Ich bin im Laufe der Zeit schon häufiger danach gefragt worden, wie man Vollmond-Aufnahmen macht. Nun ist mir aufgefallen, dass ich diesbezüglich noch in gar keinem meiner bisherigen Blogs eine detaillierte Anleitung – also kein Vollmond Tutorial – geliefert habe. Das wird jetzt nachgeholt. Zuerst mal müssen die Aufnahmebedingungen passen – also nachts und ein völlig klarer Himmel. Selbstverständlich ist der Standort so zu wählen, dass der Vollmond auch gut zu sehen ist. Anschließend wird es etwas trickreich, denn der Vollmond ist barbarisch hell. Man will aber keinen weißen Kreis abbilden (der hinterher wie ein Loch im Foto erscheint), sondern stattdessen die Textur der Mondoberfläche auf das Bild bannen. Das ist in etwa so, als wollte man frontal in einen starken Scheinwerfer rein fotografieren und dabei die Textur des Scheinwerferglases erhalten wollen – was nicht ganz einfach ist. Ohne Stativ geht jedenfalls gar nichts; dabei ist es erfahrungsgemäß aber ziemlich egal, ob man ein Tripod oder ein simples Monopod verwendet.

Den Anfang macht eine kurze Belichtungsreihe, so aus rund drei bis fünf Aufnahmen bestehend, zum Einschießen. D. h. es wird mit komplett manueller Einstellung fotografiert. Der ISO-Wert wird auf 100 festgenagelt um die Körnigkeit des Bildes zu minimieren (höher als 400 sollte man auf gar keinen Fall gehen). Anschließend beginnt man mit der kleinstmöglichen Blende (d. h. mit der größten Blendenzahl) – damit hinreichende Schärfe vorhanden ist – zoomt den Mond optisch (NICHT elektronisch!) voll ran und macht Testaufnahmen mit variierender Belichtungszeit, beginnend mit 1/2000 Sekunde. Wenn nichts auf dem Kamermonitor zu sehen ist, dann die Belichtungszeit vergrößern – bis maximal etwa 1/120 Sekunde (bspw. Blende 8,3 mit 1/500 Sekunde bei 1.000mm Brennweite). Sollte auch das nicht reichen, dann die Blende vergrößern und nochmal von vorn beginnen – solange, bis der Mond gut sichtbar und nicht zu hell auf dem Kameramonitor erscheint: Unterbelichtung lässt sich korrigieren, Überbelichtung nicht! Nun werden die Aufnahmen geschossen, und zwar wesentlich mehr als man braucht. Warum? Weil man zwei Drittel zumeist ohnehin wegschmeißen kann, da die in irgendeiner Form nicht gelungen (d. h. zumeist unscharf) sind.

Die Bilder sind nun im Kasten und wie geht es weiter? Es folgt die Nachbearbeitung. Die kann man mit Freeware machen. Ich verwende dazu:
IrfanView,
Photoscape,
JPG Illuminator und
GIMP.
GIMP gibt es nativ für Windows und Linux. Alle diese Programme sind portable Windows-Freeware, wobei (GIMP ausgenommen) deren Windows-Installationen auch per WinE als 1:1-Kopie unter Linux laufen.


Das unbearbeitete Originalbild.

Den Anfang macht Irfanview. Darunter wird das Originalbild geladen. Nun stellt man das Motiv (d. h. den Vollmond) frei, wobei die Markierung die Maße von 2048*1536px nicht unterschreiten sollte, damit hinterher noch halbwegs vernünftige Anzugsgrößen möglich sind. Merke: Verkleinern kann man hinterher immer noch, vergrößern dagegen nicht. Der Ausschnitt bildet den Mond nun formatfüllend ab. Abspeichern nicht vergessen!


Der Ausschnitt, auf dem der Mond jetzt formatfüllend zu sehen ist.


Das Schärfen mittels Photoscape.

Diesen Ausschnitt lädt man unter Photoscape. Photoscape stellt zehn verschiedene Stufen zum Schärfen zur Verfügung. Stufe 1 reicht völlig aus, denn mit mehr könnte das Bild wieder körnig werden. Man schärft folglich den zuvor erzeugten Ausschnitt und speichert die Aufnahme wieder ab.


Nach der ersten Bearbeitung mit dem JPG Illuminator.

Die Aufnahme erscheint bis jetzt immer noch lichtschwach und kontrastarm. Das wird mit Hilfe des JPG Illuminators etwas ausgeglichen (Schatten bis +1,0, Kontrast bis +0,35, Kontrast-Ausgleich bis +0,08, Sättigung bis +33 und ein etwaiger Farbstich kann auch schon marginal korrigiert werden) – dabei aber NICHT überfiltern! Da jede Aufnahme anders gelagert ist lassen sich an dieser Stelle keine fixen Werte angeben und es ist das Ausprobieren gefragt. Das Foto ist jetzt zwar noch längst nicht optimal, doch für die weitere Bearbeitung reicht es durchaus und daher wird abgespeichert.


Nach der Ebenenbearbeitung mit GIMP.

Man hat jetzt zwei Bilder, nämlich den mittels Photoscape geschärften Ausschnitt sowie die mit dem JPG Illuminator korrigierte Aufnahme. Letztere wird unter GIMP geladen, anschließend die erstgenannte Aufnahme unter GIMP laden. Die kopiert man in die Zwischenablage, schließt sie und fügt sie als neue Ebene über dem mit JPG Illuminator korrigierten Bild wieder ein. Die Deckkraft wird auf 50% (Richtwert) justiert. Danach wählt man den Überlagerungsmodus, wobei sich erfahrungsgemäß Abwedeln, Addition, Überlagern und Faser mischen (hängt von der jeweiligen Aufnahme ab und muss im Einzelfall ausprobiert werden) eignen. Anschließend werden die Ebenen nach unten vereint und das Bild wird unter neuem Namen exportiert.


Der letzte Schliff durch nochmalige Bearbeitung mit dem JPG Illuminator.

Den letzten Schliff erhält diese aus GIMP exportierte Aufnahme durch nochmalige Bearbeitung mit dem JPG Illuminator. Dabei werden Schatten bis +0,5 und u. U. auch Schwarzpunkt bis +16 sowie Mitten bis -8 (alles nur Richtwerte) korrigiert; auch ein etwaig noch vorhandener Farbstich lässt sich jetzt beseitigen. Zuletzt wird die fertige Aufnahme nur noch abgespeichert.


Der direkte Vergleich: Vor und nach der Bearbeitung.

Die hier geschilderte Arbeitsweise geht mit etwas Übung wie von selbst von der Hand und dauert auch nicht lange. Es empfiehlt sich aber, die beiden vom JPG Illuminator generierten *.jif-Filterdateien aufzuheben, für die gesamte Fotoserie zu verwenden und erst ganz zuletzt zu löschen. Das spart nämlich sehr viel Zeit!