Ich gönne mir ja ganz gerne mal die kleine Auszeit im Wald – wann immer es möglich ist. Manchmal treffe ich da auf Tiere. Manchmal auch auf andere Wanderer. Von Zeit zu Zeit allerdings kommt es auch zur „unheimlichen Begegnung der dritten Art“. Dabei handelt es sich um etwas merkwürdige, als Menschen verkleidete Aliens, denn von diesem Planeten können besagte Leute meiner Meinung nach gar nicht stammen. Nachfolgend will ich daher – und auch um für deren Verständnis zu werben – einmal versuchen, einen Waldausflug aus der Sicht eines solchen Aliens zu beschreiben. Falls ihr das für überspitzt halten solltet: Äh, nein! Das ist sogar eher noch untertrieben! 😉
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Scheiß-Natur!

Es gibt da ja diese enthusiastischen Naturfreaks – jene Menschen, die hemmungslos draußen in der Natur rumlaufen, gar nicht mal selten denkbar schlecht ausgerüstet. Die sich einfach irgendwelche Schuhe und ’ne x-beliebige Jacke anziehen und unbedarft in irgendeinen Wald losrennen: Laien! Selbstmörder! Unverantwortlich ist sowas! Ich meine … – Wald! Das ist Wildnis, unberührte Natur! Wald bedeutet Abenteuer, bedeutet vielleicht die Begegnung mit blutrünstigen Wölfen, gemeingefährlichen Luchsen und aggressiven Wildschweinen. Darauf muss man sich doch vorbereiten! Da setzt man sein Leben auf’s Spiel!

Ganz zu schweigen von den Unbilden der Witterung. Da wechselt sich Hautkrebs-verursachende, sengende Sonne mit mörderischer Kälte, in der man glatt erfrieren kann, ab. Besonders dann, wenn der schier allgegenwärtige Regen einem die ganze Kleidung durchgeweicht hat. Als zivilisierter Stadtmensch kennt man so etwas doch gar nicht mehr! Nee, also – für so einen Trip ins Unbekannte kommt nur die allerbeste, solideste Outdoor-Ausrüstung, das Feinste vom Feinen, infrage: Feste Wanderschuhe, atmungsaktiv und gut eingelaufen (d. h. mindestens einen Vormittag lang in der Wohnung getragen, damit sie nicht gleich schmutzig werden), dazu Outdoor-Trinkflaschen, Outdoor-Nahrung, Outdoor-Campingstuhl, Outdoor-Lampe, Outdoor-Erste-Hilfe-Ausrüstung, Outdoor-Kartenmaterial, Outdoor-Kompass, Outdoor-Sitzkissen und Outdoor-Taschenlampe (denn man weiß ja vorher niemals, wie lange so eine Tour dauert). Ergänzt wird das Ganze selbstverständlich um Outdoor-Jacke, Outdoor-Hose, Outdoor-Multifunktionsshirt, Outdoor-Hut und Outdoor-Taschenmesser. Hinzu gesellen sich noch wasserdichte Handytasche, Sonnenbrille, Nordic-Walking-Wanderstöcke und – selbstverständlich, denn man könnte sich andernfalls ja verlaufen – ein GPS-Gerät.

Nun will die ganze Ausrüstung auch noch untergebracht werden. Dazu dient ein sündhaft teurer Trekking-Rucksack (expeditionserprobt, versteht sich) von einem namhaften Outdoor-Marken-Hersteller und beim Kauf ist unbedingt darauf zu achten, dass man den schon im Geschäft einmal probetragen kann (und so leer ist der gar nicht mal unbequem). All das kostet – am Ende könnte man für den gleichen Preis glatt einen Kleinstwagen kaufen – doch sollte einem die eigene Gesundheit das auch wert sein. Nun wird die Tour geplant, und zwar ganz detailliert! Der zünftige und künftige Outdoor-Wanderer schreibt sich bei einer VHS ein und macht einen Kursus mit, in dessen Verlauf ihm beigebracht wird, wie er eine Karte zu lesen hat, wie er mit dem Kompass umgehen muss usw. Im Verlauf einer solchen Weiterbildung erfährt er in der Theorie alles, was zum Überleben in der grausamen Natur notwendig ist. Er weiß hinterher, welche Pflanzen essbar und welche giftig sind. Weil allerdings die Blätter von den Dingern immer alle irgendwie sehr ähnlich aussehen, kauft er sich schließlich vorsichtshalber doch noch ein Bestimmungsbuch, welches gleichfalls seinen Platz im ohnehin schon proppevollen und viel zu schweren Rucksack findet. Deswegen wird der Rucksack auch noch zwanzigmal umgepackt. Allerdings führt auch ganz besonders dichtes Stopfen letztlich nicht wirklich zur Gewichsreduzierung: Egal – wer die Herausforderungen der Scheiß-Natur annimmt, der muss eben leiden!

