Hier kommt nun – ganz traditionell – mein alljährlicher, ganz persönlicher Jahresrückblick. Na ja, jedenfalls die Themen betreffend, die ich für eine Veröffentlichung als geeignet erachte. Die ganz persönlichen Sachen habe ich raus gelassen. Eigentlich ist das ganze Jahr nach dem gleichen Schema verlaufen: Ein eigenes Leben haben meine Frau und ich nicht mehr. Die Pflege dominiert alles.
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Januar 2019

In diesem Monat erfolgt die amtliche Abnahme der neuen Heizungsanlage. Wir fahren nach Kassel zur Tanzpräsentation „Billy Joel“ von unserer Großen. Zur Monatsmitte hin wird es mit -10°C knackig kalt und die Regentonnen im Garten können gerade noch im letzten Augenblick vor dem Kaputtfrieren entleert werden. Meine Älteste nimmt zum Monatsende hin Urlaub und begibt sich auf eine Husky-Expedition durch den Norden Russlands (Petrosawodsk), durch Karelien. Wir besuchen im Lauenauer Sägewerk das Theaterstück „Irgendwie, Irgendwann“ von der Gruppe „Didel-Dadel-Dum“ aus Beber – war gut, allerdings für den mittlerweile merklich verblödeten Otto Normalverbraucher wohl doch etwas zu anspruchsvoll, denn noch beeindruckender als das Theaterstück waren die Fragezeichen in den Augen derjenigen, welche der Handlung nicht zu folgen vermochten – tja, ein gewisses Grundwissen in Physik kann eben niemals schaden! Unsere Pflegefälle „beglücken“ uns mit zahllosen kleinen Reparaturen. Am Ofen in der Waschküche – der wird bei der Kälte häufiger in Betrieb genommen – ist ein größeres Stück Schamottstein rausgebrochen und ich versuche mich in der Reparatur mit Hilfe von keramischem Ofenkleber. Ob es funktioniert und auch hält wird die Zukunft zeigen müssen. Schwiegermutter hat eine Augenuntersuchung in Hameln, weswegen ich das Taxi mache. Da der Vorrat an Höllenpaste sichtlich dem Ende zugeht werden nochmal 6 Gläser eingekocht. Die neue Chilisaison wurde am 9. Januar eingeläutet, am 26. Januar zeigten sich zwei erste, zaghafte Keime und am 31. Januar ist die Keimung in den beiden Kästen mit rund 40 Pflanzen in vollem Gange. Zudem werden noch zwei Vorträge für den Siedlerbund – einer über die Chilizucht und einer über sicheres Verhalten im Internet – vorbereitet. Vielleicht noch ein paar Worte zur Pflege: Seit fünf Jahren – seit 2014 – beschäftigt die uns jetzt und es wird nahezu stündlich schlimmer! Hinzu kommt die finanzielle Situation: Das Pflegegeld wird zwar an die Pflegefälle ausgezahlt, ist aber eigentlich für die Pflegepersonen gedacht. Wir sehen davon praktisch nichts. So ist es bspw. kaum machbar, eine vernünftige Mittagsmahlzeit selbst bei Verwendung billigster Zutaten für unter 3,50€ zu kochen. Bei täglich drei Mittagsmahlzeiten jeden Tag summiert sich das im Monat schon auf rund 300€ allein an Lebensmittelkosten auf. Kommen noch Kosten für Benzin, Kleidung und Schuhwerk sowie Ersatzteile beim beinahe täglichen Hinterherreparieren hinzu – das sind schon seit gefühlten Ewigkeiten Monat für Monat um die rund 500€. Wenn wir Glück haben, dann begleicht Schwiegervater die Hälfte davon, weil er sich die heutigen Preise einfach nicht mehr vorzustellen vermag: 15€ für eine Fahrkarte zur Hin- und Rückfahrt nach Hannover? Das wären ja 30DM! Da könnt ihr doch die Bahn nehmen und kein Taxi … – die Pflegefälle leben weit in der Vergangenheit. Alleine sind sie heute lebensunfähig. Sie verwahrlosen selbstverschuldet immer mehr („Das Wasser macht die Haut dünner!“) und wir können sie nicht zur Vernunft zwingen …

Februar 2019

Meine Frau hat ihr 40jähriges Dienstjubiläum bei Post bzw. Telekom. Wir informieren uns wegen unseres Sommerurlaubs hinsichtlich der Pflege unserer drei Pflegefälle: Da ist schon im frühen Vorfeld einiges zu erledigen. Die Verhinderungspflegeanträge und die Schlüssel für die Sozialstation erledigen wir (gegen den Willen der Pflegefälle) jetzt schon. Meine Älteste kommt aus Karelien zurück, belegt den dritten Platz beim Formationstanzen in Bocholt und meine Jüngste macht eine Woche Skiurlaub in Tirol, verbunden mit dem Erlernen des Abfahrtslaufs. Zum Monatsanfang verzeichnen wir -10°C, aber – das ist der Klimaerwärmung geschuldet – praktisch keinen Schnee. Der Waschküchenofen ist dabei dauernd in Betrieb und der Kleber hält gut. In der Monatsmitte geht die Temperatur auf +15°C und zum Monatsende hin auf +20°C hoch, zeitweise zwar mit Vorfrühling und Aprilwetter, dazu aber auch mit Dürrewarnung. Es ist insgesamt tatsächlich viel zu trocken, wie sich auch bei einem Besuch im Winzlarer Moor zeigt: Da, wo eigentlich spiegelnde Wasserflächen sein sollten, wächst nur gelbliches Gras. Bei der Jahreshauptversammlung der Siedlergemeinschaft halte ich einen Vortrag über die Chilizucht und der kommt ganz gut an. Bei meinen diesjährigen Chilis sind mittlerweile, obgleich spät, 110 Pflanzen gekeimt und die letzten, eingefrorenen Chilireste vom Vorjahr verarbeite ich zu fünf Gläsern Höllenpaste (davon zwei große Gläser). Als sich die Gelegenheit ergibt, da tausche ich die 19 Jahre alte SIM-Karte meines Handys kostenlos um und plötzlich kann das Handy Roaming und LTE. Ich verbinde das gleich mit einem neuen Vertrag, der mir für monatlich zwei Euro mehr 2,5GB Datenvolumen und eine Telekom-Hotspot-Flat beschert. Von der BfA erhalte ich meine Arbeitszeitenauflistung für die Rente und stelle fest, dass mir ein volles Jahr und die Pflegetätigkeit fehlen – die IGS Rodenberg hatte 2013 meine Beschäftigung als Vertretungslehrer nicht gemeldet: Saubande! Ich schicke meine damaligen Original-Arbeitsverträge hin: Mal sehen, was daraus wird. Denn Abrechnungen hat die Schule ja auch nie ausgestellt. Schwiegermutter hat ihre OP wegen Grauen Stars am linken Auge. Die OP verläuft gut, doch die Nachbehandlung, die wir übernehmen müssen, gerät ob ihres ablehnend-unkooperativen Verhaltens immer zur Nervenzerreißprobe. Zudem verstopfen unsere drei Pflegefälle ihren Duschabfluss dermaßen (ein Flusensieb kann man ja leichter entfernen als saubermachen), dass es mehrfach zur Überschwemmung mit Durchfeuchtung des Türrahmens kommt und schließlich eine Rohrreinigungsfirma ran muss. Achtzig Teuronen kostet uns der Spaß mit den Fehlleistungen der Unzurechnungsfähigen. Schwiegervater fällt die Kellertreppe runter, weil sein Kreislauf mangels Flüssigkeitszufuhr schlapp gemacht hat; der Sturz ist folglich selbstverschuldet. Ergebnis sind zahllose farbenfrohe Prellungen sowie Gehirnerschütterung und die Fahrt mit dem RTW nach Vehlen, wo er gleich dabehalten wird. Selbstverständlich stehen wir bei allen anstehenden Entscheidungen mangels Vorsorgevollmacht wieder einmal komplett außen vor: Warum sollte man denjenigen, die die Arbeit haben, auch irgendein Mitspracherecht einräumen? Schwiegermutter lässt sich mehr und mehr gehen; im Normalfall behält sie auch tagsüber ihr Nachthemd gleich an, und zwar die ganze Woche über. Dabei stört es sie nicht im Mindesten, ob Handwerker, Postbote, Sozialstation, Fußpflege oder wer auch immer ins Haus kommen: Sie legt es förmlich darauf an, dass sich ihre beginnende Verwahrlosung rumspricht. Ich allein musste in diesem Monat 80 Stunden für die Pflegefälle aufwenden; kommt noch einmal etwa das Anderthalbfache seitens meiner Frau hinzu.

