natürlich keinesfalls mehr erwarten – wieviel einfacher ist da doch, ohne nachzudenken auf ein Knöpfchen zu drücken! Neulich hatte ich auch wieder so einen Fall. Da war jemand mit einem Super-Duper-Flatscreen mit eingebautem DVD-Player, etlichen Receivern usw. Bloß das Wechseln der DVDs war lästig. Was macht man in so einem Fall? Die Filme kommen auf USB-Speichermedium und das wird dann an den Fernseher gehängt, Auswahl über Fernbedienung möglich. Das ist die KISS-Variante. Es geht aber auch anders. Nämlich mit VDSL 64000, NetFlix-Abo und Alexa. OK, das ist wesentlich teurer. Aber es macht mehr her. Und die Inhalte? Die bleiben gleich … – es lebe die Verpackung! Wo stünden wir eigentlich heute, wenn unsere fernen Vorfahren, als sie das Feuer entdeckten und das Rad erfanden, auch schon soviel mehr Wert auf Verpackung gelegt hätten?!? Früher war zwar nicht alles besser, aber manches war wirklich durchdachter!

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