Und es ergab sich im Jahre 2020, dass schon der Monat März recht frühlingshaft ausfiel. Und dass der Rasen eben deswegen unablässig wuchs. Und dass aufgrund der Coronakrise die meisten Geschäfte bereits auf nicht absehbare Zeit geschlossen worden waren – die Baumärkte allerdings noch nicht. Zuerst mähte der eine Nachbar seinen Rasen. Dann der andere. Zugegeben, bei dem kam es zu einer ungeplanten Verzögerung, denn der verwendete einen Rasenmäher-Roboter, der nach nunmehr drei Betriebsjahren zuerst nach neuen Akkus schrie (teuer!) und der dann geradewegs über die Blumenbeete marschierte, weil die Erdratten die unterirdisch verlegten Leitkabel für den Roboter durchgefressen hatten – die mussten daher zunächst auch erneuert werden (noch teurer!). Blieb also nur noch unser Garten in der Mitte dazwischen. Der Dämon namens John Tier – über den ich ja an anderer Stelle schonmal ein paar Worte verloren hatte – ruhte noch im Stall und hielt seinen mehr oder weniger unverdienten Winterschlaf: Zeit, das heimtückisch-bösartige Monster zu wecken! Ich meine, das ist schon seit zig Jahren was Persönliches zwischen dem Ding und mir, eine durchaus traumatisierende Erfahrung.

Das geschah so ungefähr im Zeitraum ab dem 10.03.2020 tagtäglich. Allein: John Tier wollte einfach nicht! Er schlief weiter! Er sprang um’s Verrecken nicht an. Alle Register wurden gezogen, Öl- und Spritwechsel, neue Kerze usw. mit eingeschlossen. Nicht mal mit Startpilot erwachte das fiese Teil noch zum Leben. Außerdem fielen immer und immer wieder mit permanenter Boshaftigkeit für ein neu eingebautes Teil zwei andere Teile ab. Selbst einfühlsames, gutes Zureden, so nach dem Schema „Du verfluchtes Scheißding, ich nehme gleich den Vorschlaghammer als Anlasshilfe!“ – was bislang immer funktioniert hatte – brachte keinerlei Erfolg. John Tier verweigerte sich auf ganzer Linie. Am 18.03.2020 nachmittags und meine Nerven lagen ob des widerspenstigen Mistdings nach mehrstündiger Bastelaktion bereits ziemlich blank stand meine bessere Hälfte neben mir und betrachtete den Rasen – die noch junge Wiese! – mit Sorge. „Will er immer noch nicht?“ fragte sie. „Das werden wir gleich sehen!“ entgegnete ich restlos entnervt und startete den gefühlten dreitausenachthundertneunundfünfzigsten Anlassversuch. Resultat der Aktion: Der Halter für den Seilzug brach und flog sonstwohin. Den haben wir bis heute noch nicht wiedergefunden. Wahrscheinlich ist der direkt in der Hölle gelandet – da, wo das ganze John-Deer-Wrack hingehört!

„Jetzt reicht’s!“ sprach meine Frau ein Machtwort und fügte hinzu: „Wir kaufen sofort einen neuen Rasenmäher!“ Tja … – bloß wo, wenn wegen Corona alles dicht ist? Ich recherchierte im Internet. Ich meine, 600m² Rasen – da kann ich mit Akkumähern nichts werden. Elektro wollten wir auch nicht, weil das in der Vergangenheit schon immer irgendwann mal zulasten der Kabel ging: „KNACKSPAFF!“ – Kurzschluss beim Drüberfahren. Also wieder ein Benziner. Obwohl ich deren Lebensdauer als nicht gerade berauschend betrachte. Das liegt nicht an den darin üblicherweise verbauten Briggs-And-Stratton-Motoren. Die sind eigentlich unverwüstlich, selbst dann, wenn sie wie im Falle von John Tier nicht mehr wollen und generalüberholt werden müssen. Nein, es geht mehr um das ganze Drum und Dran, das oft und gerne binnen kurzer Frist den Geist aufgibt. Ja, und dann ist da selbstverständlich noch das Gehäusematerial zu berücksichtigen. Der heute schwer angesagte Plastikpofel versprödet und bricht liebend gerne binnen Rekordzeit, so dass die Wahl von vornherein auf ein Stahlblechgehäuse fiel.

