Es war einmal eine Zeit als jedermann noch analog fotografierte. Um den Aufnahmen eine besondere Stimmung zu verleihen schleppte man damals sündhaft teure Verlaufsfilter mit sich herum. Die wurden vor das jeweilige Objektiv geschraubt und selbstverständlich passten die auch immer nur für einen bestimmten Gewindedurchmesser. Findige Leute kauften daher besagte Filter ungeachtet des exorbitanten Preises in groß und machten sie über Adapterringe für das jeweilige Objektiv passend. An diese Zeit erinnere ich mich noch sehr gut.

Heute ist das alles viel einfacher und man muss keine Filter mehr mitschleppen (obwohl die im Einzelfall durchaus immer noch ihre Berechtigung haben, denn die IT kann eben nicht alles). Heute nimmt man im allgemeinen eine digitale Aufnahme, ein Bildbearbeitungsprogramm und fügt den Farbverlauf nachträglich ein. Ich will anhand eines Schritt-für-Schritt-Tutorials einmal zeigen, wie das schnell und einfach mit der Freeware GIMP zu erledigen ist. BTW: Das Eingangsbild dieses Beitrages ist das Originalbild, aufgenommen im Sommer 2017 auf Langeoog. Wie geht man also Schritt für Schritt vor?


Das Einfärben mit einem Farbverlauf unter GIMP.

1. Das Originalbild wird geladen.
2. Das Farbverlaufswerkzeug auswählen (das silber-graue Rechteck, das von links nach rechts heller wird) oder alternativ die Taste „l“ drücken.
3. Im Ebenenfenster auf den Reiter Farbverlauf umschalten.
4. Im Fenster für Pinselformen und Muster auch auf Farbverläufe umschalten.
5. In eben diesem Fenster die Verlaufsform auswählen.
6. Im Fenster des Farbverlaufswerkzeugs die Deckkraft wählen (Richtwert: meist um die 20%).
7. Mit gedrückter linker Maustaste im Bild eine Linie entlang des Bereichs, der mit dem Farbverlauf gefüllt werden soll, ziehen. Kleiner Tipp dazu: Bei gedrückter „Strg“-Taste richtet sich die Linie automatisch in 15-Grad-Schritten aus, was für gerade Linien viel einfacher ist. Sobald man die Maustaste loslässt wird der Farbverlauf eingefügt.
8. Das Ziehen der Linie von oben nach unten, unten nach oben, rechts nach links oder links nach rechts verändert die Verlaufsrichtung: Rumprobieren ist angesagt!
9. Falls der Farbverlauf nicht gefällt, dann kann er mit „Bearbeiten/ Rückgängig: Farbverlauf“ rückgängig gemacht und ein anderer Verlauf ausprobiert werden.
10. Zuletzt wird das eingefärbte Bild als JPG exportiert.

Mit diesem Verfahren sind Verfremdungen möglich, man kann Bilder durch Farbstiche auf alt trimmen, mitunter Abend- oder Morgenstimmung erzeugen oder auch Farben verstärken bzw. abmildern (Himmel, Meer, Land etc.) – was wie wirkt hängt sehr stark vom jeweiligen Motiv ab (ggf. nachträglich nochmal den Kontrast verstärken). Dazu drei Beispiele:


Eingefärbt mit Farbverlauf „Deep Sea“.


Eingefärbt mit Farbverlauf „Flare Radial 102“.


Eingefärbt mit Farbverlauf „Sunrise“.