Im Verlauf der Weiterbildung erfährt der Outdoor-Wanderer in spé dann auch noch etwas über die Gefahren, an die er zuvor nicht mal im Traum gedacht hätte. Da existiert das Problem des Totholzes. Nach langer Trockenheit kann von vorgeschädigten Bäumen ganz unvermittelt ein Ast abbrechen und den Naturfreak erschlagen – furchtbar! Oder die Sache mit den – wie der Forstmann es ausdrückt – „angeschobenen“ Bäumen: Das sind die Bäume, die der letzte Sturm zwar entwurzelt hat, die aber noch nicht umgefallen sind und die folglich auch jeden Moment runterkommen können. Nach längerer, kräftiger Regenperiode ist zudem obendrein noch mit Hangrutschen zu rechnen! Dir als künftigem Outdoor-Wanderer wird mitgeteilt, dass es in deinem avisierten Zielgebiet giftige und ungiftige Schlangen geben soll. Und obendrein auch noch so eine Art von ganz spezieller Eidechse, die wie eine Schlange aussieht. Aber was was ist bemerkt man wohl erst, wenn das Vieh zubeißt!

So langsam gruselt es dich und dein Entschluss, es mit der unbarmherzigen Natur aufzunehmen, gerät ins Wanken. Doch dann denkst du an das kleine Vermögen, welches für die teure Ausrüstung hingeblättert werden musste. Es ist doch eine Schande, wenn die Ausgabe völlig umsonst gewesen wäre! Daraus folgt nur eine einzige Konsequenz: Zähne zusammenbeißen – Augen zu und durch! Zuletzt musst du dir allerdings noch sagen lassen, dass da im Wald Myriaden von blutsaugenden, facettenäugigen, geflügelten Monstern auf dich – dich ganz allein! – lauern. Dazu gesellen sich noch Legionen von hungrigen Zecken. Und was die alles für Krankheiten übertragen können … – Borreliose, FSME und Babesiose sind nur einige davon. Dir kommt siedend heiß zu Bewusstsein: Impfungen – Impfungen sind ganz wichtig! Umgehend machst du einen Termin beim Arzt, und zwar gerade noch rechtzeitig vor dem Tourbeginn!

Schließlich ist es soweit. Du hast vorsorglich in Insekten-Repellent gebadet. Der große Tag ist da; der Rucksack ist gepackt und deine Outdoor-Ausrüstung angelegt. Sieht echt schick aus! Gerade so, als hätte da gestern noch ein Preisschild dran gehangen. Gerade so, als wenn du eine Jack-Wolfskin-Filiale leergekauft hättest. Zugegeben, das trifft ja beides auch zu, aber schließlich soll so ein Outfit doch auch schon von Ferne den erfahrenen und über jeden Zweifel erhabenen Outdoor-Wanderer signalisieren. Du begibst dich in dein Auto und fährst von der Stadt (sagen wir der Einfachheit halber mal Hannover) raus in die unberührte Wildnis (sagen wir der Einfachheit halber mal der Deister). In Fegggendorf lässt du dein Auto stehen und nun beginnt der einsame Zweikampf des zivilisierten Menschen mit der unbarmherzigen Wildnis. Du hast dir nämlich vorgenommen, rauf zum „Stolln“ (wie die Eingeborenen das orthographisch nicht gänzlich korrekt nennen) zu laufen, um dann über Jägersteig, Schraubeweg und Schulzeweg zurück zum Parkplatz zu kommen – sagenhafte zehn Kilometer, eine satte Tagestour! In der Stadt hättest du schon für vierhundert Meter den Bus genommen, aber hier draußen musst du wirklich beweisen, wer du bist und was du alles kannst!

