Im leider viel zu kurzen Urlaub waren meine Frau und ich zeitweise im Reisebus unterwegs. Man sieht viel dabei – mehr, als wenn man selbst hinter dem Steuer sitzt. Vor allem aber: Man kann fotografieren! Wobei es eigentlich sogar ziemlich egal ist, ob man eine „richtige Kamera“ oder nur ein Handy benutzt. Letzteres bringt hinsichtlich der Handhabung u. U. sogar noch Vorteile mit sich. Allerdings ist das aus dem fahrenden Bus heraus nicht immer ganz einfach. Doch mit ein paar kleinen Tricks gelingen auch dabei ganz ansprechende Aufnahmen. Was für Tricks? Zweifellos mit ganz großem Abstand am wichtigsten ist der Platz direkt am Fenster. Denn wenn man nicht am Fenster sitzt und vom Gang aus fotografiert, dann wird auf das Fenster fokussiert und man sieht bestenfalls Spiegelungen, die das Bild unbrauchbar werden lassen – denn derartige Spiegelungen lassen sich hinterher praktisch nicht mehr beseitigen.


Das Foto vom Sitzplatz am Gang aus ist unbrauchbar!

OK, man hat sich also seinen Fensterplatz hart erkämpft. Wie geht es weiter? Das Fenster sollte möglichst sauber sein. Ist es de facto aber niemals und folglich sucht man sich die sauberste Stelle, um darauf das Objektiv zu platzieren. Das Objektiv muss sich – wieder zwecks Vermeidung von Spiegelungen – praktisch unmittelbar an der Scheibe befinden. Mit dem Handy ist das leichter als mit der Kamera zu realisieren. Im Falle der Kameraverwendung ist eine Gegenlichtblende aus Gummi ganz hilfreich. Die wird ausgeklappt und auf die Scheibe gepappt. Manchmal – das hängt von der Gegenlichtblende ab – funktioniert sie wie ein Saugnapf u. d. h., den Rand der Gegenlichblende mit etwas Speichel benetzen und das Ding sitzt vergleichsweise fest auf dem Busfenster. Das ist der Idealfall.

Nun wird – was normalerweise bei der Landschaftsfotografie ein absolutes No-Go darstellt – mit weit geöffneter Blende (d. h. mit kleiner Blendenzahl) – gearbeitet, also bspw. mit Blende 4. Warum? Durch die offene Blende werden Dreckspritzer, Regentröpfchen u. ä. außen auf der Scheibe quasi „wegbelichtet“. Das anvisierte Motiv allerdings sollte soweit wie möglich entfernt sein und die Scharfstellung erfolgt auf unendlich. Dadurch wird die Ferne (noch) scharf abgebildet und der Vorderund ist aufgrund der Bewegung des Busses ohnehin (bewegungs)unscharf – außer wenn das Fahrzeug anhält, aber tut es das gerade da, wo es am interessantesten aussieht? Später, wenn die Bilder auf den Computer überspielt worden sind, muss ohnehin ein Beschnitt vorgenommen werden, um den unscharfen Vordergrund zu beseitigen. Soviel zur grundlegenden Aufnahmetechnik.

Kommen wir nun zu einem gänzlich anderen Problem. Die meisten Busse weisen nämlich aus Komfortgründen getönte Scheiben auf. Glücklich ist der Fotograf, der in einem Bus mit grau getönten Scheiben sitzt, denn die verursachen KEINE Farbverfälschung. Die wirken nur wie ein ND-Filter und verlängern die Belichtungszeit. Der Regelfall ist aber die später zu korrigierende Farbtönung. Was für eine Farbtönung? Um das zu ermitteln, empfiehlt sich die Aufnahme eines weißen Gegenstands im Bus selbst. Bitte beachten: Dieser Schritt muss zwar nicht sein; er vereinfacht die spätere Bildbearbeitung aber enorm!


Original und Bearbeitung mit einer beliebigen Bildbearbeitung.

D. h. man nimmt später die Aufnahme des weißen Gegenstandes im Bus und schiebt Helligkeit und Farben mit einer beliebigen Bildbearbeitung so zurecht, dass es dem Original entspricht. Das kann sowohl durch selektive Farbänderung (Stichwort RGB, also bspw. Rücknahme von Grün o. ä.) wie auch durch Veränderung des Weißabgleichs geschehen – was am besten passt, muss man eben ausprobieren. Wichtig ist nur, sich diese Einstellung zu merken, denn sie wird fortan – ggf. mit nur geringfügigen Variationen – auch zur Korrektur der gesamten, aus dem Bus heraus fotografierten Bildserie verwendet. Das war es dann auch schon – die Aufnahmen aus dem (fahrenden) Bus heraus sind durchaus brauchbar geworden. Ist eben alles nur ein „Gewusst-wie“. BTW: Was ich hier für einen Bus beschrieben habe, das gilt selbstverständlich sinngemäß auch für alle anderen Fahrzeuge!


Typische Bildkorrektur nach dem oben beschriebenen Verfahren.