Die Tage kam ein Anruf – ein Hilferuf! Jemand aus meinem Bekanntenkreis hatte sich nach dem Ende des Win7-Supports einen Windows-10-Rechner zugelegt. Der Betreffende verwendete für den Mailverkehr Postfächer bei T-Online und GMX und wollte das jetzt (O-Ton) „irgendwie auf einen Blick so ähnlich wie bei Outlook“ auf seinem neuen Rechner haben, „aber ohne Outlook“. Kein Problem, dachte ich, denn dafür fiel mir umgehend Mozilla Thunderbird ein.

Nun muss Thunderbird aber auch eingerichtet werden, wobei primär die o. e. Postfächer für den Thunderbirdzugriff freizuschalten sind (wie das geht hatte ich HIER ja schonmal beschrieben). Das Freischalten geschieht, nachdem man sich in das Mailpostfach eingeloggt hat. Dazu benötigt man für gewöhnlich die bereits bestehende Mailadresse und das dazugehörige Passwort. Deswegen fragte ich meinen Bekannten vorab auch schon am Telefon: „Hast du deine Zugangsdaten, also Mailadresse und Passwort für das jeweilige Postfach, denn griffbereit? Das werden wir nämlich brauchen.“ Ja, hatte er lt. eigener Aussage.

Nun ja – bin hingegangen. Habe Thunderbird auf den Rechner gebracht. Wollte die Postfächer freischalten – und bin auf ganzer Linie gescheitert! Weil: Der Schreibtisch meines Bekannten erinnerte mich an eine wilde Mülldeponie aus lauter Zetteln. Überall lagen kleine Papierschnipsel rum, teils irgendwo abgerissen, mit krytischen Ziffern-Buchstaben-Kombinationen drauf. Das waren seine sorgfältig gesicherten Passwörter. Da stand nicht, welches Password wofür gedacht war. Da hatte er auch beim Aufschreiben nicht zwischen Groß- und Kleinschreibung unterschieden. Aber – da ihm Datensicherheit über alles geht – alles zwölfstellig und nicht ein einziges Wort dabei, das man sich hätte merken können.

Ich rief also nach dem Aufspielen von Thunderbird sein T-Online-Postfach auf und wollte mich einloggen. Die Mailadresse wurde ja auch genommen. Der Rechner fragte nach dem Passwort. „Das müsste hier eigentlich irgendwo sein“, meinte mein Bekannter und startete auf seinem Schreibtisch eine Ausgrabungsaktion, von der jeder Archäologe hätte lernen können. Schließlich fand er einen Zettel und wollte das Passwort eingeben. Tat er auch. War nur leider nicht richtig. „War aber ein gelber Zettel“, nuschelte er nach dem x-ten Versuch (man erinnere sich an die Groß-Klein-Schrift) und setzte die Ausgrabungen fort. Irgendwann gab er auf. Nächster Versuch, und zwar diesesmal mit dem GMX-Postfach. Gleiches desaströses Ergebnis … Jetzt geht er erstmal in sich und sucht weiter bzw. setzt die Ausgrabung fort. Man darf echt gespannt sein, was dabei noch alles ans Tageslicht kommt!

Dabei könnte doch alles so einfach sein – zumindest unter Windows. Ich verwende die portable Freeware „Alle meine Passworte (AmP)“ schon seit dem Sankt-Nimmerleins-Tag und unter Windoof 10 läuft das Ding auch noch: Runterladen, entpacken, starten, Masterpasswort vergeben und gut is‘! AmP ist eine Explorer-ähnliche Passwortverwaltung – auf der einen Seite eine Baumstruktur (die man selbst anlegen kann) und auf der anderen Seite die Liste mit den zugehörigen Einträgen. Klickt man einen davon an, dann hat man das zugehörige Passwort umgehend und einfacher geht’s schon nicht mehr. Außer wenn man das Master-Passwort für alles vergisst. Dann ist man nämlich wirklich am Ar… 😉