Da, wo gewisse Parteien zwar den Begriff „sozial“ im Namen führen, aber dennoch alles daran setzen, der einfachen Bevölkerung selbst das Existenzminimum zu nehmen …
Da, wo man den armen Leuten in einem reichen Land das wenige Geld wegnimmt, um es den reichen Leuten in einem armen Land zu geben und das Ganze dann „Entwicklungshilfe“ nennt …
Da, wo man Fachkräfte erst ausbildet, dann mit unmöglichen Arbeitsverträgen rausekelt und einen Fachkräftemangel beklagt …
Da, wo man selbstsüchtige Verkehrsministerdarsteller einsetzt und die Verkehrsinfrastruktur zeitgleich schlimmer als im Kosovo verkommen lässt …
Da, wo man das schlechte Abschneiden in PISA-Studien beklagt und simultan die Bildung herunterfährt …
Da, wo Landwirtschaftsminister ganz unverhohlen Lobbyarbeit betreiben …
Da, wo Politiker ihre Zeit als „Volksvertreter“ vorwiegend dazu nutzen, sich ihr späteres Auskommen in der Wirtschaft zu sichern …
Da, wo man Korruption auf höchster Ebene mit Euphemismen belegt und so legalisiert hat …
Da, wo die Armenspeisungen Hochkonjunktur haben, obgleich es sich doch vermeintlich um ein „reiches Land“ handelt …
Da, wo die Kinderarmut wahre Triumphe feiert und die Altersarmut vorprogrammiert ist, so man nicht in eine herrschende Klasse hineingeboren worden ist …
Da, wo man sich gerne als führende Wirtschaftnation präsentiert, aber die Digitalisierung auf dem Stand von Botswana ist …
Da, wo man Ölheizungen verbietet, aber keine Alternativen zur Verfügung stellt …
Da, wo man mit E-Autos viele kleine Auspuffrohre vermeidet, die durch das gigantische Auspuffrohr eines uralten Kohlekraftwerks ersetzt und das dann als „Klimaschutz“ bezeichnet …
Da, wo …

OK, Schluss mit der Liste. Es könnte jetzt noch schier endlos so weitergehen. Das öffentlich anzuprangern gehört sich aber einfach nicht! Und dennoch hat das einer gemacht. Mit einem Lied, welches den Zeitgeist geradezu perfekt einfängt. Die Rede ist von Konstantin Wecker und seinem Lied „Absurdistan“. Habt ihr das schonmal im Rundfunk gehört? Nein? Ich auch nicht! Warum nicht? Sagt doch an sich schon alles … In dem sehr sehenswerten Film „Wader Wecker Vater Land“ fragt (sinngemäß) Hannes Wader: „Haben wir mit unseren Liedern irgendwas verändert?“ Und Konstantin Wecker entgegnet (auch sinngemäß): „Das ist die falsche Frage. Die richtige Frage ist: Wie würde dieses Land ohne unsere Lieder aussehen?“

Absurdistan

Hab keine Lust mehr, der Nörgler zu sein,
bin müde vom Kämpfen und Klagen,
werd‘ ab sofort gesellschaftskonform
und verzichte auf weitere Fragen.

Will auch dabei sein im Karussell
der Reichen und Klugen und Schönen,
und dann lass‘ ich mich von den Medien loben
und von meinem Konto verwöhnen.

Und ich glaube ab sofort an jede Statistik
und bin gegen Zweifel immun,
und wenn Umsätze steigen und Löhne sinken,
hat das nichts miteinander zu tun.

Ich gelobe, jetzt nicht mehr quer zu schießen
und ich glaube der BILD und der WELT,
und an Terrorexperten und Wirtschaftsanalysen
und vor allem: ans große Geld!

Und ich glaube, dass Nestlé die Menschen liebt,
die Vatikanbank leiten Christen.
Bänker sind voller Mitgefühl
und Heckler & Koch Pazifisten.

Ja ich glaube an Deutschland, an den deutschen Export,
an Hartz IV und an Wachstumswahn.
Heißt mich willkommen und nehmt mich auf
in eurem Absurdistan!
Heißt mich willkommen und nehmt mich auf
in eurem Absurdistan!

Und ich glaub‘ an den heiligen Sarrazin
und seine Eugenik-Visionen.
So kann sich ein Rückfall in dunkelste Zeiten
finanziell im jedem Fall lohnen.

Und ich glaube, dass wir in Afghanistan
zur Rettung der Frau angetreten,
und wie damals mit Gutti und Kerner und Papst
will für deutsche Siege ich beten.

Und ich glaube an alles was den Bildschirm füllt,
von Pro7 bis RTL zwo,
und ich bewerbe mich morgen bei DSDS
und wisch‘ den Quoten den Po.

Ja ich glaube an Deutschland, an den deutschen Export,
an Hartz IV und an Wachstumswahn.
Heißt mich willkommen und nehmt mich auf
in eurem Raffistan!
Heißt mich willkommen und nehmt mich auf
in eurem Absurdistan!

Und ich weiß, dass wir ohne Atomstrom verenden,
und ich find‘ es ab jetzt auch beschissen,
dass Konzerne, obwohl sie so viel für uns tun,
auch noch Steuern zahlen müssen.

Und ich glaub‘ an die Automobilindustrie,
denn sie hat’s nun wirklich geschafft
und hält jede Regierung unter ihr
verlässlich in Geiselhaft.

Und ich glaub‘ an Elite und an BWL
und vor allem an G 8.
Denn wir brauchen Kinder, die funktionieren.
Wer braucht schon ein Kind, das lacht?

Heißt mich willkommen und nehmt mich auf
in eurem Kannitverstan!
Heißt mich willkommen und nehmt mich auf
in eurem Absurdistan!