Jetzt, nachdem es schon etliche Jahre her ist seit meine Töchter die Schulbank gedrückt haben, kann ich es ja sagen. Beide sind immer wieder an einer ernsthaften Seuche erkrankt. Dabei hat es sich um akute, höchstgradige „ludus segnities“ gehandelt, vielleicht besser bekannt als akute Schulunlust. Als Vater oblag es dann mir, denen die Entschuldigung zu schreiben. Manchmal geschah das zähneknirschend, manchmal aber auch meinerseits mit Vorsatz. Im letztgenannten Fall immer dann, wenn wir uns stattdessen zuhause hingesetzt haben, um die schlimmsten Verfehlungen der staatlichen Bildungseinrichtungen wieder auszubügeln. Diese Vorgehensweise scheint sich gelohnt zu haben, denn die Kleine sammelt Ausbildungen – wie ich – und die Große bastelt an ihrer Doktorarbeit. Kommentar meiner Jüngsten nach erfolgreichem Schulabschluss dazu: „Papa, alles was ich in der Schule gelernt habe hast du mir beigebracht!“

Es verhält sich doch so: Wir alle kennen diese ernsthafte Erkrankung ja wohl aus eigener, leidvoller Erfahrung und können daher die Nöte unseres Nachwuchses durchaus nachvollziehen. Nichtsdestotrotz ist es für ein Elternteil immer ausgesprochen lästig, für das Schulkind eine Entschuldigung schreiben zu müssen. Ich meine, der „kleine grippale Infekt“ ist schon seit Jahrzehnten als Klassiker hoffnungslos überstrapaziert worden – an dem sind Generationen von Schülern schon erfolgreich erkrankt – und den „Bandscheibenrückfall“ oder den „grippalen Infarkt“ glaubt einem eh‘ keiner. Das Schreiben einer Entschuldigung für das schulpflichtige Kind trainiert daher die Phantasie von uns Erwachsenen! Allerdings wurde mir das irgendwann dann doch zuviel und ich überlegte mir, wie man da für Abhilfe sorgen könnte.

Das funktionierte eigentlich ganz einfach. Ich entwarf ein Entschuldigungsformular und druckte es aus. Das gab ich den Kindern mit dem Hinweis: „Hebt euch das gut auf. Wenn ihr es braucht dann kopiert es, füllt es aus und ich unterschreibe das anschließend nur noch.“ Daraufhin trat ein sehr merkwürdiger und absolut unerwarteter Effekt ein: Besagtes Formular wurde niemals benötigt und die Erkrankung der akuten „ludus segnities“ trat plötzlich auch nicht mehr auf! Ich hatte völlig unerwartet ein Heilmittel dafür gefunden! Da es die grassierende, akute Schulunlust auch heute noch gibt, will ich euch dieses Heilmittel nicht vorenthalten. Ihr findet es untenstehend. Kopiert es im Bedarfsfall einfach raus, formatiert es meinetwegen noch etwas um und verwendet es einfach!

PS: Die Schreibweise „Leerkräfte“ unten ist durchaus beabsichtigt!

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Entschuldigung

Hiermit wird (Name, Vorname einfügen)

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aus Klasse (bitte Klasse einfügen)

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für den Zeitraum von bis (bitte Wunschzeitraum einfügen)

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für (Zutreffendes bitte ankreuzen)

o das Fernbleiben vom Unterricht
o die Nichtteilnahme am Sportunterricht

entschuldigt. Begründung: Es lag eine schwere Erkrankung vor, nämlich (Zutreffendes bitte ankreuzen)

o Lebensbedrohlicher Fußpilz
o Rüsselpest und Schnodderseuche
o Akute Schulunlust
o Cholera
o Massive Leerkräfteantipathie
o Beulenpest
o Unverantwortlicher psychischer Stress durch das Schreiben einer Klassenarbeit
o Lepra
o Allgemeine Antriebslosigkeit
o Ebola
o Sonstiges (bitte lateinische Krankheitsbezeichnung angeben – klingt ernster)
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Mit freundlichen Grüßen

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