„Wer das Wetter beherrscht, der beherrscht die Welt.“
(Alte Volksweisheit)

Die letzten Tage hier waren von Stürmen geprägt. Man redet über das Wetter, ich auch. Werfen wir mal einen Blick auf unsere Atmosphäre. Die entspricht grob eingeteilt von unten nach oben der ungefähren Schichtung Troposphäre, Stratosphäre, Mesosphäre und Ionosphäre. In den unteren drei Schichten spielt sich unser Wettergeschehen ab; die werden zusammen auch als Homosphäre bezeichnet. Die Gesamtheit aller Wettereignisse weltweit zusammen bildet übrigens das Klima. In der Ionosphäre dagegen ist die Luft bereits zu dünn. Dort treten aufgrund von Sonnenstürmen die Polarlichter auf. Wetter, was ist das eigentlich? Das ist ein auf Temperaturunterschieden beruhendes Wechselspiel aus Hoch- und Tiefdruckgebieten, immer auf Ausgleich ausgerichtet und aufgrund der Druckunterschiede werden Luftmassen transportiert. Daher stammt der Wind. Besagte Luftmassen enthalten aber zusätzlich auch noch (verdunstete) Feuchtigkeit, nämlich in Form von Wasserdampf. Kondensiert die Feuchtigkeit aufgrund von Abkühlung an (Fein-) Staubpartikeln, dann bilden sich Tröpfchen. Das sind die Wolken.

Beim Wetter ist alles miteinander verbunden und rückgekoppelt – die totale Vernetzung. Eine winzige Veränderung hier kann sich daher zu einer gigantischen Veränderung ganz woanders aufschaukeln. Das ist die Gesetzmäßigkeit eines indeterministischen Systems, auch als chaotisches System bezeichnet: Der Flügelschlag eines Schmetterlings in Peking kann einen Hurrikan in New York auslösen. Rein rechnerisch geht das sogar; dem liegen die Gesetzmäßigkeiten der so genannten Chaosmathematik zugrunde. D. h. man vermag zwar kurzfristige Trends abzuschätzen, aber eine langfristige Wettervorhersage ist schon rein mathematisch de facto unmöglich. So kommt es, dass immer wieder hier Dürre, da Sintflut, hier Windstille, da Hurrikan auftreten. Aufgrund des chaotischen Verhaltens kann eine Wetterbeeinflussung bei entsprechenden Ausgangsbedingungen u. U. mit recht einfachen Mitteln praktiziert werden; selbst die Zugbahn eines Hurrikans könnte – theoretisch! – abgelenkt werden. Risiken und Nebenwirkungen sind dabei allerdings garantiert.

Ungeachtet solcher Risiken und Nebenwirkungen versucht der Mensch schon seit langer, langer Zeit, das Wettergeschehen punktuell zu beeinflussen. Das beginnt bereits bei der Regenzeremonie der frühen nordamerikanischen Indianer. Nein, es waren weder Tanz noch Rituale, die dabei für Regen gesorgt haben. Es waren vielmehr die großen Lagerfeuer, welche mit ihrem Ruß massenhaft Feinstaub und folglich Kondensationskeime in die Atmosphäre eingebracht haben. Das derartige Feinstaubmengen immens sind, wird jeder bestätigen können, der schon einmal einen Blick auf den „Bodennebel“ nach einem abgebrannten Osterfeuer geworfen hat. In Deutschland gibt es zur Wetterbeeinflussung die so genannten „Hagelflieger„, welche Wolken zum Abregnen bringen sollen, bevor sich zerstörerischer Hagel bildet. China unterhält sogar ein eigenes „Wetteränderungsamt“, welches anlässlich der Olympiade in Peking im Jahr 2008 für strahlenden Himmel sorgte. Manchmal allerdings – man beachte die Risiken und Nebenwirkungen – kann so eine Wettermanipulation auch durchaus nach hinten losgehen.

