„Die gefährlichste Weltanschauung ist die Weltanschauung der Leute, die sich die Welt nicht angeschaut haben.“
(Alexander Freiherr von Humboldt)

Kommen wir jetzt mal zum Mond, nämlich zu Lanzarote. Es war ein schöner (und auch anstrengender) Ausflug. Mal ganz ehrlich: Lanzarote muss man wirklich mal gesehen, muss man hautnah erfahren haben. Aber Urlaub möchte ich auf dem Mond nicht machen! Das Frühstück hatten wir im Hotel vorverlegen müssen, also noch vor die reguläre Öffnungszeit des Restaurants: Kein Problem! Am nahe gelegenen Einkaufszentrum gabelte uns kurz darauf der Bus auf. Zunächst ging es unter dem Aufsammeln weiterer Reiseteilnehmer die knapp 60km in Richtung Norden, nämlich zum Hafen von Corralejo. Wichtig zu wissen: Ohne Personalausweis geht bei der Fahrt nach Lanzarote gar nichts, weil nach dem Lösen des Tickets der PA sozusagen den Fahrschein darstellt – kein PA, keine Überfahrt!

Die Überfahrt – rund 12km – dauert knapp 20 Minuten mit dem Katamaran einer norwegischen Reederei. Na gut, für das Be- und Entladen der Fähre mit Autos, Bussen und Trucks muss man noch etwas mehr Zeit mit einkalkulieren. Kaum raus aus dem Hafen heißt es für kurze Zeit „Hebel auf den Tisch“ und dann brettert das Ding mit 75km/h über den Ozean; ist angesichts des Tempos selbst bei ruhiger See ’ne z. T. schaukelnd-ruppige Fahrt. Das Bugdeck ist zwar für Besucher gesperrt, aber selbst hinten am Heck kriegt man noch die Gischt von vorne ab. Schließlich hat man wieder festen Boden unter den Füßen. Was aber sehr relativ ist, wenn man sich mal dessen bewusst wird, dass man auf einem Vulkan-Archipel steht, dessen Vulkane nur schlafen und auf dem die Lava in großen Bereichen lediglich oberflächlich erstarrt ist. Es bleibt ein etwas mulmiges Gefühl hinsichtlich des vermeintlich „festen Bodens“ zurück. Der letzte Vulkanausbruch erfolgte vor ca. 300 Jahren und in den Bergen grummelt es immer noch bzw. schon wieder gewaltig, auch wenn offiziell keine akute Ausbruchgefahr besteht. Aber wer weiß schon wann so ein Berg rülpst? Zumeist jedenfalls sieht’s aus wie auf der Mondoberfläche!

Wir steuerten im Tagesverlauf mehrere Haltepunkte an. Mit Abstand am eindrucksvollsten waren davon die von dem Künstler und Naturschützer César Manrique gestalteten Lavahöhlen „Jameos del Agua“ und der Vulkan-Nationalpark „Montanas del Fuego„. Die Lavadome der Höhlen entstanden überwiegend vor rund 3.000-4.000 Jahren und weisen eine Verbindung zum offenen Meer auf. In den Höhlengewässern lebt ein Tiefsee-Albino-Krebs von etwa Centstückgröße mit dem wissenschaftlichen Namen „Munidopsis Polymorpha„. Dieser Krebs ist normalerweise nur in Tiefen von unter 2.000m anzutreffen. Warum und wieso er gerade die Höhlen als zusätzlichen Lebensraum erkoren hat und wie er dort mit den völlig anderen Druckverhältnissen zurecht kommt kann kein Mensch sagen – Wunder der Natur eben! Jedenfalls habe ich mir ziemlich einen abgebrochen, um die Viecher ablichten zu können – ich meine frei Hand, unter Tage, durch die Wasseroberfläche hindurch und in Makro … Immerhin: Wer so tatterich ist, dass er einen Faden in die laufende Nähmaschine einfädeln kann braucht das gar nicht erst zu versuchen!

Solche touristischen Magneten wie die Höhlen sind im Grunde genommen auch so ziemlich die einzigen grünen Oasen auf der Insel. Ansonsten ist das Landschaftsbild nämlich geprägt von Vulkankegeln, Steinen, weiteren Vulkankegeln und noch mehr Steinen. Einladend sieht das jedenfalls nicht aus und auch die Küstenbereiche stellen davon kaum eine Ausnahme dar, so dass Badestrände mit Sand ausgesprochene Mangelware sind. Das typische Landschaftbild von Lanzarote zeigen die drei nun folgenden Panoramabilder (draufklicken zur Großdarstellung in einem separaten Tab).

Noch wesentlich eindrucksvoller ist aber der Vulkan-Nationalpark „Montanas del Fuego“, denn da merkt man wirklich, wie dünn die Kruste der erstarrten Lava im Grunde genommen ist. Weil man nämlich Steine aus Spatenstichtiefe kaum noch anfassen kann. Weil es da so Löcher im Boden gibt: Schmeißt man Strauchschnitt rein, dann tritt die biologisch-dynamische Öko-Müllverbrennungsanlage von Mutter Natur in Aktion. Heißwasser in Form von Dampf gibt’s binnen Sekunden (was allerdings mit teils beträchtlicher Lärmentwicklung verbunden ist) und mit ’ner Steineinfassung und Rosten drauf hat man einen perfekten Grill. Ich will auch so ein überaus praktisches Loch im Garten haben!

Der Vulkan-Trail selbst umfasst 14km, die nach höchstem, fahrerischen Können verlangen, denn die z. T. sehr schmale Straße führt mitunter direkt auf den Kraterrändern entlang. Es soll ja Leute geben, die Auto- oder Busfahren nicht ab können und denen dabei schlecht wird. Man sagt, dagegen hilft es, geradeaus zu gucken. Das trifft nur bedingt zu, denn wenn man das auf Lanzarote im Reisebus macht – dessen vorn liegender Fahrerteil bereits über dem Nichts schwebt, während sich die Räder dahinter noch auf der Straße befinden – dann sieht man, ganz egal in welche Richtung man auch blickt, nur noch Abgrund. Abgrund, in dem scharfkantige und gefährlich aussehende Lava wartet. Lieber nicht dran denken, was passiert, wenn da mal was passiert …

Gegen Ende der Tour besuchten wir noch das Weinanbaugebiet – man buddelt ein Loch in die Vulkanasche, setzt eine Rebe ein und schützt die mit einer Steinmauer – und der Wein konnte auch probiert werden: Na ja – sauer macht lustig! Ich persönlich finde ja, dass das bisschen Wasser von den Brauereien viel dringender benötigt wird 😉 . Ganz zum Schluss gab’s dann noch einen Abstecher in die Gegend, in der der Lavafluss der zehn bis fünfzehn Kilometer entfernten Vulkane auf den Atlantik getroffen ist. Das sind Dimensionen, die jede Vorstellungskraft sprengen – das muss man erlebt haben, um auch nur annähernd abschätzen zu können, welche Urgewalten in den Vulkanen stecken! Bilder und Zahlen können das niemals vermitteln. Theoretisch wäre das ein prima Gebiet um Schwimmen. Einmal im Leben, nämlich zum letzten Mal. Schließlich ging es mit dem Katamaran zurück nach Fuerte und nach zwölf Stunden unterwegs sind wir bloß noch tot umgefallen. Wie sagte meine Frau doch gleich? „Von dem, was du unter Urlaub verstehst, brauche ich hinterher Urlaub!“