Da war nochwas, was wir uns vorgenommen hatten. Im vergangenen Jahr hatten wir ja den African Market in Caleta de Fuste besucht. Damals kaufte ich für einen (runtergehandelten) Spottpreis ein, wie sich später erweisen sollte, erstklassiges Badetuch. Davon wollte ich noch zwei haben. Außerdem war meine bessere Hälfte auf gewisse Handtaschen scharf und so hatten wir bereits im Vorfeld der Reise beschlossen, dass noch Freigepäck übrig bleiben musste. Das jedoch erwies sich als nicht so ganz einfach. Im letzten Jahr handelte es sich um 20kg Freigepäck pro Nase. In diesem Jahr waren es nur noch 15kg. Somit buchten wir schon sehr frühzeitig nochmal je 5kg dazu. War auch gut so, denn am Airport hatten wir eine Familie vor uns, die aufgrund von zu schwerem Gepäck zur Kasse gebeten wurde: 10€ pro Kilogramm und Flug zuviel sind verdammt üppig!

Das zugebuchte Gewicht war also unsere „African-Market-Reserve“. Der Markt fand auch noch statt – und nicht nur, wie im Vorjahr, samstags, sondern zusätzlich auch noch dienstags: Ein Erfolgsrezept. Marschierten wir also gleich nach dem Frühstück hin – gut einen Kilometer an der Hauptstraße entlang. Das Gesicht des Marktes hatte sich gewandelt. Volkskunst aus Fuerteventura ließ sich kaum noch finden. Dafür feierten die Produktfälschungen fröhliche Feste. Na ja, ’ne Rolex für ’nen Zehner, die dann zehn Minuten läuft, muss ich mir wirklich nicht antun. Die Prada-Handtaschen dagegen sahen nicht nur ziemlich echt, sondern auch stabiler als die Originale aus. Dann gab’s da noch diese Teleobjektive zum Aufclipsen auf das Handy. Habe ich mal ausprobiert: Furchtbare Plastik-Wackeldinger mit grottigen optischen Eigenschaften. Dreißig Euro wollte der Händler dafür haben. Ich bot ihm wirklich großzügig fünf für den Plastikpofel. Wir kamen nicht ins Geschäft. Anders sah es mit der Handtasche für meine Frau und mit meinen Badetüchern aus: Beutegermanen on tour! Und selbstverständlich alles satt runtergehandelt, wie es sich gehört …

Dann wollten wir uns noch die kleinen Gassen und den Hafen von Caleta de Fuste anschauen. Im letzten Jahr hatten wir das rein zeitlich nicht mehr geschafft und kannten es somit nur flüchtig vom Durchfahren. Ja, also – wenn wir schonmal da sind … Dann nehmen wir das eben auch gleich noch in Angriff! Es zog sich. Vor allem waren es erstmal wenigstens zwei Kilometer vom African Market bis zur Altstadt und die Sonne stieg immer höher. Schließlich gelangten wir ans Ziel. Sehenswert ist das durchaus und da es noch Vormittag war, hielt sich der Trubel auf der Touristenmeile auch noch in Grenzen. Wir staunten aber nicht schlecht: Hinsichtlich der Preise erwies sich einiges – vor allem das Essen und die Textilen – doch im Vergleich zu unseren Möglichkeiten weiter außerhalb als deutlich preiswerter. Draußen bei uns galt diesbezüglich wohl eher das Geschäftskonzept vom Eiswasserstand in der Wüste: Es kommt zwar selten einer, aber wenn mal einer kommt …

