Lange nicht mehr gebloggt. Liegt daran, dass das real life vorgeht und im letztgenannten Fall eine Woche hinter mir liegt, die sich nur mit sehr viel Wohlwollen als „einfach nur chaotisch“ beschreiben lässt. Es begann damit, dass ein Gewittersturm die Arretierung des alten Stalltores abgerissen hatte. Mangels Teilen improvisierte ich irgendwas zusammen und das hat sogar fünf Tage lang gehalten. Bis der nächste Gewittersturm dem 8mm-Stahlbolzen abgebrochen hat – Schei… Hab‘ heute Teile besorgt und das Ganze richtig repariert. Wenn jetzt noch was abreißen sollt, dann haben wir ein Loch im Tor – und zwar ein ziemlich großes!

Dann war da letzter Montag. Nach zig Telefonten zwecks Terminabsprache kam ein Bekannter mit seinem Anhänger vorbei und zusammen holten wir das defekte Motorrad meiner Großen aus der Werkstatt ab. Das hatte da schon seit gut sechs Wochen gestanden: Zuerst gab’s keine Ersatzteile, dann kamen die, wurden eingebaut und anschließend funktionierte es nicht. Der Motorradschrauber – lt. Firmenschild ein „Kfz Meisterbetrieb“ – erklärte kurzerhand, dass er einfach keine Zeit gehabt hätte, nach dem Fehler zu suchen. Hm…, ja… – der hatte vor gar nicht so langer Zeit erst ganz groß erweitert und jetzt stehen da so um die dreißig bis vierzig Fahrzeuge aller Schattierungen rum und er ist alleine am Schrauben. Ich vermute ja mal, dass er kein Geld für Personal mehr hat. Aber den Hobel zum Saisonstart hinzubringen und vielleicht zum Saisonende zurück zu bekommen ist sicherlich auch nicht gerade geschäftsfördernd!

So in der Art ging das unentwegt weiter; es war einfach nur zum Irrewerden und zum Abdrehen! Da gab’s diesen großen Berg an Sperrmüll, der zur Annahmestelle musste, denn das Abholen ist richtig teuer. Packte ich also Schwiegervaters Oldtimer damit voll, wollte losfahren und hatte ’ne gelbe Lampe auf dem Armaturenbrett. Haube aufgemacht, lose Masseverbindung gefunden, Kabel wieder dran, Auto wieder heile. Spät dran – denn überflüssig zu erwähnen, dass ich ja zwischendurch auch noch was arbeiten musste – und nichts wie los. Es wurde eine Baustellen-Hindernisfahrt, bei der ich einmal vor einer Baugrube kapitulieren musste und in Folge im Stau stand, grrrr…

Selbstverständlich haben unsere Pflegefälle mich auch noch auf Trab gehalten, bisher 24 Stunden in dieser Woche, wobei ich mir zum Dank – wie schon so oft – ein von Herzen kommendes „Du faule Sau – du tust ja nie was!“ anhören durfte. Aber die waren sowieso pissig auf mich, weil ich nicht nach der Pfeife der schwer Demenzkranken getanzt bin. Simples Beispiel: Schwiegervater meinte, dass ich ihm Brot einkaufen sollte. Ich guckte in seine Brotkiste und die quoll über, woraufhin ich den Einkauf mit den Worten „Verbraucht das man erstmal!“ ablehnte. Er betete umgehend eins seiner beiden Lieblingsmantras: „Naguuuthaamwanixzufressenmüssenwaavahungaan!“ „Dann verhungert ihr eben“, meinte ich und war sofort unten durch. Außerdem wollte er unbedingt, dass ich denen Getränke einkaufe, weil angeblich nichts mehr im Hause sei. Außer den läppischen 36 Flaschen an Saft und Mineralwasser, aber das Bisschen reicht ja nicht. Lehnte ich ab und prompt wurde das zweite Lieblingsmantra gebetet: „Naguuuthamwanixzusaufenmüssenwaavadorsten!“ Mein restlos abgenervtes „Dann verdurstet ihr eben!“ führte zur wüsten Brüll- und Beschimpfungsorgie seinerseits. Leck‘ mich doch! Und dabei waren das noch die mit Abstand harmlosesten Vorfälle im Pflegebereich; die anderen erwiesen sich als wesentlich unappetitlicher. So unappetitlich, dass bspw. der Besuch für die Pflegefälle binnen Rekordzeit vor deren bestialischem Gestank wieder geflüchtet ist.