März 2019

Es ist wieder so ein Monat, der eigentlich komplett im Zeichen unserer drei Pflegefälle steht: Schwiegervater ist aus dem Krankenhaus zurück und am ganzen Körper großflächig mit farbenfrohen Hämatomen übersäht. Er hat eine Genickstauchung – zum Genickbruch fehlte wirklich nicht viel – und eine dicke Gehirnerschütterung, soll zum liegenden Pflegefall werden. In seiner unendlichen Sturheit muss er natürlich stattdessen rumlaufen und so den Heilungsprozess verzögern. Meine Frau und ich können die Pflege im Grunde genommen nicht mehr gewährleisten, doch die Pflegefälle lehnen die Einschaltung einer Haushaltshilfe strikt ab, was zu massiven Meinungsverschiedenheiten führt. Die Situation ist mehr als kritisch! Schwiegermutter – sie hat mittlerweile die ganztägige Liegephase erreicht – ist jetzt völlig plemplem. Sie tickt durch die Fehleinschätzung einer Situation komplett aus, beschimpft mich in unflätigster Weise („Arschloch! Du dumme Sau! Miststück! Schweinehund! Dreckstück!“ usw.) und greift mich zweimal tätlich an; auch meine Frau wird an einem anderen Tag als Miststück und Dreckstück beschimpft. Die Unzurechnungsfähigkeit der Pflegefälle fällt anlässlich des vorgeschriebenen Beratungsgesprächs auch der Sozialstation auf und die wollen das jetzt weiterleiten und Maßnahmen ergreifen, weil Verwahrlosung droht. Was dann kommt ist absehbar: Entmündigung durch ein Vormundschaftsgericht, Fremdbestimmung und wir als Pflegepersonen stehen machtlos davor. Wir beknien Schwiegervater daher immer und immer wieder zum Unterzeichnen einer Vorsorgevollmacht, um dem Problem begegnen zu können, doch davon will er nichts wissen. Er begreift es in seinem Zustand einfach nicht mehr, weiß oftmals nicht mal mehr, welchen Wochentag wir gerade haben! Wir fahren mit meiner geistig behinderten Schwägerin mal wieder zur Zahn-OP nach Empelde, wobei sie so angriffsmäßig nach dem Aufwachen aus der Narkose mal wieder alle Register zieht. Vorausgegangen ist (wie üblich) der halbstündige Kampf mit dem Anziehen, weil sie nicht mit wollte. Für mich sind es in diesem Monat 115 Stunden an Pflegearbeit und für meine Frau mindestens noch einmal soviel. Die Pflegetätigkeiten belasten uns finanziell stark. Anders ausgedrückt: Nach sechs bis sieben Jahren der Pflege – und so lange dauert die nun ja auch schon an – haben wir denen im Grunde genommen ein Auto geschenkt. Unsere Arbeit, der Zeitaufwand, der dafür verplemperte Jahresurlaub, der Verdienstausfall usw. ist dabei noch nicht einmal berücksichtigt. Meinem Widerspruch gegen die Rentenübersicht wird teilweise stattgegeben: Das IGS-Jahr wird zwar nicht anerkannt, aber immerhin sind jetzt die Pflegeleistungen sowie das Jahr 2018 berücksichtigt worden. Voraussichtlicher Renteneintritt ist damit gemäß heutiger Rechtslage der erste Juli 2024. Allerdings planen unsere Politverbrecher auch ein Anheben des Renteneintrittsalters auf 70 bis 73 Jahre, so dass in der Unterschicht mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 69 Jahren möglichst keiner mehr das Rentenalter erreicht. Das bedeutet unter dem Strich, dass die Leute sich totarbeiten müssen. Wer so etwas auch nur ins Gespräch bringt ist kein Volksvertreter. Der ist ein Volksverräter! Meine Nasch-Chilis blühen jetzt – die ersten Früchte wachsen bereits – und die Weltmeister-Chilis kommen auch gut; sie werden gegen Monatsende an schönen Tagen bereits an die Verhältnisse draußen gewöhnt. Das Aprilwetter kommt verfrüht und so ist es ein Monat der Stürme: Stürme und Orkane beglücken uns bis zur Monatsmitte im Tagesrhythmus. Einmal kommt es zum Durchzug eines F0-Tornados, aber zumindest bei uns ist alles heile geblieben (ganz im Gegensatz zu Aachen, wo ein F2 durchtobt und gewaltige Schäden verursacht). Für unser Bad genehmigen wir uns jetzt endlich ein Insektenschutzfenster und auch eine neue (professionelle) Insektenschutztür für den Balkon ist fällig (wobei das Zerlegen der alten Tür echte Probleme bereitet, weil ich das Ding für eine Ewigkeit gebaut hatte). In diesem Jahr fällt der erste Rasenschnitt schon in den März: Scheiß-Klimaerwärmung! Meine Große will ihr Motorrad mit nach Kassel nehmen und muss es, weil die Kette abgeflogen ist, stattdessen zur Reparatur bringen.

