Häusliche Pflege bedeutet potenzierten Wahnsinn! Vor allem aber bedeutet es auch jede Menge an Arbeit, welche auf die Lebensarbeitszeit NICHT angerechnet wird. Was für Arbeit? Damit ihr euch ein Bild davon machen könnt, habe ich hier mal einen klitzekleinen Ausschnitt aus meinem persönlichen, kleinen Pflegetagebuch. Es handelt sich nur um die vergangene Woche, also um die Kalenderwoche 24 im Jahr 2019. Zum besseren Verständnis:
E: Meine Wenigkeit, Pflegeperson, berufstätig.
G: Meine bessere Hälfte, Pflegeperson, berufstätig.
A: Meine Älteste, hunderte von Kilometern außerhalb wohnend, kommt manchmal zu Besuch, berufstätig.
R: Erster Pflegefall mein Schwiegervater, dement und altersstarrsinnig, unsauber, unkooperativ-ablehnend-abweisend, schwer gehbehindert, Pflegegrad 3.
C: Zweiter Pflegefall meine Schwiegermutter, dement, träge und antriebslos, unsauber, unkooperativ-ablehnend-abweisend, Pflegegrad 3.
S: Dritter Pflegefall meine Schwägerin, geistig schwer behindert durch Masernenzephalitis als Kleinkind, grenzwertig debil lt. Attest, unsauber, aggressiv mit im langjährigen Mittel einem Angriff täglich und einem verletzten Opfer alle zwei Wochen, mitunter unberechenbar, Pflegegrad 4.
D. h. wir sind zwei berufstätige Pflegepersonen, die drei Pflegefälle an der Backe haben – und zwar drei Pflegefälle, die um’s Verrecken nicht mitspielen wollen. Zwei dieser Pflegefälle könnte man zeitweise über die Kurzzeitpflege vielleicht mal loswerden. Das sind die Demenzkranken. Aber die geistig behinderte Person nimmt keiner und Einrichtungen für solche Menschen gibt’s praktisch nicht. Alleine zuhause lassen können wir die auch nicht. Ihr merkt sicherlich, worauf das dann hinaus läuft – nämlich niemals Ruhe, niemals Abschalten können. Und so nimmt der mittlerweile seit rund sieben Jahren andauernde Wahnsinn weiterhin seinen alltäglichen Lauf …

10.06.19: G. kocht Essen für die Pflegefälle. S. rennt bei 28°C im Schatten und schwüler Hitze (Gewitterluft) in dicker Winterkluft rum und begegnet E. mit Drohgebärden (Schlagversuche). Das A. zu Besuch ist (die sich schon beim Eintreten entsetzt über den Gestank zeigt), interessiert C. überhaupt nicht – die bleibt gleich wieder mit Nachthemd den ganzen Tag über stöhnend, lamentierend und nach Bedienung schreiend im Bett liegen. Dabei stinkt sie abartig, denn ihr Bettzeug und ihr schon seit Monaten nicht mehr ausgezogenes Nachthemd sind vollgepisst, dürfen aber keinesfalls gewechselt werden. Als A. angesichts des unerträglichen Gestanks die Fenster im Dreckloch von deren Wohnung aufreißt und ihr die Bettdecke wegzieht reagieren die Pflegefälle umgehend pissig: Die legen es offenbar darauf an, bei lebendigem Leibe zu verwesen! Im Bad der Pflegefälle liegen ca. zwanzig vollgepisste und vollgeschissene Schlüpfer im Waschbecken rum, machen das unbenutzbar und müffeln da vor sich hin. R. trägt Pants, aber schon seit drei Tagen die Gleichen, stinkt bis zum Himmel, wartet offensichtlich darauf, dass das Zeug von selbst abfällt und verweigert sowohl das Wechseln wie auch jegliche Form von Körperhygiene (hat schon seit über einem Monat nicht mehr geduscht und würde mit seinem Gestank jeden Iltis in die Flucht schlagen). Zudem rasiert er sich nicht mehr, weil seine drei Rasierer „alle kaputt sind – die schaben nicht mehr ab“. E. repariert daher bei einem der Geräte hinter R. her: Die Drecksau hat das Gerät derart verschmutzt, dass die zu zementartigen Klumpen verpressten Bartstoppeln bereits das Scherblatt abheben und die eklige Masse stinkt bis zum Himmel! E. sichtet die Medikamente der Pflegefälle und stellt die Gesundheitsunterlagen für deren Hausarzt und das Gespräch mit dem am Folgetag zusammen. S. hat eingepisst und rennt unten ohne rum. Medikamentenzuteilung bei R. und S. und Dahinterstehen während der Einnahme durch E. – C. verweigert trotz langen und guten Zuredens die Medikation komplett, weil sie wegen des Wegziehens der Bettdecke durch A. pissig ist: Kleinkinder-Trotzreaktion. R. stürzt dreimal – vermutlich extrem dehydriert – und E. fängt ihn auf.

