Neulich, beim Bäcker, da stand so ein Corona-Panikschieber vor mir in der Schlange: So Ganzkörperkondom-mäßig total in Plastik verpackt, mit Brille (seitlich offen und daher KEINE Schutzbrille), einem vor den Mund gerödelten Schal mit darüber gepappter Malermaske und leicht angeschmuddelten Einmalhandschuhen aus Latex. Er bestellte Brot und bezahlte das aus gefühlt zwei Metern Entfernung. Wahrscheinlich hat er das, um ganz auf Nummer sicher zu gehen, zuhause hinterher auch gleich noch in Chlorbleichlauge eingeweicht. Und ich dachte mir nur: „Mannomann …“ Inzwischen sieht man immer häufiger Leute mit Mundschutz und Handschuhen rumlaufen, mitunter sogar mit richtiger Schutzbrille. Alle möglichen Flächen sollen mit so seltsamen Tüchern, die vielleicht irgendwann mal in der Nähe von einem Alkohol gelegen haben, inzwischen aber halbvertrocknet sind, abgewischt werden und das nennt man dann Desinfektion. Jedesmal bin ich dabei hin und her gerissen: Soll ich darüber lachen oder weinen?

Die Verwendung von Schuzausrüsung – genauer: Persönlicher Schutz Ausrüstung „PSA“ – ist natürlich nicht verkehrt. Aber PSA falsch einzusetzen (und das tun viele!) kann sich auch schnell gegenteilig auswirken! Sprechen wir daher einmal über die PSA. Nehmen wir zunächst mal die Desinfektion von Flächen. Dazu sagt das RKI (Zitat): „Für SARS-CoV-1 konnte gezeigt werden, dass das Virus bis zu 6 Tage auf bestimmten Oberflächen infektiös bleibt, jedoch auf z. B. Papier und andern porösen Materialien schon nach wesentlich kürzerer Zeit inaktiviert wird. Aus ersten Untersuchungen geht hervor, dass SARS-CoV-2 ähnliche Eigenschaften zeigt …“ Und: „Eine routinemäßige Flächendesinfektion in häuslichen und öffentlichen Bereichen, auch der häufigen Kontaktflächen, wird auch in der jetzigen COVID-Pandemie nicht empfohlen.“ Anerkannt wirksame (zugelassene) Desinfektionsmittel sind in der VAH-Liste verzeichnet. Mittel zur Flächendesinfektion weisen einen sehr hohen (und damit leicht flüchtigen) Alkoholgehalt auf. Welchen Sinn hat unter diesen Umständen der halbvertrocknete Lappen, mit dem bspw. die Griffe der Einkaufswagen abgewischt werden sollen? Reine Psychologie …

Kommen wir jetzt mal zu den Handschuhen. Handschuhe erfüllen zwei Funktionen. Einerseits sollen sie den Träger vor Infektion und andererseits den Patienten vor Kreuzkontamination schützen. Daher gilt grundsätzlich die Vorschrift (Zitat): „Medizinische Einmalhandschuhe sind nach Beendigung der jeweiligen Tätigkeit abzulegen …“ Warum? Es handelt sich um EINMALHANDSCHUHE! Die Desinfektion von medizinischen Einmalhandschuhen ist äußerst umstritten. Sie kommt bestenfalls bei einem PSA-Mangel in Betracht. Der Handschuh muss dazu chemikalienbeständig gemäß EN 374 sein, wobei die Prüfung der sg. Durchbruchzeit von 30 min (Schutzindex Klasse 2) mindestens einen Alkohol einschließen soll. Nitrilhandschuhe erfüllen diese Voraussetzung häufig (vgl. dazu die Angaben auf der Verpackung), Vinyl- und Latexhandschuhe eher nicht. Außerdem sind die betreffenden Desinfektionsmittel dem Handschuhmaterial wenig zuträglich, so dass – wenn überhaupt – maximal zehn Handschuhdesinfektionen infrage kommen. Danach sind die Handschuhe etwa so sicher wie ein Kondom mit Löchern!

Bleiben noch die Atemschutzmasken. Dazu vermerkt das RKI (Zitat): „Durch einen Mund-Nasen-Schutz (MNS) oder bei der gegenwärtigen Knappheit eine textile Barriere im Sinne eines MNS (sogenannte community mask oder Mund-Nasen-Bedeckung) können Tröpfchen, die man z. B. beim Sprechen, Husten oder Niesen ausstößt, abgefangen werden. Das Risiko, eine andere Person durch Husten, Niesen oder Sprechen anzustecken, kann so verringert werden (Fremdschutz). Hingegen gibt es keine hinreichenden Belege dafür, dass ein MNS oder eine Mund-Nasen-Bedeckung einen selbst vor einer Ansteckung durch andere schützt (Eigenschutz).“ Und weiter: „Für die optimale Wirksamkeit ist es wichtig, dass ein MNS oder die Mund-Nasen-Bedeckung korrekt sitzt (d. h. eng anliegend getragen wird), bei Durchfeuchtung gewechselt wird …“ Das bedeutet im Klartext: Eine dieser „Malermasken“ sorgt bestenfalls dafür, dass – wenn ihr bereits selbst infiziert seid – beim Niesen oder Husten die grünlichen Schleimplocken innen in der Maske hängen bleiben und der Rotz nicht quer durch die Botanik fliegt. Solche Masken schützen NICHT vor dem Virus selbst!

