Eine Woche Urlaub haben meine Frau und ich uns gegönnt – angesichts unserer drei Pflegefälle eine viel zu kurze Woche! Eigentlich hätten wir den vom schmalen Budget gar nicht bezahlen können, aber dann hatte das Finanzamt im vergangenen Jahr unerwartet ein Einsehen, zahlte uns mehr als erwartet zurück und die Kohle wurde gleich für den diesjährigen Urlaub beiseite gelegt. Wohin ging es? In die Vulkanwüsten, sprich Fuerteventura (entspricht dem Mars) und Lanzarote (entspricht dem Mond). Das Landesinnere ist lebensfeindlich, staubttrocken und trostlos. Doch überall da, wo die Bewässerung mit Süßwasser erfolgt, explodiert das Leben geradezu – was nicht zuletzt auch auf die äußerst fruchtbare Vulkanasche zurück zu führen ist. Doch der Reihe nach.

Gebucht hatten wir gleich zum Jahresbeginn über Neckermann/ThomasCook, um den Frühbucherrabatt noch mitnehmen zu können. Im Vorjahr hatten uns die Kinder eine Fuerte-Reise zu meinem 60. Geburtstag geschenkt und da das Hotel ganz passabel war, fiel uns auch die Auswahl nicht schwer. Sprich: Gleiches Hotel wie im Vorjahr und auch wieder – aus Kostengründen und weil’s dann noch nicht überlaufen ist – die letzte Woche der Vorsaison. Im vergangenen Jahr sahen wir uns die Nordhälfte der Insel an. In diesem Jahr sollte all das nachgeholt werden, was wir im letzten Jahr nicht mehr schafften, inklusive der Tagestouren nach Lanzarote und zum Oasis-Park. D. h. immer im Wechsel ein Tag volles Programm und ein Tag zum Chillen und Baden. Alles haben wir nicht geschafft – aber fast alles.

„Die faule Sau lässt sich in der Sonne braten und tut gar nichts!“
„Falsch! Dieser sehr gesundheitsbewusste Mensch optimiert gerade den Vitamin-D-Haushalt seines Körpers!“

Los ging’s am 26.06.2019, und zwar morgens um 04:20 Uhr per Taxi zum Flughafen. Uns erwartete eine Boeing 737 von TUIfly mit pünktlichem Abflug um 06:50 Uhr. Es schloss sich ein fast fünfstündiger Flug an: Laaaangweilig! Die einzige Abwechslung dabei bot ein sündhaft teurer, kulinarischer Terroranschlag, sprich die Bordverpflegung. Ich vermute ja insgeheim, dass es hinsichtlich schlechtem Essen so eine Art von Olympiade gibt, bei der sich die Airlines und die DB ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern 🙂 . Landung auf Fuerteventura um 11:40 Uhr und unser Gepäck war tatsächlich auch mitgekommen und nicht versehentlich nach Madrid oder sonstwohin transportiert worden. Danach der Bustransfer zum Hotel: Eigentlich hatte ich – wie im letzten Jahr – für die 15km ein Taxi nehmen wollen, um nicht ewig auf die Abfahrt warten zu müssen. Doch meine bessere Hälfte vertrat eine andere Ansicht und der Bus fuhr auch wieder Erwarten ziemlich zeitnah ab.

Werfen wir nun mal einen Blick auf das Hotel. Der Airport befindet sich in Puerto del Rosario. Ungefähr 12km südlich davon liegt Caleta de Fuste, zwar „nur“ ein 2.300-Seelen-Nest, aber unglaublich weitläufig gebaut – d. h. Finca mit großem Grundstück, Garten oder Brachland, nächste Ansiedliung usw. Von der Fläche her kann diese „Stadt“ locker mit einer ausgedehnten, deutschen Kleinstadt konkurrieren. Nochmal so 3-5km südlich davon und noch zum Großraum von Caleta de Fuste zählend befindet sich das Hotel Elba Carlota. Das Hotel weist je nach Gebäudeteil 4 oder 5 Stockwerke auf und ist U-förmig gebaut; im Innenhof sind 2 Pools, großes Kinderplanschbecken, Liegefläche, Schießstand und Gärten vorhanden. Es gibt drei hoteleigene Restaurants sowie eine hoteleigene Badebucht mit feinem, hellen Sand und weitestgehend OHNE unangenehmes oder gar gefährliches Viehzeug (wie z. B. Haie, Seegurken, Seeigel, Quallen, Muränen etc.).