11.06.19: E. telefoniert mit deren Hausarzt, erledigt Arztgang für die Pflegefälle, tätigt Einkäufe für die und kocht denen aufwändig Essen. R. – er stinkt atemberaubend penetrant nach Pisse, weil er nach wie vor das Wechseln der Pants sowie das Duschen verweigert (und sich selbstverständlich auch nicht rasiert hat) – will E. anstelle der Versichertenkarte einen Friseurterminzettel und ein Sparbuch geben, denn der hat vergessen, was eine Versichertenkarte ist. S. begegnet E. mit Drohgebärden (Schlagversuche). C. bleibt gleich wieder mit ungewechseltem Nachthemd bis zum späten Nachmittag stöhnend, lamentierend und nach Bedienung schreiend im Pissebett liegen. Gelüftet werden darf das Dreckloch nicht, denn „Dann zieht es ja!“: Die verfaulen bei lebendigem Leibe! Als E. denen das Essen runter bringt (Fleisch-Gemüse-Eintopf), da will C. „noch was dazu“ haben. E. antwortet ihr, dass sie sich gerne selbst an den Herd stellen und noch was dazu kochen kann, woraufhin das übliche „Du faule Sau – du tust ja nie was!“ ertönt und S. zum Fäusteschütteln sowie Zähnefletschen E. gegenüber animiert – er lässt die Kaputten einfach in ihrem Dreckloch (in dem schon wieder Pisseschlüpfer rumgeschmissen worden sind) stehen. Nachmittags muss E. nochmals in den Ort gehen und fragt R., ob der noch Einkäufe benötigt – Antwort: „Wir brauchen nix wir ham alles!“ Rund eine Stunde später bei G.’s Rückkehr von der Arbeit wird die umgehend sofort-hyperdringend wegen Einkäufen nochmal losgehetzt – alltägliches Mantra: „Hamwanixzufressenmüssenwavahungaan – der hat ja nix geholt!“ Das vor ein paar Tagen für die Pflegefälle gekaufte Weißbrot haben die nicht gegessen und stattdessen verschimmeln lassen weil es (O-Ton) „nicht wie ein normales Brot ausgesehen hat“. G. allein schafft die Arbeit mit den Pflegefällen nicht, deswegen tut E. sein Bestes dazu und verzichtet auf Zeit für sich. Das aber sehen die Kaputten nicht und wollen es auch nicht sehen; sie diskrimieren und diskreditieren E. ohne dass denen ihre maßlose Unverschämtheit überhaupt noch zu Bewusstsein kommt! Macht keinen Spaß, echt jetzt – warum tut man sich sowas überhaupt noch an? Vielleicht aus reiner Humanität, weil man die ja nicht einfach verrecken lassen kann (obwohl genau das u. U. sogar das Beste wäre). Medikamentenzuteilung bei R. und S. und Dahinterstehen während der Einnahme durch E. – C. verweigert trotz langen und guten Zuredens die Medikation aus Trotz komplett, weil sie anderes Essen haben wollte: Sie wird von Tag zu Tag kindischer. E. repariert hinter R. her (Fernbedienung Sat-Empfänger), denn der hat – weil er nicht mehr wusste, wie das Ding umgeschaltet wird – so lange damit vor dem Fernseher rumgewedelt, bis die Batterien rausgespritzt sind und das Batteriefach irgendwohin geflogen ist, anschließend das unbrauchbar gewordene Teil weggeworfen; d. h. Teile im ganzen Wohnzimmer zusammensuchen, zusammensetzen und umschalten. G. zwangsduscht R., weil dessen Gestank unerträglich ist.

