Deutschland steht praktisch still. Ob es was bringt wird sich erst noch zeigen müssen – binnen der nächsten paar Wochen. Kleine Selbstständige und der Mittelstand leiden am meisten darunter. Denen werden finanzielle Hilfspakete versprochen, und zwar schnell und unbürokratisch. Wobei unbürokratisch offenbar ein sehr relativer Begriff ist. Und selbst wenn finanzielle Hilfe kommt: Reicht die überhaupt? Nehmen wir mal ein konstruiertes Beispiel, sagen wir eine kleine Zahnarztpraxis mit neun Mitarbeitern. Wegen COVID-19 resektive Corona macht die dahingehend Kurzarbeit, als dass nur noch dringende Schmerzpatienten versorgt werden, also Einzelfälle. Eine ZMFA verdient nicht viel. Mit Kurzarbeitergeld liegt sie dann wahrscheinlich gerade so über der Armutsgrenze. Aber von irgendwas muss die ja auch leben … – Arschkarte!

Der Boss kann nun einen Zuschuss von rund zehntausend Teuronen als einmalige Unterstützung beantragen. Wann er die Unterstützung erhält steht sowieso in den Sternen. Das wird dann durch zehn (Angestellte plus Chef) geteilt. Macht ’nen Tausender pro Nase. Ist aber ’ne Milchmädchenrechnung, denn es gibt ja laufende Kosten wie Miete, Strom etc. Deswegen geht vermutlich schonmal die Hälfte dafür drauf. Bleiben fünfhundert Tucken pro Nase. Das ist einen Monat lang eine Lohnergänzung. Und danach? Ist Corona dann vorbei und alles läuft wie gehabt oder ist der Kleinunternehmer dann pleite? Und was ist mit all den Millionen von Leuten hier bei uns, die im Zuge des bei Politclowns ach-so-beliebten Neoliberalismus auf Minijob-Basis malochen und den Laden am Laufen halten? Die gehen gänzlich leer aus. Die verlieren vielleicht sogar ihre Wohnung, wenn sie nicht vorher verhungern.

Angenommen die verlieren ihre Wohnung. Dann werden sie obdachlos. Um die Obdachlosen kümmert sich ohnehin keine Sau. Man gewinnt so langsam den Eindruck, dass die Ärmsten der Armen als verzichtbar angesehen werden und deswegen getrost verrecken können – schließlich sind die ja Kostenfaktoren und sowas geht im Neoliberalismus gar nicht. Diese Gruppe von Menschen hat kein Geld für Arzt oder Krankenhaus. Mit den prekär Beschäftigten und Frührentnern sieht es ähnlich aus. Was aber auch bedeutet: In dieser Gruppe der Bevölkerung (die H4 sei Dank unter tatkräftiger Mithilfe unserer „Krisenmanager“ in den letzten Jahren immer größer geworden ist) dürfte COVID-19 mangels medizinischer Versorgung irgendwann heimisch werden. Die Krankenhäuser, in denen durch das Kaputtsparen immer weniger Betten sind, durch welche die Patienten daher immer schneller durchlaufen müssen, bleiben dieser Bevölkerungsgruppe weitgehend verwehrt. Damit werden diese Menschen automatisch zum dauerhaften Reservoir für das Virus.

Hat COVID-19 aber erst einmal ein dauerhaftes Reservoir in der Bevölkerung gefunden, dann zerschlägt sich jegliche Hoffnung auf ein Ende der Pandemie in absehbarer Zeit: Hier feiern die Misswirtschaft im Gesundheitswesen und die Vernichtung des Sozialstaates eine unheilvolle Allianz! Aber davon redet natürlich keiner – vor allem keiner dieser selbsternannten „Krisenmanager“, die nicht müde werden, ein Gesetz nach dem anderen zwecks Beschneidung von Bürgerrechten vorzulegen – immer vermeintlich legitimiert durch das Voranschreiten der Pandemie. Da sollte man sich vielleicht auch mal Gedanken drüber machen. Doch in den Medien wird das totgeschwiegen. Stattdessen tagein, tagaus abendliche Sondersendungen mit den allerneusten Corona-News, so richtig gehirnwäscheartig, denn alle bringen immer nur das Gleiche über Wirtschaft, Zahlen aus anderen Ländern usw. Auch jeden Tag. Anderweitige – relevante! – Infos über die Situation hierzulande bekommt man nur eher zufällig mit.