Ein Bekannter, den du vorher in deine Pläne eingeweiht hattest, bekam angesichts der Tour einen Lachflash und bezeichnete die abfällig als „Sonntagnachmittag-Spaziergang“. So ein Spinner! Du hast selbstverständlich umgehend jeden Kontakt mit dem Ignoranten abgebrochen. Jetzt steht dein Auto, ein teurer SUV, endlich auf dem Waldparkplatz und du musst dir eingestehen, dass der Parkplatz unbefestigtes Gelände ist. Das schöne Auto! Daher dürfte anschließend eine Wagenwäsche – inklusive Unterbodenwäsche – für das teure Stück Blech vonnöten sein: Auch wieder so eine zusäzliche Ausgabe, auf die dich vorher niemand hingewiesen hat! Du öffnest die Tür und steigst aus. Igitt – du steht ja mitten im Matsch! Jetzt sind deine neuen, teuren Wanderschuhe auch schon dreckig! Na, das kann ja noch heiter werden …

Ein Schild informiert dich darüber, dass hier ein Notfalltreffpunkt bzw. Rettungspunkt ist. Du weißt nicht, ob dich das beruhigen oder beunruhigen soll, denn Rettungspunkt klingt irgendwie gefährlich. Du entscheidest dich angesichts der Wildnis ringsherum für die zweite Möglichkeit und wirst sehr, sehr vorsichtig sein. Außerdem regnet es. In Strömen. Na ja, stimmt nicht so ganz – es ist eher so ein alles durchfeuchtender Nieselregen, aber gerade deswegen kommt es dir vor wie in Strömen. Der Blick nach oben zeigt dir Grau in allen Schattierungen. Egal, du hast ja Kompass und GPS dabei und wirst deinen Weg schon finden. Zuerst nimmst du den Berg in Angriff. Wie steil das ist! Wie der Weg sich schier endlos hinzieht! Nach ein paar hundert Metern beginnen deine Schuhe, an den unterschiedlichsten Stellen zu drücken. Allerdings ist das noch gar nichts gegen das denkbar unbequeme Gewicht auf deinem Rücken, das überall drückt, kneift und piekst. Im Geschäft war das nicht so, da gab sich der Rucksack noch viel bequemer. Dir kommt ein Eingeborener entgegen, irgend so ein Opa mit Regenjacke und Wanderstock und ansonsten ohne jegliche Outdoor-Ausrüstung. Wie leichtsinnig der Typ doch ist!

Du fragst ihn, wie weit es noch bis zum „Stolln“ ist. „Och, nicht weit. Da vorne, gleich um die Ecke.“ Du marschierst weiter. Deine Schuhe drücken stärker. Da vorne ist nur noch mehr Wald und „gleich um die Ecke“ scheint ein extrem dehnbarer Begriff zu sein. Du überlegst dir: Kann es sein, dass hier in der Wildnis andere Entfernungsmaßstäbe als in der gewohnten Stadt gelten? Mit zusammengebissenen Zähnen setzt du deinen Weg fort. Der wird noch steiler. Scheiß-Schuhe – du hast bestimmt jetzt schon Blasen an den Füßen! Zeit für eine Pause und du kramst den mitgebrachten Outdoor-Hocker raus, genehmigst dir einen Schluck aus der Expeditions-erprobten Outdoor-Thermoskanne. Dein Blick fällt auf eine Bank am Wegesrand: Nein, so tief würdest du niemals sinken! Wenn du schon über einen teuren Outdoor-Hocker verfügst, dann benutzt du den auch! Nur fachlich minderbemittelte Vollidioten würden sich auf eine Bank oder gar auf einen Baumstumpf setzen!

Irgendwann nach schier endlosem Aufstieg – jedenfalls ist es dir endlos vorgekommen – stehst du auf dem Vorplatz des „Stollns“. Oben plätschert Wasser und ein Schild besagt „Kein Trinkwasser“. Da steht irgend so ein Typ rum und verkostet das tatsächlich. Du würdigst den Selbstmörder keines Wortes und setzt dich ganz, ganz weit weg von dem Verrückten. Zeit, um eine Pause zu machen und um die Kräfte für das schwierigste Stück, nämlich den Jägersteig, zu sammeln. Das ist nur ein schmaler, matschig-rutschiger Pfad durch dichten Baumbestand. Links geht es steil rauf und rechts geht es steil runter. Ein Geländer existiert nicht – Betreten auf eigene Gefahr. Doch das schreckt dich nicht, denn es ist dein ureigenes Outdoor-Abenteuer! Es ist merkwürdig still hier oben und deine Sinne sind angespannt. Da – war da nicht ein gefährliches Knurren oder Grunzen im Unterholz? Oder sogar so ein animalisches Heulen? Knarzt da nicht ein „angeschobener“ Baum, der gleich umstürzen wird? Schnell siehst du zu, dass du weiter kommst, dabei innerlich die teuren Outdoor-Schuhe, die Blasen an den Füßen und das schwere Gewicht auf dem Rücken verfluchend.