April 2019

Zuerst richtet sich alles auf die Diamantene Hochzeit meiner Schwiegereltern aus, wobei wir mit den allermeisten Arbeiten hinsichtlich der Ausrichtung nicht nur so ziemlich alleine dastehen, sondern es obendrein auch noch erschwerend zu Störmanövern durch die Pflegefälle kommt: So wird eine seitens meiner Schwägerin mit Kot beschmierte Wand, für die händeringend ein Maler engagiert worden ist, nicht komplett fertiggestellt, weil Schwiegervater – er will keine Fremden im Haus haben und kann in seinem Zustand den Ernst der Situation nicht mehr erfassen – den Maler vorzeitig wieder wegschickt. Anlässlich des halbjährlich vorgeschriebenen Beratungsgesprächs mit den Pflegefällen drängt die Sozialstation auf eine MDK-Neubegutachtung von Schwiegervater, denn der zeigt sich im Gesprächsverlauf vollkommen geistesabwesend und antwortet mehrmals stereotyp auf die gut erläuterte und mehrfach sehr deutlich artikulierte Frage der Schwester danach, wie oft er sich duscht (weil er an dem Tag mal wieder mangels Körperhygiene abartig stinkt): „Ich habe im Wald gearbeitet. Über vierzig Jahre lang.“ Sagt alles! Ich leiere daraufhin zusammen mit der Sozialstation und gegen seinen Willen die Neubegutachtung an, wobei es bei der Pflegekasse offensichtlich Eindruck macht, dass sich hier mangels Vorsorgevollmacht (und damit mangels rechtlicher Handhabe) gleich zwei verschiedene Stellen um den Pflegefall bemühen. Was nun kommen kann war lange absehbar: Sollte er in Pflegegrad 3 eingestuft werden, dann sind mangels Vorsorgevollmacht im Zweifelsfalle nicht mehr wir, sondern ein wildfremder, gerichtlich bestellter Betreuer für ihn zuständig. Wir stehen dann außen vor. Das hat er sich in seinem unendlichen, sturen Starrsinn selbst zuzuschreiben, denn eine Vorsorgevollmacht verweigert er ja nach wie vor und reichlicher Überzeugungsarbeit zum Trotz vehement. In seiner personifizierten, selbstschädigenden Uneinsichtigkeit schwankt und torkelt er jetzt ohne jegliche Gehhilfe selbst in den Keller u. d. der nächste Unfall (dann vielleicht der letzte) ist nur noch eine reine Zeitfrage. Einmal stürzt er auf jeden Fall schon wieder während unserer Abwesenheit und ein Nachbar muss dabei helfen. Ich leiere daraufhin – auch gegen seinen Willen – die Installation eines Hausnotrufs an. Für mich alleine sind es in diesem Monat 103 Arbeitsstunden an Pflegeleistungen. Für meine Frau kommt noch einmal mindestens soviel hinzu. Hinsichtlich unseres Urlaubs im Juni hat meine andere Schwägerin ihre Unterstützung mit fadenscheinigen Argumenten abgesagt, aber das war ja zu erwarten, denn es macht wirklich keinen Spaß, spätestens jeden zweiten Tag Pisse und verschmierte Scheiße zu beseitigen. Egal: Das Jahr hat 52 Wochen. Wenigstens eine davon brauchen wir für uns selbst, denn andernfalls drehen wir durch! Da ändert auch die Absage von Personen, die jährlich mindestens fünfmal Urlaub machen – Fernreisen inklusive – nichts dran! Es bestätigt sich mal wieder: Wer sich auf andere verlässt der ist verlassen! Meine Alltagsschlappen (schon seit Jahrzehnten immer das gleiche, bewährte Modell, nämlich Source Stream Sandalen) fangen an sich aufzulösen und ich bestelle gleich zwei Paar neue Schuhe. Die werden auch abgerechnet. Geliefert wird aber nur eins. Das zweite Paar kommt erst nach zig Anrufen, E-Mails und viel Reklamationsärger. Das Auto meiner Frau – es hat jetzt gut 150.000km runter – muss auch wieder in die Werkstatt. Wettermäßig macht der April seinem Namen alle Ehre, denn es ist anfangs alles vertreten und ab Monatsmitte wird es übergangslos heiß mit bis zu 25°C im Schatten. Wie schon im Vorjahresmonat, so stehen auch jetzt wieder viele Gartenarbeiten an. Es wird u. a. ein neuer Birnbaum gepflanzt. Zwecks Arbeitserleichterung wird im 200€-Angebot eine elektrische Motorhacke gekauft. Schneller geht es damit. Leichter wird es aber ganz und gar nicht, da das Bändigen des 2PS-Motors immensen Kraftaufwand erfordert und man nach spätestens einer Stunde völlig fertig ist. Pünktlich zu Ostern erfolgt die erste Ernte der Blumenpott-Chilis und es werden in diesem Monat 24 Früchte davon abgenommen. Fotografisches Novum: Auf dem Feld hinter dem Garten landen Kanadagänse – die gab es hier noch nie! Nicht ganz ungefährlich: Ich beseitige ein Wespennest auf dem Balkon. Meine Jüngste hat sich einen Riss des Innenmeniskus am rechten Knie zugezogen und ist krank geschrieben, muss wahrscheinlich operiert werden. Ihre Weiterbeschäftigung ist damit mehr als fraglich geworden. Meine Große reist zuerst privat in die Tschechei und später beruflich nach Jordanien.

