Barden waren in der Antike und im Mittelalter sowohl Unterhalter wie auch die Überbringer von Nachrichten – denn Zeitungen, Rundfunk und Fernsehen gab es ja damals noch nicht. In der Neuzeit sind es ganz zweifellos die Liedermacher, welche in ihre Fußstapfen getreten sind und das, was wir heute als „Talking Blues“ bezeichnen – eine Art von Sprechgesang mit musikalischer Begleitung – dürfte auch in dieser Tradition stehen. Ein bekannter Barde bzw. Liedermacher unserer Zeit ist Hannes Wader. Sein m. E. bester Talking Blues erschien in zwei Teilen, nämlich Teil 1 im Jahr 1972 auf der LP „7 Lieder“ und Teil 2 im Jahr 1976 auf der LP „Kleines Testament“. Bei dem Stück handelt es sich um den Titel „Der Tankerkönig“ – zusammen eine halbe Stunde lang. Es geht dabei um einen kleinen Mann, dem die Nerven durchgehen, um einen reichen Bonzen und um einen korrupten Politiker, der mit der Demokratie nicht besonders viel am Hut hat. Der Tankerkönig ist jetzt über vierzig Jahre alt. Er ist – leider! – immer noch genauso topaktuell wie damals. Was also hat sich wirklich verändert? Nehmt euch mal eine Auszeit von einer halben Stunde, hört genau zu und denkt mal drüber nach …