Daraus resultiert beinahe schon automatisch die Frage, ob Versuche zur Wettermanipulation ausschließlich zu friedlichen Zwecken genutzt werden können – denn ein Land, welches mit Wettermanipulationen angegriffen wird, dürfte den Angriff nicht mal als solchen erkennen. Wozu könnte ein derartiger Angriff dienen? Er könnte sicherstellen, dass das betreffende Land auf längere Zeit mit sich selbst beschäftigt ist und dem Angreifer bei seinen eigenen Vorhaben nicht in die Quere kommt. Er könnte dafür sorgen, dass ein Land politisch destabilisiert wird. Der Möglichkeiten dazu gibt es einige: Zwar könnte man bei Dürre noch bewässern, aber wochenlanger Regen macht die Ernten kaputt und treibt ein Land, wenn es Hungersnöten ausweichen will, in die Abhängigkeit von anderen. Sintflutartige Regenfälle zerstören die Infrastruktur und der Wiederaufbau ist doch ein glänzendes Geschäft, nicht wahr? Ähnliches gilt für reichhaltige Schneefälle und Lawinenabgänge in Bergregionen.

Derartige Szenarien sind nicht auf meinem Mist gewachsen. Vielmehr hat sich die US Air Force mit „Weather as a Force Multiplier: Owning The Weather in 2025“ darüber bereits im Jahr 1996 ernsthafte Gedanken gemacht. In der Schrift wird u. a. beschrieben, wie sich mit der Aufheizung durch in die Atmosphäre eingebrachten Staub Hitzewellen und Dürren erzeugen lassen, wie mit einem „Artifical Ionospheric Mirror (AIM)“, erzeugt aus den Abstrahlungen zweier Stationen, die Ionosphäre als Parabolspiegel zweckentfremdet werden könnte und wie die prinzipielle Möglichkeit des Einsatzes von energiereicher Strahlung zur atmosphärischen Aufheizung mit einem Sturm als Ziel auszusehen hätte. An dieser Stelle ist, um Missverständnissen vorzubeugen und Verschwörungstheorien keinen Vorschub zu leisten, ein ganz wichtiger Einschub nötig: Es geht nachfolgend NICHT darum, ob so etwas überhaupt praktiziert wird. Es geht vielmehr darum, ob die grundsätzliche Möglichkeit besteht, so etwas realisieren zu können.

Betrachten wir dazu erst einmal die bereits angesprochene Strahlung. Strahlung, was ist das? Das sind Impulse in Form von elektromagnetischen Wellen. Kennt jeder: Rundfunk, Fernsehen, Handy, Taschenlampe, Mikrowelle, Radar … Die Kurzwelle umfasst den Bereich von etwa 3 bis 30MHz. Die Abstrahlungen erfolgen nach oben gerichtet als so genannte Raumwelle. Die Ionosphäre reflektiert bei geeignetem Winkel die Raumwelle zurück zum Boden, von wo aus sie zurück in die Ionosphäre reflektiert wird usw. Man nennt das „Multi-Hop“ und eine auf Kurzwelle arbeitende Rundfunkstation ist dadurch weltweit zu empfangen. Typische Sendeleistungen solcher Rundfunkstationen liegen im Bereich zwischen 25 und 250KW, lediglich Propagandasender wie VoA (Voice of America) oder VoR (Voice of Russia, früher Radio Moskau) verwenden mitunter Leistungen bis rauf zu 5MW. Das entspricht in etwa der Leistung einer großen Windkraftanlage. Diese Leistung wird durch die Antennen in die Umwelt abgegeben. Damit niemand zu Schaden kommt, ist zu den Antennen üblicherweise ein Sicherheitsabstand von mehreren hundert Metern einzuhalten. Was im Umkehrschluss selbstverständlich aber auch bedeutet, dass derartige Strahlung auf die Umgebung Auswirkungen hat.

