Vorab ein Hinweis bzw. eine Entschuldigung: Man verzeihe mir den bewusst polemischen Ton in diesem Beitrag. Und, nein, ich werde NICHT von Moskau bezahlt! Aber bei diesem Thema kann ich beim besten Willen nicht anders als zu polemisieren! Unsere Kriegsministerin Kampf-Knarrenbauer will deutsche Soldaten im Zuge einer so genannten „Schutzmission“ im Iran als Kanonenfutter verheizen. Unterstützung erhält sie dabei vom Maasmännchen. „Schutzmission“ klingt doch schon mal sehr gut, lenkt der Euphemismus nämlich zuverlässig vom Kern der Sache, und zwar vom völkerrechtswidrigen Angriffskrieg, ab. Eine solche „Schutzmission“ würde selbstverständlich im Rahmen eines NATO-Einsatzes stattfinden. Womit wir beim Kern der Sache, nämlich bei der NATO, wären.

Was ist die NATO? Die NATO wurde ursprünglich im Jahr 1949 als Verteidigungsbündnis zeitlich befristet für eine Dauer von 20 Jahren geschaffen, also für den Zeitraum des Kalten Krieges zwischen den USA und der UdSSR. Die frühere UdSSR antwortete auf die NATO 1955 mit dem Warschauer Pakt, der 1991 offiziell aufgelöst wurde und womit das gegenseitige Säbelrasseln ein vorläufiges Ende fand. Ein Verteidigungsbündnis, das nach dem Wegfall des vermeintlichen Gegners nicht mehr benötigt wird, hätte folglich auch problemlos aufgelöst werden können. Oder, mit anderen Worten: Seit 1991 ist die NATO im Grunde genommen obsolet.

Nun verhält es sich aber so, dass große Organisationen, wenn sie denn überflüssig geworden sind, nicht etwa zur Selbstauflösung tendieren, sondern vielmehr zur Erhaltung und auch zur Erweiterung. Auf die NATO trifft das ganz zweifellos zu. Auf das Säbelrasseln folgten „militärische Polizeieinsätze“, „Interventionen“ und „Schutzmissionen“. Oder, anders gesagt: Stellvertreterkriege! Dabei erfolgte entgegen früherer Absprachen eine deutliche und umfangreiche Osterweiterung der NATO. Heute sieht es so aus, dass Russland als der neue Aggressor schlechthin dargestellt wird – die obsolete Organisation braucht offensichtlich ein Feindbild – und im Süden, Westen und Osten von der NATO eingekreist ist.

Russland hat Europa noch nie von sich aus angegriffen. Warum auch? Land haben die Russen ohne Ende. Bodenschätze auch. Es würde einfach wirtschaftlich betrachtet keinen Sinn ergeben, Europa anzugreifen. Sehr wohl aber würde es einen Sinn ergeben, intensive Handelsbeziehungen mit Europa zu haben oder sogar eine Freihandelszone. Das wäre dann ein wirtschaftlicher Machtblock, von dem sowohl Europäer wie auch Russen gewaltig profitieren könnten. Bloß einer bekäme dann das ganz große Zittern, nämlich der Ami. Dann nämlich würde die Musik von ihm aus gesehen auf der anderen Seite des Atlantiks spielen und er hätte einen Vasallenstaat weniger: Geht gar nicht! Deswegen brauchen wir also die NATO und ein Feindbild, welches ihre Existenz rechtfertigt.

Nun verhält es sich in wirtschaftlicher Hinsicht aber auch noch etwas komplexer. Da sind einerseits die USA, abhängig von importierten Rohstoffen. Da sind andererseits die Russen, die – verständlicherweise! – ihre eigenen Rohstoffe nicht verschenken wollen: Einer will was und bekommt es nicht; der andere hat was und gibt es nicht umsonst her. Folglich holt man sich’s! Womit wir wieder bei der NATO wären. Denn deren Aufgabe besteht – geführt von den USA – auch in der Intervention. Eine Intervention im Polizeijargon bezeichnet einen Notzugriff, der unter Umständen einen Waffengebrauch mit einschließt, zur Abwehr von noch größeren Schäden. Beim Militär steht der Begriff gleichbedeutend mit Invasion und ähnlicher Begründung. Und genau an der Stelle wird’s heutzutage wirklich delikat.

