Windows … – bis WinXP wurde Outlook Express als Mailprogramm mitgeliefert. Dessen Konfiguration war so eine Sache für sich, sofern man damit auf Mailpostfächer zugreifen wollte. Mailpostfächer haben nämlich den unbestreitbaren Vorteil, dass man mit jedem Betriebssystem und jedem Rechner – auch im I-Net-Café im Ausland – darauf zugreifen kann. Deswegen ziehe ich die seit jeher einem bestimmten Mailprogramm vor, zumal ich ab und an ja auch noch unter Linux arbeite. Ab Win7 gab’s Outlook Express dann nicht mehr. Stattdessen konnte man „Windows Live Mail“ als dessen Nachfolger kostenlos nachrüsten. Das Konfigurieren wurde damit aber auch nicht einfacher. Mit Win10 gibt es jetzt „Windows-Mail“ und das ist – zumindest in Bezug auf Konfiguration und Postfachunterstützung – schonmal ein riesengroßer Sprung nach vorne. Vorausgesetzt, man hat das Postfach, auf das zugegriffen werden soll, entsprechend vorbereitet.

Wer allerdings etwas auf sich hält der verwendet natürlich MS Outlook, das Profiteil – na ja … Fehleranfällig, Plattform-gebunden und mit proprietärem Dateiformat ausgestattet ist das auch die beste Möglichkeit, einen PC-Benutzer auf Gedeih und Verderb an Microsoft zu binden und in den Wahnsinn zu treiben! Nicht umsonst taucht MS Outlook schon seit zig Jahren immer unter den Top Ten der schlechtesten Software der Welt auf und behauptet beharrlich seine Spitzenposition. Deswegen mache ich um Outlook auch wann immer es geht einen ganz großen Bogen – geht bloß eben leider nicht immer. Das kostenlose Gegenstück dazu, nämlich Mozilla Thunderbird steht erst ganz, ganz weit hinten in der Liste der schlechtesten Software.

Aktuell ist bei Thunderbird irgendeine Version oberhalb der 60er angesagt. Ich hatte die Software vor Jahren schonmal angetestet und damals hat sie mich nicht überzeugt. Damals packte ich sie in die gleiche Schublade wie MS Outlook. Nun, das ist lange her. Spätestens mit der 52er-Version ist Thunderbird erwachsen geworden und inzwischen betrachte ich die Software als die Kommunikationszentrale schlechthin – nämlich als eine, die auf den verschiedensten Plattformen läuft und die ich für wesentlich besser (im Sinne von funktioneller) als MS Outlook halte. Was kann Thunderbird? Mail, Chat, Verwaltung von Mailaccounts und Postfächern, Adressbücher, Terminplaner, Feedreader und Newsgroups. Reicht dicke – und wer nicht damit klarkommt, für den gibt’s obendrein noch eine recht gute, deutschsprachige Hilfeseite. Ich selbst verwende übrigens die portable Thunderbird-Version, weil damit die Datensicherung vereinfacht wird: Einfach alles 1:1 kopieren und gut is‘. Die gibt’s z. Zt. allerdings nur in englischer Sprache, aber das macht gar nichts, weil sich die Bedienung der Software intuitiv von selbst erschließt. Na ja, fast. Um dieses „fast“ soll es in diesem Beitrag gehen.

Man lädt sich also ThunderbirdPortable runter – es kommt als 34MB-EXE-Installer – und startet den Installer. Der macht eigentlich nichts weiter als das Programm in einen beliebig wählbaren Ordner zu entpacken. Nach dem Entpacken erfordert die Software in ihrer noch „jungfräulichen“ Version 126MB an Plattenspeicher. Dabei bleibt es allerdings längerfristig nicht, denn mit jedem Adressbuch, jeder archivierten Mail usw. wird es natürlich mehr. Mit dem Klick auf „ThunderbirdPortable.exe“ wird das Programm gestartet und sofort meldet sich ein Assistent, der zur Eingabe des Namens und der Mailadresse eines bereits vorhandenen Postfachs nebst zugehörigem Password auffordert.

Hey, das ist ja einfach! Schnell die Daten eingetippert und los geht’s – denkste, oder auch doch nicht: Wenn man nämlich die anzusprechenden Postfächer nicht entsprechend für den Zugriff durch ein E-Mail-Programm vorbereitet hat, dann kommt unweigerlich ’ne Fehlermeldung von wegen „invalid password“. Bevor man Thunderbird nutzen kann, müssen daher ZWINGEND die Postfächer vorbereitet werden. Wie geht das?