Der Frequenzbereich von 300MHz bis 300GHz ist der Sektor der Mikrowellen. Je kurzwelliger (u. d. h. energiereicher) die sind, desto geringer ist ihre Reichweite in Luft. Der Silent Guardian bzw. Silent Sheriff bringt es auf gut 500m, während das langwelligere Radar ein paar hundert Kilometer abdeckt. Mikrowellen machen aber noch etwas: Sie werden vom Wasserdampf absorbiert und geben ihre Energie dabei an die Wassermoleküle ab. Wasserdampf gibt es in der Atmosphäre. Wasser in Form von Wolken auch. Jetzt kommt die Ionosphäre ins Spiel und dort speziell die Polarlichter. Sie werden normalerweise durch Sonnenstürme verursacht. Polarlichter sind ionisierte Gasatome und die Farbe gibt Aufschluss darüber, um welche Gase es sich handelt: Rot und Grün kennzeichnen Sauerstoff; bei Blau und Violett handelt es sich um Stickstoff. Aufgrund eines Polarlichts kann es in Stromnetzen durch Induktionen zu Spannungsschwankungen kommen. So wurde beispielsweise der Stromausfall in Kanada im Jahre 1989 auf einen starken Sonnenwind zurückgeführt. Polarlichter können aber noch etwas: Sie können Kurzwellen, UKW und niederfrequente Mikrowellen hervorragend (d. h. verlustarm) reflektieren.

Neben den natürlichen Polarlichtern durch Sonnenstürme lassen sich Polarlichter auch von der Erde aus künstlich erzeugen. Dazu muss lediglich ein hinreichend starkes Signal in die Ionosphäre abgestrahlt werden, wobei der Abstrahlwinkel so gewählt wird, dass es nicht mehr zur Reflexion kommt. Bei den o. e. Rundfunksendern reicht die Leistung zum Erzeugen eines solchen künstlichen Polarlichts nicht aus. Deswegen gibt es Ionosphären-Forschungsanlagen mit weitaus größerer Leistung. Eine davon verfügt über 800 Richtantennen, die im Frequenzbereich zwischen 2,8 und 10MHz (also auf Kurzwelle) die unglaubliche Leistung von 3,6MW bis 3,16GW (was schon beinahe in den Leistungsbereich eines kleinen AKWs fällt) in die Ionosphäre pumpen. Diese Anlage nennt sich HAARP. Um Verschwörungstheoretikern zuvor zu kommen: Nein, damit kann man weder Vulkanausbrüche noch Erdbeben auslösen. Damit kann man auch keine Hirnfrequenzen von Menschen beeinflussen, weil die (Delta-, Theta- und Alphawellen) sich im Bereich von 0,5 bis 32Hz (also in einem gänzlich anderen Frequenzbereich) abspielen. Außerdem erfolgt die Abstrahlung der HAARP-Antennen so steil nach oben, dass Reflexionen zur Erdoberfläche hin kaum anzunehmen sind. Das einschränkend dazu.

Aber etwas anderes passiert. HAARP ionisiert punktuell die Ionosphäre. Eine solche künstliche Ionisation kann prinzipiell die natürliche Ionisierung durch Sonnenstürme ablenken und somit in Grenzen auch lenken – vielleicht dorthin, wo es in Stromnetzen durch Induktion zum Blackout kommen soll? Das ist der eine, der direkte Punkt. Es gibt aber noch einen zweiten, einen indirekten Punkt. Die Ionosphäre folgt der Form der Erdkrümmung. Etwas mehr Krümmung, bspw. durch zusätzliche, künstlich verursachte Ionisation und das Ganze nähert sich vielleicht räumlich eng begrenzt dem Aussehen eines Parabolspiegels an. Der fokussiert weitere Strahlung in einen Brennpunkt auf der Erdoberfläche bzw. in der Homosphäre mit ihrem Wettergeschehen. Nun bedarf es allerdings einer zweiten Anlage, welche die zu fokussierende (und möglichst auch kurzwelligere und damit leichter von den Wassermolekülen aufzunehmende) Stahlung erzeugt. Besagtes Szenario findet sich nämlich auch in der Schrift der US Air Force (vgl. oben).