Am Dienstag, dem 24.03.2020, war ich vom Katastrophenschutz für Hilfeleistungen angefordert worden. Auf der Rückfahrt, kurz vor 20:00 Uhr, brachte NDR1 im Radio einen Bericht darüber, wie infektiös Corona tatsächlich ist. Da wurde gesagt (belegt!), dass die meisten Ansteckungen anderer seitens eines Infizierten binnen der ersten sieben Tage nach seiner eigenen Infektion erfolgen. Doch erst ungefähr ab dem siebten Tag zeigt er selbst Symptome und seine eigene Infektiosität nimmt just ab dem Zeitpunkt wieder ab. D. h. wenn er selbst krank wird dann ist so rein ansteckungsmäßig bereits alles gelaufen. Das sind die Infos, die ich in den täglichen Sondersendungen erwarte – leider vergeblich! Stattdessen produzieren sich Politclowns als vermeintliche „Experten“. Nein, das sind sie nicht! Sie sind nur durch das Absondern von verdammt viel heißer Luft, Herkunft und Seilschaften ganz nach oben gekommen – aber das macht doch noch keinen Experten aus!

Die Coronaviren – korrekter Coronaviridae – sind eine ganze, rasch mutierende Virusfamilie und im Grunde genommen alte Bekannte, verursachen sie doch viele der so genannten „Grippalen Infekte“ oder kurz „Erkältungen“. Hat man eine überstanden, dann ist erstmal für einige Zeit Ruhe (weil sich Immunität gebildet hat), bevor der nächste Stamm die körpereigene Abwehr austrickst – und dann kommt es eben zur nächsten Erkältung. Einige Mitglieder dieser Virusfamilie sind allerdings höchst unangenehm – SARS, MERS und COVID-19. Diese Virusparasiten sind so schlecht an ihren Wirt angepasst, dass sie (noch) versuchen, ihn umzubringen. Für das Virus ist der tote Wirt aber eine Sackgasse, denn es kann sich dann nicht mehr weiter verbreiten. Parasiten (Parasitismus ist ein Erfolgsrezept der Natur und Viren zählen nun einmal dazu) passen sich aber an ihren Wirt an, um ihn eben NICHT umzubringen – denn nur dann ist ihre Weiterverbreitung garantiert. Insofern muss COVID-19 noch viel lernen und ist auch dabei, denn es existieren derzeit bereits zwölf Stämme.

Die verschiedenen Stämme sind es aber, die einem dringend erforderlichen Schnelltest entgegen stehen, denn jeder Test kann immer nur einen Stamm nachweisen. Beim regulären COVID-19-Test kommt die PCR zum Einsatz. Damit werden das Virus selbst anhand seiner Erbmasse und die Virenlast (aus der sich Rückschlüsse auf die Schwere der Infektion ableiten lassen) nachgewiesen. Der Nachteil: Die Methode erfordert einigen Aufwand und mindestens einen Tag. Virenschnelltests funktionieren aber auch über den Nachweis von Antikörpern. Solche Test sind schnell; sie liefern das Resultat nach einigen Minuten bis hin zu maximal einer Stunde. Aber sie sind bei Corona nicht wirklich von Nutzen, denn hinreichend viele Antikörper, um den Test eindeutig positiv ausfallen zu lassen, sind erst nach ein bis zwei Wochen vorhanden. D. h. auch bei einem Infizierten würde so ein Antikörper-Schnelltest kurz nach der Infektion (wenn der Betreffende also gerade die Meisten seiner Mitmenschen ansteckt) ein falsch-negatives Ergebnis und so trügerische (weil falsche) Sicherheit vermitteln. Im Februar hat ein derartiger Test in den USA aus den genannten Gründen zurückgezogen werden müssen.

Warum kommen die (nachweisbaren) Antikörper eigentlich erst so spät? Das hängt mit der Funktionsweise des Coronavirus im Körper zusammen. Bevorzugte Eintrittspforten für das Virus sind die Schleimhäute von Augen, Mund und Nase. Daneben ist noch der Verdauungstrakt zu beachten. Die Übertragung erfolgt primär durch die Luft (z. B. durch Tröpfcheninfektion), aber in Einzelfällen auch durch Schmierinfektion (z. B. über Handgriffe o. ä.). Das Virus vermag nur an bestimmten Zellrezeptoren anzudocken und nicht jede Zelle verfügt über die für Corona geeigneten Rezeptoren.

