Wer keine Arbeit hat, der macht sich welche. Jedenfalls … – nachdem der Medienbeauftragte der „Siedlergemeinschaft Deister-Sünteltal eV“ krankheitsbedingt längerfristig bzw. möglicherweise sogar dauerhaft ausgefallen ist und ich mir die Pflege des betreffenden Webauftrittes auch noch vor’s Knie hatte nageln lassen wurde mir jetzt gesteckt, dass ich das möglicherweise sogar offiziell und dauerhaft übernehmen soll. Wer keine Arbeit hat … – s. o.! Kommt vielleicht daher, dass ein CMS – das steht für Content Management System – für viele Leute ein Buch mit sieben Siegeln ist: Der Besucher einer Internetseite sieht dann nur die eine, fertige Seite im Browser und realisiert nicht, dass die sich aus 40 bis 120 Puzzleteilen zusammensetzt. Nehmen wir mal die Startseite der „Siedlergemeinschaft Lauenau„: Das ist noch überschaubar; da sind es doch „nur“ gut 40 Dateien, welche die Seite bilden. Ich bin gefragt worden, wie so ein CMS eigentlich funktioniert und will mal versuchen, dass ohne allzu weit in die Technik einsteigen zu müssen zu erläutern.

CMS gibt es mehrere. Bekannt sind WordPress (nutze ich für dieses Blog), TYPO3 (wird von den oben verlinkten „Siedler“-Seiten verwendet), aber auch Joomla oder Drupal. Am beliebtesten sind quelloffene Systeme – also Open-Source-Systeme, weil jeder die nach seinen Wünschen anpassen kann. Der Vorteil von CMS gegenüber statischen Webseiten ist darin zu sehen, dass ein CMS von mehreren Personen bearbeitet werden kann, im Falle der Mandantenfähigkeit zig unterschiedliche Webseiten unter dem gleichen System ermöglicht und obendrein noch eine automatische Anpassung für unterschiedliche Anzeigegeräte und Internetbrowser vorgenommen wird, also für PC-Monitor, Handy, Tablet, Flatscreen etc. Das in der Anfangszeit des Internets übliche Programmieren von verschiedenen Versionen bei ein und der gleichen Webseite für diesen oder jenen Browser inklusive raffitückischer Erkennungsmethoden (die immer irgendwelche Macken beinhalteten) entfällt damit vollständig.

Ein CMS verwirklicht das, indem eine strenge Trennung zwischen der administrativen und der redaktionellen Ebene vorgenommen wird. Die administrative Ebene beinhaltet das Layout und Design der Seite, die Auffindbarkeit durch Suchmaschinen, die Routinen zur Darstellung auf unterschiedlichen Anzeigegeräten und nicht zuletzt das Hosting des ganzen Systems. Damit ist der ganze „Technik-Kram“ und das Quellcode-bezogene Arbeiten auf die administrative Seite ausgelagert worden. Am Beispiel dieses Blogs: Design, Layout, Suchfunktionen, Archiv etc. stellt WordPress und da brauche ich mich nicht mehr drum zu kümmern. Ich kümmere mich ausschließlich um die Inhalte der einzelnen Beiträge, also um die so genannten „Contents“.

Die Contents – ihre Neuerstellung, das Einpflegen usw. – machen die redaktionelle Ebene aus. Da Redakteure den gesamten Seitenaufbau (s. o., administrative Ebene) i. d. R. NICHT verändern dürfen, sind ihre Gestaltungsmöglichkeiten auch eingeschränkt. In der Praxis bedeutet das, dass der Redakteur nur Text und Bilder für einen ganz bestimmten Bereich der Seite liefert und von allem anderen gefälligst die Finger zu lassen hat. Wie das funktioniert zeigen die verlinkten „Siedler“-Seiten: Hier greift der Redakteur ausschließlich auf das Fenster in der Seitenmitte zu und nur im Ausnahmefall u. U. auch noch eingeschränkt auf die Navigation, aber das war’s dann auch schon.

Je nach System untergliedert sich die redaktionelle Ebene noch einmal in „Frontend“ und „Backend“ und das „Backend“ in „herkömmliches Backend“ und „Backend mit HTML-Zugang“. Wozu diese Unterteilung? Die ist sinnvoll, um dem unterschiedlichen IT-Wissensstand der Bearbeiter entgegen zu kommen. Beim „Frontend“ im TYPO3 bspw. benötigt der Redakteur im Grunde genommen keinerlei IT-Kenntnisse mehr. Er ruft ein Formular auf, trägt dort seinen Text nebst Überschrift ein, hängt vielleicht noch ein paar Bilder dran und den ganzen Rest erledigt das System vollautomatisch – allerdings auch nach „Schema F“, wodurch eine derartige Seite zwar übersichtlich, aber auch schnell langweilig wird. Wie das aussieht lässt sich unter „Aktuell/ Blog/ Berichte“ auf der Seite des Kreisverbandes der „Siedlergemeinschaft Deister-Sünteltal eV“ nachvollziehen.

Das „herkömmliche Backend“ dagegen richtet sich an den Anwender mit weitreichenderen Kenntnissen. Es gestattet bspw. auch (in Grenzen) das Verändern der Navigation u. d. h. das Ausblenden bisheriger (und nicht benötigter) Menüpunkte sowie das Hinzufügen von neuen Optionen. Zusätzlich lassen sich einfache Textformatierungen implementieren und Bilder anders – besser! – darstellen, wie am Beispiel von „Aktuell/ Bilder Sgm Lauenau/ …“ auf der Seite der „Siedlergemeinschaft Lauenau“ zu sehen ist. Hier ist der Redakteur allerdings schon mehr gefordert und muss u. a. berücksichtigen, was auf einem Handy noch an Bildgröße zulässig ist, welche Videoformate üblicherweise unterstützt werden, wie man Tabellen am besten präsentiert etc.

Das „Backend mit HTML-Zugang“ geht noch einen großen Schritt weiter. Muss der HTML-Zugang im TYPO3 noch explizit vom Administrator freigeschaltet werden, so liefert WordPress den mit der Differenzierung von „Visuell“ und „Text“ im Editor bereits von Haus aus. Mit dem HTML-Zugang kann unmittelbar am HTML-Quellcode des Textes gearbeitet werden. Das gestattet – manchmal über HTML-Tags und manchmal über CSS-Attribute – sehr viel weitreichendere Gestaltungsmöglichkeiten als sie vom herkömmlichen Editor zur Verfügung gestellt werden. Die Nutzung des HTML-Zugangs im Backend setzt aber selbstverständlich fundierte HTML-Kenntnisse des Redakteurs voraus. In der Praxis eines Blogs oder aber einer Internetseite sieht das dann – zumindest bei mir selbst – so aus, als dass offline alles vorab fertig gemacht und in Folge einkopiert wird, mal als Sourcecode und mal als reiner Text, je nachdem. Die jeweiligen Feinarbeiten werden anschließend im CMS vorgenommen und wenn die Vorschau OK ist, dann erst wird veröffentlicht.