An dieser Stelle zunächst ein kleiner Einschub, nämlich „die Postfächer“ betreffend. Warum mehrere? Nun, ich kann diesbezüglich nur von mir selbst ausgehen, denn ich verwende regelmäßig drei Postfächer simultan. Eins für alles und das ist bei Web.de. Eins für die Androidsachen, weil Google das so haben will. Das ist bei GMail. Manchmal läuft da aber auch was Wichtiges auf. Und schließlich noch eins für private Korrespondenzen, Telefonrechnungen und für das Übermitteln großer Datenvolumina. Das liegt bei T-Online. Manchmal läuft da auch was Wichtiges auf. Deswegen ist es überaus sinnvoll, alle drei Postfächer auch simultan im Blick zu behalten. Mit Thunderbird geht das. Bloß wie?

Beginnen wir mit der Postfachvorbereitung. Normalerweise loggt man sich in sein Postfach mit Mailadresse und Password ein. Im Falle von T-Online wird für den Zugriff mit einem Mailprogramm wie bspw. Thunderbird allerdings noch ein weiteres Password eben für das Programm benötigt – es kann jedoch gleich dem üblichen Login-Password sein. Bei T-Online klickt man dann auf das Männchensymbol rechts oben und ruft anschließend „Login-Einstellungen/ Passwörter/ Passwort für E-Mail-Programme“ auf. Nun das für Thunderbird gewählte Password eintippern und abspeichern.

Wenn man jetzt Thunderbird aufruft und zu seiner Mailadresse das Passwort für E-Mail-Programme einträgt, dann läuft die Sache. Bei Web.de hingegen wird nach einer anderen Vorgehensweise verlangt. Auch hier muss man sich einloggen und zunächst den Reiter „E-Mail“ aufrufen. Ganz links unten finden sich da die „Einstellungen“ und da wird draufgeklickt.

Anschließend „POP3/IMAP-Abruf“ wählen und auf der Seite ganz nach unten scrollen; dort das Häkchen vor „POP3 und IMAP Zugriff erlauben“ setzen und zuletzt Speichern. Ruft man nun Thunderbird auf und gibt dort im Assistenten Mailadresse und übliches Login-Password ein, dann „frisst“ das Programm das auch. Noch wieder etwas anders verhält es sich mit GMail. Da gibt’s zwei Möglichkeiten. Einerseits kann man sich einloggen, rechts oben auf Einstellungen klicken und den Tab „Weiterleitung und POP/IMAP“ wählen, da dann im Abschnitt „IMAP-Zugriff“ auf „IMAP aktivieren“ klicken und das Ganze abspeichern.

Andererseits ist die zweite Möglichkeit der Thunderbird-Assistent selbst, in den man Mailadresse und Password eingibt. Das leitet zu einer Loginseite weiter, in die besagte Daten noch einmal einzutippern und der Zugriff durch ein E-Mail-Programm zu erlauben sind. Sobald der erste Zugriff durch Thunderbird auf GMail erfolgt ist, flattert eine Warnungsmail hinsichtlich des Zugriffs seitens eines E-Mail-Programms in das Postfach. Mit dieser Mail sofern notwendig eine Entwarnung quittieren und dann ist auch der GMail-Zugang eingerichtet. Bei anderen Mailanbietern (GMX, Microsoft etc.) dürfte es wieder etwas anders laufen, aber dazu kann ich nichts sagen. Jedenfalls braucht man ab der 52er-Version von Thunderbird nicht mehr den ganzen Krampf mit den Einstellungen für die verschiedenen Mailserver, weil Mozilla das in einer Datenbank vorhält, auf die der Assistent zurückgreift.

Gut, die Postfächer sind jetzt vorbereitet. Man startet den noch jungfräulichen Thunderbird und wieder öffnet sich der Assistent. Daten eintragen und gut is‘ – läuft! OK, und wie fügt man jetzt weitere Postfächer hinzu?

Auch das funktioniert denkbar einfach. Nach dem Einrichten des ersten Postfachs in Thunderbird werden dessen Ordner links in Form einer Baumstruktur angezeigt. Ganz oben steht die zugehörige Mailadresse. Da mit der RECHTEN Maustaste draufklicken und anschließend „Settings“ auswählen. Es öffnet sich eine Dialogbox. Links unten beinhaltet die einen Button mit der Aufschrift „Account Actions“. Da auch draufklicken und „Add Mail Account“ wählen – womit sich der Assistent erneut öffnet und ein weiteres Postfach (auch für unterschiedliche Benutzer) eingetragen werden kann.

