„Lassa. Rift Valley. Oropouche. Rocio. Q. Guanarito. VEE. Monkeypox. Dengue. Chikungunya. The hantaviruses. Machupo. Junin. The rabieslieke strains Mokola and Duvenhage. LeDantec. The Kyasanur Forest brain virus. HIV. The Semliki Forest agent. Crimean-Congo. Sindbis. O´nyongnyong. Sin nombre Sao Paulo. Marburg. Ebola Sudan. Ebola Zaire. Ebola Reston. In a sense, the earth is mounting an immune response against the human species. It is beginning to react to the human parasite, the flooding infection of people, the dead spots of concrete all over the planet, the cancerous rot-outs in Europe, Japan and the United States, thick with replicating primates, the colonies enlarging and spreading and threatening to shock the biosphere with mass extinctions. Perhaps the biosphere does not ‚like‘ the idea of billions of humans…“
(Richard Preston in „The Hot Zone“, erschienen 1995)

Wikipedia beschreibt das Phänomen eines Déjà-vu wie folgt: „Als Déjà-vu bezeichnet man eine Erinnerungstäuschung, bei der eine Person glaubt, ein gegenwärtiges Ereignis früher schon einmal erlebt zu haben. Dabei hat die betroffene Person das sichere Gefühl, eine neue Situation bereits in der Vergangenheit in gleicher Weise schon einmal durchlebt zu haben.“ Nun – z. Zt. erlebe ich wieder ein solches Déjà-vu. Warum? Blicken wir einfach mal zurück …

Im April 1986 war ich bei der damaligen Polychrome GmbH (m. W. heute KODAK) in Osterode am Harz u. a. als Strahlenschutzbeauftragter tätig. Der Umgang mit radioaktiven Substanzen war mir einerseits durch die turnusmäßigen Dichtheitsprüfungen der in der Produktion eingesetzten Strahler sowie andererseits durch die im Labor angewandten Tracer-Techniken geläufig. Dann explodierte der Reaktor in Tschernobyl und die radioaktive Wolke breitete sich in ganz Europa aus, ihren Fallout mit sich tragend. Obwohl spätestens seit dem Unfall von Three-Mile-Island im Jahr 1979 jeder wusste, dass irgendwann mit einem nuklearen Großunfall zu rechnen war, gab es keinerlei Vorbereitungen. Stattdessen seierte der damalige Innenminister Friedrich Zimmermann aus dem Kabinett Kohl – seines Zeichens Anwalt und damit in kerntechnischen Fragen selbstverständlich äußerst bewandert – gebetsmühlenartig sein „Keine-Gefahr“-Mantra. Nun – ich wurde seitens der Osteroder Feuerwehr gebeten, für die Kontaminationsmessungen zu machen. Machte ich. Darüber berichtete der Osteroder Kreis-Anzeiger. Nur … – bei den offiziell veröffentlichten Messdaten fehlte eine Null. Der Bevölkerung teilte man somit eine Zehnerpotenz zuwenig mit. Ich rief daraufhin den zuständigen Redakteur an und fragte, was das sollte. Er druckste rum, versuchte zunächst, sich auf einen Druckfehler rauszureden, doch ich ließ nicht locker. Schließlich rückte er mit der Aussage raus, dass es eine „Weisung von oben“ gäbe und man die Bevölkerung doch nicht in Panik versetzen dürfe. Vorbereitet auf so eine Krise war keiner. Die Informationspolitik wurde bewusst verfälscht. Kompetenzgerangel war an der Tagesordnung. Die Menschen reagierten panisch. An Krisenbewältigung seitens der Regierung fehlte es komplett. Man hätte daraus lernen können …

Im Zeitraum Mai-Juni 2011 brach in Deutschland eine EHEC-Epidemie mit komplikationsreichem HUS-Verlauf aus. Es wurde fieberhaft nach der Infektionsquelle gefahndet – und zwar von allen möglichen Stellen, so nach dem Schema des punktuellen Herumstocherns im Nebel. Unser vielgepriesenes Gesundheitssystem war in keinster Weise auf diesen Ausbruch vorbereitet und es mangelte allenthalben an Test- und Schutzausrüstung sowie am Personal, welches auf die Keime hätte testen können – und dass, obwohl das CDC schon ein Jahrzehnt zuvor vor einem derartigen Ausbruch gewarnt hatte. Es war seinerzeit nicht die Frage, ob es zu so etwas kommt, sondern nur noch wann. Die Vorbereitung auf den Ernstfall jedoch ist komplett verschlafen worden und wertvolle Zeit ging für Kompetenzquerelen drauf. Die Berichterstattung seitens der Medien war punktuell, widersprüchlich, sensationsheischend, sollte Panik vermeiden und erreichte doch das genaue Gegenteil. Zuletzt präsentierte man der Öffentlichkeit ägyptische Bockshornklee-Samen als Ursache der Verseuchung, verschwieg dabei aber wohlweislich, dass sich nur etwa 5-10% der Infektionen darauf hatten zurückführen lassen. Man hätte damals schon als Folge der Vorfälle bundesweite Pandemiepläne in Angriff nehmen und auch hinsichtlich Schutzausrüstung, geeignetem Personal usw. Vorsorge treffen können. Man tat das nicht: Ein „Erfolg“ der Regierung Merkel mit dem damaligen Gesundheitsminister Daniel Bahr, fachlich als gelernter Bankkaufmann selbstverständlich in derartigen Fragen äußerst kompetent.

