„Ich glaube an das Pferd. Das Automobil ist eine vorübergehende Erscheinung.“
(Kaiser Wilhelm II.)

Politiker sind schlau. Sie wissen alles. Deswegen sind sie ja auch Politiker und wir lassen uns von denen führen. Kaiser Wilhelm II. wusste das und setzte auf das Pferd als Transportmittel. Wie Recht er damit doch hatte! Wo wären wir heute ohne die ganzen Pferdektuschen, ohne den allseits verfügbaren Dünger durch Megatonnen von Pferdeäpfeln und ohne leckeres Pferdefleisch auf dem Grill? Wie jetzt, von wegen stimmt doch gar nicht? Ach so, weil der olle Willi sowas von daneben gelegen hat. Ja, kann gut sein. Kann es dann aber nicht auch sein, dass die Politiker uns nicht führen, sondern stattdessen lediglich an der Nase herum führen? Aktuelles Beispiel dafür ist der Hype um die Elektromobilität. Die ist fortschrittlich; die ist toll! Und vor allem so unglaublich sauber! Da kommen kein CO2, Stickoxide oder Feinstaub mehr aus irgendeinem Auspuff! Welch‘ ökologischer Fortschritt gegenüber der schnöden Diesel-Dreckschleuder! Deswegen fördert unsere ReGIERung ja auch die Elektromobilität!

Auf den allerersten Blick ist das selbstverständlich zu begrüßen. Allerdings wirklich nur auf den allerersten Blick, denn das verhält sich ungefähr so, als würde man ein 100€-Hemd aufgrund von 10% Rabatt anstelle eines 70€-Hemdes mit 0% Rabatt kaufen und sich maßlos über die erzielte Einsparung freuen: Wir sparen, koste es was es wolle! Oder als würde man überall Wasserhähne an die Wände schrauben und darauf hoffen, dass da dann sofort reinstes Wasser rausläuft – ohne Zuleitungen, versteht sich. Klar, das Elektroauto selbst erzeugt keine Abgase. Prima! Seine Abgase werden jedoch nur verlagert: Aus den Augen, aus dem Sinn. Der Strom kommt aus den dreckigsten Braunkohlekraftwerken der Welt. Um die Braunkohle abbauen zu können, wird intakte Umwelt bedenkenlos en gros zerstört. Die Kohle wird verbrannt um Strom zu erzeugen. Dabei entstehen CO2, Stickoxide und Feinstaub. Bloß eben an anderer Stelle. Zusätzlich gibt’s Riesenlöcher in der Landschaft.

Nehmen wir jetzt mal das Elektroauto selbst. Es ist batteriebetrieben, verfügt i. d. R. über Lithiumakkus. Lithium ist ein ziemlich fieses Zeug. Als Alkalimetall reagiert es mit so ziemlich allem, vorzugsweise aber mit Luft oder mit Wasser, sobald es aus irgendeinem Grund (z. B. Unfall) zum Akkuschaden kommt. Dann braucht so ein Elektroauto ja auch noch jede Menge an Elektronik. D. h. darin sind neben Bergen von Lithium auch noch reichlich Seltenerden-Elemente verbaut. All das muss ja irgendwo aus dem Boden geholt werden. Mit Unmengen von Wasser, Strom, Kinderarbeit und Umweltvernichtung ohne Ende: Zumindest die Gesamt-CO2-Bilanz eines batteriegetriebenen Elektroautos sieht im Vergleich zum vermeintlich dreckigen Diesel selbst dann noch ganz schön grottig aus, wenn der Strom nicht ausschließlich aus regenerativen Quellen stammt und wenn man das ganze Drum und Dran wie den Dreck bei der Rohstoffgewinnung weglässt. Rechnet man das mit rein, dann schneidet das reGIERungsamtlich propagierte Elektroauto noch sehr viel beschissener ab! Einzig der Benziner kann ihm dann noch das Wasser reichen …

Wem nützt also der Hype um die Elektromobilität, der frappierend an Kaiser Wilhelms Pferdeglauben erinnert? Erstmal natürlich der Autoindustrie und mit der hat die ReGIERung ja „gar nichts zu tun„. Aber bei genauerem Hinsehen steckt da noch viel mehr dahinter, denn es könnten noch ganz andere davon profitieren – und zwar kräftig! Das Elektroauto braucht, wie bekannt ist, Strom. Der entstammt derzeit einem Mix, nämlich Braunkohle, regenerative Energien und Atomkraft. Alles zusammen gerechnet hält das gesamtdeutsche Stromnetz gut 68GW an Anschlussleistung permanent überall vor. Wir haben hier über den ganz breiten Daumen rund 54 Millionen Fahrzeuge. Angenommen, die würden alle vermeintlich „umweltschonend“ durch Elektroautos ersetzt werden. Angenommen, es ist Feierabend, man ist nach Hause gefahren und will sein Auto zuhause aufladen. Angenommen, das tut nur ein Vierundfünfzigstel der Fahrzeugbesitzer.

Dann sind das auf einen Schlag 1 Million Fahrzeuge, die zeitgleich aufgeladen werden müssen. Dazu brauchen wir aber gut 350GW an permanent vorgehaltener Anschlussleistung. Mal ganz abgesehen von der bundesweit flächendeckend erforderlichen Notwendigkeit zum Verlegen neuer, sehr viel stärkerer Stromkabel: Mit Braunkohle und regenerativen Energien spielt sich in dem Falle nichts mehr ab – und zwar rein gar nichts mehr! Dann müssen nämlich fast schon zwangsläufig neue AKWs her. Nicht gerade wenige. Na, merkt ihr was? Einen Ausstieg kann man auch wieder rückgängig machen und da der Steuerzahler für den Atommüll aufzukommen hat dürfte eine ReGIERung auch alles daran setzen, Schrottreaktoren bis zum Auseinanderfallen weiter betreiben zu lassen.