Mai 2019

Der Mai beginnt mit einer Befreiungsaktion – nämlich mit der Befreiung einer Krähe, die sich selbst im Komposter gefangen hatte: Nicht ganz ungefährlich … Zum Monatsanfang kommen Frost und Schnee zurück; selbst der Ofen in der Waschküche muss erneut angeheizt werden und es ist einer der kältesten Mai-Monate seit Beginn der Wetteraufzeichnungen: Es lebe das Wetterextrem! Dennoch erledigen wir viele weitere Gartenarbeiten. Bei meinen Blumentopfchilis werden 73 Früchte geerntet und nach den Eisheiligen wandern meine Alien-Chilis nach draußen auf den Balkon. Die zeigen auch bereits reichlich Blüten und elf Früchte haben schon angesetzt. Das Auto meiner Frau muckt von Zeit zu Zeit immer noch – d. h. der Motor geht während des Fahrens aus – und die Werkstatt kann den Fehler nicht lokalisieren. Ich habe einen erneuten Ersthelfer-Kurs. Mit Schwiegermutter fahren wir zur zweiten Augen-OP nach Hameln und für Schwiegervater wird der Hausnotruf installiert, was nicht ohne Fehlalarme abgeht, da er mit dem Drücken eines einzigen roten Knopfes offensichtlich bereits geistig überfordert ist: Der baut stündlich immer mehr ab! Es kommt bei ihm zu der MDK-Neubegutachtung, für die ich extra frei nehme – was, zusammen mit Schwiegermutters OP, zum ordentlichen Verdienstausfall führt – und wobei der alte Starrkopf es doch tatsächlich fertigbringt, mich dennoch komplett außen vor zu halten, indem er der Gutachterin in seiner unendlichen Sturheit Lügen auftischt und behauptet, dass ich nicht im Haus sei. Dennoch wird er anhand des zu mindestens 50% fehlerhaften Gutachtens (bei dem sein Wunschdenken im Vordergrund steht; angeblich kann und macht er ja noch alles alleine) in Pflegegrad 3 eingestuft und jetzt reicht es selbst seiner Pflegekasse, denn die verlangt nach Maßnahmen, weil die Pflege von zweimal PG3 und einmal PG4 durch nur zwei Personen – nämlich meine Frau und mich – gar nicht mehr sichergestellt sein kann. D. h. ab sofort dürften ein paar gravierende Veränderungen der Pflegesituation anstehen. Für mich alleine sind es in diesem Monat 119 Pflegestunden; bei meiner besseren Hälfte kommt der Betrag nochmal hinzu (mindestens!). Eine neue Wasseruhr wird gesetzt und ich verabschiede mich schweren Herzens von seinem 21 Jahre alten Drahtesel, der rund 80.000km runter hat und bei dem Tretlager sowie Schaltung dem Zahn der Zeit zum Opfer gefallen sind: Das neue E-Bike – ein Falter 9.8 Wave – kostet volle 3.000 Euro! Aber es ist ein gänzlich anderes Fahren damit: E-Bike macht süchtig! Wir nehmen an der Fahrt der Siedlergemeinschaft zum Hermannsdenkmal und zu den Externsteinen teil. Das Motorrad meiner Großen steht immer noch in der Werkstatt und die hat aufgegeben, denn trotz neuer Teile läuft der Hobel nicht: Jetzt ist guter Rat teuer!

Juni 2019

Der Juni beginnt unerträglich schwül und gewittrig mit Wechselwetter; die Temperatur schnellt übergangslos auf 30°C im Schatten hoch. Dennoch setzt sich die Gartenarbeit fort. Bei meinen Blumenpott-Naschchilis ernte ich 39 Früchte. Hitze und Gewitterstürme machen uns auch anderweitig zu schaffen, denn beim Auto meiner Frau fällt das Spiegelglas raus (weil der Kleber sich hitzebedingt gelöst hat) und ein Gewittersturm reißt wieder einmal den Befestigungshaken aus dem Garagentor – da wird jetzt eine Metallplatte vorder- und rückseitig angebracht und mal abwarten, was danach passiert. Wenn da jetzt nochmal was reißen sollte, dann wird’s wahrscheinlich das Tor selbst zerlegen. Na ja – so grob überschlagen liegt auf dem Tor eine Windlast von gut drei bis vier Zentnern … Hinsichtlich des Motorrades tut sich gar nichts. Allerdings ist meine Tochter beileibe kein Einzelfall, denn auch andere Leute holen ihre nach wie vor defekten Maschinen von der Werkstatt zurück. Meine Älteste übt sich übrigens im Katastrophentourismus; sie besucht Kiew und Tschernobyl. Mit dem neuen Rad unternehme ich mehrere einzelne, aber ausgedehnte Touren, die eher dem Testen dienen, weil zum Radfahren nur wenig Zeit bleibt. Unsere Haushaltswaage und der Aquarienfilter gehen kaputt – der Filter wird angesichts des nahenden Urlaubs umgehend ersetzt, doch die Waage muss warten; dafür haben wir ja auch noch Ersatz. Die Abschaffung der mTAN aufgrund von neuen EU-Vorschriften führt zu massiven Problemen mit den ersatzweise zu verwendenden Apps (ohne Handy geht heute gar nichts mehr!) und zu einigen grauen Haaren mehr. Unsere drei Pflegefälle verweigern jegliche Körperhygiene und stinken derart, dass selbst ein Iltis Reißaus nehmen würde. Sie sind so dreckig, dass man glatt annehmen könnte, die wollten bei lebendigem Leibe verwesen. Zu meinem 61. Geburtstag gibt es extra für mich an der Rodenberger Windmühle ein Ständchen von der „Haster Dorfmusik“. Am Monatsende kommt es zu einer Hitzewelle mit 38°C im Schatten. Dennoch ist das Schwimmbad nur tageweise geöffnet, denn es herrscht Personalmangel – weil die Gemeinde keine Löhne zahlen will und niemanden findet, der den Job auf 450€-Basis übernimmt. Wie auch, wenn jemand eine Ausbildung und einen Meisterabschluss vorweisen muss? Dieses Land ist einfach nur noch KUK – krank und kaputt, so weltfremd wie unsere Politclowns sich verhalten! Wir flüchten in den Urlaub, in die Vulkanwüsten von Fuerteventura und Lanzarote. Primär meine Kinder kümmern sich währenddessen um die Pflegefälle. Die eine Woche Urlaub ist auch dringend nötig, wenn wir nicht in absehbarer Zeit selbst einen Pflegegrad beantragen wollen! Auf Fuerteventura wird sich das angesehen, was wir im vergangenen Jahr nicht mehr geschafft haben und ansonsten nehmen wir am Touristen-Triathlon teil: Erste Diszplin ist das Reservieren von Liegen im Schatten noch vor dem Frühstück, gefolgt von der heißen Schlacht am kalten Buffet. Es schließt sich das ganztägige Grillen an. Gewonnen hat derjenige, der abends das leuchtendste Rot aufweist und die Siegerehrung findet traditionell in der fünf Gehminuten entfernten Notaufnahme statt! Der Abstecher nach Lanzarote führt durch aktive Vulkane und zu einem etwas mulmigen Gefühl im Bauch: Urlaub ist eben auch immer mit einem gewissen Restrisiko verbunden!

