Nach einem weiteren, anstrengenden Touristen-Triathlon, gefolgt von der Kontrolle der Wassertemperatur und dem Tierbestand des Atlantiks blieb noch eine Tagestour übrig. Die machten wir zum Oasis-Park, rund 50km weiter im Süden. Was ist der Oasis-Park? Das ist quasi die „grüne Lunge“ von Fuerteventura – ein annähernd kreisförmiges Areal mit Luftlinie 8km Durchmesser, welches einen Zoo und den größten Kakteengarten Europas beinhaltet. Von überall auf der Insel fahren kostenlose Busse morgens zwischen 08:00 und 10:00 Uhr dahin und die Rückfahrt (auch kostenlos) ist durchweg um 17:30 Uhr. Man bleibt folglich den ganzen Tag über in dem Areal – die Mitnahme von hinreichend vielen Getränken sowie Essen im Rucksack ist ein absolutes Muss!

Die Eintrittspreise sind mit deutschen Zoos vergleichbar, allerdings kann man gegen (z. T. saftigen) Aufpreis auch noch bestimmte Attraktionen dazu buchen – eine Kamelsafari, das Schwimmen zusammen mit den Seelöwen oder den hautnahen Kontakt mit den Bewohnern des Lemuren-Dschungels. Ein Besuchstag reicht im Falle der Zubuchung aber bei Weitem nicht mehr aus. Vermutlich geographisch-klimatologisch bedingt legt der Zoo den Schwerpunkt auf die Tiere, welche die Hitze gewohnt sind – Wölfe und Bären bspw. sucht man daher vergebens; aber auch Großkatzen fehlen. Das aber wird durch die Vielfalt der Wüsten- und Savannen-Bewohner wieder wettgemacht, denn viele der dazu gehörigen Tierarten sucht man hierzulande im Zoo vergebens. Besonders der Reptilienbereich ist sehr breit ausgebaut.

Verglichen mit einem deutschen Zoo ist Oasis allerdings „irgendwie anders“. Bei uns gibt’s da ein Gitter, einen Graben, viel Platz und irgendwo dahinten turnt irgendwelches Viehzeug rum – aus Sicherheitsgründen. Bei Oasis gibt’s stattdessen einen Zaun oder eine hüfthohe Plexiglasabtrennung. Wer die Tiere anfassen will kann das durchaus tun – selbstverständlich immer auf eigene Gefahr. Zum Fotografieren ist das jedoch ideal, denn Tierbilder gelingen eigentlich immer dann am besten, wenn sie Auge in Auge aufgenommen werden. Obwohl, bei einem Nilkrokodil überlege ich mir sowas lieber dreimal. Risiko ja – ohne kann man nicht fotografieren – aber kalkulierbares Risiko. Wenn man allerdings nicht weiß, wie die Viecher sich verhalten, dann ist größte Vorsicht angebracht. Auch im Zoo!

Zugegeben, die Seelöwen waren natürlich an die Menschen gewöhnt. Allerdings zählen auch die Seelöwen zu den Raubtieren und wenn man das Gebiss von so einem Raubtier schon mal genauer betrachtet hat … – jedenfalls hielt ich einen gewissen Abstand. Vorsichtshalber. Außerdem machten sich die Viecher einen Spaß daraus, die Besucher nass zu spritzen. Was mir bei der Hitze zwar nicht viel ausgemacht hätte, aber die Unterwasserkamera führte ich an diesem Tag nicht mit. Und wenn aus meiner Nikon unten das Wasser wieder rausläuft dann ist die mit Sicherheit hin! Also lieber drei Meter von dem Koloss wegbleiben, so dass man lediglich nasse Füße kriegt …

Das neue Wappentier der SPD hatten die auch, und zwar gleich im Doppelpack. Also das Nilpferd. Dem steht zwar das Wasser bis zum Hals; es hat aber trotzdem immer ein großes Maul. Die Ähnlichkeit mit der SPD ist unverkennbar. Die Größe des Parks – eben die 8km Luftlinie im Durchmesser – scheint überschaubar zu sein. Wenn man das allerdings alles zu Fuß ablaufen will, dann merkt man das schon irgendwann. Anfangs ist der Rucksack dabei noch schwer (wegen der Getränke), aber spätestens um die Mittagszeit herum hat man kaum noch Gewicht zu schleppen, dafür aber gehörigen Durst. Ab da wird’s teuer. Verdursten braucht aufgrund der Restaurants niemand. Aber das Verarmen schreitet zügig voran.

Das eine Zebra wollte mir das Objektiv abbeißen – nee, so nich‘! Bei der Gelegenheit wies ich meine Frau darauf hin, dass die dort gleich zwei Sorten von Zebras haben, nämlich weiße mit schwarzen Streifen und schwarze mit weißen Streifen. Sie glaubte mir nicht! An anderer Stelle war da so ein Affenkäfig. Darin saß hinter Gittern ein ziemlich alt aussehender Ur-Ur-Ur-…-Urgroßvater von mir. Allerdings rückte der nicht damit raus, was er denn nun angestellt hatte, damit er gleich für Millionen von Jahren eingebuchtet worden ist 😉 . Für den Kakteengarten nahmen wir dann – inzwischen bereits merklich fußlahm geworden – an einer kostenlosen Rundfahrt teil. So verging dieser Ausflugstag wie im Fluge. Ich weiß nicht, ob wir alles gesehen haben. Ich glaube nicht. Später im Bus, auf der Rückfahrt, griff ich meiner Frau ins Haar und entfernte da sowas Schwarzes. „Lass ruhig“, meinte sie, „der verdammte Sand kommt überall hin.“ „Mag ja sein“, erwiderte ich, „aber dieses Sandkorn hat acht Beine.“ PANIK!!! Tja – und für den letzten Urlaubstag stand dann nochmal der Touristen-Triathlon auf dem Programm, bevor es wieder nach Hause ging. Die Woche war viel zu schnell vergangen. Abends zuhause angekommen verlangten unsere drei Pflegefälle mit der größten Selbstverständlichkeit der Welt sofort wieder nach einer umfassenden 24h-Rundumversorgung und, wenn ich ehrlich sein soll, zwei Stunden später waren wir schon wieder urlaubsreif! Denn im Vergleich zu meiner demenzkranken Schwiegermutter könnte man bei einem Faultier glatt ADHS diagnostizieren …