Schließlich fand ich mit dem „Wolf A 4600 A WM“ eine Maschine, die meine Ansprüche zwar nicht erfüllte, denen aber noch am nächsten kam. Noch am gleichen Abend fuhren wir zum einzigen noch geöffneten Baumarkt und bestellten den Mäher. Bezahlt wurde auch gleich – dabei kassierten wir selbstverständlich noch den Siedlerbund-Rabatt (womit wir das Öl und die Tankfüllungen für die ganze Saison wieder raushaben). Die Lieferzeit sollte im Normalfall zehn Tage betragen, doch aufgrund der Coronakrise konnte oder wollte sich da niemand wirklich festlegen. Die Lieferung würde auch nicht – wie im Internet angegeben worden war – zu uns nach Hause erfolgen, sondern vielmehr zum Baumarkt, wo wir das Ding dann abholen müssten. Drei Tage später schloss der Baumarkt wegen Corona für Privatkunden. Zutritt nur noch mit Gewerbeschein für Geschäftskunden: Arschkarte!

Dann warteten wir.

Dann wuchs der Rasen.

Dann dachte ich an Mietschafe.

Dann wurde es April.

Dann hatten wir rings um das Haus herum eine Wiese und alle guckten schon so komisch.

Dann rief ich verzweifelt im für Privatkunden geschlossenen Baumarkt an.

Das war letzten Mittwoch, am 01.04.2020. „Ja, der Rasenmäher ist da“, hieß es, „doch wir können Ihnen den nicht geben weil sie Privatkunde sind. Vor dem Eingang steht das Ordnungsamt und kontrolliert die Gewerbescheine.“ So eine verd… Sch…! Telefonaktion gestartet – wer von meinen Bekannten besitzt einen Gewerbeschein? Einer hatte sein Gewerbe schon vor langer Zeit abgemeldet. Ein anderer hatte den Schein seit zwanzig Jahren nicht mehr gebraucht und musste daher erstmal verschärft danach suchen usw. Hilfsbereit waren die alle. Bloß gebracht hat’s nichts. Aber es kam zum Kuhhandel, wieder telefonisch mit dem Baumarkt. Weil: Das Zutrittsverbot bezog sich ja nur auf das Betreten des Marktes selbst und nicht auf den Parkplatz davor! Und bezahlt war das Gerät ja auch schon; es ging nur noch um’s Aushändigen. Man könnte das Teil folglich auch draußen auf dem Parkplatz übergeben … Genau so geschah es dann auch.

Ich lieh mir kurzerhand ein Auto mit großem Kofferraum und fuhr umgehend hin. Bis zu diesem Zeitpunkt keimte in mir noch die ganz leise Hoffnung, ein betriebsfähiges Gerät erhalten zu können. Doch diese Hoffnung zerschlug sich umgehend als jemand vom Personal mit Hubwagen, Palette und einer großen Pappkiste drauf aus dem Baumarkt kam. Unter den argwöhnischen Blicken des Ordnungsamts-Mitarbeiters erfolgte die Übergabe und ich wuchete die 35kg-Kiste irgendwie in den Kofferraum. Immerhin: Den „Gartenwolf“ hatte ich jetzt schonmal! Nach Hause gefahren, Kiste rausgewuchtet und in einer zweistündigen Schraubaktion das Tausend-Teile-Puzzle zusammengesetzt. Immer mit dem Blick auf die Bedienungsanleitung (entgeistertes „WATT?!?“) und wenn ich raus hatte, wie’s funktioniert, dann verstand ich auch die verkackte Anleitung. Wobei sich der Zusammenbau allerdings auf Bowdenzüge, Gestänge, Fangkorb und so’n Zeug beschränkte. Die Halterung für den Anlasserseilzug erwies sich als die absolute Fehlkonstruktion schlechthin (funktionierte nämlich nicht, muss wohl am Schreibtisch entstanden sein), aber da ließ ich mir was einfallen – es lebe die Improvisation! Was nicht passt wird eben passend gemacht. Zuletzt noch das Öl besorgt, eingefüllt, Sprit aufgefüllt und gestartet – schon nach dem dritten Versuch sprang er an! Allerdings war es spät geworden und das Wetter schlug um, so dass an das Rasenmähen nicht mehr zu denken war. Hier sind jetzt erst einmal ein paar technische Daten:

Mäher: Wolf A 4600 A WM
Motor: 2,8PS (2,1kW)
Hubraum: 140cm³
Öl: 0,6l 10W30
Treibstoff: 1l Benzin oder Super, bleifrei
Umdrehungen: 2800UpM
Lautstärke: 96dB
Gewicht: 32kg
Fangsackvolumen: 60l
Flächenempfehlung: 250-800m² (na ja – in der Praxis war der Tank nach gut 500m² leer)
Schnittbreite: 46cm
Schnitthöhe: 28mm bis 92mm (6-stufig verstellbar, 2-Hebel-Achsverstellung – na ja: die 28mm sind real eher so 4-5cm)
Radantrieb: ja (Hinterräder; vgl. untenstehende Ausführungen)
Primer oder Choke: nein
Gehäuse: Stahlblech & Plastik (na ja – für meinen Geschmack viel zuviel Plastik)