Juli 2019

Die Urlaubswoche geht viel zu schnell zu Ende und der Alltag hat uns wieder. Genauer gesagt sind wir ungefähr zwei Stunden nach unserer Rückkehr schon wieder urlaubsreif, weil die Pflegefälle mit der größten Selbstverständlichkeit der Welt umgehend nach einer 24h-Rundum-Vollversorgung verlangen. Sie stinken abartig und haben sich während der Woche unserer Abwesenheit auch in keinster Weise gewaschen geschweige denn geduscht, rasiert etc. Meine geistig behinderte Schwägerin empfängt mich dabei mit gleich fünf megaaggressiven Angriffen. Später kommt es noch zu weiteren Angriffen, u. a. gegen meine Frau, wobei die ihr beinahe die rechte Halsschlagader aufreißt – aber nein, aggressiv ist die Schwägerin deswegen ja noch lange nicht, denn „die meint das ja nicht so“. Nach meinem Dafürhalten (und nicht nur nach meinem!) gehört die schon längst in die Geschlossene. Zunächst steht der Garten an, denn der Rasen schreit geradezu nach einer mittelgroßen Schafherde und zudem müssen dringend Himbeeren, Kirschen und Johannisbeeren abgeerntet werden. Meine Blumenpottchilis haben die „Pflege“ durch die Kinder nicht überlebt und sind nur noch als Strohblumen zu gebrauchen; es kommt daher zur Noternte von noch einmal 40 Früchten sowie zur Entsorgung der vertrockneten Pflanzen. In Summe haben die Blumenpottchilis folglich 176 Früchte gebracht. Geprägt durch Wassermangel kommt es binnen nur einer einzigen Woche zum Temperatursturz um 40°C – der deutsche Hochsommer glänzt mit einstelligen Temperaturen und vereinzelt tritt sogar Bodenfrost bis -2°C auf. Macht sich das kommende Maunder-Minimum etwa jetzt schon bemerkbar? Jedenfalls sind die Alienchilis einfach nur da, stagnieren in Wachstum und Reifung und es besteht – wie übrigens bei allen Früchten im Garten – die Gefahr, dass das Erntegut noch am Busch verfault. Immerhin können 25 Stück davon geerntet werden. Der eine Lebensbaum am Anbau ist so hoch gewuchert, dass er den Sat-Empfang bei den Schwiegereltern beeinträchtigt und muss daher beschnitten werden. Ich übernehme das, wobei ein Ast bricht und es zum Leitersturz kommt. Glück im Unglück: Bloß Zerrungen, Prellungen und blaue Flecken. Das hätte auch ganz anders ausgehen können! Im letzten Monatsdrittel kommt die Sommerhitze schlagartig sowie gewittrig zurück und binnen nur weniger, brutal heißer Tage werden in Niedersachsen neue Wärmerekorde jenseits der 42°C-Marke (im Schatten, wohlgemerkt!) gemessen. Meine Jüngste erhält beim DRK keine Vertragsverlängerung, denn jetzt hätte sie einen unbefristeten Festvertrag bekommen müssen und ihr Chef will keine Frauen im Rettungsdienst haben. Ergo sucht sie krampfhaft nach einem neuen Job. Das lässt auch erahnen, warum unsere Volksverräter in der Regierung sich so vehement gegen ein Bedingungsloses Grund-Einkommen (BGE) aussprechen. Denn letzteres würde es den Arbeitnehmern ja gestatten, mit den Arbeitgebern auf Augenhöhe zu verhandeln – und das will ja keiner, nicht wahr? Jedenfalls keiner, der in dieser, unserer Bananenrepublik ganz oben sitzt! Bei Schwiegermutter steht die nächste OP an und sie erhält in Vehlen links ein neues Kniegelenk, wird eine Woche später in die Niedersachsenklinik in Bad Nenndorf verlegt. Beides bedeutet viel Krankenhausfahrerei. Das Auto meiner Frau muckt jetzt auch wieder: Die Klimaanlage funktioniert nicht weil der Klimakompressor den Geist aufgegeben hat – wird repariert und ist teuer! Die Pflegekasse übernimmt die Kosten für die Medikation unserer drei Pflegefälle nur zum Teil und ich bin gezwungen, den verbleibenden Differenzbetrag aus eigener Tasche zu bezahlen. Schwiegervater, der ja seit Jahren schon das Pflegegeld kassiert, interessiert das überhaupt nicht. Ihn interessiert auch nicht, dass wir praktisch für die Lebenshaltungskosten der Pflegefälle aufkommen; allein in diesem Monat schießen wir bei den Pflegefällen 430 Euro zu. Mal ganz davon abgesehen baut Schwiegervater praktisch stündlich mehr ab und wird immer ungenießbarer; auch zieht er sich durch das Reinstopfen von verfaultem Gammel aufgrund seines unerträglichen Altersstarrsinns einmal mehr eine Lebensmittelvergiftung zu. Am Verderben der Lebensmittel ist er übrigens selbst tatkräftig beteiligt, aber das kommt bei ihm im Oberstübchen schon lange nicht mehr an: Es lebe das selbstschädigende Verhalten! Ungeachtet der Urlaubswoche belaufen sich alleine meine Pflegeleistungen im Juli ’19 auf einen Zeitaufwand von 127 Stunden – soviel wie noch nie zuvor! Seitens meiner Frau kommt mindestens nochmal soviel hinzu. Dennoch wollen weder sie noch die Pflegefälle etwas von einer Haushaltshilfe wissen: Bloß keine Fremden im Haus haben! Es sind zwei Gegebenheiten, welche den Zeitaufwand bei der Pflege so enorm in die Höhe haben schnellen lassen, nämlich einerseits die Krankenhausfahrerei und andererseits Schwiegervaters extremer Starrsinn mit dem daraus resultierenden, unkooperativ-abweisendem Verhalten: Er bemerkt nicht mal mehr, wieviel durchaus vermeidbare – ergo auch unnütze – Arbeit er dadurch anderen aufbürdet!

August 2019

Die NDR-Sommertour gastiert in Bad Nenndorf mit Boney M. live und das schauen wir uns an. Während meine Älteste in Japan ist – sie will mit Osaka und Kyoto Land und Leute kennen lernen und anschließend eine Bekannte aus der früheren, hannoverschen HB-Gruppe auf Okinawa besuchen – wird ihre Honda NSR von einem versierten Motorradschrauber privat repariert. Wo der so genannte „Fach- und Meisterbetrieb“ nie drauf gekommen ist und aufgegeben hatte: Der Vergaser war durch das lange Stehen verharzt. Schwiegervater zieht sich wie üblich und wie praktisch in jedem Monat eine Lebensmittelvergiftung zu, die nicht zuletzt auf sein starrsinnig-ablehnendes, unerträgliches und selbstschädigendes Verhalten zurück zu führen ist – ein Verhalten, dass sogar seiner Frau auffällt, als die aus der Reha zurück kommt (wobei ich sie abholen muss, weil meine andere Schwägerin mit ihrer windigen Art den Rücktransport durch die Klinik verbockt hatte). Allerdings fällt Schwiegermutter umgehend in ihr altes, unerträgliches Verhaltensmuster zurück. Sie liegt – obgleich sie problemlos gehen kann – den ganzen Tag nur im Bett rum, trägt auschließlich ihr Nachtzeug, jammert, verweigert alles und brüllt permanent nach Bedienung: Zum Kotzen, wirklich nur noch zum Kotzen! Bei einem Sturz von ihr muss sogar ein RTW gerufen werden – ist aber nichts passiert … Ich allein komme in diesem Monat auf absolut nervenzerfetzende 155 Pflegestunden (bei einer 38h-Woche MEHR als ein Full-Time-Job!); meine Frau erfasst ihre Zeiten ja nicht … Ich kämpfe mit einer langwierigen Zahnfleischtaschen-Entzündung und hinsichtlich unseres Telefonanschlusses werden wir auf VDSL/Glasfaser umgeschaltet – was aber aufgrund des Nadelöhrs in Form vom Kupferkabel beim Hausanschluss nicht wirklich viel bringt. Meine Jüngste findet nach viel Sucherei einen neuen (unbefristeten) Job bei den Johannitern in Garbsen (vorausgesetzt sie übersteht die Probezeit); ihren noch (weg-) zu nehmenden Resturlaub verbringt sie auf Fehmarn. Die ersten beiden Wochen des Monats sind noch von einer Hitzewelle geprägt, doch dann kommt es zum verfrühten Herbst mit nächtlichen Tiefstwerten um die 5°C und Regenwetter und zum Monatsende hin wird es mit 37°C im Schatten (Tag/Nacht-Differenz 30°!!!) wieder unerträglich heiß. Meine Alienchilis bekommen das zu spüren, denn obwohl die Pflanzen voller Früchte sitzen, können erst zum Monatsende hin 46 Stück geerntet werden: Sie wollten vorher einfach nicht reifen! Im Gegensatz dazu haben wir Tomaten ohne Ende. Im Garten, der schon wieder von Waschbären heimgesucht wird, steht viel Arbeit an, insbesondere mit der Ernte und – noch mehr! – mit der Entsorgung. Wir wissen kaum noch wohin mit den Gartenabfällen. Ein Teil davon wird in der Feuerschale verbrannt (was zu Ärger mit einem Nachbarn führt) und zusätzlich wandert das Zeug noch Fahrt für Fahrt bergeweise zur Kompostieranlage (die übrigens auch ein Waschbärenproblem hat).

