Nach längerer Zeit werfe ich nun einmal mehr einen Blick auf die häusliche Pflegefront, die mir ehrlich gesagt herzlich wenig Zeit lässt, um mich großartig um Corona zu kümmern bzw. um überhaupt Verstöße gegen die offiziellen Corona-Auflagen begehen zu können. Allein in der vergangen Woche waren es 45 Stunden an Pflegeleistungen meinerseits (meine Frau erfasst ihren Aufwand ja nicht). Oder, anders ausgedrückt: Die häusliche Pflege ist ein Full-Time-Job, den einem keiner bezahlt. Zu den involvierten Personen in Stichworten:

C. – meine Schwiegermutter, 81 Jahre und 10 Monate alt. Schwerer Fall von Alzheimer-Demenz (Kurzzeitgedächtnis reicht noch etwa 10 Sekunden zurück), liegt seit 2017 nahezu ununterbrochen im Bett (was sie aber nicht müsste, denn sie kann relativ gut laufen und alles machen) und tritt seit Februar 2019 nur noch im Nachthemd auf. Sie zeichnet sich durch extrem phlegmatisches, stinkenfaules, unkooperativ-abweisendes Verhalten aus, wobei im Verlauf des letzten Halbjahres auch von Zeit zu Zeit Wahnvorstellungen hinzu kommen. Harn- und stuhlinkontinent. Keinerlei zeitliche und örtliche Orientierung. Chronisch krank (Schilddrüse und Blutdruck), Pflegegrad 3 (Hochstufung in PG 4 ist beantragt) und unsauber. Meines Erachtens unzurechnungsfähig.

R. – mein Schwiegervater, 87 Jahre und 9 Monate alt. Ausgeprägte Frontotemporale Demenz mit dem daraus resultierendem, sozial absolut inadäquaten Verhalten. Schwerst gehbehindert, ständig schlecht bis sehr schlecht gelaunt und sein technisches Verständnis beginnt und endet mit der Bedienung eines Vorschlaghammers. Gefällt sich im stundenlangen, sinnlosen Rumbrüllen (so laut, dass sich schon die Nachbarn deswegen beschwert haben). Harn- und stuhlinkontinent. Keinerlei zeitliche und örtliche Orientierung. Chronisch krank (Blutdruck, Diabetes, Herz u. a. – vertritt aber absolut uneinsichtig den Standpunkt kerngesund zu sein), Pflegegrad 4 und unsauber. Er ist, da nicht entmündigt, nach wie vor der gesetzlich verantwortliche Betreuer für S. Meines Erachtens unzurechnungsfähig.

S. – meine geistig schwerstbehinderte Schwägerin (Gehirnzerstörung durch Masern im Kleinkindalter, grenzwertige Debilität mit IQ ca. 25 attestiert), 60 Jahre und 5 Monate alt. Phasenweise aggressiv (an ruhige Tage schließen sich Tage mit völlig irrationalen Handlungen und Drohgebärden an, bevor es schließlich zum ungebremst-hemmungslosen Angriff gegen irgendwen kommt und dann beginnt die Phase von vorn). Harn- und stuhlinkontinent. Chronisch krank (Blutdruck, Herz), Pflegegrad 4 und unsauber. Unzurechnungsfähig.

G. – meine bessere Hälfte, Schwester von S. und Tochter von C. und R., berufstätig, Ersatzbetreuerin für S. und chronisch krank (Schilddrüse, Herz).

E. – meine Wenigkeit, Ehemann von G., berufstätig und chronisch krank (Blutdruck). Lt. C. und R. „nicht dazu gehörend weil nur angeheiratet“ und daher permanent abgelehnt.