Wenn man dann denkt, man wäre halbwegs auf Reihe, dann passiert „unverhofft kommt oft“ in Form von gefühlten tausend Kleinigkeiten. So z. B. der (meinerseits insgeheim erwartete) Hilferuf zwecks Arbeitseinsatz beim Verein. Sowas läuft ja im Grunde genommen auch immer nach dem gleichen Schema ab: Wenn es was zu Essen oder zu Trinken oder umsonst gibt, dann sind alle da. Wenn es aber mit Arbeit zu tun hat und nichts gibt, dann trifft man immer wieder auf die gleichen, wenigen paar Leute. Gestern dann dachte ich: „Endlich Feierabend!“ Kam meine bessere Hälfte vom Einkaufen zurück. Ohne Außenspiegel fahrerseitig. Bei der schwülen Hitze hatte sich nämlich der Kleber gelöst und das Spiegelglas war raus- sowie dem Zweiten Hauptsatz der Thermodynamik zum Opfer gefallen. Sprich: Es bestand nur noch aus tausend Scherben. War also wieder verschärftes Improvisieren angesagt, denn über Pfingsten repariert das sowieso keiner. Zur freien Improvisation dienten ein Taschenspiegel aus dem Badezimmerschrank sowie Tesa-Powerstrips. Zugegeben, so richtig fachmännisch ist das nicht geworden, aber für den Übergang reicht’s erstmal. Ich befürchte bloß, dass aufgrund der Powerstrips (es soll ja halten!) beim Abmontieren des Provisoriums das Auto dran hängen bleibt.

Das alles waren jetzt nur ein paar Schlaglichter aus einer absoluten Chaoswoche, die im Grunde genommen ersatzlos gestrichen gehört. Jedenfalls: Jetzt kann es Wochenende werden! Das läute ich mal mit etwas Musik ein. Nein, kein Mainstream – so fies bin ich nun doch nicht. Ich habe dazu „I’m Gonna Be (500 Miles)“ von den Proclaimers rausgesucht. Falls der Song jemandem bekannt vorkommen sollte: Kann gut sein! Das war nämlich der Soundtrack zu dem äußerst sehenswerten Film „Angels’ Share – Ein Schluck für die Engel“ – ein Film, der zeigt, dass es in westlichen Gesellschaften auch einem ausgesprochenen Underdog möglich ist, mit der dazu notwendigen kriminellen Energie zu einem geregelten Leben zu kommen (ohne besagte Energie funktioniert es selbstverständlich nicht).

I’m Gonna Be (500 Miles)

When I wake up, well I know I’m gonna be
I’m gonna be the man who wakes up next to you
When I go out, yeah I know I’m gonna be
I’m gonna be the man who goes along with you

If I get drunk, well I know I’m gonna be
I’m gonna be the man who gets drunk next to you
And if I haver, hey I know I’m gonna be
I’m gonna be the man who’s havering to you

But I would walk 500 miles
And I would walk 500 more
Just to be the man who walks a thousand miles
To fall down at your door

When I’m working, yes I know I’m gonna be
I’m gonna be the man who’s working hard for you
And when the money comes in for the work I do
I’ll pass almost every penny on to you

When I come home, oh I know I’m gonna be
(When I come home)
I’m gonna be the man who comes back home to you
And if I grow old, well I know I’m gonna be
I’m gonna be the man who’s growing old with you

But I would walk 500 miles
And I would walk 500 more
Just to be the man who walks a thousand miles
To fall down at your door

Da d-da da, da d-da da, da d-da da, da d-da da
Da-da-da dun-diddle un-diddle un-diddle a da da
Da d-da da, da d-da da, da d-da da, da d-da da
Da-da-da dun-diddle un-diddle un-diddle a da da

When I’m lonely, well I know I’m gonna be
I’m gonna be the man who’s lonely without you
And when I’m dreaming, well I know I’m gonna dream
I’m gonna dream about the time when I’m with you

When I go out, well I know I’m gonna be
(When I go out)
I’m gonna be the man who goes along with you
And when I come home, yes I know I’m gonna be
(When I come home)
I’m gonna be the man who comes back home with you
I’m gonna be the man who’s coming home with you

But I would walk 500 miles
And I would walk 500 more
Just to be the man who walks a thousand miles
To fall down at your door

Da d-da da, da d-da da, da d-da da, da d-da da
Da-da-da dun-diddle un-diddle un-diddle a da da
Da d-da da, da d-da da, da d-da da, da d-da da
Da-da-da dun-diddle un-diddle un-diddle a da da

Da d-da da, da d-da da, da d-da da, da d-da da
Da-da-da dun-diddle un-diddle un-diddle a da da
Da d-da da, da d-da da, da d-da da, da d-da da
Da-da-da dun-diddle un-diddle un-diddle a da da

And I would walk 500 miles
And I would walk 500 more
Just to be the man who walked a thousand miles
To fall down at your door