Im Falle eines regulären Krieges gäbe es Fotobeweise – von Bodentruppen, Panzern, Flugzeugen, Schiffen, Angriffsfolgen etc. D. h. ein solcherart geführter Krieg wäre überprüfbar. Gänzlich anders verhält es sich aber mit dem Cyberspace. Wenn Russen oder Amerikaner behaupten, von der anderen Seite aus über das Internet angegriffen worden zu sein, dann kann man derartige Behauptungen nicht überprüfen. Und selbst wenn man sie überprüfen und eindeutig belegen könnte, dann kann man immer noch nicht sagen, ob es sich um einen staatlichen Angriff, den Angriff von Privatpersonen, seitens des organisierten Verbrechens oder durch eine Cybersöldnertruppe irgendeines Oligarchen handelt. Das aber ist im jeweiligen Einzelfall ein Riesenunterschied, denn für organisiertes Verbrechen, Söldner oder Privatpersonen ist das Militär nun absolut nicht zuständig!

Cyberattacken verschieben daher einen Militärschlag – auch den Erstschlag! – in den nicht mehr überprüfbaren, virtuellen Bereich. Stellen wir uns jetzt mal folgendes Szenario vor: Irgendeine Gruppierung führt von irgendeinem Land aus einen Cyberangriff durch. Der durchläuft bis hin zum Ziel so richtig schön verschleiert und getarnt alle möglichen Server, wobei die letzen Maschinen in Russland stehen. Am Ziel kommt es zum Chaos, sagen wir durch einen Blackout, mit unabsehbaren Folgen für die Zivilbevölkerung. Die Rückverfolgung des Angriffs endet beim russischen Server und in Anbetracht der zuvor präsentierten Propaganda ist damit der vermeintlich Schuldige schnell ausgemacht: Der Russe war’s! Woher der Angriff aber tatsächlich kommt, danach fragt keiner mehr. Die Bevölkerung ist ja doof; die hat zu glauben was von oben gemeldet wird! Jetzt kommt die NATO mit ihrem „geheimen“ Cyberabwehrzentrum in Mons bei Brüssel ins Spiel und verursacht mit einem Fire-Back-Schlag desaströse Verhältnisse bei den Russen. Die aber sehen sich dadurch gezwungen, das Abwehrzentrum gewaltsam auszuschalten und so gelangt der Cyberkrieg per Rakete in die reale Welt …

Auch wenn es naiv klingen mag: Wäre es unter diesen Gesichtspunkten nicht wirklich sinnvoller, effektiv zusammen zu arbeiten? Das so eine Zusammenarbeit nicht nur möglich ist, sondern obendrein sogar noch als Win-Win-Situation funktioniert, beweist die ISS. Zur Abwehr des „Krieges aufgrund eines Missverständnisses“ wäre eine ähnliche Zusammenarbeit äußerst wünschenswert. Mit internationalen Abkommen könnten Richtlinien erlassen und umgesetzt werden, welche die einzelnen Länder zur praktizierten Cybersicherheit verpflichten.

Das allerdings würde verantwortungsbewusste, kompetente Politiker und keine Säbelrassler oder Heißluftgebläse erfordern! Zudem müssten sich die unterzeichnenden Parteien auch zur Einhaltung der Abkommen verpflichten und eben nicht – wie es im Falle der USA und dem Iran jüngst geschehen ist – ein Abkommen einseitig aufkündigen und dem früheren Partner, wenn der sich ein Jahr darauf auch nicht mehr an die Regeln hält, mit Krieg drohen. Doch genau das verschweigen bspw. unsere Massenmedien, denn gerade bei diesem Beispiel wird immer der Iran als derjenige angeführt, der sich nicht an das Abkommen hält – obgleich es doch die USA waren, die das zuerst aufgekündigt haben. Ist so eine Berichterstattung eigentlich noch Framing oder bereits beabsichtigte Propaganda? Und wem nützt das? Ist ja auch völlig egal, denn die von den USA geführte NATO wird’s schon richten: Führer geh‘ voran, wir folgen … 😦 Denn mit völlig verblödeten Leuten kann man’s ja machen …