Jetzt also Covid-19 bzw. Corona im Jahr 2020. Das Muster gleicht den oben beschriebenen Vorfällen; ist das eingangs erwähnte Déjà-vu. An Vorbereitungen mangelt es jetzt ebenso wie seinerzeit bei Tschernobyl oder bei EHEC. Gebetsmühlenartig wird das „Ruhig-Bleiben“-Mantra zelebriert. Die Medienmeldungen sind widersprüchlich und sensationsheischend; die Panik-Käufe werden dadurch befeuert: Es fehlt an neutral-sachdienlicher Information – wer (außer einigen Wenigen) informiert sich schon bei RKI oder WHO? Da glaubt der vorsätzlich verblödete Michel doch viel lieber seiner Lieblingsbibel, nämlich der BLÖD! Bereits als die ersten Infektionszahlen aus China und somit die Ansteckungsrate vorlagen, da hätte man mit nur ganz, ganz wenig Grundkompetenz von einer ohne existierende Gegenmittel nicht beherrschbaren Seuche ausgehen müssen. Stattdessen stufte der amtierende Gesundheitsminister(darsteller) Jens Spahn – seines Zeichens Bankkaufmann und damit in medizizinsch-fachlichen Fragen über jeden Zweifel erhaben – den Outbreak zunächst in die Kategorie „Ansteckung wenig wahrscheinlich“ ein. D. h. er tat im Grunde genommen gar nichts.

Tja … – der Versuch, den Kopf in den Sand zu stecken hat offensichtlich nicht wirklich funktioniert. Deswegen griff der Herr Spahn am 29.02.2020 zum ultimativen Mittel und ordnete ein Formblatt gegen das Virus an, auf dass es an der deutschen Bürokratie scheitert! Effektivere Gegenmaßnahmen sind doch gar nicht mehr vorstellbar! Dass es an Prüfmöglichkeiten, Ausrüstung, Personal, einem bundesweiten Pandemieplan, Räumlichkeiten zur Untersuchung, Schutzausrüstung, Desinfektionsmittel, Thermometern etc. fehlt – wie seinerzeit bei EHEC – ist selbstverständlich völlig zweitrangig. Sorry, aber … – das sehe ich anders! Zur Ehrenrettung unseres Gesundheitsministerdarstellers sei gesagt, dass der Herr Spacken – äh – Spahn nichts für den Ausbruch kann und auch die Versäumnisse seiner Vorgänger (allesamt aus den Regierungen Merkel) nicht in nullommanix beseitigen kann. OK, er hat das Letztere gar nicht mal versucht, denn das wäre ja seiner neoliberalen Grundüberzeugung zuwider gelaufen.

Allerdings ist auch festzustellen, dass aus der EHEC-Krise im Jahr 2011 kaum bis gar nichts gelernt worden ist. Das RKI verzeichnet hierzulande – Stand 08.03.2020, 08:00 Uhr – 847 Infektionsfälle mit Covid-19 und der Höhepunkt ist noch längst nicht erreicht. Ich habe hier noch eine alte Ausgabe von „Spektrum der Wissenschaft Seuchen II“ aus dem Jahr 2006 rumliegen. Darin ist zu lesen, dass weltweit jährlich eine neue Seuche auftritt und dass eine SCHNELLE Reaktion am wichtigsten ist – Zitat: „Auf Schnelligkeit kommt es jedoch gerade an, wenn man es mit rasch wirkenden Erregern zu tun hat, die über die Luft übertragen werden. Die Verantwortlichen dürften keine realistische Chance haben … wenn sie den Verursacher nicht in den ersten 30 Tagen in den Griff bekommen. Die Uhr beginnt zu ticken …“ Hinsichtlich Covid-19 sind am 30.12.2019 die ersten Fälle aus China dokumentiert. Am 29.01.2020 hätte man die Seuche im Griff haben müssen. Das war nicht der Fall – und die Uhr war abgelaufen: Allerhöchste Zeit für weltweite Anstrengungen hinsichtlich Prävention, Kontrolle, Vorbereitung auf die Pandemie.

