Meine Frau war ja am Fuß operiert und meine Schwiegermutter mit Verdacht auf Schlaganfall (Apoplex) ins Krankenhaus eingeliefert worden. Das bedeutete Ärztemarathon – Facharzt, Krankenhaus, Hausarzt, Physiotherapie etc. Immer unterschiedliche Stellen und da wusste immer die linke Hand nicht was die rechte tat. Weil der Informationsfluss zwischen den einzelnen Stellen schlichtweg nicht funktioniert hat. Selbst dann, wenn man als Patient auf dieses und jenes explizit hingewiesen hatte, dann blieben die fachlich relevanten Informationen aus, weil so Mancher sich hinter dem Datenschutz versteckte. Was ja auch durchaus nachvollziehbar ist, denn das ist bequem und vermeidet Arbeit. Nur kommt das eben nicht gerade der Gesundheit des Patienten zugute … Oder, bei dem ganzen Krampf auch aktuell erlebt: Der Röntgenarzt gibt eine CD mit den Aufnahmen mit. Der Hausarzt aber kann damit gar nichts anfangen, weil er ein Windows-System und der Röntgenarzt ein Apple-System verwendet – die CD ist nicht mal zu öffnen. Wozu dann überhaupt die ganze, teure Untersuchung?

Angesichts dieses verwaltungstechnisch verursachten (gewollten?) Chaos kam mir da so eine Idee. Eigentlich könnte doch jeder Patient alle relevanten Angaben gleich mitbringen, wenn es dafür eine gemeinsame Basis gäbe. Aber welche? Die „Elektronische Gsundheitskarte“ bietet sich dafür geradezu an. Ich meine, die Chips sind heute so klein und hinsichtlich ihrer Speicherkapazität so unglaublich leistungsfähig geworden, dass es rein technisch – die rechtliche und verwaltungstechnische Seite lasse ich hier mal ganz bewusst außen vor, denn bekanntlich verderben viele Köche ja den Brei – durchaus möglich sein sollte, eine komplette, lebenslange Krankenakte inklusive aller Bilder (Röntgen, CT, MRT o. ä.) auf der Karte zu speichern – 32 oder 64 GB sollten dafür mehr als dicke ausreichend sein. Ein Arzt könnte dann die Karte einlesen, hätte alles auf einen Blick und könnte es auch ergänzen.

Mit diesem Gedankengang wurde nach den technischen Spezifikationen des Chips auf der Karte recherchiert. Was ich da fand, das ließ mich an meinem Verstand zweifeln. Zuerst glaubte ich an einen Druckfehler. Doch es stimmte tatsächlich: Auf dem Chip der Karte können 256 Byte gespeichert werden – nicht Kilo-, Mega- oder Gigabyte, sondern Byte! Das ist tiefstes IT-Mittelalter! Es kann doch nicht so schwer sein, einen anständigen Speicherchip „von der Stange“ zu nehmen, den mit einem Controller auszustatten und darauf die Informationen abzulegen! Das funktioniert heute mit jedem USB-Stick und sollte sich folglich auch mit der Gesundheitskarte machen lassen!

Was braucht es dann noch? Eine geordnete Ablage der Daten in Form einer Datenbank. D. h. bestimmte Bereiche des Kartenspeichers werden für Einträge reserviert, also bspw. Labordaten, Arztbriefe, Bilder o. ä. Dazu ist eine einheitliche Software vonnöten, die nicht auf der Karte vorhanden sein muss – vielmehr wäre die in den Arztpraxen und Krankenhäusern vorzuhalten. D. h. mit so einer Benutzoberfläche wird die KV-Karte selbst als reiner Datenspeicher verwendet. Die Karte – und damit die Krankenakte – verbleibt im Besitz des Patienten. Aus Gründen des Datenschutzes ist die Speicherung selbstverständlich in verschlüsselter Form vorzunehmen. Dann kann außer dem Besitzer auch niemand, der so eine Karte entwendet oder findet, damit irgend etwas anfangen. Periodisch (bspw. nach jedem Arzt- oder Krankenhausbesuch) müsste eine Übertragung der aktualisierten, verschlüsselten Daten an die betreffende Krankenkasse erfolgen, damit die anhand ihrer Zentralserver einen Ersatz für verlorene Karten bzw. für neue Karten bereitstellen kann. Das beugt einem Datenverlust vor.

Es bleibt noch klären, mit welchem Verfahren die Verschlüsselung der Daten erfolgen soll und damit meine ich gar nicht mal den Algorithmus. Der Zugriff eines Arztes auf die verschlüsselten Daten sollte nur mit Einwilligung des Patienten erfolgen können. Der Patient bringt also den Schlüssel zum Entschlüsseln selbst mit. In welcher Form? Dafür sind mehrere Verfahren denkbar, die sich alle alternativ einsetzen lassen können: Fingerabdrucksensor, Netzhautscanner oder das Freischalten mittels eines zweiten Gerätes (z. B. Smartphone), wie es bei den Online-Bankgeschäften üblich ist. Notfalls könnte man zusätzlich ja auch noch eine PIN oder ein Password vergeben, welches in der Arztpraxis einzutippern ist, genau wie an der Supermarktkasse oder an der Tanke.

Technisch erscheint mir das alles machbar, denn die dazu erforderlichen Techniken existieren in der einen oder anderen Form bereits und finden auch breite Anwendung. Und wenn ein Notfall eintritt? Wenn ein Patient bspw. Verbrennungen hat und weder sprechen kann noch Fingerabdruck oder Netzhautscan zur Verfügung stehen? Für einen solchen (Not-) Fall müsste auf der Karte noch ein freier Bereich existieren, in dem unverschlüsselte Basisdaten verfügbar sind: Name, Adresse, Anamnese, chronische Erkrankungen (z. B. Diabetes, Hypertonie, Hypothyreose etc.).

In der Praxis könnte das dann so aussehen, dass die Karte in ein Lesegerät eingesteckt wird und umgehend die freien – d. h. unverschlüsselten – Informationen anzeigt. Auf alles andere kann der Behandler nur mit Einwilligung des Patienten – u. d. h. nach der Freischaltung durch ihn – zugreifen. Das wäre m. E. eine Gesundheitskarte, die ihren Zweck wirklich erfüllt und dem eingangs geschilderten Informationschaos zugunsten des Patienten entgegen wirkt: Willkommen in der aktuellen IT-Neuzeit, tschüss IT-Mittelalter! Aber wenn zahllose, IT-mäßig fachlich unbeleckte Stellen über so etwas entscheiden müssen, dann wird das wohl immer ein unerfüllbarer Traum bleiben … 😦