Es gibt viele Menschen, die krank sind und die auf ein Spenderorgan – i. d. R. Niere, Leber, Lunge, Herz, Bauchspeicheldrüse und Dünndarm – angewiesen sind, wenn sie überleben wollen. Aktuell in Deutschland etwa 9.000. Solche Organe sind nur auf dem Wege der Organspende möglich. Die Organentnahme wird nur dann vorgenommen, wenn bei einer Person eindeutig der Hirntod festgestellt worden und das Organ noch funktionsfähig ist. Das ist eine typische Unfallopfer-Situation. Nur existieren viel mehr Kranke als Unfallopfer da sind und deswegen gibt es schon seit Beginn der Transplantationsgeschichte einen Mangel an Spenderorganen. Außerdem muss der Spender zuvor explizit sein Einverständnis zur Organentnahme gegeben haben, bspw. in Form des Mitführens eines Organspendeausweises.

Das jedoch behebt den Mangel an Organen auch nicht – die Anzahl an Spenderorganen ist sogar leicht rückläufig. Nun hat ein Gesundheitsministerdarsteller – Jens Spacken oder so, der genaue Name fällt mir gerade nicht ein – das Ei des Kolumbus entdeckt: Ab dem 1. Oktober 2022 sollen demnach alle Bürgerinnen und Bürger grundsätzlich als Spender gelten! Außer wenn man zu Lebzeiten dem explizit und schriftlich widerspricht. Was bedeutet das? Das bedeutet unter Strich nichts anderes, als dass der Staat, der ja bekanntlich für seine Bürger da sein soll, seine Bürger als Eigentum betrachtet. Mehr noch: Der Volksvertreter, der ja bekanntlich sein Volk vertreten soll, betrachtet das mit so einer Regelung de facto als seine Sklaven, mit denen er machen kann was er will.

Um nicht falsch verstanden zu werden: Ich bin durchaus für die Organspende. Aber NICHT in der Form, in der ein anderer irgendwelche Besitzansprüche auf mich erhebt! Das macht den Bürger nämlich zum Freiwild! Wenn er es dennoch tut, dann muss er zumindest den Hinterbliebenen auch eine adäquate Gegenleistung für das Ausschlachten des Kadavers (denn um etwas anderes handelt es sich ja nicht) zukommen lassen. Oder, anders ausgedrückt: Bei einer Zwangsentnahme von Organen hat der Staat, wenn er die Zwangsentnahme schon befürwortet bzw. anordnet, auch gefälligst die Bestattungskosten zu tragen – oder doch zumindest irgendwas in der Richtung! Alles andere ist nämlich Diebstahl! So sehe ich das.

Aber das ist noch längst nicht alles, denn es gibt ja auch noch die so genannten Kontraindikationen. Dazu ein Beispiel: Ich war bisher dreimal zur Blutspende und bin dreimal unverrichteter Dinge wieder nach Hause geschickt worden. Weil ich ich zwei tropische Infektionen, Krebs, zwei Giftschlangenbisse und einen Unfall mit radioaktiver Kontamination überlebt habe. Ich hätte zwar kein Problem damit, Organe zu spenden – aber würde der Empfänger das überhaupt überleben? Wenn schon mein Blut für einen Empfänger viel zu riskant ist, was ist dann erst im Falle meines Ablebens mit meinen Organen? Eine Organspende verbietet sich bisher immer dann, wenn der Spender an einem metastasierenden Krebsleiden, an einer aktiven und verbrauchenden Infektion, der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit beziehungsweise anderen Prionen-Erkrankungen oder einer chronischen Organfunktionsstörung leidet. Eine HIV-Infektion bspw. ist (wie man bei Wikipedia nachlesen kann) KEIN Ausschlusskriterium. Wird hier nicht mit zweierlei Maß gemessen?

Das Robert-Koch-Institut (RKI) veröffentlicht wöchenlich das „Epi­demio­lo­gische Bulletin„. Darin werden die durchaus kritischen Infektionskrankheiten aufgeführt, mit denen ich selbst es im Falle eines Organempfangs (!) auf gar keinen Fall zu tun bekommen möchte. Das sind in ganz Deutschland Jahr für Jahr rund 20.000 NEUE Fälle. Anders ausgedrückt: Wenn der Staat eine Organzwangsentnahme anordnet, dann besteht eigentlich immer auch die Gefahr, sich irgendeine ziemlich fiese Erkrankung zusätzlich zuzuziehen – und die Wahrscheinlichkeit dafür ist offensichtlich nicht gerade klein! Zum Vergleich: Bei jedem neuen Medikament müssen zig Prüfungen und Studien durchlaufen werden, bevor man es am Menschen verwenden darf. Bei den Vorstellungen eines Jens Spacken (oder so ähnlich) wird all das vom Tisch gewischt.

