Homeoffice ist, wenn man technische Verrenkungen machen muss! So jedenfalls sieht’s bei meiner Frau aus. Man kann einen Arbeitsplatzrechner ja über WLAN anschließen – ggf. mit zwischengeschaltetem Repeater, wenn das WLAN nicht weit genug reicht. Im vorliegenden Fall schied das aus, weil der Arbeitgeber das nicht wollte und der Rechner nicht WLAN-fähig ist (ein WLAN-Stick schied auch aus, weil alle USB-Steckplätze belegt waren und einen WLAN-Stick per Hub anschließen zu wollen ist normalerweise Murks, weil Glücksspiel). Welche Möglichkeiten gibt’s noch? LAN, natürlich. Das setzt allerdings wegen der Strippe i. d. R. einen Arbeitsplatz im gleichen Raum voraus, in dem auch der Router steht. Als monatelanges Provisorium hatte das bisher ganz gut hingehauen, aber es konnte natürlich kein Dauerzustand sein.

Ein vorläufiger Dauerzustand soll das Homeoffice nach neuesten Informationen aber jetzt wohl doch werden u. d. h. der Arbeitsplatz musste zwangsläufig in einen anderen und ungenutzten Raum verlegt werden. Das war das Kinderzimmer von unserer Jüngsten, die schon seit Jahren woanders wohnt. OK: Kein LAN, kein WLAN – was bleibt dann noch? Dazu ist mir nur ein Powerline-Anschluss eingefallen. Bei dem hatte ich allerdings arge Bedenken, denn das alles spielt sich im Altbau ab, in dem die Leitungen (wie es bis vor fünfzig oder sechzig Jahren noch üblich war) mit klassischer Nullung verlegt und durch Generationen von Elektrikern Kupferbergwerke in den Wänden angelegt worden sind. Der Powerline moduliert die Daten auf die vorhandenen 230V-Leitungen auf, so dass das Stromnetz als Datenleitung verwendet werden kann. Aufgrund meiner Bedenken habe ich das erstmal mit einem auf unbestimmte Zeit ausgeliehenen ALDI „Medion Powerline 500 P85150“ ausprobiert – mit rund zehn Metern an LAN-Kabel zwischen Empfänger und Computer (weil man’s früher ja auch nicht so mit hinreichend vielen Steckdosen hatte). Als Router dient die Fritz!Box 7430. Erfolgserlebnis: Es funktioniert!

Bevor ich aber auf die Powerline-Einrichtung zu sprechen komme sind noch ein paar Vorbemerkungen hinsichtlich der Voraussetzungen vonnöten. Powerline besteht immer aus mindestens zwei Adaptern, einer in der Nähe des Routers (hier der Einfachheit halber als Sender bezeichnet) und einer woanders im Haus in der Nähe des Computers (hier als Empfänger bezeichnet). Zur Unterscheidung: Der Sender weist häufig (aber eben je nach Modell nicht immer) noch eine zur anderweitigen Nutzung bestimmte Steckdose auf. Theoretisch könnte man die Adapter an Steckdosenleisten betreiben. In der Praxis macht sich das aber nicht wirklich gut, weil es bei den Stromversorgungsleitungen im Haus ohnehin schon zu Störquellen und Dämpfungseffekten kommt.

D. h. beim Computer am Powerline wird das Internet merklich langsamer als beim direkten LAN-Anschluss. Jede „Bremse“ sollte daher nach Möglichkeit unbedingt vermieden werden – und Steckdosenleisten sind nun einmal derartige „Bremsen“. Daher gilt: Die Powerlineadapter nach Möglichkeit immer direkt in eine Steckdose nageln! Daneben gilt es noch, die unterschiedlichen und zueinander INKOMPATIBLEN Systeme zu beachten: Hier ist der Händler gefragt! Er muss versichern können, dass die Adapter am vorhandenen Router laufen oder aber ggf. einen Umtausch vornehmen. Zusätzlich müssen die Powerline-Adapter (Sender und Empfänger) UNBEDINGT aufeinander synchronisiert werden bzw. schon ab Werk synchronisiert worden sein (vgl. dazu die Bedienungsanleitung der Geräte).

Und wie wird jetzt Powerline eingerichtet? Das ist denkbar einfach:
1. Empfängerseitig wird zunächst alles STROMLOS zusammengesteckt (Computer, Monitor, Tastatur, Maus, LAN-Kabel und Powerline-Adapter).
2. Router AUSSCHALTEN und senderseitig alles STROMLOS zusammenstecken (Powerline-Adapter, LAN-Kabel, Router).
3. Sender und Empfänger in die Steckdosen stecken.
4. Router einschalten und warten, bis DSL stabil da ist.
5. Wenn alle LEDs an den Adaptern und am Router die Farbe „Grün“ signalisieren, dann sollte es geklappt haben.
6. Empfängerseitigen Computer einschalten und Funktionskontrolle („Komme ich ins Internet?“).
Selbstverständlich kann man mittels mehrerer Empfänger auch mehrere Computer anbinden.

Und wenn es NICHT funktioniert? Das kann zig verschiedene Gründe haben. Zuerst mal die Verkabelung überprüfen: Ist wirklich alles richtig zusammengestöpselt worden? Wenn ja: Mitunter hilft es schon, wenn einer oder beide Adapter um 180° gedreht in die Steckdose gesteckt werden (d. h. kopfstehend; die Phase liegt dann nämlich am anderen Pin des Adapters). Sollte das nicht funktionieren, dann kann u. U. die Benutzung einer anderen Steckdose – die mit etwas Glück auf einer anderen Leitung liegt – hilfreich sein. Dazu ein kleiner Hinweis: Powerline nutzt normalerweise die Phase und den Neutralleiter. Es gibt allerdings auch Geräte, welche den eigentlichen Schutzleiter verwenden. Wenn der aufgrund von klassischer Nullung aber gar nicht da ist, dann können solche Geräte auch nicht vernünftig funktionieren. D. h. letzten Endes läuft es mit Powerline immer irgendwo auf „Versuch macht kluch'“ raus …