Das können nur FFP3-Masken und auch die nur mit einem Wirkungsgrad von 80%. Außerdem haltet ihr solche Masken nicht lange durch. Und bitte: „Eng anliegend“ bedeutet ganz und gar nicht, irgendeine Maske über einen um den Mund gerödelten Schal zu pappen – dann erreicht ihr nämlich genau das Gegenteil! Welche Masken überhaupt gegen COVID-19 einsetzbar sind, darüber gibt die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAUA) Auskunft. Ich meine, wir reden hier wirklich von wahnsinnig kleinen Partikeln. Ein Coronavirus-Partikel hat einen Durchmesser von 120-150 NANOmetern! Das ist Licht der VUV-Wellenlänge, an der Grenze zur Röntgenstrahlung und sowas ist echt total winzig! Die Viren sind so klein wie die Wellenlänge dieser Strahlung! Das ist so winzig, dass ihr es nicht mal mehr mit einem Rasterelektronenmikroskop sehen könnt! Und denen setzt man grob gewebte Textilien oder grobporige Papierfiltermaterialien entgegen. Die vor’s Gesicht gehaltene Fliegenklatsche bewirkt genau so viel! Normale Schutzmasken? Reine Psychologie …

Schließlich kommt der Moment, in dem man wieder zuhause ist und die lästige PSA loswerden kann. Prima! Handschuhe runter gerupft – dabei natürlich außen berührt – und Schutzmaske abgelegt, das Berühren der Außenflächen bitte nicht vergessen! Und der ganze Wahnsinn findet selbstverständlich abgeschlossen IN der eigenen Wohnung statt, damit es sich für Corona auch wirklich lohnt, zumal das Virus mindestens drei Stunden lang an der Luft aktiv bleibt. Anders ausgedrückt: Anlegen, Umgang und Ablegen will bei der PSA gelernt sein. Es reicht eben NICHT aus, sich irgendeine Malermaske umzuhängen und irgendwelche Handschuhe anzuziehen. Übt doch einmal das Ablegen der Handschuhe OHNE deren Außenfläche zu berühren. Wenn man jahrelang im Labor gearbeitet hat oder mit pathogenen Keimen umgegangen ist oder erkrankte Mitmenschen zu versorgen hat, dann gehen einem die entsprechenden Verhaltensregeln in Fleisch und Blut über. Dann weiß man auch, wie man sich die Hände zu waschen und womit man die zu desinfizieren hat. Und wie man mit der GEEIGNETEN PSA RICHTIG umgeht.

Mit all diesem Wissen gehst du dann zu Netto, Penny, Aldi, Lidl, Edeka oder irgendeinem anderen Discounter. Und da triffst du IHN: Denjenigen, um den du am liebsten immer einen ganz großen Bogen schlägst. Denjenigen, dessen Bibel die BLÖD ist und der sich eigenem Bekunden zufolge zwar immer eine eigene Meinung bildet, aber der garantiert auch spätestens als dritter Lemming von der Klippe springt weil eben alle das tun. Denjenigen, der angeblich schon überall alles gearbeitet ist, der eben deswegen der perfekte Fachmann für alles ist und der folglich auch überall mitreden kann – der tatsächlich aber so blöd wie hundert Meter Feldweg ist, doch das ficht den nicht an, denn das kompensiert er durch den geradezu fanatisch-pseudoreligiösen Eifer, mit dem er ausnahmslos JEDEM Mitmenschen seine verkorkste Meinung aufzuzwingen gedenkt.

Dieses reichlich merkwürdige Missing Link erblickt dich und blökt ganz so wie ein Schaf aus der Herde mit voller Lautstärke quer durch den ganzen Laden: „EY! WARUMHASTNKEINESCHUTZMASKÄ?“ Und alle anderen fremdgesteuerten Herdenmitglieder, ganz gleich ob mit oder ohne Maske, drehen sich zu dir um. Das ist genau der Augenblick, in dem du beginnst, echtes und tiefempfundenes Verständnis für Amokläufer zu entwickeln! Also, liebe Leute, bitte: Wenn ihr meint, wegen Corona draußen PSA einsetzen zu müssen, dann tut das, denn des Menschen Wille ist bekanntlich sein Himmelreich. Bringt zwar nichts, aber das ist eben euer Problem. Aber versucht wenigstens, dass in korrekter Weise zu tun und verzichtet darauf, euch über diejenigen erhaben zu fühlen, die den Schwachsinn nicht mitmachen! Denn mal ehrlich: Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass sich das Coronavirus durch psychologische Ablenkungsmaßnahmen abschrecken lässt! Was WESENTLICH sinnvoller ist: Wascht euch vernünftig die Hände, vermeidet Kontakte, haltet Abstand und fallt nicht auf die Panikschieber rein!