War’s das? Nein! Das Schlimmste habe ich mir bis zum Schluss aufgehoben. Die Vorstellungen des Spacken gehen nämlich noch weiter. Er fordert zusätzlich eine Debatte über Lebendspenden – Zitat: „Nach heutiger Rechtslage dürfen sich nur enge Angehörige und nahestehende Personen zu Lebzeiten Organe spenden. Experten fordern etwa, solche Lebendspenden auf einen größeren Personenkreis auszudehnen.“ Von da aus bis zum Organhandel ist es kein weiter Weg mehr und wer würde letztlich wirklich davon profitieren? Der Ausgeschlachtete sicherlich nicht! Und auch hinsichtlich eines derartigen Organhandels könnte der Staat durchaus mitmischen und profitieren, wie die unrühmlichen Äußerungen von Mitarbeitern des Jobcenters Duisburg aus dem Jahr 2004, zurückgehend auf einen gewissen Professor, belegen – hier noch einmal kurz zur Erinnerung der Wortlaut im damaligen (und heute nicht mehr verfügbaren) Jobcenter-Forum:

Schreibender: Verdachtschöpfer
Datum: 25.08.2004, 11:15:11
Beitrag: Idiotenwiese hat geschrieben „Professor fordert legalen Organhandel zur Finanzierung des Lebensminimums. Blöder Vorschlag, wäre doch nur Vermögensumwandlung.“ Allerdings ist das Vermögen dann verwertbar und überschreitet eventuell die Schönvermögensgrenze. Wenn endlich mal die „Lizenz zum Ausschlachten“ käme, Organfreigabe also wie in manchen Ländern die Regel wäre, müsste man solchen Blödsinn nicht diskutieren.

Darauf kam als Antwort:

Schreibender: H.
Datum: 11.03.2005, 06:46:47
Beitrag: Bei den niedrigen Vermögensgrenzen im SGB XII hätte wohl jeder Leistungsempfänger Vermögen. Also bis zur Verwertung (bis passender Empfänger gefunden) dann ggf. ein Darlehen und dann erst mal z. B. von der Leber leben … Also die Anträge ergänzen, welche Organe sind noch vorhanden und können vorrangig eingesetzt werden? Aber was, wenn wirklich jemand gegen Geld seine Organe verkauft. Ist das Geld dann Vermögen (war ja eigentlich schon vorher da, nur in anderer Form) oder eine einmalige Einnahme?

Man beachte: Hier unterhalten sich Behördenvertreter, deren Aufgabe eigentlich darin bestehen sollte, Bedürftigen zu helfen, über das gewollte Ausschlachten eben Derselben. Seinerzeit führten diese lebens- und menschenverachtenden, grundgesetzwidrigen Vorstellungen zum Skandal. Das Sozialforum der Stadt Duisburg wurde daraufhin (zumindest für die Öffentlichkeit) geschlossen.

Doch im Handelsblatt stand fünf Jahre später zu lesen: „Organhandel benötigt einen freien Markt“. Es kommt eben alles irgendwann mal wieder! Mit anderen Worten: Sollte der Organhandel legalisiert werden – und eben genau das scheint der Jens Spacken (oder wie der heißt) ja zu fordern – dann muss jeder ALG-II-Antragsteller davon ausgehen, dass er ein fiktives „Vermögen“ mit sich rumschleppt. Das ist zunächst auszugeben, bevor Hartz-IV bewilligt wird. Bedeutet: Das Ausschlachten des Arbeitslosen wird vom Staat angeordnet!

Dass das GG (Art. 2 Abs. 2: „Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit.“) bei Hartz-IV-Abhängigen nicht greift, wissen wir ja leider schon zur Genüge. Ist der Organhandel erst einmal freigegeben, bedarf es nur noch einer gesetzlichen Regelung, ab wann welcher Hartz-4-Empfänger im Rahmen seiner Mitwirkungspflicht zu welchem Zeitpunkt seines Hartz-4-Bezuges zu welcher Organspende zu verpflichten ist. Mal ehrlich: Im Dritten Reich hat man als „störend“ empfundene und als Sündenböcke missbrauchte Mitmenschen vergast. Inzwischen scheinen gewisse Kreise da fortschrittlicher geworden zu sein. Auch hat sich wohl die Zielgruppe geändert. Deswegen ist die ganze Diskussion über die Organspende in meinen Augen nur noch KuK – Krank und Kaputt!

Gegenvorschlag zu Jens Spacken (oder so): Jeder, dem es mit der Organspende wirklich ernst ist, lässt sich vom Arzt untersuchen und bekommt bei wirklicher Eignung ein Spenderkärtchen. Im Gegenzug übernimmt Vater Staat im Fall der Fälle die Bestattungskosten. Ich weiß zwar nicht, ob das die Spendenbereitschaft erhöhen würde, denke aber, dass damit allen geholfen wäre! Vor allem aber würden demokratische Spielregeln eingehalten werden – was ich bei dem Vorschlag von Jens Spacken (oder wie auch immer …) nicht als gewährleistet ansehe!