Überall auf dem Weg liegen Äste und Holzstücke herum und das macht das Wandern auch nicht gerade einfacher, denn auf sowas kann man schnell ausrutschen. Plötzlich bewegt sich einer der Äste und du stellst entsetzt fest, dass der ja Augen hat! Iihhh… – eine Schlange! Oder eine von diesen als Schlange getarnten Eidechsen. Du willst das lieber gar nicht so genau wissen und kletterst in einer halsbrecherischen Aktion weit um das lebensgefährliche Vieh – später wird dir übrigens gesagt, dass es sich eigentlich nur um eine Blindschleiche hat handeln können – drumherum. Dann, endlich, nach langen und bangen Minuten eine letzte Treppe mit glitschigen, ausgewaschenen sowie zum halsbrecherischen Stolpern animierenden Stufen und du hast den Schraubeweg erreicht. Wenn du nur wüsstest, wie es jetzt weitergeht, denn Schilder gibt’s hier nicht …

Links geht es weiter bergauf. Rechts geht es bergrunter. Die Kompassnadel weist zwar nach Norden, aber in welcher Richtung steht eigentlich dein Auto? Denn dorthin willst du ja zurück. Irgendwie nützt dir der Kompass jetzt nichts. Das hat dir gerade noch gefehlt! Nach dem schweißtreibenden Aufstieg, mit Blasen an den Füßen und Druckstellen auf dem Rücken weißt du nicht mehr weiter! Egal, denn für genau so einen Fall hast du ja in weiser Voraussicht vorgesorgt und ziehst das GPS-Gerät zu Rate. Nur … – das zeigt nichts an, denn du befindest dich in einem der hier allgegenwärtigen Funklöcher. Aber du hast Glück im Unglück, denn von oben kommt gerade ein Radfahrer angesaust. „Wo bin ich?“ rufst du ihm zu. „Im Wald!“ ruft er zurück und ist auch schon vorbei. Idiot – muss wohl der Dorftrottel gewesen sein! Du atmest tief durch und zwingst dich zur Ruhe, versuchst es mit logischer Überlegung. Seit du aus dem Auto ausgestiegen bist ging es permanent bergrauf. Folglich musst du, wenn du zum Auto zurück willst, bergrunter laufen. Also rechts den Weg nehmen …

Ist das wirklich richtig? Hier eine Kurve in diese und da eine Kurve in jene Richtung. Wer weiß wo du rauskommen wirst. Zu allem Überfluss bist jetzt mutterseelenallein und kannst niemanden nach der korrekten Richtung fragen. Jegliche Orientierung hast du längst verloren, weißt nicht mehr, ob du nun nach Süden, Norden, Osten oder Westen läufst – aber Hauptsache bergab! Irgendwann legst du eine weitere Pause ein und erleichterst deinen schweren Trekking-Rucksack um ein Outdoor-Menü. Immerhin: So ganz langsam wird der dadurch etwas leichter! Wenn du allerdings ehrlich zu dir selbst bist, dann musst du zugeben, dass ein Mettendchen viel besser als das ungleich teurere Outdoor-Menü geschmeckt hätte. Na ja, hinterher ist man immer schlauer. Wehmütige Gedanken gehen dir durch den Kopf: In der Stadt wäre alles soviel einfacher gewesen! Straßenschilder, Bus hier und Straßenbahn da, bei Regen eine überdachte Einkaufsmeile und überhaupt – mit BurgerKing oder McDonalds hättest du niemals so schwere Vorräte mitschleppen müssen!

Innerlich seufzend setzt du deine Expedition durch die Wildnis fort. Plötzlich geht links ein Weg ab. Allerdings einer, der abgesperrt ist und bei dem Schild ganz unmissverständlich warnt: „Durchgang verboten! Lebensgefahr!“ Du willst lieber gar nicht erst wissen, was da wieder für Gefahren lauern, doch eben von besagtem Weg aus nähert sich dir ein Jogger. Du fragst ihn, weshalb der Weg gesperrt ist. „Och, nichts Ernstes“, antwortet der Jogger, „nur ein kleiner Hangrutsch.“ Ein Irrer! Es scheint hier draußen nur lebensmüde Irre, Vollidioten und Dorftrottel zu geben! Dennoch überwindest du dich und begehrst zu wissen, ob du in der richtigen Richtung unterwegs bist. „Ja, das passt schon“, meint der Jogger, „da vorne an der Kreuzung dann rechts rum, am Grillplatz vorbei und Sie können den Parkplatz gar nicht mehr verfehlen.“ Mit diesen Worten ist er auch schon wieder weg.