Übrigens: Die Anzahl an Mailadressen ist in Thunderbird nicht begrenzt und die Anzahl der Unterordner pro Adresse hängt vom jeweiligen Provider bzw. Tarif ab. Hat man schließlich mehrere Postfächer eingerichtet, dann präsentiert Firebird sich in etwa so wie auf dem obigen Bild zu sehen ist.

Neben Mailadressen kann man aber auch noch Feeds einrichten und Thunderbird somit quasi zum „Zeitunglesen“ zweckentfremden, um immer auf dem Laufenden zu bleiben. Dazu bedarf es allerdings der Menüzeile, die per Voreinstellung ausgeschaltet ist. Sie wird aktiviert, indem man mit der RECHTEN Maustaste auf eine freie Fläche der Toolbar klickt und anschließend das Häkchen vor „Menu Bar“ setzt.

Ich gehe nachfolgend mal davon aus, dass jeder weiß, wie er Feedadressen erhält (indem nämlich bei den interessierenden Seiten auf das Feedsymbol geklickt und die Adresse übernommen wird, so die Seite denn einen Feed zur Verfügung stellt) und dass ihr besagte Adressen bereits vorliegen habt. Um nun Feeds in Thunderbird einzubauen wird „File/ New/ Feed Account“ gewählt.

Es öffnet sich eine Dialogbox, die als Namen für den Feedordner „Blogs & News Feeds“ vorschlägt. Das könnt ihr getrost übernehmen, aber auch umbenennen. Dieser Name taucht anschließend links im Baumverzeichnis unterhalb der Mailadressen auf. Nun mit der linken Maustaste da drauf klicken.

Die Thunderbird-Oberfläche wechselt zur Feedverwaltung. Da aber nur ein Feedordner angelegt worden ist, aber noch keine Feeds eingetragen worden sind, ist die Option „Manage subscriptions“ von besonderem Interesse: Da drauf klicken!

Im nun folgenden Eingabefeld wird unter „Feed URL“ die zuvor ausgewählte Feedadresse einkopiert. Hinweis: Die Eingabe eines Namens im „Title“-Feld ist weder möglich noch notwendig, da dieses Feld vom Feed selbst aktualisiert wird. Mit dem Button „Add“ speichert man den Feed ab und prompt erscheint er auch links im Baumverzeichnis. Übrigens: Die neuesten Nachrichten eines Feeds erscheinen immer ganz unten in der Feedansicht. Das Anklicken eines Beitrages ruft ihn in der Thunderbird-Vorschau in Kurzfassung, bei Doppelklick in Langfassung auf und die zugehörige URL zum Abruf des Originalbeitrages im Browser ist natürlich auch vorhanden.

Eine Terminverwaltung existiert selbstverständlich auch. Die versteckt sich ganz verschämt rechts oben in der Titelzeile, erkennbar an zwei klitzkleinen und leicht zu übersehenden Icons. Der Klick darauf ruft in neuen, zusätzlichen Tabs eine Tagesübersicht bzw. eine To-Do-Liste auf. Bei der normalen Arbeit mit Mail oder Feeds werden die dort eingetragenen Termine dann im Fenster ganz rechts angezeigt.

Wie legt man nun aber ein Adressbuch für die Mails an? Dazu dient „Address Book“ in der Toolbar. Vorgegeben sind per Default zwei Adressbücher, nämlich „Personal Address Book“ und „Collected Addresses“. Eigentlich reicht das auch schon, aber bei Bedarf können mit „File/ New/ Address Book“ auch noch weitere Adressbücher hinzugefügt werden. Mit „New Contact“ nimmt man Einträge in den Adressbüchern vor. BTW: Die Mail an jemanden, der nicht in einem Adressbuch verzeichnet ist, wird einfach mit dem Button „Write“ angefertigt. Mailverteiler lassen sich mit „New List“ realisieren.

Und wie benutzt man nun das Adressbuch? Der Einfachklick auf einen der dort verzeichneten Kontakte ruft unten ein Fenster auf, in dem das Anklicken der Mailadresse zum Maileditor führt. Hier kann beliebiger Text geschrieben oder einkopiert werden. Mit „File/ Send now“ bzw. „File/ Send later“ wird die Mail abgeschickt. Der Doppelklick auf den Kontakt hingegen öffnet ein Feld zum Bearbeiten des Kontaktes.

Und wenn man nun nur mal eben schnell eine Übersicht über seine Termine, Mails und Feeds haben will? Dann öffnet man einfach Thunderbird und hat alles gut sortiert auf einen Blick! Irgendwie ist mir Thunderbird als Kommunikationszentrale sehr, sehr viel sympathischer als Outlook … 😉 (… und Thunderbird wird sicherlich nicht umsonst bei OSALT als vollwertige MS-Outlook-Alternative geführt!).