Im Rahmen der Landschaftsfotografie tritt mitunter ein Problem auf: Belichtet man korrekt auf den Vordergrund, dann erscheint der Himmel manchmal weiß-grau und dort vorhandene Wolkenstrukturen gehen verloren: Das Bild wirkt flau und kontrastarm! Wohl dem, dessen Kamera über die Möglichkeit einer Muli-Spot-Messung verfügt, denn damit lässt sich dieser unerwünschte Effekt etwas minimieren. Doch wessen Kamera ist schon so gut ausgestattet? Früher, bei der Analogfotografie, da behalf man sich mit einem vor die Linse gesetzten Grauverlaufsfilter, oben grau und unten klar. Der bewirkt, dass oben das Licht etwas abgeschwächt wird (womit der Himmel blau bleibt und die Wolkenstrukturen erhalten bleiben), während unten im Vordergrund alles wie gewohnt abläuft (das Filter ist dort komplett durchsichtig). Dieses Verfahren lässt sich auch heute noch einsetzen – wenn die Kamera die Filtermontage gestattet und wenn man über so ein Filter verfügt. Und wenn nicht?

Anders gefragt: Kann man eine Grauverlaufsfilter-Kontrastverstärkung auch noch nachträglich mit einer Bildbearbeitung vornehmen, also quasi simulieren? Ich hab’s mal ausprobiert. In Grenzen ist das durchaus möglich, wenn das Motiv es hergibt. Bedeutet: Wenn der Himmel (noch) nicht rein weiß oder rein grau abgebildet worden ist. Das Programm der Wahl dazu ist die Freeware GIMP. Wie muss man vorgehen?

Zuerst ermittelt man die Bildmaße des später zu bearbeitenden Bildes in Pixel (hier im Beispiel 4608*3456px). Man startet GIMP und wählt „Datei/ Neu“. Im sich öffnenden Fenster gibt man diese Bildmaße ein. Es öffnet sich eine (i. d. R.) weiße Fläche.

Nun das Grauverlaufswerkzeug anklicken. Dessen Standardeinstellungen (Modus normal, Deckkraft 100%, Farbverlauf VG nach HG, Form linear, Wiederholung keine, Versatz 0) so belassen wie sie sein sollten. Anschließend mit gedrückter Taste [Strg] auf der weißen Fläche des neuen Bildes einen Strich von oben nach unten ziehen.

Das Bild füllt sich nun mit dem Grauverlauf, doch ist dessen Deckkraft normalerweise viel zu stark.

Daher im Ebenenfenster den „Hintergrund“ aktivieren und die Deckkraft auf einen Wert irgendwo im Bereich von 50-75% reduzieren (zu den detaillierteren Erläuterungen s. u.). Anschließend mit „Datei/ Exportieren“ dieses Grauverlaufs-Filter im JPG-Format abspeichern und mit „Datei/ Schließen“ das Filter erst einmal beiseite lassen.

Wir haben jetzt an dieser Stelle zwei Dateien, nämlich das kontrastarme Foto und das zuvor angefertigte Filter. Das kontrastarme Bild wird unter GIMP geladen. Das Filter wird zusätzlich unter GIMP geladen und ist jetzt das aktive Fenster. Nun „Bearbeiten/ Kopieren“ selektieren und das Filterfenster schließen. Im nächsten Schritt „Bearbeiten/ Einfügen als/ Neue Ebene“ wählen: Das Filter wird deckend über das Bild gelegt. Ab jetzt ist Ausprobieren angesagt.

Im Ebenenfenster die Filterebene („Zwischenablage“) anklicken und deren Deckkraft reduzieren – recht brauchbare Werte liegen bei 5-10%. Beim Überlagerungsmodus kann man getrost alles austesten; zumeist bringt „Faser mischen“ aber die geeignetsten Resultate.

Mit „Ebene/ Nach unten vereinen“ werden beide Bildebenen zusammengefügt. Damit ist das mittels Grauverlauf gefilterte Bild entstanden. Das bedarf nun allerdings noch der Nachbearbeitung.

Mit „Farben/ Helligkeit/Kontast“ werden die Helligkeit zurückgenommen und der Kontrast deutlich verstärkt.

Mit „Farben/ Farbton & Sättigung/ Alle“ und dem Sättigungsregler wird die Sättigung deutlich erhöht – anschließend das fertige Bild als JPG exportieren: Fertig!

Kommen wir nun noch einmal zu dem Grauverlaufsverfilter zurück. Warum wurde der oben abgespeichert und nicht unmittelbar für die Ebenenbearbeitung benutzt? Der Grund ist höchst einfach und lässt sich mit dem Begriff Arbeitseinsparung beschreiben. Wenn man sich nämlich im Laufe der Zeit eine kleine Sammlung von fertigen Grauverlaufsfiltern unterschiedlicher Deckkraft für unterschiedliche Bildgrößen zulegt, dann erspart das langfristig gesehen eine ganze Menge an Arbeit, weil man nicht in jedem Einzelfall so ein Filter neu erstellen muss. Mit Dateinamen wie „Filter4608P50.jpg“ (4608 steht für 4608*3456px und P50 steht für 50% Deckkraft) lassen sich auch fertige Filter schnell und gezielt in so einer Sammlung wieder auffinden.