Wir leben alle im gleichen Haus – die drei Pflegefälle im EG und die Pflegepersonen im OG. Soviel vorab zum besseren Verständnis der Situation. Und wie sieht so eine häusliche Pflege nun aus? In der KW 12/2020 lief das ohne Überschwemmungen, Brände oder größere Zerstörungen vergleichsweise ruhig wie folgt ab …
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16.03.20: E. kümmert sich zigfach marginal um das Dreckloch der Pflegefälle. C. verweigert Pants, hat eingepisst und einen neuen Mt. Pisseschlüpfer auf der Telefonbank in Angriff genommen. S. begegnet E., kaum dass sie seiner ansichtig wird, mit massivsten Drohgebärden (beidhändiges Fäusteschütteln, Zähnefletschen, Schlagversuche), was schließlich in einem völlig anlasslosen und unvermitteltem Schlagangriff gegen ihn mündet (wird abgewehrt). Im Verlauf des Vormittags (draußen ist es taghell) sitzen die Pflegefälle wieder bei geschlossenen Jalousien und Kunstlicht rum (wie üblich), damit angeblich die Nachbarn nicht reingucken können (auch wie üblich) und als E. die Jalousien öffnet, da regen sich die Pflegefälle darüber mächtig auf (ebenfalls wie üblich). Unmittelbar im Anschluss schließen die Pflegefälle ihre Jalousien umgehend wieder. E. macht Einkäufe für die Pflegefälle – Klopapier muss aufgrund der Coronakrise sogar aus dem 25km entfernten Stadthagen beschafft werden! – und kocht Essen f. die. Das Dreckloch stinkt übelkeiterregend nach Fäkalien und R. bölkt im Tagesverlauf x-fach derart hirnlos rum, dass im OG die Gläser in den Schränken klirren. Medikation und Hinterherlaufen seitens E. bei allen Pflegefällen und jeder einzelnen Gabe aufgrund von Verweigerung mit Glas und Tabletten in der Hand jedesmal durch’s Haus, wobei den unkooperativen Pflegefällen die Medikamente in den Mund gesteckt werden müssen. E. erwischt R., wie der ohne jegliche Gehhilfe in selbstschädigender Weise wie ein sturzbesoffener Gorilla im Keller rumschwankt und -torkelt, verhindert einen Sturz von ihm und geleitet ihn zurück in die Küche.

17.03.20: E. kümmert sich zigfach marginal um das Dreckloch. C. verweigert Pants, hat eingepisst und Mt. Pisseschlüpfer auf der Telefonbank ist zum Mittelgebirge mutiert. S. begegnet E., kaum dass sie seiner ansichtig wird, mit massivsten Drohgebärden (beidhändiges Fäusteschütteln, Zähnefletschen, Schlagversuche), schleppt zudem angefressene Lebensmittel der Pflegefälle in den Keller der Pflegepersonen und E. macht das rückgängig. Zudem frisst sie Lebensmittel aus den Regalen der Pflegepersonen an und schmeißt das angefressene Zeug wieder in die Regale – E. beseitigt den Mist! E. ändert das Schloss vom Keller der Pflegepersonen, damit S. da keinen Blödsinn mehr machen kann. Im Verlauf des Vormittags (draußen ist es taghell) sitzen die Pflegefälle wieder bei geschlossenen Jalousien und Kunstlicht rum (wie üblich), damit angeblich die Nachbarn nicht reingucken können (auch wie üblich) und als E. die Jalousien öffnet, da regen sich die Pflegefälle darüber mächtig auf (ebenfalls wie üblich). Unmittelbar im Anschluss schließen die Pflegefälle ihre Jalousien umgehend wieder. E. macht mehrfach Einkäufe für die Pflegefälle (je nachdem, wo in Corona-Zeiten noch was zu kriegen ist). Als er für die Essen kochen will und kein Kochtopf mehr da ist, sucht er danach im Haushalt der Dreckschweine und findet die Töpfe der Pflegepersonen mit verschimmelten Essensresten drin und von Maden bewohnt in deren Schränken. Dazu R. (geistig umnachteter O-Ton): „ISDOCHNOCHGOOTKAMMANDOCHNOCHMANÄHM!!!“ E. erledigt Abwasch für die Pflegefälle. E. kocht Essen für die. Als er denen das runter bringt kommt es völlig unvermittelt zu einem Schlagangriff seitens S. gegen ihn (wird abgewehrt). C. verbringt den ganzen Tag über wieder untätig mit Nachthemd im Bett und brüllt nach Bedienung. Das Dreckloch stinkt nach Pisse. G. kümmert sich intensiv und lange um das Dreckloch – wobei S. sich völlig anlasslos in einem Kneifangriff gegen sie ergeht (wird abgewehrt) – und Essensreste in der Spüle und zwischem den dem Altpapier liegen, die Kaputten den Duschabfluss im Bad schon wieder verstopft haben (G. macht den sauber) usw. G. und E. kümmern sich um die Wäsche der Pflegefälle und C. interessiert das alles nicht die Bohne. Medikation und Hinterherlaufen seitens E. bei allen Pflegefällen und jeder einzelnen Gabe aufgrund von Verweigerung mit Glas und Tabletten in der Hand jedesmal durch’s Haus, wobei den unkooperativen Pflegefällen die Medikamente in den Mund gesteckt werden müssen – wobei E. rumgeworfene (ausgespucktze) Medikamente in den Räumlichkeiten wieder einsammelt. Die Kaputten meckern permanent rum, weil sie nicht alles sofort bekommen – die Coronakrise ist für die ganz weit weg (sie bringen keinerlei Verständnis auf) und die erfassen das mental ganz und gar nicht mehr.

