Regenwetter: Ein Tag, an dem meine Frau ihren Kleiderschrank in Angriff genommen hat. Irgendwo ganz weit hinten und völlig vergessen fand sie dann eine goldene Halskette, die sie schon seit Ewigkeiten vermisst hatte. Was für Gold – echt oder unecht? Einen Stempel konnten wir nicht finden. Ergo angewandte Physik: Bestimmen wir doch einfach mal die Dichte davon. Die Dichte ist das Gewicht des Schmuckstückes, geteilt durch sein Volumen. Das Gewicht lässt sich mit einer Waage ermitteln. Zur Bestimmung des Volumens braucht man Wasser. Die Prüfung erfolgt also völlig zerstörungsfrei. Welche Prüfung?

Methode 1:

Das Schmuckstück wird mittels Briefwaage gewogen. Anschließend füllt man in ein graduiertes Gefäß Wasser ein und merkt sich, wo der Wasserstand liegt. Das Schmuckstück wird reingeworfen. Dadurch erhöht sich der Wasserstand – und zwar exakt um das Volumen des Schmuckstückes. Die Differenz beider Wasserstände entspricht daher dem Volumen. Damit hat man beide Werte die man braucht. WICHTIG: Das A und O an der ganzen Geschichte ist die Genauigkeit des graduierten Gefäßes!

Methode 2:

Das Schmuckstück wird mittels Haushaltswaage gewogen. Anschließend füllt man in ein Glas hinreichend viel Wasser, stellt es auf die Waage und nullt die Waage, befestigt das Schmuckstück an einem Faden oder packt es in einen Kunststoffbeutel und hält es so, dass der Boden des Glases noch nicht berührt wird, in das Wasser. Die Waage zeigt dann (da 1ml Wasser rund 1g wiegt) das Volumen des Schmuckstückes an. Damit hat man beide Werte die man braucht. WICHTIG: Der Beutel oder Faden darf sich NICHT mit Wasser vollsaugen!

Es empfiehlt sich unbedingt, mehrere Messungen – möglichst nach beiden Methoden – durchzuführen und dann den Mittelwert des Ergebnisses zu nehmen. Goldlegierungen haben definierte Dichtewerte:

333er (8 Karat): 10,5-10,9 g/ml je nach Zusammensetzung der Legierung
375er (9 Karat): ca. 11,2 g/ml je nach Zusammensetzung der Legierung
585er (14 Karat): 13,1-13,6 g/ml je nach Zusammensetzung der Legierung
750er (18 Karat): 15,1-15,8 g/ml je nach Zusammensetzung der Legierung
900er (21 Karat): 17,5 g/ml
999er (24 Karat): 19,3 g/ml

Zum Vergleich: Eisen hat eine Dichte von 7,9g/ml. Vergoldetes Büchsenblech – bspw. vom berüchtigten, „fliegenden“ Goldhändler irgendwo am Strand im Süden – liegt hinsichtlich der Dichte irgendwo in der Größenordnung des Eisens. Also: Echt oder Fälschung? Die erste Messung (nach Methode 1) ergab ein Gewicht von 26g bei einem Volumen von 2,5ml. Beides dividiert ergab eine Dichte von 10,4g/ml. Die zweite Messung (nach Methode 2) ergab ein Gewicht von 28g bei einem Volumen von 2,5ml (jedenfalls flackerte das auf der Waage immer zwischen 2g und 3g hin und her). Beides dividiert ergab eine Dichte von 11,2g/ml. Zusammen führt das zum Mittelwert der Dichte von 10,8g/ml und damit zu 333er Gold (vgl. oben). Bei sowas sollte eigentlich ein Stempel drauf sein. Den fanden wir schließlich nach endloser Suche auch – nachdem meine Frau und ich die gesamte Kette mit einer 20-fach vergrößernden Lupe millimeterweise absuchten – Metallwert z. Zt. ungefähr 330 Euro: Ein schöner Fund für einen Regentag!

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