Das ist letztlich die schöne neue Ökowelt, die HEUTE hinter dem Hype um die Elektromobilität steckt. Um nicht falsch verstanden zu werden: Ich befürworte die Elektromobilität durchaus, wenn sie denn ökologisch wirklich sauber ist. Leider ist sie das so, wie es heute propagiert wird, ganz und gar nicht. Geht’s daher nicht vielleicht auch etwas anders? Ja, ginge es durchaus – wenn man nur wollte. Will man aber offensichtlich nicht. Denn es gibt auch noch andere E-Autos als die batteriebetriebenen Kutschen. Einige solcher anderen E-Autos werden – obgleich unsere Autoindustrie immer sagt „das geht nicht“ – bereits seit Jahren in Fernost in Serie gefertigt. Wenn’s denn nicht geht, warum ist dann die Serienfertigung nicht längst schon als unwirtschaftlich eingestellt worden? Ich mein‘ ja nur … Die Rede ist von Wasserstoff-betriebenen Fahrzeugen, von Autos mit Brennstoffzellen, nach denen hier kein Hahn kräht und die auch nicht großartig gefördert werden. Warum eigentlicht nicht? Vielleicht, weil man dafür die Energiekonzerne in die Pflicht nehmen müsste und weil’s dann wirklich ohne zusätzliche AKWs ginge?

Wie verhält sich das mit dem Wasserstoff eigentlich? Nehmen wir mal Wasser, chemisch H2O. Nehmen wir mal irgendeinen Stromerzeuger (z. B. eine Solarzelle), die Gleichspannung erzeugt (Wechselspannung von Generatoren lässt sich ja gleichrichten). Tunken wir die beiden Kabelenden ins Wasser. Dann zersetzt der Strom das Wasser gemäß der Reaktionsgleichung „2H2O -> 2H2 + O2“. Es entstehen zwei Gase, nämlich Wasserstoff und Sauerstoff. Letzteren lässt man einfach in die Luft entweichen und der Wasserstoff wird aufgefangen. Das nennt man Elektrolyse und die wurde bereits 1800 entdeckt. Der Vorgang ist aber auch umkehrbar: Mischt man Wasserstoff und Sauerstoff und zündet das Gemisch, dann entsteht wieder Wasser. Wobei verdammt viel Energie frei wird; man nennt das Knallgasreaktion. Zähmen lässt sich diese Reaktion mit der Brennstoffzelle und anstelle von Licht nebst Hitze wird dann die elektrische Energie wieder frei, die man vorher bei der Spaltung des Wassers reinstecken musste. Man könnte folglich elektrischen Strom übergangsweise in Form von Wasserstoff speichern – nennt sich „Power-to-Gas“-Technologie – und den Wasserstoff anschließend per Brennstoffzelle wieder zur Stromerzeugung nutzen.

Macht man aber zumindest hier bei uns nicht, denn: Einerseits wird es als viel zu teuer betrachtet, weil anderderseits die dazu erforderliche Infrastruktur fehlt. Aber stimmt das denn wirklich? Klar, Brennstoffzellentechnologie ist teuer, weil es hierzulande keine Serienfertigung gibt. Warum gibt es die nicht? Weil es kaum Tankstellen für Wasserstoff-Fahrzeuge gibt. Warum gibt es zuwenig Tankstellen? Weil es hierzulande keine Serienfertigung von Wasserstoff-Fahrzeugen gibt … Ihr merkt, worauf das hinaus läuft, nämlich auf das alte Henne-Ei-Problem: Was war zuerst da? Solange keine Infrastuktur da ist wird keiner Brennstoffzellenautos bauen, weil sich das nicht rechnet. Wo also ansetzen? Ich meine bei der Infrastruktur. Denn entgegen der Behauptung, dass die nicht existiert, gibt es die sehr wohl schon. Sie wird nur anderweitig genutzt.

Hä??? Ganz einfach! Was wäre denn, wenn wir Teile des bundesdeutschen Gasnetzes zur Wasserstoffspeicherung verwenden würden? Dann wäre das Gas plötzlich überall verfügbar, könnte auch von überall her eingespeist werden und es fehlte nur noch an den betreffenden Zapfsäulen. Dazu müsste man lediglich die Energieversorger in die Pflicht nehmen, wozu es entsprechender, gesetzlicher Regelungen – für die unsere ach-so-umweltbewussten Politiker zuständig sind – bedarf. Wenn der Wasserstoff erstmal verfügbar ist, dann lohnt sich auch der Bau von bezahlbaren Brennstoffzellenautos. Die Menge macht’s und damit wird es auch billiger und erschwinglich. Auch das ist Elektromobilität. Allerdings ohne Umweltsauereien wie Abgasverlagerung, Riesenlöcher im Boden und Umweltzerstörung. Sicher, bei dieser Methode ensteht auch Abgas. Nämlich Wasser in Form von Dampf. Regnet dann irgendwann wieder runter und im Garten müssen wir weniger gießen. Gehört mit zum Kreislauf des Wassers. Könnte man machen. Wenn man wollte. Geht aber nicht, sagen unsere Politiker und Auto- sowie Energiebosse. Bloß: Genau dieses „geht aber nicht“ praktiziert man in Fernost bereits seit Jahren in Serie …