18.03.20: E. kümmert sich zigfach marginal um das Dreckloch. C. verweigert Pants, hat eingepisst und Mt. Pisseschlüpfer auf der Telefonbank wächst unaufhörlich. S. begegnet E., kaum dass sie seiner ansichtig wird, mit Drohgebärden (Schlagversuche). Als die Sozialstation zum Baden von S. und R. kommt verweigert R. das Anlegen frischer Bekleidung. Im Verlauf des Vormittags (draußen ist es taghell) sitzen die Pflegefälle wieder bei geschlossenen Jalousien und Kunstlicht rum (wie üblich), damit angeblich die Nachbarn nicht reingucken können (auch wie üblich) und als E. die Jalousien öffnet, da regen sich die Pflegefälle darüber mächtig auf (ebenfalls wie üblich). Unmittelbar im Anschluss schließen die Pflegefälle ihre Jalousien umgehend wieder. E. macht umfangreiche Einkäufe für die Pflegefälle und kocht denen Essen. C. verbringt den ganzen Tag über wieder untätig mit Nachthemd im Bett und brüllt nach Bedienung. E. erledigt Bank-Gang für die Pflegefälle. G. und E. machen einen zusätzlichen Großeinkauf für die Kaputten. G. kümmert sich um das Dreckloch. Als das zehn Jahre alte Rasenmäherwrack, an dem jeden Tag ein anderes Teil abfällt, nach drei Tagen an erfolgloser Bastelei immer noch keinen einzigen Mucks von sich gibt, bestellen G. und E. einen neuen Rasenmäher – R. legt das grundlos unterstellend als (O-Ton) „DERWILLNICHRASNMÄHN!!!“ aus. Folgerung: Bei Frontotemporaler Demenz ist eine echte Entwicklung zu verzeichnen – Menschen, die immer schon schwierig waren (wie R.) mutieren über die Zwischenstufe des unerträglichen Stinkstiefels zum ultimativen Kotzbrocken. Manchmal möchte man wirklich nur noch zuschlagen … Die Kaputten haben Verpackungsmüll in ihren Küchenschränken gebunkert: E. beseitigt den Mist! E. entsorgt den Müll der Kaputten. Medikation und Hinterherlaufen seitens E. bei allen Pflegefällen und jeder einzelnen Gabe aufgrund von Verweigerung mit Glas und Tabletten in der Hand jedesmal durch’s Haus, wobei den unkooperativen Pflegefällen die Medikamente in den Mund gesteckt werden müssen.

19.03.20: Um 07:15 Uhr kommt E. (hat jetzt unbezahlte Coronaferien) darauf zu, wie C. im Nachthemd draußen vor der Haustür steht, jammert „Das geht nich‘!“ und vergeblich versucht, mit dem Haustürschlüssel den Briefkasten zu öffnen. E. erledigt das. E. kümmert sich zigfach marginal um das Dreckloch. C. verweigert Pants, hat eingepisst und Mt. Pisseschlüpfer auf der Telefonbank wächst ohne Unterlass; das Dreckloch stinkt bestialisch nach Pisse. Wie immer darf keinesfalls gelüftet werden, denn „dann zieht es ja“. Im Verlauf des Vormittags (draußen ist es taghell) sitzen die Pflegefälle wieder bei geschlossenen Jalousien und Kunstlicht rum (wie üblich), damit angeblich die Nachbarn nicht reingucken können (auch wie üblich) und als E. die Jalousien öffnet, da regen sich die Pflegefälle darüber mächtig auf (ebenfalls wie üblich). Unmittelbar im Anschluss schließen die Pflegefälle ihre Jalousien umgehend wieder. E. kocht Essen für die Pflegefälle. Die Kaputten brüllen sich im Tagesverlauf stundenlang immer wieder lautstark an. C. verbringt den ganzen Tag über mit Nachthemd im Bett und brüllt nach Bedienung. Die Küche des Drecklochs sieht verheerend aus. Die Kaputten begreifen den Ernst der Lage absolut nicht mehr, wähnen die Corona-Krise im fernen China: Kein Wunder, denn die weigern sich ja schon seit Monaten, das Haus überhaupt nochmal zu verlassen! Medikation und Hinterherlaufen seitens E. bei allen Pflegefällen und jeder einzelnen Gabe aufgrund von Verweigerung mit Glas und Tabletten in der Hand jedesmal durch’s Haus, wobei den unkooperativen Pflegefällen die Medikamente in den Mund gesteckt werden müssen. R. hat für die Pflegepersonen bestimmte Poststücke verschwinden lassen – die werden von G. noch rechtzeitig gefunden und vor der Vernichtung bewahrt.

