Stellschrauben – oder: Wenn Theorie und Praxis einander zuwider laufen! Bauarbeiten hier im Ort, weil ein neues Edeka-Center entstehen soll. Dabei ist vergangene Woche eine Glasfaserleitung gekappt worden: Der halbe Ort ohne Internet! Eckt klasse sowas! Nun, inzwischen wurde das repariert. Und – welch Wunder! – seither nähert sich meine VDSL50-Verbindung wirklich den „50“ an. Waren es zuvor nur schlappe 28Mbit/s, so wuchs das nach der Reparatur lt. Breitbandmessung auf sagenhafte 42Mbit/s an. Aaaber: Das hat der Router – nämlich eine Fritz Box 7430 – nicht mitgemacht. Sprich: Ständige Verbindungsabbrüche aufgrund von Synchronisierungsfehlern sind an der Tagesordnung (d. h. WLAN und I-Net sind zwar prinzipiell da, aber das Laden von Seiten scheitert an der Zeitüberschreitung) und das Ding muss mindestens drei- oder viermal täglich neu gestartet werden: Voll ätzend, echt jetzt! Ein Feeling wie vor gut einem Vierteljahrhundert! Was tun? Die Fritz Box 7530 soll ja angeblich problemlos mit großen Datenraten zurecht kommen, aber das ist auch schon wieder ein verdammt großer Haufen an Geld … Gibt’s da nicht vielleicht irgendwelche „Stellschrauben“, an denen man drehen kann, um sich die Ausgabe zu sparen?

Die Antwort ist ein ganz klares „Jein“, aber der Versuch lohnt sich allemal – wenn man eine langsamere, dafür allerdings stabilere Verbindung in Kauf nimmt. Wie geht das? Erstmal gar nicht. Die Box 7430 kann das von Haus aus nicht. Aber es gibt ja Betriebssystem-Updates. Die kann sich die Box automatisch ziehen. Leider tut sie das nicht immer. Meine hat das bis zur AVM-Firmware-Version 7.01 gemacht, danach dann aber plötzlich nicht mehr. Inzwischen sind wir bei Version 7.12 – und die muss manuell gezogen werden. Habe ich gemacht. Diese Version bietet der Box 7430 einige Möglichkeiten zur Anpassung an große Datenvolumina – d. h. sie liefert die o. e. „Stellschrauben“, die vorher gefehlt haben. Um also die Fritz Box 7430 an große Datenvolumina anzupassen, wird deren Oberfläche im Browser aufgerufen und oben rechts auf „FRITZ!OS“ geachtet. Wenn da eine ältere Version erscheint, dann „System/ Update“ aufrufen und das Betriebssystem auf den neuesten Stand bringen: Das ist die unabdingbare Voraussetzung! Wie geht es nun weiter?

AVM sagt: „Die Telekom und einige andere DSL-Anbieter begrenzen meist nicht die Datenrate der DSL-Verbindung, sondern reduzieren die Datenrate auf IP-Ebene auf den vereinbarten Wert. Die FRITZ!Box stellt die DSL-Verbindung dadurch immer mit höchstmöglichen Datenrate her, wodurch die Verbindung anfälliger für Störungen ist. Begrenzen Sie die DSL-Datenrate daher auf den vereinbarten Wert.“ Man ruft die Oberfläche der Box auf und klickt auf „Internet/ DSL-Informationen“. Jetzt öffnet sich die betreffende Seite – allerdings fehlt das, was einen interessiert, i. d. R. immer noch.

Deswegen oben rechts auf das 3-Punkte-Symbol klicken und dort die „Erweiterte Ansicht“ aktivieren. Das hat zur Folge, dass auf der aufgerufenen Seite plötzlich wie aus dem Nichts weitere Register erscheinen.

Eines dieser neuen Register ist „Störsicherheit“: Da drauf klicken!

Auf der sich nun öffnenden Seite ganz nach unten scrollen und das Häkchen vor „DSL Syncrate begrenzen auf verfügbare Bitrate“ setzen, anschließend auf „Übernehmen“ klicken. Die Box macht jetzt einen Neustart: Der dauert! Aber: Die Verbindungsabbrüche werden weniger! Leider verschwinden sie jedoch längst nicht völlig und aus den vorherigen 42Mbit/s sind jetzt 31Mbit/s geworden (gemessen!).

Um die Verbindungsabbrüche noch weiter zu minimieren kann man den Abschnitt darüber nehmen und die Stabilität schrittweise zulasten der Geschwindigkeit erhöhen: Versuch mach kluch‘! Dabei den Button „Übernehmen“ nicht vergessen! Das ist eine Möglichkeit, um die „alte“ Fritz Box 7430 an die neuen Techniken anzupassen. Sie funktioniert in etwa so wie das Fahren eines Autos mit angezogener Handbremse, was nicht wirklich im Sinne des Erfinders sein kann. Auf lange Sicht wird man daher um die Anschaffung eines aktuelleren Routers wohl kaum drumrum kommen und ein eigentlich funktionelles Gerät letztendlich doch entsorgen müssen: Produktion für die Tonne!

Durchaus ernüchterndes Fazit der ganzen Geschichte: Wenn euch euer Anbieter einen schnellen I-Net-Zugang verspricht und euch sagt, dass euer Router das kann, dann kann das durchaus bedeuten „unter bestimmten Umständen kann“ und ihr zugunsten einer stabilen Verbindung eine Drosselung vornehmen müsst, so dass ihr von der Geschwindigkeitserhöhung u. U. nicht wirklich viel habt. Aber das wird selbstverständlich verschwiegen, denn der Anbieter will ja verkaufen! Also Obacht!