„In Deutschland gilt derjenige als viel gefährlicher, der auf den Schmutz hinweist, als der, der ihn gemacht hat.“
(Carl von Ossietzky)

Der Friedensnobelpreisträger Carl von Ossietzky war Journalist und Pazifist in der ausgehenden Weimarer Republik. Da er es nach der Machtergreifung der Nazis wagte, seine Meinung zu äußern, wurde er im KZ Esterwegen zu Tode gefoltert: Wenn die herrschenden Ansichten nicht die Ansichten der Herrschenden sind, dann geht’s den Untertanen schlecht. Ist lange her. Leider aber scheint sich die Geschichte immer und immer wieder zu wiederholen. So äußerte kürzlich Johann Kühne, der Polizeipräsident von Oldenbrug: „Ich schäme mich als Deutscher dafür, wenn AfD-Politiker Muslima als Kopftuchmädchen titulieren oder die Nazis als Vogelschiss in der tausendjährigen Geschichte.“ Das hatte einen Maulkorb-Vorstoß zur Folge – einen Vorstoß, der einizg dazu diente, ihn zum Schweigen zu bringen! So weit sind wir schon wieder …

Ein Einzelfall? Mitnichten, wie mein zweiter Song von Dieter Hallervorden im Rahmen dieser kleinen Liederserie zeigt. Das Lied trägt den Titel „Ihr macht mir Mut (in dieser Zeit)“. Es entstand zu Didis 80. Geburtstag, alo schon vor fast fünf Jahren. Und es ist massiv zensiert worden. Warum eigentlich? Vielleicht, weil er realtitätsverdrehende Medienschlagzeilen anprangert und die Haus-und-Hof-Schmierfinken der herrschenden Klasse mit dem Refrain „So steht’s in der Zeitung drin, was glauben die, wie doof ich bin?“ der Lächerlichkeit preisgibt? Vielleicht, weil der Song ein Rundumschlag gegen die Machenschaften von Waffenhändlern, Finanzkapitalismus, NSA, Rufmord, Ölkriege und so ziemlich alle politischen Themen ist? Ich finde diesen Song aktueller denn je! Denkt mal bitte darüber nach, warum ihr den NIEMALS im Rundfunk hört – und wer die Urheber dieser Form von Zensur (denn um etwas anderes handelt es sich m. E. nicht!) sein könnten … Oder, mit anderen Worten: Wer zieht eigentlich seinen Nutzen daraus, wenn hierzulande die Meinung gemacht und gelenkt wird?

Ihr macht mir Mut (in dieser Zeit)

Happy Birthday altes Haus,
80 Jahre altes Haus,
und steh weiter deinen Mann.

Tja, wenn ich auf euch zählen kann.
Denn allein in diesen Zeiten
gegen Lügenprofis fighten,
fühlt man sich ganz oft beschissen.

Dann war’s gut euch nah zu wissen.
Denn, als ich am Boden war,
Leute, da wart ihr nur da.

In dieser durchgeknallten Welt,
die allein kein Schwein aushält,
wart ihr mehr als nur ein Publikum.
Dies Lied sing ich für euch darum.

Ihr macht mir Mut in dieser Zeit,
es tut einfach gut, dass ihr hier seid.
Ihr macht mir Mut in dieser Zeit,
es tut einfach gut, dass ihr hier seid.

Aids beherrscht halb Afrika,
Gummis sind zu teuer da.
Wer auf Krankheit spekuliert,
der macht den besten Schnitt.

Täglich Tote im Irak,
ISIS plant ’nen neuen Schlag,
Kleinanleger spielen an der Börse wieder mit.
Israel macht Mauerbau,
SED Ideenklau!

Waffenhandel, Drohnenmord,
sind der Schlager im Export.
Und kein Rüstungsspekulant
hat je den Willy Brandt gekannt.

Faule Griechen ohne Dank
an die „gute“ Deutsche Bank.
Saudipanzer bringen Geld,
was die Arbeitsplätze hält.

Wenn sie in nahen Osten geht,
dann aus Solidarität!
So steht’s in der Zeitung drin,
zeigt doch mir, wie klein ich bin.

Ihr macht mir Mut in dieser Zeit,
es tut einfach gut, dass ihr hier seid.
Ihr macht mir Mut in dieser Zeit,
es tut einfach gut, dass ihr hier seid.

Saurer Regen, was war das?
Tschernobyl, da war doch was?
Über alle Strahlen muss jetzt Gras gewachsen sein.

Rieseneisberg sinkt ins Meer,
da müssen schnell fünf Talkshows her,
so zerbröselt und zerschwätzt man Katastrophen klein.

Ölpest droht in Kanada,
Hurrikan auf Cordoba,
Kiwizucht auf Hiddensee,
Kuba hat den ersten Schnee.

Trinkwasser wird zum Profit,
Nestlé macht da gerne mit.
Springflut, Dürre und Taifun
ham mit Treibgas nix zu tun.
So steht’s in der Zeitung drin,
was glauben die, wie doof ich bin?

Ihr macht mir Mut in dieser Zeit,
es tut einfach gut, dass ihr hier seid.
Ihr macht mir Mut in dieser Zeit,
es tut einfach gut, dass ihr hier seid.

Wenn die Börse wieder kracht,
ewig bleibt die Bankenmacht.
Willst du ’nen offenes Wort riskieren,
Spekulanten kritisieren,
hängt ein Shitstorm gleich an dir.

Magst du Netanjahu nit,
bist du schnell Antisemit.
Supercoole Rufmordprofis,
für die sind wir alle Doofis.
Immer eilen, nicht lang‘ feilen,
geil auf geile Totschlagzeilen.

Kommt bevor ich 100 bin,
echt ein Flugplatz nach Berlin,
oder nur ein Milliardengrab?
Schafft die Bahn den Fahrplan ab?
Pflegenot, Parteigezank,
Automaut, und Gottseidank,
darf der Snowden nicht ins Land,
bloß nicht in den Zeugenstand.

NSA, was hör’n die Ferkel
ab im Schlafzimmer von Merkel?
So wird Freiheit neu gedacht,
auch vom BND bewacht.
Du musst, sieht du das nicht ein,
anti-amerikanisch sein.

Nur wer rutscht auf seinen Knien,
dem haben die USA verziehen.
So steht’s in der Zeitung drin,
was glauben die denn, wie blöd wir sind?

Ihr macht mir Mut in dieser Zeit,
es tut einfach gut, das ihr hier seid.
Ihr macht mir Mut in dieser Zeit,
es tut einfach gut, dass ihr hier seid.

Ihr macht mir Mut in dieser Zeit,
es tut einfach gut, das ihr hier seid.
Ihr macht mir Mut in dieser Zeit,
es tut einfach gut, dass ihr hier seid.

Ja, ja, ihr fragt mich jetzt: „Was tust denn du?“
Ok, Ok, ich geb’s ja zu:
Klar, allein mit so ’nem Gesang
ist nichts Großes anzufangen.
Doch nach dem Zusammensingen
könnt‘ man mehr zusammenbringen.
Alt ist, sich mit sich bequemen,
Jung ist, sich was vorzunehmen.

Ihr macht mir Mut in dieser Zeit,
es tut einfach gut, dass ihr hier seid.
Ihr macht mir Mut in dieser Zeit,
es tut einfach gut, dass ihr hier seid.