20.03.20: E. erledigt in einer dreistündigen Aktion C.’s MDK-Schriftwechsel, da C. die Schreiben mental gar nicht mehr verabeiten kann und führt den zugehörigen Postgang für C. durch. E. kümmert sich zigfach marginal um das Dreckloch. C. verweigert Pants, hat eingepisst und Mt. Pisseschlüpfer auf der Telefonbank ist zum Hochgebirge geworden; das Dreckloch stinkt bestialisch nach Pisse und G. trägt das Hochgebirge ab. S. begegnet E., kaum dass sie seiner ansichtig wird, mit Drohgebärden (Schlagversuche). Im Verlauf des Vormittags (draußen ist es taghell) sitzen die Pflegefälle wieder bei geschlossenen Jalousien und Kunstlicht rum (wie üblich), damit angeblich die Nachbarn nicht reingucken können (auch wie üblich) und als E. die Jalousien öffnet, da regen sich die Pflegefälle darüber mächtig auf (ebenfalls wie üblich). Unmittelbar im Anschluss schließen die Pflegefälle ihre Jalousien umgehend wieder. E. macht Einkäufe für die Pflegefälle. G. führt Arztgespräch wegen R. E. erledigt Arztgang für R. G. kümmert sich um das Dreckloch und um die Wäsche der Kaputten. G. und E. kochen Essen für die Pflegefälle. Im Tagesverlauf brüllen sich die Kaputten wie die abgestochenen Schweine stundenlang an. C. verbringt den ganzen Tag über mit Nachthemd im Bett und brüllt nach Bedienung. Medikation und Hinterherlaufen seitens E. bei allen Pflegefällen und jeder einzelnen Gabe aufgrund von Verweigerung mit Glas und Tabletten in der Hand jedesmal durch’s Haus, wobei den unkooperativen Pflegefällen die Medikamente i. d. Mund gesteckt werden müssen.

21.03.20: C. verweigert Pants, hat eingepisst und auf der Telefonbank einen neuen Mt. Pisseschlüpfer in Angriff genommen, der von G. abgetragen wird. S. begegnet E., kaum dass sie seiner ansichtig wird, mit Drohgebärden (Schlagversuche). E. kümmert sich zigfach marginal um das Dreckloch. Im Verlauf des Vormittags (draußen ist es taghell) sitzen die Pflegefälle wieder bei geschlossenen Jalousien und Kunstlicht rum (wie üblich), damit angeblich die Nachbarn nicht reingucken können (auch wie üblich) und als E. die Jalousien öffnet, da regen sich die Pflegefälle darüber mächtig auf (ebenfalls wie üblich). Unmittelbar im Anschluss schließen die Pflegefälle ihre Jalousien umgehend wieder. G. und E. misten die Küchenschränke der Kaputten aus, in denen überall Töpfe, Teller und Tassen mit angeschimmelten Essensresten drin rumstehen – sehr zum Ärger der Pflegefälle, die ihren eigenen Dreck offensichtlich über alles lieben. E. entsorgt deren Müll. Das Dreckloch stinkt nach Fäkalien und seine Bewohner versuchen, sich mangels rudimentärster Körperhygiene im Wettstinken zu überbieten. E. repariert hinter R. her (kaputtgeschlagene Esszimmerbeleuchtung). R. gefällt sich darin, den ganzen Vormittag über lautstark und hirnlos rumzublöken: „ICHWEISDOCHAUNICHWASHIALAUSISGOTTACHDEUBLNOCHMA!!!“ G. entsorgt weiteren Müll der Pflegefälle, kümmert sich zudem lange und intensiv um das Dreckloch. E. macht Einkäufe für die und kocht denen Essen. G. kümmert sich um die Berge von Wäsche der Pflegefälle. C. und S. haben ihre Betten vollgeschissen und R. hat sein Bett vollgepisst – G. kümmert sich auch darum, während die Kaputten die Notwendigkeit der Reinigungsarbeiten in keinster Weise einsehen und nach Kräften behindern, so dass G. letztlich wieder kurz vor’m Nervenzusammenbruch steht: Im Gegensatz zu E. lässt die das Elend mit den abweisend-unkooperativen Pflegefällen noch an sich rankommen! Während E. sich sagt: Des Menschen Wille ist sein Himmelreich und wenn die unbedingt im eigenen Dreck vermodern wollen … C. verbringt wie immer den ganzen Tag über untätig mit Nachthemd im Bett und brüllt nach Bedienung. Monitoring, Medikation und Hinterherlaufen seitens E. bei allen Pflegefällen und jeder einzelnen Gabe aufgrund von Verweigerung mit Glas und Tabletten in der Hand jedesmal durch’s Haus, wobei den unkooperativen Pflegefällen die Medikamente in den Mund gesteckt werden müssen. C. allerdings verweigert in ihren Wahnvorstellungen mit der Begründung „DUWILLSTMICHVAGIFTN!!!“ die Medikation komplett (wird ausgespuckt) – was sich auch im Monitoring niederschlägt: Ihre Blutdruck- und Pulswerte sind jenseits von gut und böse.

