„Die größte Sorge aller Sicherheitskräfte ist, dass innerhalb des terroristischen Netzwerkes ein Anschlag mit nukearem Material vorbereitet werden könnte. Viele Fachleute sind inzwischen überzeugt, dass es nur noch darum geht, wann ein solcher Anschlag kommt, nicht mehr, ob.“
(Wolfgang Schäuble am 16.09.2007 i. d. FAZ)

Man mag zu Wolfgang Schäuble stehen wie man will – meine Meinung über ihn ist nicht öffentlichkeitstauglich – aber mit dem, was er in der FAZ sagte, dürfte er zweifellos auf dem richtigen Weg sein. Ich hatte kürzlich ein nettes Gespräch mit einem befreundeten Ehepaar, das gerade aus dem Urlaub zurück gekommen war. Den hatten sie in der Eifel verbracht. Schöne Gegend übrigens, vor allem was für Wanderer: Vulkan rauf, Vulkan runter, Vulkan rauf, Vulkan … – aber lassen wir das. Die erzählten mir, dass sie sich u. a. den Regierungs-Atombunker angeschaut hatten. Der liegt nicht allzu weit von Bad Münstereifel entfernt und in Bad Münstereifel machte ich zum Anfang der 1980er Jahre meine Ausbildung zur „Fachkraft für Strahlenschutz“. Ist lange her, aber damit war thematisch die weitere Richtung des Gespächs bereits irgendwie schonmal vorgegeben worden: Es ging nämlich um nukleares Material, Strahlung, Fallout, Atombomben usw. und das soll auch das Thema dieses Beitrags sein.

Damals, als ich dort die o. e. Ausbildung machte, träumte man noch von einem vollständig kontrollierbaren Stoffkreislauf des nuklearen Materials in der damaligen EWG, dem Vorläufer unserer heutigen EU. Doch schon damals – so wurde uns Auszubildenden mitgeteilt – ergaben sich Differenzen zwischen Soll- und Istwert, und zwar i. H. von rund zwei Kilogramm jährlich. Zwei Kilogramm jährlich an spaltbarem Material: Bei entsprechender Reinheit ausreichend kritische Massen für u. U. mehrere Atombomben: Ein bisschen Schwund muss man eben einkalkulieren! Besagte Reinheit galt allerdings als höchst unwahrscheinlich, so dass Terroristen über viele Jahre hinweg hätten sammeln müssen. Für eine „Schmutzige Bombe“ (keine Atombombe!) hätte es allerdings allemal ausgereicht. Nun ja, die damals erlernten Informationen sind mittlerweile fast vierzig Jahre alt und heute garantiert nicht mehr aktuell, also was soll’s!

Zufällig las ich nun aber vor einiger Zeit in einem Roman (wen’s interessiert: „Schwarzer Regen“ von Karl Olsberg) etwas über verloren gegangene Atombomben. „Blödsinn“, dachte ich mir und: „Kann gar nicht sein!“ Dennoch ließ mir das Thema, so unwahrscheinlich es mir auch erschien, keine Ruhe. Der Tatsache, dass man in den Medien nichts darüber erfährt, maß ich keine große Bedeutung bei, denn so etwas würde sicherlich nicht an die große Glocke gehängt werden – zumindest nicht unter den Verhältnissen, die man hierzulande als so genannte „Pressefreiheit“ bezeichnet. Ergo recherchierte ich selbst, nämlich im Internet und fiel aus allen Wolken: Bisschen Schwund muss man wohl wirklich einkalkulieren! Und, nein, ich meine damit keinen Hollywood-Blockbuster wie „Broken Arrow“ mit dem Scientologen Johannes Trafalgar (oder wie der heißt), sondern die ganz normal wahnsinnige Wirklichkeit!