12.06.19: In den frühen Morgenstunden (nachts) stürzt R. beim Toilettengang und kommt nicht mehr hoch – G. und E. leisten Erste Hilfe: Keine Verletzungen, nur Hämatome. C. steht hilf- und tatenlos daneben und kichert kindisch-blöde. R. hat eingepisst. S. rennt oben ohne rum. E. tätigt nach umfangreicher, mehrfacher Absprache Einkäufe für die Pflegefälle. Kaum wieder davon zurück und die Einkaufstasche noch nicht mal ausgepackt, da soll er umgehend nochmal wegen einzelner Teile losrennen – was er aber ablehnt (denn Hausarbeit und Essenszubereitung stehen an). Die Kaputten sind deswegen umgehend wieder pissig. E. kocht aufwändig Essen für die. E. kümmert sich rudimentär um deren Haushalt (Abwasch, damit die wenigstens sauberes Geschirr zum Mittagessen haben – denn die Teller waren schon wieder dreckig in die Schränke gewandert). C. hat sich zwar zur Abwechslung zum ersten Mal seit gefühlten Ewigkeiten sowohl angezogen wie auch das Bett verlassen, liegt dafür aber den ganzen Tag über auf dem Sofa und schreit lautstark nach Bedienung. S. hat im Keller der Pflegepersonen das Leergut durcheinander gebracht und E. sortiert das neu. In der Waschküche ist von S. Müll verteilt worden und E. beseitigt die Sauerei. Im Pflegefälle-Dreckloch liegen schon wieder vollgepisste und vollgeschissene Schlüpfer achtlos hingeworfen rum und stinken vor sich hin. Medikamentenzuteilung bei allen drei Pflegefällen und Dahinterstehen während der Einnahme durch E., wobei im Falle von C. ewiges Hinterlaufen und langes Zureden aufgrund von Verweigerung vonnöten sind.

13.06.19: E. erledigt Arzt-, Apotheken- und DRK-Gänge sowie Einkäufe für die Pflegefälle. Bei seiner Rückkehr kommt er darauf zu, wie R. die eben eingetroffene Post für für die Pflegepersonen ins Altpapier geschmissen hat und sucht die da wieder raus. R. zeigt sich vollkommen erstaunt darüber, dass E. für ihn fehlende Medikamente ordern muss und dass so etwas nicht seitens seines Hausarztes automatisch geschieht, wovon er immer ausgegangen ist. Daher betrachtet er E.’s Arztgang für ihn auch als Lüge. Im Pflegefälle-Dreckloch fliegen schon wieder Pisseschlüpfer rum (C. hat eingepisst; verweigert massiv Pants) und es stinkt abartig nach Urin. Als Paketpost kommt und E. wegen Müllentsorgung nicht in der Wohnung ist macht R. dem Postboten nicht auf (O-Ton: „Ich lasse keinen rein!“) und E. fängt den gerade noch beim Nachbarn ab. Da der Hausarzt von sich aus die Medikation verändert hat (Warum um alles i. d. Welt?) obliegt es E., neue Einnahmepläne für alle drei Pflegefälle zu erstellen. Im dunklen Dreckloch sind alle Jalousien und Fenster geschlossen („Damit die Nachbarn nicht reingucken können!