22.03.20: C. verweigert Pants, hat eingepisst und auf der Telefonbank einen neuen Mt. Pisseschlüpfer in Angriff genommen. E. kümmert sich Tagesverlauf zigmal marginal um das Dreckloch. Im Verlauf des Vormittags (draußen ist es taghell) sitzen die Pflegefälle wieder bei geschlossenen Jalousien und Kunstlicht rum (wie üblich), damit angeblich die Nachbarn nicht reingucken können (auch wie üblich) und als E. die Jalousien öffnet, da regen sich die Pflegefälle darüber mächtig auf (ebenfalls wie üblich). Unmittelbar im Anschluss schließen die Pflegefälle ihre Jalousien umgehend wieder. R. jammert den ganzen Vormittag über lautstark: „KOMMTKEINDEUBLZUMDEUBLDERDEUBLSCHEISSÄÄÄ!!!“ Corona-Krise, Ausgangssperre im anderen Bundesland, Kontaktverbot hier bei uns: All das kann er geistig nicht mehr erfassen, nimmt alles egoistisch-persönlich gegen sich gerichtet und ist deswegen unausstehlich. C. verbringt wie immer den gesamten Tag über mit Nachthemd im Bett und brüllt nach Bedienung. G. und E. kochen Essen für die Pflegefälle – an dem, wie könnte es auch anders sein, selbstverständlich wieder rumgemäkelt wird, aber die Pflegepersonen versuchen nun einmal, noch das Beste aus der derzeitigen Situation zu machen, einer Situation, durch welche die Pflegefälle komplett überfordert sind. G. kommt darauf zu, wie R. ohne jegliche Gehhilfe (braucht er ja angeblich nicht; an seinen versuchten Genickbruch vor einem Jahr und an den RTW-Einsatz vor einem Vierteljahr kann er sich ohnehin nicht mehr erinnern) in selbstschädigender Weise im Keller rumgeistert, verhindert dort einen Sturz von ihm und geleitet ihn zurück in die Wohnung. Nachmittags brüllen die Kaputten um Hilfe und klingeln bei den Pflegepersonen Sturm, weil sie angeblich den Fernseher nicht eingeschaltet bekommen – E. geht hin und stellt fest, dass C. bloß zu faul ist, um selbst nach der unmittelbar vor ihrer Nase liegenden Fernbedienung zu greifen und die Einschalttaste zu drücken! Gefragt, warum sie das nicht selbst getan hat kommt: „WEISSICHNICHWOLLTICHNICH!“ Medikation und Hinterherlaufen seitens E. bei allen Pflegefällen und jeder einzelnen Gabe aufgrund von Verweigerung mit Glas und Tabletten in der Hand jedesmal durch’s Haus, wobei den unkooperativen Pflegefällen die Medikamente in den Mund gesteckt werden müssen und wobei C.’s Medikation aufgrund ihrer bekloppten Wahnvorstellung „DUWILLSTMICHVAGIFTN!!!“ schier endlose Überredung erfordert. G. kümmert sich um Dreckloch und Wäsche der Kaputten, ist wieder dem Nervenzusammenbruch nahe.
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Vielleicht versteht ihr jetzt, warum ich manchmal nur noch raus und ganz weit weg will …