September 2019

Die Tage werden kürzer, was die Reifung der Chilis bedingt. Es werden 80 Stück abgeerntet (in Summe sind das jetzt bei zwei Balkonkästen 153 Früchte) und da hängt immer noch jede Menge Zeug dran, welches aber wohl nicht mehr abreifen wird. Anders ausgedrückt: Es macht keinerlei Unterschied, ob man im Frühjahr die kleineren Pflanzen entfernt oder nicht. Der Monat ist herbstlich mit Temperaturen zwischen 2 und 27°C mit zuwenig Regen. Wasser ist auch insgesamt knapp; so ist die Innerstetalsperre im Harz gerade mal noch zu 20% gefüllt. Unsere fünf Reihen Kartoffeln im Garten erbringen schlappe 12kg an ziemlich mickrigen Kartoffeln, womit sich das Ganze überhaupt nicht mehr lohnt, denn allein schon die Saatkartoffeln kosteten vier Euro mehr als die Ernte kosten würde (die ganze Arbeit dabei nicht mal mitgerechnet). Anlässlich von „500 Jahre Fleckenrechte“ wird ein Museumsmarkt ortganisiert, welchen wir besuchen. Wir versuchen zwar, unsere Pflegefälle dazu zu animieren, auch mal raus zu gehen und mal mitzukommen, doch das wird strikt verweigert. Stattdessen lamentieren die tagtäglich nur lautstark-weinerlich rum: „Kommt ja keiner!“ Ja, dann müssen die auch selbst mal aktiv werden – aber eben das wollen die ganz und gar nicht. Schwiegervater hat seine üblichen schweren Sturzunfälle, weil er aus Starrsinn ja wieder keinen Rollator brauchte und mit Schwiegermutter müssen wir alle paar Tage zur Physiotherapie, was sie nicht will. Hinzu kommt noch eine weitere Zahn-OP bei meiner behinderten Schwägerin in Empelde: Wir leben nur noch für die Pflegefälle! Alleine meinerseitens summiert sich die Pflege in diesem Monat auf 151 Stunden und meine Frau führt ja kein Buch über ihre Zeiten, dürfte aber auch nicht viel weniger geleistet haben. Öl wird getankt und es zeigt sich, dass die neue Anlage zu rund 25% Einsparung geführt hat. Meine Älteste ist aus Japan zurück und macht gleich anschließend noch weitere Trips nach München und Hamburg. Sie überführt ihr Motorrad nach Kassel. Meine Jüngste beginnt ihren neuen Job bei den Johannitern in Garbsen, versenkt versehentlich ihr Handy im Klo und darf sich deswegen ein neues Smartphone kaufen. Beim Rasenmähen – das Gras ist inzwischen ziemlich hoch geworden – übersehe ich eine Schlange und püriere die mit dem Rasenmäher, womit hinterher nicht mehr zu erkennen ist, um was für ein Tier es sich handelte. Das Auto meiner Frau muckt und muss zweimal unmittelbar hintereinander in die Werkstatt – zuerst ist das AGR-Ventil hinüber und zwei Tage später der Kurbelwellensensor. Nach reiflicher Überlegeung entscheiden wir uns für einen Neuwagen im kommenden Frühjahr, wobei allerdings die Finanzierung offen bleibt. Wir besuchen meine Verwandtschaft in Lutter und die haben bereits versuchsweise auf die Klimaerwärmung reagiert. In deren Garten wachsen Feigen, Mandarinen sowie Melonen – zwar alles noch ziemlich klein, aber es kommt. Stichwort „Klimaerwärmung“: Überhaupt wäre es jetzt allerhöchste Zeit, um breit in die Wasserstofftechnologie einzusteigen, denn die ist bereits da und erprobt. Allerdings würde die dezentral funktionieren und daher den Konzernen keine Gigantogewinne mehr ermöglichen. Und was machen die mental limitierten Politclowns mit großem Ego und zum Ausgleich wenig Grips? Sie schnüren ein „Klimapaket“ zwecks „CO2-Bepreisung“. Öl- und Gasheizungen sollen längerfristig verboten werden und die Autos sollen mit Strom fahren. Mit Strom soll auch geheizt werden. Schön und gut, aber besagter Strom kommt aus der Kohle, wozu regenerative Energiequellen massiv zurückgefahren worden sind. Mit anderen Worten: Aus vielen kleinen Schornsteinen und Auspuffrohren wird ein riesengroßer Abgaskamin gemacht und darauf pappt man die Aufschrift „Umweltschutz“. Im Gegenzug soll zum Ausgleich alles teurer werden. Aber was kann man von geld- und machtgeilen … (hier bitte den passenden Begriff selbst einsetzen), die in ihrer dümmlichen Ignoranz glauben, über den Naturgesetzen zu stehen, schon anderes erwarten? Die verarschen uns. Wie lange noch? Zum Monatsende hin kommt dann das Orkantief Mortimer, knickt unsere Sonnenblumen, schmeißt die Chilipötte um und zerfetzt einen Regentonnendeckel.