“). C. bleibt wieder stöhnend und lamentierend mit Nachhemd den ganzen Tag über im Pissebett liegen, weil es ihr ja „soooo schlecht“ geht (Quersitzender Furz? Eingewachsener Fußnagel? Haarspitzenkatarrh?) – aber um nach permanenter Bedienung zu brüllen reicht’s durchaus. E. kocht Essen für die Pflegefälle. Medikamentenzuteilung (Wochenrationen!) bei allen drei Pflegefällen und Dahinterstehen während der Einnahme durch E., wobei bei allen dreien ewiges Hinterlaufen und langes Zureden aufgrund von Verweigerung vonnöten sind. E. telefoniert mit deren Hausarzt wegen offensichtlicher und u. U. lebensbedrohlicher Fehler in den Medikationsplänen – woraufhin alles zu korrigieren ist (stand lt. Praxis angeblich „falsch im Computer“). G. und E. sortieren einen der Pflegefälle-Küchenschränke aus und entsorgen dabei Lebensmittel sowie Medikamente, welche mal 10 und mal 20 Jahre (!!!) überlagert sind. S. hat eingepisst und rennt unten ohne rum. Später kommt es ihrerseits zum völlig anlasslosen Kneifangriff gegen G. (mit Verletzung G.’s). R. pisst ein und zieht eine Urinspur quer über den gesamten Flur bis ins Bad – G. beseitigt die Sauerei.

14.06.19: Das Dreckloch stinkt derart penetrant nach Pisse, dass es schon im Treppenhaus unwillkürlich zum Würgereiz kommt. E. geht daraufhin in die Wohnung der Pflegefälle, macht alle Jalousien hoch und öffnet sämtliche Fenster, was umgehend zu großem Geschrei führt: „Was erlaubst du dir? Mach‘ dass du rauskommst! Die Sonne bleicht die Möbel aus! Die Nachbarn können ja reingucken! Jetzt zieht es ja!“ Nun ist er selbstverständlich wieder der Bösewicht. Es liegen schon wieder achtlos hingeschmissene Pisseschlüpfer rum und die Telefonbank wird von einem vollgeschissenen Schlüpfer verziert. Die Bewohner des Drecklochs stinken übrigens genauso wie ihr Gülleloch, denn waschen darf man sich ja nicht: „Das Wasser macht die Haut dünner!“ Schwitzen reicht völlig und bei schwül-heißen 30°C im Schatten läuft S. – sie begegnet Eckhard mit Drohgebärden (Schlagversuche) – quasi in Polarausrüstung rum. S. hat die Programmierung der Heizungssteuerung gecrasht und E. programmiert das zeitaufwändig so gut es eben geht neu. E. tätigt Einkäufe für die Pflegefälle, erledigt für die Apotheken- und DRK-Gang, nimmt die Medikamente-Wochenzuteilung für S. vor und kocht denen Essen. C. bleibt stöhnend, jammernd und lamentierend – dabei lautstark nach umgehender Bedienung brüllend – gleich wieder den ganzen Tag über mit Nachthemd in ihrem Pissbett liegen. Der abartige Gestank wird übrigens mindestens z. T. von ihrem Bett verursacht. Die Pflegefälle haben im Keller noch 15 volle Getränkeflaschen und weil das angeblich nicht reicht, soll E. UMGEHEND-AUF-DER-STELLE-SOFORT zum Getränkemarkt hetzen. Als er die (unverschämte!) Antwort „wenn ich Zeit habe, dann kümmere ich mich da drum“ abliefert, da kommt das unvermeidliche Mantra: „Naguuuthamwanixzusaufenmüssenwaavadorsten!“ Unmittelbar gefolgt von: „Du faule Sau – du tust ja nie was!“ Es gibt Augenblicke, da möchte man die Kaputten bloß noch an die Wand nageln und da hängen lassen … Später fährt E. ein weiteres Mal wegen Getränken für die Pflegefälle los und C. sagt zu R.: „Gib‘ ihm mal das Geld für die Einkäufe!