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Dieses ist nicht die Originalversion des Testberichts, sondern vielmehr ein editierter Bericht. „Man“ – ich will nicht sagen wer, um keine Munition zu liefern – hat mich genötigt, die Einleitung umzuschreiben und meine Gründe für den Einsatz dieses besseren Fahrtenschreibers für mich zu behalten und auch Kommentare, welche sich auf die Ursprungsversion beziehen, tunlichst zu löschen. Sei’s drum … Wie war das doch gleich mit Art. 5GG? Der scheint das Papier nicht wert zu sein, auf dem er gedruckt worden ist. Ergo beuge ich mich gezwungenermaßen dem Recht des Stärkeren. Soviel zu Demokratie und Meinungsfreiheit in Deutschland. Hier kommt der Testbericht.

Manchmal muss man in einen sauren Apfel beißen. Aus eben diesem Grund habe ich mich gezwungen gesehen, mir eine Dash Cam zuzulegen. Die gab’s vorletzte Woche bei NETTO im Angebot, und zwar für ’nen Zwanziger. Dafür kann man sowas schonmal mitnehmen. Zwei Stück hatten die geliefert bekommen und eine davon erhielt ich, weil ich gleich frühmorgens dort auf der Matte gestanden habe.

Es handelt sich um ein Low-Budget-Gerät des Typs DENVER CCT-1210 MK3, ungefähre Abmessungen 70*70*40mm – also recht klein und leicht zu übersehen. Zum Lieferumfang gehören eine Kfz-Halterung (man muss seine Phantasie etwas bemühen um die richtig zusammen zu setzen), die Kamera (mit Objektiv vorne und Display hinten; das Mikro ist schräg unterhalb des Objektivs verbaut), ein 0,5m-Mini-USB-Ladekabel für ein Netzgerät sowie ein 2m-Ladekabel (mit passendem Stecker) für das 12V-Bordnetz. Zusätzlich zu kaufen und nicht im Lieferumfang enthalten ist eine Speicherkarte Micro SDHC max. 32GB. Es empfiehlt sich allerdings, hier keine kleinere Karte zu verwenden, denn die 32GB braucht man durchaus, zumindest auf längeren Fahrten: Zwei Stunden schlagen schon mit gut 10GB zu Buche und spätestens nach sechs Stunden ist die Karte randvoll. Die aufgenommenen Videos haben eine Länge von maximal zehn Minuten; danach startet das nächste Video. Ist die Speicherkarte voll, dann überschreibt die Dash Cam das jeweils älteste Video. Zusätzlich ist in der Dash Cam noch ein Mini-Akku fest verbaut. Der puffert u. a. die vorgenommenen Einstellungen (Datum, Zeit, Sprache, Videogröße etc.) und hat beim Betrieb der Kamera ohne Stromversorgung eine Lebensdauer von knapp zehn Minuten. Ein Nachtsichtmodus existiert nicht (was bei dem Preis aber wohl auch kaum zu erwarten gewesen wäre).

Die Kamera unterstützt bei einer Lichtstärke von F 2.0 die Videoauflösungen 1920*1080px (das ist die Default-Einstellung ab Werk und dabei handelt es sich nicht um ein echtes, sondern vielmehr um ein hochgerechnetes Bild) sowie (als echte Bilder) 1280*720px und 640*480px. Das entspricht qualitätsmäßig so ungefähr der Abfolge HD-TV, normaler Flatscreen und Röhrenfernseher. Abgelegt werden die Aufzeichnungen mit Video-Codec M-JPEG und Audio-Codec Microsoft-PCM-Wave im AVI-Container. Das ist m. E. ein ziemlich mongolisches Format, aber VLC kann es wiedergeben und XMedia Recode kann es in ein kompatibles Format konvertieren – bei XviD-MP3 im AVI-Container (was nahezu überall läuft und nun wirklich keine starke Komprimierung ist) schrumpft man die Aufzeichnung auf nur noch 27% des ursprünglichen Speicherplatzbedarfs zusammen. Hätte man das gleich in die Dash Cam integriert, dann könnte man auf die 32GB-Karte satte 22 Stunden draufbringen – doch so, wie es ist, muss man eben mit dem mongolischen Format leben. Das dazu. Und wie funktioniert das Teil nun?