Ein Ausgang führt zum unmittelbar benachbarten Einkaufszentrum Atlantico – wichtig für’s preiswerte Einkaufen von Getränken, für preiswertes Essen usw. – und einer direkt zur Strandpromenade. Da läuft man drüber – allerdings nicht barfuß, denn sonst hat man das Gefühl, einen Grillrost zu betreten – schlägt über den Sandstrand dreimal lang hin und ist im kristallklaren Wasser. Anfangs noch flach, doch so nach zwanzig oder dreißig Metern steht einem das Wasser vom einem Schritt auf den anderen bereits bis zum Hals. Der Atlantik ist allerdings 2-3°C kälter als die Nordsee, so dass es doch einige Überwindung erfordert, da rein zu gehen. Doch wenn man das unangenehme Gefühl, mit einem Eisberg zu kollidieren, erst einmal überwunden hat, dann ist es wirklich herrlich.

„Touristen-Triathlon: Erste Diszplin ist das Reservieren von Liegen im Schatten noch vor dem Frühstück, gefolgt von der heißen Schlacht am kalten Buffet. Es schließt sich das ganztägige Grillen an. Gewonnen hat derjenige, der abends das leuchtendste Rot aufweist und die Siegerehrung findet traditionell in der fünf Gehminuten entfernten Notaufnahme statt!“

Zurück zum Hotel: Das ist zwar bereits etwas in die Jahre gekommen, aber m. E. deutlich besser als die mitunter doch etwas miesen Bewertungen bei HolidayCheck. Perfektion gibt’s nirgends! Das Hotel ist englischsprachig und zielte ursprünglich auf Engländer als Gäste ab. Im vergangenen Jahr waren wir dort fast die einzigen Deutschen. In diesem Jahr war das anders. Da befand sich das Hotel bereits zur Hälfte fest in deutscher Hand und der Einmarsch läuft immer noch 🙂 . Die Sprache der Einheimischen kam mir zwar ziemlich spanisch vor, aber Englisch spricht eigentlich jeder und einige Leute können auch Deutsch. Zur Not bleibt einem ja auch immer noch die internationale Zeichensprache, also Hände und Füße. Das Personal ist hilfsbereit und zuvorkommend, die Anlage sowohl sauber wie auch frei von Ungeziefer (Kakerlaken!), das Essen mal gut und mal weniger gut – verhungern braucht allerdings niemand und was einem beim Buffet nicht schmeckt, dass lässt man dann eben sein.

Wir kamen dort so gegen 13:00 Uhr an, aber das Zimmer konnten wir erst ab 15:00 Uhr beziehen. Macht nichts, denn es existiert ein abgeschlossener Raum zum Unterstellen des Gepäcks und zum Essen wollten wir ja auch noch, nämlich in das benachbarte Einkaufszentrum. „Meinen“ Inder vom letzten Jahr gab’s da auch noch und ich traf sogar auf den gleichen Kellner, mit dem ich meinen Essenswunsch – der nicht auf der Karte stand – aushandelte. Ich wollte nämlich eine Hot-Chili-Pizza haben. Er sagte zu, die zuzubereiten; das Essen kam, schmeckte und hinterher wollte er wissen, wie ich das fand. Daraufhin entspann sich ungefähr folgendes Gespräch.

Er: „Was it hot enough?“ Ich: „It was good and spicy, but not really hot.“ Er: „What chili do you prefer?“ Ich (grinsend): „Bhut Jolokia, Trinidad Moruga Scorpion, Carolina Reaper …“ „What about Habaneros?“ „Habaneros are spicy, not really hot.“ Er guckte mich an als ob ich vom Mars käme. Ich hatte mich vielleicht auch nicht richtig ausgedrückt, denn so gut ist mein Englisch ja nun auch wieder nicht … 🙂 . Anschließend ein kleiner Rundgang: Alles noch beim Alten – die Zeit schien stehen geblieben zu sein! Veränderungen – ganz subtil – fielen uns erst viel später auf. Die Zeit war vergangen und wir bezogen unser Zimmer, gefolgt vom Lebensmitteleinkauf und Abendessen und frühem Umfallen, denn von Reise und Klimawechsel waren wir doch ziemlich platt.

„Von dem, was du unter Urlaub verstehst, brauche ich hinterher Urlaub!“ (Worte meiner Frau)

Am Folgetag standen die Teilnahmen an allen möglichen, sportlichen Veranstaltungen im Vordergrund. Da waren das hoteleigene Animationsprogramm (Schießen mit Bogen und Pistole für mich – dritter Platz – sowie Wassergymnastik für meine Frau) sowie das Checken der Wassertemperatur (Mann, war das kaaaalt!) und die Kontrolle von Wasserqualität und Tierbestand des Atlantiks – also die Teilnahme am Touristen-Triathlon. Im letztgenannten Fall machte ich eine hochinteressante Erfahrung: Rotgefärbte Haut durch die Sonne und blaugefrorene Haut durch das Wasser mischen sich tatsächlich zu so einer Art von Violett! 🙂 Daneben fand an diesem Tag das Treffen mit der Reiseleitung statt und wir buchten gleich noch den Ausflug nach Lanzarote und erwarben die Eintrittskarten für den Oasis-Park.