Gestern nun setzte ich den „Gartenwolf“ zum ersten Mal in der Praxis ein. Anders ausgedrückt: Der Rasen ist gemäht und die Wiese ist weg. Und wie macht er sich nun so, der neue „Gartenwolf“? Erst einmal reißt man sich beim Anlassen NICHT – ganz im Gegensatz zum John-Deer-Mäher – den Bizeps ab. Mit seinen, nachdem die Verpackung weg war, 32kg wird das Mähen natürlich zum Kraftakt – vor allem beim Lenken, was nur über das Ankippen funktioniert. Nach ’ner Stunde ist man bei 6°C Außentemperatur durchgeschwitzt. Das Gestänge ist ziemlich lang, um über die Hebelwirkung die schwere Maschine ankippen und rumwuchten zu können, aber meiner Meinung nach dafür auf die Dauer viel zu filigran ausgeführt. Mal abwarten wann es bricht. Die Auspuffgase werden zum Bediener hin ausgestoßen, was dazu führt, dass hin und wieder eine kurze Pause zum Frischluftschnappen eingelegt werden muss, wenn man nicht vorzeitig an Kohlenmonoxidvergiftung krepieren will. Das hätte man bei der Konstruktion des Gerätes mit ein ganz klein Wenig an Überlegung vielleicht auch geringfügig optimaler lösen können.

Die Schnittleistung ist gut und die Arbeit geht zügig voran (vgl. unten). An Ecken und Kanten zeigt das Gerät Schwächen; da kam der alte John-Deer-Mäher merklich besser dran. Das macht verschärftes Nachschneiden mit dem Rasenkantentrimmer erforderlich – also mehr Arbeit. Die in der Anleitung angegebene Füllstandsanzeige (wofür auch immer) habe ich trotz intensiver Suche noch nicht finden können. Der Grasauswurf funktioniert hundertmal besser als bei John Tier, da klumpt und verstopft nichts. Der so genannte Soft-Grip – d. h. die PU-Ummantelung des Griffs – ist absoluter Humbug, denn beim Rasenmähen trägt man normalerweise sowieso Arbeitshandschuhe und braucht den Blödsinn daher nicht. Der Sicherungsbügel schaltet die Maschine ab, wenn er ziemlich hoch ist, was das Blockieren vereinfacht – soll man zwar nicht machen (weiß ich!), aber dann muss man, wenn man mit einhändiger Bedienung unter Obstbäumen durchkriecht, die Kiste auch nicht andauernd neu starten.

Und nun zum Antrieb! Der wirkt nur auf die Hinterräder und durch das Hochziehen des unteren Bügels wird der zugeschaltet. Wenn der „Gartenwolf“ sich bspw. im Loch einer Erdratte festgefahren hat, dann bewirkt das Zuschalten des Antriebs wahre Wunder. Mit einem mächtigen Satz hechten die 32kg umgehend aus dem Loch raus. Auf ebener Fläche ohne Löcher wird der Antrieb zur Fitnessübung und erspart den Gang ins Fitness-Studio allemal. Nein, hinter dem Mäher herrennen muss man nicht – aber einen ziemlich zügigen Schritt hat man schon an den Tag zu legen. Hinsichtlich des Antriebs sollte der „Gartenwolf“ ursprünglich wohl mal ein Trecker werden – oder doch zumindest an Treckerrennen teilnehmen können. Die Geschwindigkeitsangaben schwanken zwischen 3,6 und 4,8km/h – also auf mehr so um die 6km/h würde ich das mindestens schätzen! Das ist auch das, was ich weiter oben mit „die Arbeit geht zügig voran“ meinte! 🙂

Soviel zum ersten Einsatz vom „Gartenwolf“. Wenn ich das Ding beurteilen sollte, dann würde ich dem spontan (aufgrund der o. e. Schwächen) drei von fünf Sternen geben. Die wichtigste Frage zum Schluss lautet aber ganz zweifellos: „Würde ich den nochmal kaufen?“ Die kann ich nicht beantworten. Jedenfalls jetzt noch nicht. Das lässt sich erst im Laufe der Zeit beurteilen. Gemessen an unseren bisherigen Rasenmähern mit rund zehn Jahren Lebensdauer hat dieses Teil nur rund die Hälfte gekostet. Wenn der also fünf Jahre hält dann ist das OK. Fragt mich daher 2025 nochmal … Und was wurde aus John Tier? Der steht draußen und wartet darauf, dass die Recyclinghöfe wieder öffnen. Damit er endgültig und wohlverdient zur Hölle fahren kann!