Beim Auspacken stellt man fest, dass Kamera und Kfz-Halterung getrennt sind. Dreimal um die Ecke denken und es erschließt sich, wie beides zusammengesteckt wird. Die Anleitung schweigt sich darüber nämlich aus. Jetzt die Kamera mit der Speicherkarte bestücken (wird seitlich eingeschoben). Mit dem normalen USB-Ladekabel erfolgt die erste Inbetriebnahme und sobald das Gerät Strom hat, erhellt sich auch das Display. Achtung, aufgrund des integrierten Bewegungssensors zeichnet die Dash Cam jetzt bereits auf! Das tut sie nämlich immer von ganz allein, sobald der Strom eingeschaltet wird – und was später im Auto durchaus sinnvoll ist. Doch dazu weiter unten mehr. Nach dem Anstöpseln parkt man den Finger auf der Taste „Menü“, solange, bis die Einstellungen erscheinen. Zunächst einmal ändert man das englischsprachig gelieferte Gerät unter „Language“ auf „Deutsch“. Mit „Dateneingabe“ werden Datum und Uhrzeit eingestellt. Die „Bewegungserkennung“ muss auf „Ein“ stehen, damit die Dash Cam auch automatisch aufnimmt. Der „Timestamp“ sollte auch eingeblendet sein. Der rote „OK“-Knopf unter dem Display dient dem Übernehmen der Einstellungen und mit den Pfeil-Rauf und -Runter-Tasten navigiert man im Menü. Man muss schon etwas rumprobieren, bis man raus hat, wie das alles funktioniert, denn auch darüber schweigt sich die Bedienungsanleitung komplett aus.

Ob alles richtig funktioniert sieht man anhand des während der Einstellung aufgenommenen Videos. Das wird auf den Rechner übertragen und kontrolliert. Wenn es OK ist die Speicherkarte formatieren und ab damit in die Kamera. Nun wird das 12V-Kabel an die Dash Cam angeschlossen und das Teil wandert ins Auto. Der Stecker des 12V-Kabels wird in die Bordsteckdose eingesteckt und man befestigt die Kamera (ihr Blickwinkel umfasst übrigens 120° – was sich links und rechts vom Fahrzeug abspielt wird daher nicht erfasst, so dass das Gerät zur Beweissicherung im Falle eines Unfalls eher wenig taugt) mittels Saugnapf mittig unten an der Windschutzscheibe: Das gibt eine schöne Rundumsicht. Zwischen Kamera und Saugnapf befindet sich ein Kugelgelenk zum Ausrichten der Kamera und eine Feststellschraube soll das Ganze sichern. Leider alles aus Billigplastik und ziemlich filigran, also Vorsicht, dass nichts abgebrochen oder das Gewinde vergnaddelt wird! Hier ist wirklich viel Fingerspitzengefühl gefragt! Alles angeschlossen? OK! Motor starten und die Kamera erwacht zum Leben. D. h. sie nimmt automatisch alles auf. Bis der Motor abgestellt wird. Das Display der Kamera erlischt allerdings bereits nach ein paar Sekunden und dann scheint es so, als wenn das Teil außer Betrieb ist. Ist vielleicht sogar ganz gut so. Aufzeichnen tut sie trotzdem. Aber nur dann, wenn auch die blaue LED im 12V-Stecker leuchtet. Ist die Anschlussdose nämlich korrodiert (passiert gerne bei Altfahrzeugen) dann fehlt es am Kontakt und eine Reinigung der 12V-Buchse muss vorgenommen werden.

Nun vielleicht noch ein paar Anmerkungen zur Bild- und Tonqualität: Wunder darf man nicht erwarten! Aber es reicht zum Dokumentieren der Fahrt durchaus. Das Bild ist etwas pixelig, je nach Lichtverhältnissen, und auch der Verschmutzungsgrad der Windschutzscheibe beeinflusst selbstverständlich die Qualität. Der Ton ist etwas dumpf, getaktet und auch relativ leise, was dem Einbauort des Mikrofons geschuldet ist: Es zeigt während des Betriebs nach unten auf das Armaturenbrett (bzw. auf die Ablage) und nur eine winzige Bohrung im Gehäuse der Dash Cam lässt die Schallwellen überhaupt durch. Doch wie schon gesagt: Die Qualität ist zum Dokumentieren durchaus ausreichend, auch wenn die Kennzeichen anderer Fahrzeuge kaum erkennbar sind.

Wenn bei einer Fahrt nichts passiert, dann kann man die Aufzeichnung getrost löschen (d. h. die Speicherkarte formatieren). Wird hingegen noch Material davon gebraucht, dann empfiehlt sich die Konvertierung mit XMedia Recode (vgl. oben) und das anschließende Zuschneiden der betreffenden Szenen. Dazu eignet sich Avidemux recht gut. Fazit: Man kann zwar für einen Zwanziger keine Wunder erwarten, aber umsonst ausgegeben ist dieses Geld garantiert nicht und für die Dokumentation einer Fahrt ist die Dash Cam m. E. durchaus geeignet! Zum Vergleich: Hochwertigere (und selbstverständlich auch wesentlich teurere sowie zur Beweissicherung im Fall des Falles geeignete) Dash Cams verfügen über Blickwinkel von 160-170°, bessere Optiken, Nachtsichteinrichtung und über einen Erschütterungssensor, der die Kamera auch dann einschaltet, wenn jemand auf das geparkte Auto auffährt. All das darf man in dieser Preisklasse natürlich nicht erwarten. Das tat ich auch nicht und für meinen Bedarf reicht’s durchaus.