“ Woraufhin R. bloß entgeistert guckt, seinen Kopf schüttelt und E. das – wie praktisch immer – vom eigenen Haushaltsgeld zu finanzieren hat. Weil R. zwar den Standpunkt vertritt, dass das Pflegegeld sein Geld ist, damit aber im Grunde genommen gar nichts mehr anzufangen weiß – Hauptsache viel, Hauptsache seins. Medikamentenzuteilung bei allen drei Pflegefällen und Dahinterstehen während der Einnahme durch E., wobei bei C. und S. ewiges Hinterlaufen und langes Zureden aufgrund von Verweigerung vonnöten sind. S. hat eingepisst, rennt unten ohne rum und hat ihre Pisseklamotten (Hemd und Schlüpfer) als Stolperfallen mitten in den Kellergang geschmissen: G. kümmert sich darum. G. erledigt die Wäsche der Pflegefälle sortiert so gut es geht einen der Kleiderschränke in deren Schlafzimmer, weil C. schon wieder ihre dreckige, stinkende Fäkalwäsche (Pants werden wie üblich höchst entrüstet mit der Begründung „Ich bin doch kein Baby!“ verweigert) zwischen die saubere Wäsche geschmissen hat.

15.06.19: G. kümmert sich um den Haushalt der Pflegefälle, um deren Wäsche, tätigt Einkäufe für die und kocht denen Essen. S. – stinkt erbärmlich, u. a. weil sie bei schwül-heißen 28°C im Schatten mit Polarausrüstung rumrennt und ein Umziehen aggressiv verweigert – hat im Keller Leergut aus den Kisten genommen und damit einen umfangreichen Stolperfallenparcours gerade auch im Kellergang aufgebaut. E. beseitigt die Gefahrenstelle. In der Küche haben die Ferkel die Spüle schon wieder als Biomülleimer für alle möglichen Essensreste missbraucht und E. beseitigt die Schweinerei, damit es nicht zur Rohrverstopfung kommt und schon wieder ein Handwerker einzuspannen ist. Im Dreckloch fliegen wieder Pisseschlüpfer rum und es stinkt erbärmlich nach Pisse. C. bleibt stöhnend, jammernd und lamentierend – dabei lautstark nach umgehender Bedienung brüllend – gleich wieder den ganzen Tag über mit Nachthemd in ihrem Pissbett liegen. Monitoring, Medikamentenzuteilung bei allen drei Pflegefällen und Dahinterstehen während der Einnahme durch E., wobei bei C. mehrfach zeitaufwändiges Hinterherlaufen und endlose Überredung aufgrund von Verweigerung vonnöten ist. C. ist stark (kritisch!) dehydriert, verweigert aber die Flüssigkeitsaufnahme: Auch gut, jeder hat ein Recht darauf, sich selbst zugrunde zu richten! Das Monitoring zeigt bei S. Arrhytmien. C. hat deutlich zugenommen und Bluthochdruck. Im Rahmen des Monitorings ergeht S. sich völlig anlasslos in einem Kneifangriff gegen E. (wird abgewehrt), wobei weder Blutdruck noch Puls auch nur um einen einzigen Punkt steigen u. d. h. es ist für sie das Normalste von der Welt, andere anzugreifen: Das soll nicht aggressiv sein? Gegen G. kommt es ihrerseits weiterhin zu einem anlasslosen Kneifangriff (wird abgewehrt). Anmerkung: Als Kneifangriff wird der Versuch, anderen Fleischstücke aus dem Körper zu reißen, bezeichnet – wobei umgehende Schwarzfärbung des nekrotisch werdenden Gewebes und auch Thrombosen der Opfer der Normalfall sind.