Eine solche zweite Anlage existiert. Bei der handelt es sich um EISCAT 3D. Diese Anlage ist deutlich größer als HAARP und liefert im kurzwelligeren Bereich von 233MHz mit 100.000 Antennen ihre energiereichere Strahlung. Offiziellen Angaben zufolge liegt der Output von EISCAT 3D allerdings nur bei >2MW. Ähem… – beißt sich da nicht vielleicht etwas ein ganz klein Wenig? Ich mein‘ ja nur. Auf der einen Seite eine kleine Anlage von 800 Antennen und sagenhaften 3,16GW und auf der anderen Seite eine Riesen-Ionosphären-Forschungsanlage von 100.000 Antennen und 2MW bei einer Leistung, die unter der eines Rundfunksenders (welcher die Ionosphäre nicht zu beeinflussen vermag) liegt? Mag sein. Vielleicht waren da ja auch die Bauherren des BER am Werk. Jedenfalls ist EISCAT 3D offiziell ebenso wie HAARP eine zivile Forschungsanlage zur Untersuchung der Ionosphäre, also alles vollkommen harmlos: Honny soit qui mal y pense – ein Schuft wer Böses dabei denkt!

Wie kann man Einrichtungen, die sich u. U. militärisch nutzen lassen, besser tarnen als wenn man sie offiziell als nichtmilitärische Forschungsanlagen deklariert und auch betreibt? Bzw. die man sogar als stillgelegte, zivile Anlage bezeichnet? Wir haben es hier mit einem typischen Dual-Use-Problem zu tun. Das kennt ihr: Ein Auto kann man benutzen, um von A nach B zu gelangen. Man kann damit aber auch vorsätzlich jemanden plattfahren. Einen Hammer kann man verwenden, um damit einen Nagel in die Wand zu schlagen. Man kann damit aber auch einen Schädel einschlagen (zugegeben, es gibt durchaus Mitmenschen, die sich das redlich verdient haben).

Betrachten wir jetzt einmal HAARP und EISCAT 3D unter dem Dual-Use-Gesichtspunkt. Dann haben wir eine Anlage im einen Frequenzbereich, die möglicherweise eine Art von Parabolspiegel in der Ionosphäre erzeugen kann (nämlich HAARP) und eine andere Anlage, die möglicherweise – bei entsprechender Leistung – besagten Spiegel in einem anderen Frequenzbereich mit hochenergetischer Strahlung beschicken könnte (nämlich EISCAT 3D). Beide zusammen würden etwa die obere Hälfte der Nordhalbkugel unserer Erde beschicken können, Russland mit eingeschlossen. Wenn EISCAT 3D jetzt also Strahlung aussendet und HAARP die in einen Brennpunkt bündelt, dann ist die punktuelle Erwärmung auf der Erdoberfläche bzw. in der Homosphäre die unausweichliche Folge. Damit aber sind wir bereits bei der Zugbahnbeeinflussung von Stürmen und Hurrikanes (vgl. den oben verlinkten Zeitungsbeitrag). Kleine Randanmerkung: Auch die Russen ud Chinesen fummeln mit vergleichbaren Anlagen an der Ionosphäre herum. Und um abschließend auf die weiter oben gestellte Frage zurück zu kommen: Besteht prinzipiell die Möglichkeit, durch Ionosphärenbeeinflussung eine Wettermanipulation vornehmen zu können (unabhängig davon, ob es auch tatsächlich versucht wird)? Ja, die besteht grundsätzlich. Die Anlagen dazu sind vorhanden. Wetter als Waffe liegt durchaus im Bereich des Möglichen!