Oktober 2019

Der Monat beginnt mit dem sechzigsten Geburtstag meiner behinderten Schwägerin, für den die Pflegefälle zwar Gäste eingeladen hatten, was sie aber komplett vergessen haben. Die betreffende Arbeit bleibt alleinig an uns hängen. Immerhin erhalte ich jetzt auch, nach Intervention der halben Verwandtschaft, endlich eine Vollmacht von den Pflegefällen, so dass ich meine Frau rechtskräftig entlasten kann. Meine erste rechtskräftige „Amtshandlung“ besteht darin, eine MDK-Neubegutachtung für Schwiegervater zu beantragen. Allein für mich sind es in diesem Monat 151 Pflegestunden, die ich aufwenden muss (mithin also ein ganzes Vierteljahr lang nie unter 150 Stunden monatlich) – zuzüglich der Arbeiten seitens meiner Frau. Um mal von den Kaputten weg zu kommen – meine bessere Hälfte ist aufgrund der Pflege nervlich völlig runter – besuchen wir die Herbstmärkte in Springe und in Bad Nenndorf, wobei wir in Springe unverhofft einen verbilligten Ersatz für den im Sommer ausgemusterten Koffer finden. Zusätzlich leisten wir uns nach nunmehr 23 Jahren ein neues Futterhäuschen für die Vögel im Winter, wobei besagtes Futterhaus mit eingeschmolzenem Bienenwachs wetterfest gemacht wird. Bei der Gelegenheit repariere ich auch gleich noch den Meisen-Nistkasten. So rein wettermäßig kommt der Oktober mit nasskalter Macht und Schauerwetter sowie riesigen Regenmengen – mehr als vom ausgetrockneten Boden aufgenommen werden kann! Erst zum Monatsende hin zeigt er sich von seiner „goldenen“ Seite. Zudem tritt zum Ende der ersten Woche auch schon der erste Bodenfrost auf. Meine Chilis nehmen das sehr übel, so dass eine Noternte der aufgrund von zu kalter Witterung noch unreifen Chilis durchgeführt werden muss und die Saison dadurch zu Ende ist. Es werden 99 Früchte abgeerntet; in Summe waren es damit in diesem Sommer 254 Früchte oder knapp 1,3 Kg entkerntes und aufgearbeitetes Material. Ein Herbststurm reißt (wieder!) die Befestigung des Garagentores aus der Verankerung und jetzt bin ich wirklich mit meinem Latein am Ende. Es wird zementiert und wenn das auch nicht hält … Am zehnten Oktober – ein Sonnensturm ist durchgezogen – wird’s merkwürdig: Mein PC hängt schon beim Hochfahren dermaßen, dass der Akku rausgenommen werden muss; der Router hat sich aufgehängt und das Tablet bedarf aufgrund von Betriebssystemfehlern eines Hard Resets nebst langwierigem Neuaufsetzen. Parallel dazu hat die Poststelle massive IT-Probleme und bei Edeka sind die Kassen ausgefallen. Auch bei meiner Frau auf der Arbeit kommt es zu massiven IT-Störungen. Ob es vielleicht doch nur eine reine Frage der Zeit ist, bis das Internet ausfällt und uns (weil da so ziemlich alles dranhängt) postapokalyptische Zustände beschert? Unser Fuerte-Urlaubsveranstalter „Thomas Cook“ hat von heute auf morgen pleite gemacht und hunderttausende von Urlaubern sind gestrandet: Wie gut, dass wir unseren Urlaub so früh gelegt hatten! Wir buchen den Jahresurlaub, eine Irland-Rundreise, für den nächsten Sommer aufgrund eines Angebotes der IGM. In diesem Monat steht sehr viel Gartenarbeit an und insbesondere der Baumschnitt geht kubikmeterweise – woran sich meine Jüngste und ihr Freund tatkräftig beteiligen – zur Kompostieranlage nach Pohle. Wir sind dankbar für diese Hilfe, denn alleine hätten wir das nur schwerlich geschafft. Insgesamt werden es sechs Kubikmeter – die eine Hälfte geht in die Kompostierung und die andere Hälfte jage ich in mühseliger Kleinarbeit durch den Schredder. Meine Große bringt ihr Motorrad zurück, weil die Saison zu Ende ist und meine Kleine kauft sich ein neues Auto – einen Golf 7 Variant Jahreswagen, weil ihr Hyundai I-10 zwar oberflächlich top ist, tatsächlich aber Unmengen an Öl verbraucht (zwei Liter pro Vierteljahr) und der Fehler unauffindbar ist. Sie und ihr Kollege werden im Einsatz von einem Berufsalkoholiker (3,7 Promille!) angegriffen und durch Faustschläge leicht verletzt. Beide erstatten Anzeige wegen Körperverletzung und die Untersuchung im Krankenhaus ergibt, dass die Sache glücklicherweise nochmal glimpflich abgegangen ist. In den letzten paar Tagen des Monats – der Garten ist glücklicherweise gerade noch fertig geworden – kommt der Frost dann erbarmungslos und die nächtliche Temperatur fällt auf -6 Celsius. Auch fahren wir mit meiner geistig behinderten Schwägerin zu einer weiteren – und der offiziell letzten – Zahn-OP nach Empelde. Doch das hält sie nicht davon ab, nur einen Tag später schon wieder in selbstverletzender Weise mit einer Schere an ihren neuen Zähnen rumzuhebeln – und Schwiegervater, dessen Zurechnungsfähigkeit zu Recht in Frage gestellt werden kann – lässt ihr das durchgehen.