16.06.19: Bei der morgendlichen Medikation stellt E. fest, dass R. die Tagesdosis für zwei Tage eigenmächtig eingeworfen hat. Zur Rede gestellt gibt R. an, dass die Tabletten „ja sowieso nicht helfen weil sie nicht rot sind“ und dass er in seiner Demenz vergessen hat, welchen Tag wir haben und daher das Zeug für zwei Tage eingenommen hat. Ferner ist R. in seinem altersstarrsinnigen Unverständnis gepaart mit unendlicher Sturheit offensichtlich mit der Bedienung eines simplen Ein-Wochen-Medikamentenspenders bereits restlos überfordert, so dass E. ihm das zum gefühlten 999. Mal erneut erklären muss. In Folge kontrolliert E. immer wieder, ob es R. noch einigermaßen gut geht oder ob u. U. ein RTW-Einsatz vonnöten ist – als Pflegeperson hat man ja sonst auch nichts zu tun! G. und E. kochen Essen für die Pflegefälle. G. kümmert sich ganztägig um deren Wäsche sowie um deren katastrophalen Haushalt. C. bleibt stöhnend, jammernd und lamentierend – dabei lautstark nach umgehender Bedienung brüllend – gleich wieder den ganzen Tag über mit Nachthemd in ihrem Pissbett liegen und rührt entgegen vorausgegangener, vollmundiger Beteuerungen keinen kleinen Finger: Was die braucht, ist ein Hund, der sie auf Trab hält – und zwar ein scharfer Schäferhund oder Dobermann zum davor weglaufen! S. ergeht sich in einem anlasslosen Schlagangriff gegen R., wobei G. dazwischen geht und das Schlimmste verhindert. Am Spätnachmittag kontrolliert E. die Medikamente von R.: Alles OK. E. sagt ihm daraufhin, dass es in Ordnung ist und er nichts mehr einnehmen soll. R. bestätigt das. Nur zehn Minuten später hat der alte Spinner dann wieder zwei Tagesrationen aufgefressen; Begründung: „Die sind doch nicht rot – die helfen ja gar nicht!“ E. und G. geigen ihm daraufhin deutlich die Meinung und erklären ihm die Funktionsweise des zum Abwinken simplen Medikamentenspenders zum x-ten Mal: Wenn er in seiner besserwisserischen Ignoranz daneben liegt, dann hat er sich das selbst zuzuschreiben! Obgleich G. fast den ganzen Tag über das Dreckloch gereinigt, geputzt und poliert hat klebt man abends schon wieder überall fest und es findet sich auch schon wieder überall achtlos hingeworfene, vollgestrullte Unterwäsche – Pants werden wie üblich massiv verweigert. Medikamentenzuteilung bei allen drei Pflegefällen und Dahinterstehen während der Einnahme durch E., wobei bei C. mehrfach zeitaufwändiges Hinterherlaufen und endlose Überredung aufgrund von Verweigerung vonnöten ist.

Soweit die aktuelle Berichterstattung von der Pflegefront. Ich bin urlaubsreif! Aber sowas von … Häusliche Pflege: Das sind allein bei mir monatlich z. Zt. im Mittel 120 Arbeitsstunden. Zusammen mit dem Minijob ergeben sich gut 160 Stunden und damit ein Full-Time-Job. Mal angenommen, diese bisher sieben Jahre an häuslicher Pflege hätte man auf die Lebensarbeitszeit angerechnet. Dann dürfte ich hochgerechnet nicht erst mit 66 in Rente gehen, sondern hätte das schon mit 58 Jahren ohne Abschläge gekonnt. Das hätte die Rentenkasse rund 96.000€ zusätzlich gekostet. Wieviele häuslich tätige Pflegepersonen haben wir in diesem, unserem Lande? Versteht ihr jetzt, warum die häusliche Pflege von gewissen Politclowns als „Privatvergnügen“ betrachtet wird und warum ich die Auffassung vertrete, dass die verfahrene Pflegesituation in Deutschland sogar beabsichtigt ist? Und warum ich die dafür verantwortlich zeichnenden Politclowns für unwählbar halte?