All das geschah hier in Deutschland nicht. Noch einmal, um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Jens Spahn kann nichts für die Seuche und er kann auch nichts für die Versäumnisse seiner Vorgänger unter dem Merkel-Regime! Aber er hätte, Kompetenz vorausgesetzt, frühzeitig handeln können, indem er Deutschland auf den Outbreak vorbereitet. D. h. Bereitstellung von Schutzausrüstung, Akquise von Räumlichkeiten, Temperaturmessungen bei Flugreisenden, Forcieren von Testmöglichkeiten usw. All das geschah nicht. Stattdessen setzte er auf ländereigene Pandemiepläne und versuchte, das Ganze auszusitzen – wird schon nicht so schlimm werden; China ist ja weit weg … Jetzt, wo die Seuche da ist, verlangt er gar nach einer neuen, EU-weiten Behörde nach RKI-Vorbild. Ähem … – die gibt’s im Grunde genommen schon lange. Das ist das ECDC. Das müsste nur mit den entsprechenden Vollmachten und Möglichkeiten ausgestattet – sprich ausgebaut – werden. Dafür hätte er sich in seiner bisherigen Amtszeit bereits einsetzen können. Hat er aber nicht – und die anderen Kompetenzallergiker unserer ReGIERung auch nicht.

Was mich abschließend auf einen absolut indiskutablen, völlig linksradikalen Vorschlag bringt: Das öffentliche Gesundheitssystem gehört NICHT in die Hände von Konzernen, sondern in die Hände des Staates, weil ihm im Krisenfall „Seuche“ eine Schlüsselrolle zukommt. Um dieser Schlüsselrolle gerecht werden zu können, müssen entsprechende Möglichkeiten vorhanden sein. D. h. Schutzausrüstung muss im Lande produziert und zur Verfügung gestellt werden können – und ist eben nicht aus bspw. China zu importieren. Testverfahren und Medikamente müssen im Lande entwickelt und hergestellt werden und sind eben nicht aus bspw. Indien zu importieren. Es müssen im Gesundheitswesen hinreichend viele gut ausgebildete Leute da sein und die dürfen eben nicht mit prekären Löhnen nebst schlechter Arbeitsbedingungn abgeschreckt und allenthalben eingespart werden. Dezentrale, kleine Kliniken sind viel einfacher zu isolieren als ein Großklinikum, was gegen die heute übliche Zusammenlegung kleiner Krankenhäuser zu gewinnorientierten Klinik-Komplexen spricht. Containment ist eine gute Alternative zur Isolation, aber in dem Falle muss die Versorgung der Bewohner von Seiten des Staates sichergestellt sein – was nicht der Fall ist, denn da setzt man auf Sozialdienste und Nachbarschaftshilfe. Pandemiebekämpfung kann keine Klein-Klein-Ländersache sein, sondern liegt im Aufgabenbereich des Bundes – und dazu zählen auch Kontrollen von Reisenden und notfalls sogar das Abriegeln ganzer Regionen. All das gab’s übrigens schonmal – so um 1970 herum (man erinnere sich an den Pocken-Ausbruch in Meschede) und es hat ganz gut funktioniert – ich mein‘ ja nur …

Was Merkel, Spahn und Konsorten hier im Verlauf der letzten Jahre mit neoliberaler Gewinnmaximierung, Einsparungen im Gesundheitswesen, Privatisierung und Globalisierung veranstaltet haben, das rächt sich jetzt, denn es leistet der Ausbreitung von Covid-19 in jeder Hinsicht Vorschub. Da kommt mir ein noch viel radikalerer Gedanke … – wie wäre es denn, wenn man Ministerposten zur Abwechslung mal NICHT nach Parteizugehörigkeit, Seilschaften und Beziehungen vergibt, sondern völlig unüblich dabei auf die Kompetenz achtet? Ich meine, einen in Infektionsfragen bewanderten Mediziner als Gesundheitsminister könnte man immerhin mal ausprobieren. Weil: Schlimmer kann es mit Blick auf Kompetenzallergie doch eigentlich gar nicht mehr werden …

Merkel: „So, die Ministerposten sind soweit vergeben. Jetzt brauchen wir bloß nochwas für dich, Jens!“
(Seehofer niest.)
Spahn: „Gesundheit!“
Merkel: „OK, ist gebongt!“