November 2019

Angesichts des nahenden Winters werden der nasskalt-windigen Ekelwitterung zum Trotz noch viele Außenarbeiten erledigt und der Vorgarten bekommt – weil Schwiegermutter das so haben will – ein Futterhäuschen für die Vögel. Auch das gewaltig in die Jahre gekommene Futterhäuschen im Garten wird ersetzt. Bei Schwiegervater (er wird immer unerträglicher) kommt es zur MDK-Neubegutachtung und er lügt dabei das Blaue vom Himmel runter, obgleich die vorliegenen Unterlagen eine gänzlich andere Sprache sprechen – was eigentlich nur belegt, wie extrem seine Zurechnungsfähigkeit inzwischen bereits nachgelassen hat. Er zeigt mittlerweile geradezu Lehrbuch-mäßig die FTD-Symptome u. d. h. von einer anderen Demenzform als bei Alzheimer. Während jedoch die Betroffenen bei Alzheimer steinalt werden können, ist das bei FTD nicht der Fall und seine Jahre sind daher gezählt. Er bleibt aber in PG3, weil vieles nicht anerkannt wird und woraus – wie könnte es auch anders sein? – ein Widerspruch resultiert. Dabei stellt sich die Frage: Wer überprüft eigentlich den MDK? Da meine Frau im kommenden Monat ihre Fuß-OP hat und dann für ein Vierteljahr bzg. der Pflege ausfallen wird, suche ich lange, intensiv und händeringend nach einer Haushaltshilfe für die Pflegefälle, was allerdings seitens Schwiegervater nach Kräften massivst torpediert wird. Ich gebe dann irgendwann auf: Sollen die durch und durch uneinsichtigen Pflegefälle eben selbst zusehen, wie sie mit dem zu erwartenden Chaos zurecht kommen! Im Anschluss versucht meine Frau sich am Engagieren einer Haushaltshilfe und scheitert gleichfalls an Schwiegervaters Starrsinn. Darüber hinaus sorgt er in seiner starrsinnigen Unzurechnungsfähigkeit für zusätzliche, überflüssige Arbeit: Aufgrund des bei ihm üblichen Verweigerns einer Gehhilfe stürzt er schwer und zieht sich eine Kopfplatzwunde mit Glassplittern drin zu. Er wird mit dem RTW ins KH nach Vehlen gebracht und dort behandelt – anschließend gibt er mir die Schuld dafür, denn er wollte nicht ins KH: Tja, Pech gehabt. Weil er den Kostenbefreiungsantrag für meine behinderte Schwägerin falsch ausgefüllt hat (er kann ja angeblich noch alles alleine!) und sie nach der letzten OP jetzt Zähne für rund 45.000€ im Mund trägt droht eine Kostenlawine – wir versuchen die zu stoppen und zu retten, was zu retten ist, was zwar sehr viel Zeit kostet, aber letztlich von Erfolg gekrönt ist. Mit besagter Schwägerin fahren wir zur MRT-Untersuchung nach Hannover, denn der Tumor an ihrem linken Bein ist jetzt Handball-groß, behindert das Tragen einer Hose und muss unbedingt baldmöglichst weg. Alleine für mich sind es in diesem Monat 165 Stunden, die ich an Pflege leiste – mehr als in einem Full-Time-Job – ergänzt durch die endlosen Stunden von meiner Frau. Sie ist überfordert und sieht schlecht aus, was sogar schon dem eher seltenen Besuch auffällt. Dem allerdings fällt auch auf, wie atemberaubend-penetrant es aus dem Dreckloch der Pflegefälle stinkt: Die abweisend-unkooperativen Kaputten definieren unser Leben mehr denn je! Das alles verkomplizierend kommt noch hinzu, dass meine Gattin sich zeitweise beruflich bedingt in Berlin aufhält und ich mir eine Magen-Darm-Infektion zuziehe. Ich engagiere sich zudem und zu ihrem Leidwesen noch stark im Siedlerbund, denn die Einrichtung des neuen Windows-10-Siedlerbund-PCs und der neue Imagefilm für die Homepage der Lauenauer Siedler kosten etliche Tage an Arbeit. Dabei ist das Internet in diesem Monat im Grunde genommen eine einzige, gigantische Störung, denn bei den Edeka-Bauarbeiten im Flecken (Abriss des früheren „Enzianstübls“) ist ein Glasfaserkabel gekappt worden. Endlose Basteleien mit dem Router zwecks Erreichen einer stabilen Verbindung schließen sich an. Doch das bleiben längst nicht die einzigen technischen Unbilden: Meine Armbanduhr geht kaputt und muss zur Reparatur; die Ersatzuhr hält gerade mal zwei Tage lang durch und ist anschließend ein Fall für die Tonne und auch unser Telefon gibt jetzt endgültig den Geist auf – es wird ersetzt.

Dezember 2019

„KNACKS!“ sagte die Klobrille und musste ersetzt werden. Meine bessere Hälfte fährt zur Feier ihres 40-jährigen Dienstjubiläums nach Brühl; im Anschluss geht geht sie zur Hallus-Valgus-OP ins Krankenhaus. Ihre Rückkehr gestaltet sich schwierig und erfordert Improvisationskünste, denn – der deutschen Verwaltung sei Dank – die erforderlichen Gehhilfen sind nicht geliefert worden, weil zunächst Preisrecherchen seitens der Krankenkasse gemacht werden müssen. Geliefert wird das voraussichtlich erst dann werden, wenn es keiner mehr braucht. Die Telekom bastelt und folglich sind die I-Net-Störungen immer noch da; nach der Optimierung des Routers allerdings deutlich weniger geworden. Am nervigsten dabei sind die abbrechenden Telefonate. Ich zieht sich eine saftige Erkältung zu doch dabei heißt es nur „Augen zu und durch – igendwie“. Rücksicht nimmt darauf keiner. Von Winter ist keine Spur; zur Monatsmitte und auch zu Weihnachten gibt es Frühlingswetter mit bis zu +15°C und eigentlich erwartet man, dass Santa mit einem transportablen Grill um die Ecke gerollert kommt und sein Rentier da drauf haut: Die Klimaerwärmung schlägt voll durch. Die neuen Blumentopfchilis wachsen gut und die Minipaprikas auch. Im Aquarium – ich verschenke um die hundert Guppys – kommt die Schwertträgerzucht so langsam in Gang. Unsere Pflegfälle sind uneinsichtiger und unkooperativer denn je. Sie verwandeln ihre Wohnung in eine Messie-Mülldeponie und vegetieren in dem Dreck vor sich hin; jegliche Hilfe wird torpediert und soviele vulgäre Beschimpfungen wie in diesem Monat habe ich mir von denen noch nie zuvor anhören müssen. Am Heiligabend verursachen die Kaputten um Haaresbreite einen Wohnungsbrand (Fettbrand), der in Zusammenarbeit mit unserem Besuch im allerletzten Moment eingedämmt wird. Einsichtig zeigen sich die Pflegefälle deswegen jedoch nicht; ganz im Gegenteil: Sie behaupten, ohne Hilfe bestens zurecht zu kommen und Schwiegervater setzt in seinem unzurechnungsfähig-verwirrten Zustand noch einen drauf und behauptet stammelnd, kerngesund zu sein. In diesem Monat werden es für mich definitiv wieder deutlich über 160 Stunden an Pflegearbeit werden – na ja …

Im Großen und Ganzen kann man daher nur statieren: Das Jahr gehört ersatzlos gestrichen! Ich würde 2019 gerne zurück geben, denn es entsprach nicht meinen Erwartungen. Deswegen habe ich meine Erwartungen für 2020 auch beträchtlich herunter geschraubt. Was bleibt ist die Hoffnung. Vielleicht tritt (Mauschel-) Andi Scheuer ja wider Erwarten doch noch zurück, nachdem Merkel ihm das Vertrauen ausgesprochen hat. Vielleicht knackt die SPD ja die 5%-Hürde. Sowas in der Art eben. Ansonsten kann ich nur sagen: Versucht wenigstens (auch wenn’s schwer fallen sollte), dem kommenden Jahr was Positives abzugewinnen! Und vergesst eure guten Vorsätze. Die werden nämlich sowieso nicht eingehalten.