Du blickst geradeaus: Da vorne sind nur Wald und Weg. Du blickst nach rechts: Da ist nur unwegsames Unterholz. Wollte der dich verarschen? Dann aber fällt dir wieder ein, dass hier draußen die Entfernungsangaben ja sehr relativ sind. Das hatten wir doch schon einmal und du gehst weiter. Das „Klick-Klack“ deiner Stöcker gibt den Rhythmus vor und es kommen dir merkwürdige Fragen in den Sinn: Stimmt es eigentlich, dass die Nordic-Walking-Stöcker die Erfindung eines norwegischen Skiherstellers sind, der auch in einem schneearmen Winter sein Geschäft machen wollte? Ein Blick nach oben: Hat aufgehört! Na, immerhin etwas! Plötzlich ist da so ein Geräusch, welches du nicht wirklich einordnen kannst: „BSSSS!!!“ „AUA! schreist du auf und schlägst dir mit der Hand in den Nacken – dorthin, wo dich gerade allen Repellents zum Trotz eine Pferdebremse angezapft hat. Pferdebremse – oh Gott, oh Gott! Die übertragen doch Borreliose und dagegen bist du nicht geimpft! Wieder zurück wirst du umgehend eine Notaufnahme aufsuchen müssen!

Ein vorbei schlendernder und etwas merkwürdig riechender Eingeborener hat das Elend mit angesehen und kommentiert es lakonisch mit: „Ja, furchtbar diese Mistviecher!“ „Werden Sie denn gar nicht gestochen?“ fragst du. „Ich? Nee. Ich esse genug Knoblauch. Dann trauen sich die Viecher nicht ran.“ Das fehlte noch! Nach Knoblauch stinken zu müssen, bloß um die Blutsauger fernhalten zu können! Du erreichst „da vorne“ die Kreuzung, findest sogar einen Wegweiser und deine Laune bessert sich schlagartig. Jetzt dürfte es wirklich nicht mehr weit bis zum Auto sein. Obwohl – auch das ist ja sehr relativ. Es zieht sich. Aber du folgst dem Weg und der führt dich irgendwann zu deinem geliebten, überteuerten Stück Blech.

Den Trekking-Rucksack (das Meiste vom Inhalt hast du gar nicht gebraucht) im Kofferraum verstaut lässt du dich erleichtert und schwerverletzt – Blasen, Druckstellen und womöglich mit Borreliose infiziert – hinter das Steuer fallen, startest den Motor und schaltest die Heizung ein. Erst auf der Rückfahrt fällt dir auf, dass jetzt alles irgendwie nass-muffig und nach Erde müffelt. Egal – die Erfahrung mit der Scheiß-Natur liegt hinter dir! Was dich dabei am allermeisten abnervt: Alle die teuren Ausgaben hättest du dir sparen können. Ausgelatschte Schuhe, Regenjacke und Tagesrucksack wären völlig ausreichend gewesen. Das allerdings gibst du anderen gegenüber niemals zu – da erzählst du lieber gut ausgeschmückt von den gemeisterten Gefahren. Doch innerlich sagst du dir: Nie wieder Wildnis!
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So, das war die Geschichte. Vielleicht abschließend noch eine kleine Anmerkung: Mit Ausnahme des Jägersteigs sind alle Wege mit Schotter befestigt und so breit ausgebaut, dass dort die großen Gefährte der Holzwirtschaft verkehren können. Die Höhendifferenz beträgt gerade mal gut 300 Meter. Dennoch gibt es sogar auf solchen Wegen Menschen, die sich verlaufen und die ob ihrer Grundüberzeugung glauben, alles besser zu wissen. Das habe ich schon zigmal erlebt. Mittlerweile mache ich mir einen Spaß daraus, solche Besserwisser – wenn sie sich denn unverwechselbar zu erkennen geben und mich nach der Richtung fragen – über die schwierigstmöglichen Wege zu schicken. Ich gucke dann immer mal rund ein Jahr später nach, welche Knochen von denen noch wo zu finden sind … 😉