Aktuell geht man, wie der SPIEGEL schreibt, von rund 50 verloren gegangenen Nuklearwaffen aus, und zwar sowohl Atom- wie auch Wasserstoffbomben umfassend. Mindestens 17 davon sollen lt. WELT auf das Konto der USA gehen. Einige Bomben liegen unter Wasser und werden hin und wieder mal von Tauchern eher zufällig gefunden. Angeblich „aus Sicherheitsgründen“ wird dann gar nicht mal so selten entschieden, die Massenvernichtungswaffe dort vor Ort zum Verrotten liegen zu lassen. Was aber auch bedeutet: Der Ort, an dem sich hochangereichtertes Bombenmaterial befindet, ist bekannt – und zwar nicht nur den Sicherheitsbehörden! BTW: In der Liste nuklearer Unfälle werden die verloren gegangenen Atomwaffen vornehm verschwiegen, auch scheint besagte Liste unvollständig zu sein, denn andere Quellen wie Web.de oder der ORF listen noch weitere Vorfälle auf.

Doch zurück zu den Bomben: Davon gehen, wie schon ausgeführt, mindestens 17 auf das Konto der USA. Bleiben noch 33 weitere. Als 1991 die frühere Sowjetunion zerbrach, da verfügten plötzlich etliche der neu entstandenen Länder über Atomwaffen aus dem früheren Sowjet-Arsenal. Die Soldaten erhielten keinen Sold mehr und mussten, um überleben zu können, alles Mögliche verkaufen – inklusive Armeematerial. Seinerzeit verschwand sehr viel (ich selbst habe meine kleine Werkstatt hervorragend mit unverwüstlichen NVA-Werkzeugen ausstatten können): Verschwanden auch Kernwaffen? Die Möglichkeit besteht nicht nur; sie ist darüber hinaus sogar ziemlich wahrscheinlich.

Fassen wir daher mal zusammen: Einen voll durchkontrollierten Stoffkreislauf von nuklearem Material gibt es nicht und daher tritt dort Schwund auf. Die US-Amerikaner haben Bomben verloren und nicht geborgen, wobei die Orte, an denen das Zeug liegt, nicht unbekannt sind und wo sich daher u. U. Taucher illegal bedienen könnten. Daneben existiert als ganz große Dunkelziffer unbekannten Ausmaßes noch der Ostblock. Zusammen ergibt das unweigerlich: Ja, spaltbares bzw. bombenfähiges Nuklearmaterial, ggf. sogar betriebsfähige Nuklearbomben werden mit Sicherheit auf dem Schwarzmarkt kursieren – für denjenigen, der genug Geld dafür hat. Aus dem bombenfähigen Nuklearmaterial lassen sich wieder Bomben herstellen – die Zündtechnik, den Stahl und den Sprengstoff zu bekommen, wäre für einen Terroristen wohl noch die leichteste Übung.

Damit aber sind wir aber wieder beim Eingangszitat von Wolfgang Schäuble: Es geht eben NICHT mehr darum, ob es einen solchen Anschlag geben wird, sondern nur noch wann und wo! Wobei … – das ist gar nicht mal das schlimmstvorstellbare Szenario für einen Terroranschlag. Ich könnte mir noch einen sehr viel schlimmeren Anschlag vorstellen. Aus dem Bereich der Biotechnologie – und wenn ich schon darauf komme dann werden andere das sicherlich irgendwann auch. Nein, keine exotischen oder megagefährlichen Erreger oder sowas. Sondern sogar sehr, sehr viel einfacher. Kann außerdem jeder ganz legal kaufen und ist obendrein noch vergleichsweise sehr, sehr billig. Geht sogar ohne großartige Laborausrüstung. Darüber aber will ich mich aber nicht weiter auslassen, denn hier soll wahnsinnigen Vollidioten kein Denkanstoß geliefert werden. Manchmal hat die Blödheit der Mitmenschen eben auch seine Vorteile. Fakt ist jedoch: Die Tage der Menschheit sind m. E. gezählt, denn wir richten uns selbst zugrunde!