Vor sechs Jahren wollte meine Schwiegermutter eine Zimmerpflanze wegwerfen. Es handelte sich um Hauswurz. Ich pflanzte die im Vorgarten aus, allerdings ohne viel Hoffnung. Denn Norddeutschland ist nun nicht wirklich das Verbreitungsgebiet der „Steinrose“. Genauer gesagt: Das Gewächs kommt hier eigentlich gar nicht vor. Doch die Pflanze blühte nicht nur einmal, sondern entwickelte darüber hinaus auch noch zahllose Ableger – alle vom Durchmesser her so in der Größe zwischen 10-Cent- und 2-Euro-Stücken.


Vor sechs Jahren, nach dem Umsetzen in den Vorgarten.

Bevor die Hauswurz das ganze Beet überwucherte, nahm ich ein paar Ableger davon ab und setzte die an verschiedenen Stellen im Garten hin, u. a. auch mit ganz wenig Erde auf eine Dachziegel. Selbst da wuchs das Zeug und bildete reichlich Ableger, wenngleich auch sehr klein bleibend. Dann gab’s da diese Tonschale, eigentlich zu nichts zu gebrauchen, weil viel zu klein. Da kamen fünf Ableger vom 10-Cent-Format rein. Das war vor zwei Jahren. Vor acht Wochen hatten die besagte Schale dann so ziemlich ausgefüllt und ich pflanzte das Zeug in eine größere, flache Schale um. In Folge legten die Pflanzen ein faszinierendes, unglaubliches Größenwachstum hin!


Links vom Lineal etwa die Größe der Ableger, welche zuerst in die Tonschale kamen. Rechts davon der Inhalt der unten zu sehenden Tonschale, acht Wochen nach dem Umpflanzen: Unglaubliches Größenwachstum!

Die ganze Pflanzerei machte ich nur aus reiner Neugier: Mal sehen ob bzw. was draus wird. Irgendwann stellte sich mir aber auch die Frage: Kann man mit der Hauswurz eigentlich irgendwas anfangen? Wikipedia weiß zu berichten, dass Hauswurzen auf Dächern in früheren Zeiten angeblich vor Blitzschlag schützten. Denkbar wäre es, denn die Wasserspeicherung im Wurzelbereich beeinflusst ja nicht nur die elektrische Leitfähigkeit, sondern auch die Entflammbarkeit eines Daches.

Kürzlich nahm ich dann das, was sich auf der Dachziegel befand, mal ab und pflanzte es um. Interessanter Effekt dabei: Der Regen hatte die Erde von der Ziegel fast weggewaschen. Die Hauswurzen aber hatten ein so festes und dichtes Wurzelwerk gebildet, dass die Ableger mit einiger Kraftanstrengung wie Plastik auseinandergebrochen werden mussten. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass ein auf diese Weise biologisch befestigtes Dach die übelsten Stürme aushält! Allerdings dürfte es etliche Jahre beanspruchen, ein reguläres Dach damit zu begrünen. Vielleicht ist dann doch zweckmäßiger, mit einem Schlepp-, Garagen- oder Carport-Dach anzufangen? Denn wenn erst einmal hinreichend viel Hauswurz zur Verfügung steht, dann könnte man auch die phytomedizinischen Wirkungen – vgl. HIER und HIER – in Angriff nehmen.