Ein altes Sprichwort besagt: „Die Kleinen hängt man und die Großen lässt man laufen!“ Dieses Sprichwort ist völlig korrekt. Wer’s nicht glaubt, der werfe nur mal einen Blick auf den Cum-Ex-Skandal. Um zig Milliarden an hinterzogenen Steuern zurück zu holen waren niemals genug Leute da. Es bestand ja auch kein wirkliches Interesse an der strafrechtlichen Verfolgung derjenigen, die sich ihre eigenen Regeln machen. Im Gegenzug muss dem arbeitslosen H4-Empfänger aber selbstverständlich noch der allerletzte Cent aus der Tasche gezogen werden – koste es, was es wolle! Oder nehmen wir mal die Bankster. Wenn eine Bank durch Misswirtschaft – was m. E. nichts anderes als ein Euphemismus für rücksichtslose Zockerei ist – in Richtung Pleite schlittert, dann muss sie gerettet werden: Das ist „systemrelevant“ und „alternativlos“! Ungeachtet dieser verbalen Totschlagargumente in Form von heißer Luft hat das Beispiel Islands jedoch gezeigt, dass es auch ganz anders geht!

Wann immer in dieser, unserer Bananerepublik irgendein Problem auftaucht, dann kennt die hohe Politik quer durch alle Parteien dagegen nur ein uraltes Allheilmittel: Steuererhöhungen! Klimaerwärmung? Die bekämpfen wir mit einer Steuererhöhung! Feinstaubproblem? Spritpreiserhöhung! OK, das nennt sich dann vornehm umschrieben CO2-Abgabe oder so, aber glaubt denn irgendjemand ernsthaft, dass ein Problem dadurch gelöst wird, dass man uns zur Kasse bittet? Wieviel klimaschädliche Abgase werden weniger produziert, wenn wir mehr zahlen? Oder betrachten wir die medienträchtigen Spendengalas: Ist es denn nicht gar nicht mal so selten der Fall, dass ausgerechnet derjenige, der für die Notwendigkeiten von Spenden verantwortlich zeichnet, die Schirmherrschaft über so eine Gala übernimmt? Grenzt das dann nicht schon ans Perverse? Ich für meinen Teil muss dabei immer ganz unwillkürlich an die Filmserie „Die Tribute von Panem“ und an deren „Hungerspiele“ denken.

Der gemeine deutsche Michel benimmt sich, indem er sich das gefallen lässt, so blöde, als dass man ihn doch glatt für tatsächlich blöde halten könnte. Oder, wie mir mal jemand sagte: „Wenn der Deutsche mit Schlägen zur Arbeit gezwungen wird, dann wird er auch irgendwann um die Schläge betteln, nur weil er sich so sehr daran gewöhnt hat.“ Die Schläge: Das ist die Abzocke, die uns tagtäglich überall begegnet! Das sind auch die mit begrenzter Lebensdauer von vornherein für die Tonne produzierten Waren. Das ist neben Steuer- und Preiserhöhungen der ganze Konsumschrott mit bewusst verringerter Haltbarkeit. Das glaubt ihr nicht? Guckt euch doch bloß mal euer Handy an. Vor ein paar Jahren konntet ihr den Akku – das Verschleißteil par excellence – noch schnell mal eben selbst austauschen. Und heute?

Aber es geht ja hier ja eigentlich um Musik – nämlich um Musik, die den Zeitgeist einfängt. Die o. e. Abzocke und Verbraucherverarschung ist Gegenstand des etwas anderen Liedes, das ich für heute mal rausgesucht habe. Das „Frustlied“ (wie die Musiker es selbst nennen) stammt aus dem Jahr 2010 und nennt sich „Geteert und gefedert“. Ein Song, bei dem die Rabenbrüder angesichts von Finanz-, Wirtschafts- und sonstigen Krisen mal so richtig Dampf abgelassen haben. Denn hierzulande wird immer nur einer zur Kasse gebeten. Das ist der kleine Mann. Das war schon vor zehn Jahren so. Das ist heute immer noch so. Wollt ihr eigentlich, dass das immer so bleibt?!?

Geteert und gefedert

Wie war’s vordem doch auf der Welt,
so einfach ohne Taler?
Das schnöde Geld verdarb den Mensch‘;
heut‘ sind wir nur noch Zahler!

Was du auch tust, was du auch machst,
sie holen deinen Zaster
und du kannst seh’n was übrig bleibt,
kein Groschen, kein Piaster.

Die gehör’n geteert und gefedert,
gestreckt und gerädert!
Die woll’n dich nur behumpen
– zum Teufel mit den Lumpen!

Geteert und gefedert,
gestreckt und gerädert,
die woll’n dich nur behumpen
– zum Teufel … mit dem Pack!

Wie geht’s dem Lande doch so schlecht,
man spricht von leeren Kassen.
Du sollst den Gürtel enger schnall’n
und die da oben prassen!

Gehst du zum Einkauf auf den Markt,
was ist das Leben teuer!
Hoch lebe uns’re Obrigkeit,
brummt auf uns noch ’ne Steuer!

Die gehör’n geteert und gefedert,
gestreckt und gerädert!
Die woll’n dich nur behumpen
– zum Teufel mit den Lumpen!

Geteert und gefedert,
gestreckt und gerädert,
die woll’n dich nur behumpen
– zum Teufel … mit dem Pack!

Trägst du dein Geld zum Bankhaus hin
auf dass es sich vermehre,
die hab’n nichts Besseres im Sinn
verpulvern’s ohne Ehre!

Brauchst du einmal den Medicus
weil’s elend dir zum Sterben,
hast du nicht einen Topf mit Gold,
so bleibt nichts deinen Erben!

Die gehör’n geteert und gefedert,
gestreckt und gerädert!
Die woll’n dich nur behumpen
– zum Teufel mit den Lumpen!

Geteert und gefedert,
gestreckt und gerädert,
die woll’n dich nur behumpen
– zum Teufel … mit dem Pack!

Bist du mit deinem Ross zu schnell
und dich erwischt der Büttel
da hilft kein Betteln, hilft kein Fleh’n.
Du zahlst sonst gibt’s den Knittel!

Willst du im Wirtshaus dich erhol’n
von harter Arbeit matt:
Der Wein gepanscht, das Bier halbvoll;
der Preis, der macht dich platt!

Die gehör’n geteert und gefedert,
gestreckt und gerädert!
Die woll’n dich nur behumpen
– zum Teufel mit den Lumpen!

Geteert und gefedert,
gestreckt und gerädert,
die woll’n dich nur behumpen
– zum Teufel … mit dem Pack!

Willst eine Maid du freien dir,
hast sie schon fast im Sacke,
da kommt ein Geldprotz anmarschiert,
haut mächtig auf die Kacke!

Und wenn du gar ein Spielmann bist
schleich dich auf leiser Sohle:
Die klauen dir sogar dein Lied
und machen damit Kohle!

Die gehör’n geteert und gefedert,
gestreckt und gerädert!
Die woll’n dich nur behumpen
– zum Teufel mit den Lumpen!

Geteert und gefedert,
gestreckt und gerädert,
die woll’n dich nur behumpen
– zum Teufel ….

… die gehör’n geteert und gefedert,
gestreckt und gerädert!
Die woll’n dich nur behumpen
– zum Teufel mit den Lumpen!

Geteert und gefedert,
gestreckt und gerädert,
die woll’n dich nur behumpen
– zum Teufel mit dem Pack!