Advent, Advent,
ein Apfelring brennt.
Erst einer,
dann zwei,
dann drei,
dann vier …
… und schließlich
liegt man selber vor der Tür!

Die Vor-Adventswoche ist immer eine Stresswoche! Das beginnt schon mit dem Adventsgesteck, das ja traditionell nicht gekauft, sondern selbst angefertigt wird. Bloß benötigt man dafür Tannengrün. Woher nehmen, wenn nicht stehlen? Obwohl stehlen ja auch eine Alternative sein könnte – immer vorausgesetzt, dass man weiß, wo Nadelgrünzeug, an das man auch rankommt, wächst und dass man sich nicht erwischen lässt. Da die Stürme in Norddeutschland im Verlauf der vergangenen paar Jahre aber recht üppig ausgefallen sind steht hier kaum noch irgendwo ein Flachwurzler rum, der dafür infrage kommen könnte. Das scheidet damit also aus.

Bleibt nur der ganz legale Erwerb. Man klappert so nach und nach diverse Discounter und Baumärkte ab. Manchmal wird man fündig. Dabei empfiehlt es sich aber dringend, so einen Tannenzweig vor dem Kauf mal in die Hand zu nehmen und damit auf den Tisch zu hauen. Wenn man nämlich anschließend nur noch so einen braunen Strunk in der Hand hält, dann liegt die Ware schon länger und könnte u. U. ihr Mindesthaltbarkeitsdatum bereits leicht überschritten haben – bis Weihnachten reicht’s in dem Falle jedenfalls definitiv nicht mehr!

Gut, irgendwann findet man irgendwo was Brauchbares, was noch nicht weggekauft worden ist und sagt sich angesichts des Preises, dass es ziemlich lukrativ sein müsste, einen Weihnachtsbaum stückweise zu verkaufen. Was soll’s: Das Grünzeug wird gebraucht und man nimmt es mit. Zuhause angekommen stellt sich die Frage, welche Art von Gesteck es werden soll: Das mit der Wurzel und den kitschigen Wichteln oder doch lieber das mit der nicht minder kitschigen Teelicht-Eisenbahn? Man entscheidet sich für das Wurzel-Wichtel-Gesteck und bemerkt gerade noch rechtzeitig, dass dafür keine passenden Kerzen im Haus sind. Das die Geschäfte selbstverständlich bereits geschlossen haben versteht sich von selbst.

Also doch Plan B, nämlich die Teelicht-Eisenbahn. Die müsste eigentlich oben auf dem Dachboden sein, eigentlich … Doch in welcher Kiste mit der über die Jahrzehnte hinweg angesammelten Weihnachtsdeko war die gleich? Wo „Krippe“ draufsteht sind die Nussknacker drin. Wo „Kugeln“ draufsteht findet sich das Teelichhäuschen für den Esstisch. Stundenlange Sucherei – zuletzt unter Verwendung einer Taschenlampe und saukalt ist’s da oben auch noch – schließt sich an. Letztlich aber wird die Teelicht-Eisenbahn doch noch gefunden – und zwar in der Kiste mit der Aufschrift „Ostern“. Ach ja, da war ja was – die anderen Kisten sind seinerzeit beim Wegpacken zu voll gewesen …

Gut, nun wird also das Gesteck gebastelt. Das geht angesichts der vorausgegangenen Suchaktion sogar recht fix. Ist eben alles relativ, nicht wahr? So, und jetzt fehlt noch irgendwas Glänzendes, irgendwas für’s Auge. Da waren doch noch irgendwo die kleinen Kugeln und die mit Glitzerfarben bemalten Tannenzapfen … – ah, da sind sie ja! Hm… – haben wir eigentlich noch Alleskleber im Haus? Eine längere Reparaturaktion der einstigen Deko und heutigen Zerfallsprodukte schließt sich an: Laaangweilig! Um etwas Zersteuung zu haben machst du das Radio an. Die spielen zur Einstimmung auf die Adventszeit „Last Christmas“. Du erschießt das Radio und wendest dich der Stereoanlage zu – AC/DC und Metallica sind immerhin kulturell wertvoll!

Aber wieso kommt da jetzt kein Ton? Verstärker voll aufgedreht – nichts! Hm… Vorverstärker voll aufgedreht – immer noch nichts … Hm… Am Equalizer rumgefummelt – Totenstille. Kopfhörer rausgezogen und die Nachbarn stürmen deine Bude! Nachdem die Freunde und Helfer die Anzeige wegen ruhestörenden Lärms aufgenommen haben bastelst du weiter. Es wird spät und später. Es ist bereits dunkel, doch morgen ist der erste Advent und da muss alles fertig sein. Irgendwann verschwimmt dir der ganze Ramsch vor den Augen und übermüdet fällst du mit der Stirn in das Tannengrün. Du bist schlagartig wieder hellwach: Verdammt, piekst das! Der kleine Unfall hat deinen Adrenalinpegel in astronomische Höhen katapultiert. An Schlaf ist deswegen nicht mehr zu denken. Als Gegenmittel und um noch etwas Ruhe zu finden probierst du den traditionell angesetzen Rumtopf – der, von dessen Geruch die Freunde und Helfer schon ’ne Betriebsfeier ausrichten könnten. Schmeckt gut … – und den ersten Advent verpennst du danach komplett!