Weiter zum Hafen. Der müsste eigentlich gleich um die Ecke liegen. Typischer Fall von denkste! Das waren dann nochmal rund zwei Kilometer und so langsam wurde es auch heiß. Unsere Sonnenhüte hatten wir längst schon im Gebrauch; ohne geht’s nicht. Im Hafen wird viel – sehr viel! – für die Touristen angeboten, angefangen beim Glasbodenboot über das gläserne U-Boot, den Katamaran zum Chillen, Jetski usw. Einmal auf die andere Seite der Bucht und in rund zwei Kilometern Entfernung findet sich der „Chipmunk Mountain“, dafür bekannt, dass man dort ganz tolle Fotos schießen kann, wenn man die Erdhörnchen mit der Hand füttert. Na ja – von meiner lange zurück liegenden Kalifornienreise her war mir noch in Erinnerung, dass derartige Viecher oft und gerne sowohl Wirte wie auch Überträger von Yersinia pestis sind. Muss ich mir nicht antun. Im Hafen bestand dann noch die Möglichkeit, zusammen mit zwar wildlebenden, aber an den Menschen gewöhnten Robben zu schwimmen. Wenn man wollte. Wollten wir aber nicht. Wir wollten eigentlich bloß noch raus aus der Sonne: Vamos a la Strandbar!

Nach dem erfolgreichen Vernichten von deren eisgekühlten Colavorräten stand der Rückweg an. Dazu gab’s zwei Möglichkeiten. Nämlich entweder zurück zur Touristenmeile und dort auf einen (kostenlosen) Bus warten – es lebe der durchdachte ÖPNV! Oder aber der Weg zu Fuß um Bucht herum, so etwa vier bis fünf Kilometer. BTW: Auf dem obigen Bild ist unser Hotel nicht mehr zu sehen. Etwas über den linken Bildrand hinaus und noch nach dem Vulkankegel wäre sonst nämlich so ein winziger, schwarzer Punkt zu erwarten. Es war der Moment der Entscheidung und da zeigte sich mal wieder der Unterschied zwischen Stadtmensch und Landei. Der Stadtmensch sagt: „Waaas? Vier Kilometer? Wann fährt der nächste Bus?“ Das Landei sagt: „Bloß vier Kilometer? Die paar Meter ist man doch schnell gelaufen!“ Wir sind Landeier. Der Weg um die Bucht herum zog sich trotzdem. Nicht zu vergessen, dass wir ja auch noch das ganze Gepäck von unserem Beutezug auf dem African Market mitzuschleppen hatten. Dabei musste ich an die Wikinger denken. So ein Wikinger hat’s nach erfolgtem Raubzug sicherlich auch nicht gerade leicht gehabt!

Irgendwann am frühen Nachmittag erreichten wir dann (ziemlich kaputt) wieder unser Hotel. Eigentlich waren wir gar nicht mal so sonderlich weit gelaufen. Eigentlich waren das in Summe bloß schlappe gut zehn Kilometer gewesen. Unter sengender Sahara-Sonne. Mit Gepäck. Jedenfalls verkündete meine Frau mit unumstößlichen Worten: „Ich mache heute gar nichts mehr!“ Immer diese guten Vorsätze, die man dann doch nicht einhält – am Spätnachmittag und nach einer Erholungspause (Man hat ja schließlich Urlaub, nicht wahr?) konnte ich sie nämlich dazu überreden, mir bei der Kontrolle von Wassertemperatur und Tierbestand des Atlantiks behilflich zu sein. BTW: Die Strömung war mörderisch!

Nach dem Abendessen erreichte uns dann noch eine PN der Kinder: Meine Schwiegereltern meckerten wegen des „Essens auf Rädern“ rum, das wir von einem nahe gelegenen Restaurant für die hatten kommen lassen. Wenn Papa kocht, dann schmeckt das viel besser, auch wenn da jedesmal dranrum gemäkelt wird und auch, weil Papa eigentlich gar nicht kochen kann. Papa kann analysieren, homogenisieren, synthetisieren, experimentieren – aber tatsächlich ist im Grunde genommen der Unterschied zwischen Chemiker und Koch vielleicht gar nicht mal so sonderlich groß, wie das Beispiel von Hervé This-Benckhard zeigt. Immerhin: Vielleicht ist es sogar von erzieherischem Wert, wenn unsere drei Pflegefälle mal auf andere angewiesen sind!