Beim Menschen finden sich die betreffenden Zellen im Darm und in der Lunge. Das erklärt, warum COVID-19 manchmal mit Durchfall einher geht. Das Gros der Zellen mit den geeigneten Rezeptoren findet sich jedoch in der Lunge und deswegen gilt COVID-19 auch als Lungenerkrankung. Das Virus tötet die Zellen mit den Flimmerhärchen (die dazu da sind, Pollen, Fremdstoffe, Mikroorganismen usw. in Richtung Rachenraum zu transportieren) ab. Das Virus tötet zudem die Schleim-produzierenden Becherzellen ab (der Schleim bindet normalereise das, was aus der Lunge raus soll und wird im Normalfall abgehustet). In Folge füllt sich die Lunge Atemzug für Atemzug mit mikroskopisch kleinen Fremdkörpern, die nicht mehr ausgeschieden werden können. Jetzt erst reagiert die Immunabwehr – aber ungezielt, und zwar gegen alles inklusive COVID-19. Dieses „Alles“ ist zuviel und Lungengewebe stirbt ab. Schlimmstenfalls ist der Tod die Folge. Aktuell versucht die MH Hannover ein neues Behandlungskonzept auf der Grundlage von Plasmaspenden Gesundeter, doch bis das spruchreif ist, wird bestimmt noch ein Vierteljahr vergehen.

An dieser Stelle lohnt sich als kleiner Einschub der Blick auf die Infektionsraten in Deutschland. Ich bevorzuge dabei die weltweiten Fallzahlen der JHU, denn die sind immer etwas aktueller als die ein paar Tage hinterher hinkenden offiziellen Zahlen des RKI. Hinsichtlich der für Deutschland nach Bundesländern und Landkreisen aufgeschlüsselten Zahlen muss man sich dann aber doch an das RKI halten, denn darüber gibt die JHU keine Auskunft. Am 26.03.2020 um 16:10 Uhr meldete die JHU für Deutschland 40.585 Infektionen mit 229 Toten und 5.669 Genesenen. Das ist aktuell eine Todesrate von 0,56% und wirklich kein Grund um in Panik zu verfallen!

Derzeit vermelden die Medien beinahe täglich die Entwicklung neuer Schnelltests, die – wenn man den Beschreibungen des Handlings trauen kann – eigentlich auf PCR basieren müssten, so bspw. in den USA von Cepheid oder in Deutschland von Bosch. Inwieweit derartige Schnelltests praxistauglich sind bleibt allerdings abzuwarten, denn der dazu notwendige apparative Aufwand kann ganz sicher nicht zur Standadausrüstung von Laboratorien gerechnet werden und dürfte folglich doch recht begrenzt sein. D. h. auch hier kann es einige Zeit dauern, bis derartige Tests allgemein verfügbar sind.

Bis dahin bleibt alles beim Alten: Containment und Isolation, beobachten ob die Seuche sich gemäß der Modellierung verhält und hoffen, dass das Gesundheitssystem nicht vorzeitig zusammenbricht. Ein Gesundheitssystem, dass von heutigen „Krisenmanagern“ bis über die Grenze des Erträglichen zurückgefahren worden ist, obwohl man vorgewarnt war! BTW: Die „Drucksache 17/12051 vom 03.01.2013“ mit der Vorwarnung vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, die ich am 16.03.2020 verlinkt hatte, ist urplötzlich – watt’n Zufall! – an der Originalstelle nicht mehr zu finden (ist das rechtlich eigentlich zulässig?). Da ich aber (warum wohl?) instinktiv aufgrund meiner bisherigen Erfahrungen mit Politikern so etwas in der Art wirklich erwartet hatte, lud ich mir das PDF seinerzeit runter – es ist also noch vorhanden

Abschließend noch ein paar Warnhinweise: Ich erhalte z. Zt. täglich in meinem Mail-Postfach und auch in den (gelöschten) Spam-Kommentaren zu diesem Blog mindestens zehn Angebote obskurer „Mittelchen“, die ein Allheilmittel gegen Corona sein sollen. Nein, sowas gibt’s nicht! Das sind nur skrupellos-geldgeile Angebote von Beutelschneidern für Idioten und das erinnert mich alles frappierend an die „Chefvisite“ aus „Neues aus Büttenwarder“. Und fallt auch bitte nicht auf jede x-beliebige Verschwörungstheorie rein! Wenn ihr euch informieren wollt, dann recherchiert – allerdings nicht nur in Deutschland, denn dann könnte durchaus ein Zerrbild entstehen.