Ein altes Sprichwort besagt: „Wer suchet der findet!“ Aber: Findet er auch das Richtige? Dazu mal ein kleines Beispiel. Ich betreue ja ehrenamtlich u. a. auch den Webauftritt der Siedlergemeinschaft Lauenau. In diesem Zusammenhang ist kürzlich was Kurioses passiert: Meldungen an und Korrespondenzen für den Landesverband sind bei unserer Ortsgruppe gelandet. Wie kommt das? Ein paar Recherchen ergaben, dass die Absender dieser Irrläufer einfach ein paar Suchbegriffe bei Google reingehämmert und dann die Adressen aus den am weitesten oben stehenden Treffern genommen haben. Am weitesten oben steht der Landesverband, allerdings muss man da etwas nach den geeigneten Adressen suchen. Gefolgt von der Ortsgruppe Lauenau und da muss man nur recht wenig suchen. BTW: Es ist absolut kein Zufall, dass unsere Ortsgruppe ziemlich weit oben gelistet wird, sondern vielmehr das Ergebnis von ganz bewusst immer wieder an passender Stelle eingestreuten Schlüsselwörtern in Verbindung mit häufiger Aktualisierung. Das aber nur mal so am Rande.

Das Beispiel zeigt, wie eine Suche in die Hose gehen kann: Wenn man nämlich einfach irgendwas bei der größten Suchmaschine reinhämmert! Daraus folgt: Suchen im Internet will gelernt sein! Aber wie sucht man richtig? Zunächst mal muss man sich klarmachen, dass Google beileibe nicht die einzige und die beste Suchmaschine ist. Google ist zwar die größte Suchmaschine und man kommt an Google auch nicht vorbei, doch wenn man Klasse statt Masse sucht, dann muss man anders vorgehen. Werfen wir daher zum besseren Verständnis erst einmal einen Blick auf die verschiedenen, heutigen Formen von Suchmaschinen.

Die älteste Form einer Suchmaschine (die streng genommen eigentlich noch gar keine Suchmaschine im heutigen Sinne ist) bilder der Webkatalog, mitunter auch als Katalog oder Index bezeichnet. Bei einem Webkatalog kann man i. d. R. eine Internetseite direkt anmelden. Der Katalog enthält dann, nach Sparten sortiert, einzelne Links – aber der Katalog sucht normalerweise nicht aktiv mit Agenten(-Programmen) oder Bots nach neuen Links. Das unterscheidet ihn von der Suchmaschine. Kataloge dieser Form findet man heute nur noch wenige; sie eignen sich primär für eine erste, orientierende und eher ungezielte Suche – dazu geeignet, um in eine Thematik einzusteigen und um zu Surfen.

Suchmaschinen kommen häufiger vor. Mitunter gestatten auch sie die Anmeldung einer Webseite, aber das wird immer weniger oder aber es ist mit Kosten verbunden. Sie verfolgen allerdings ganz im Gegensatz zum o. e. Katalog die Verlinkungen auf Webseiten aktiv mit Bots und Agenten und erweitern so ihren Datenbestand. D. h. die Suchmaschine fragt regelmäßig andere Server ab (Kataloge inklusive) und liefert ihre Ergebnisse (Dokumente und Links) an den Client u. d. h. an den suchenden WWW-Nutzer. Es gibt sowohl allgemeine wie auch themenbezogene Suchmaschinen und so ziemlich jede davon verwendet ihre eigenen Suchalgorithmen und ihre eigene Eingabemaske. Suchmaschinen eignen sich immer dann ganz besonders gut, wenn man genau weiß, wonach man sucht und wenn man bereits die passenden Suchbegriffe parat hat – d. h. wenn man in einem Thema schon drin steckt.

Am geläufigsten sind heute allerdings die Metasuchmaschinen, für die Google ein ganz typisches Beispiel ist. Die Metasuchmaschine kommt mit einer einheitlichen Benutzeroberfläche daher und fragt auf einen Rutsch gleich eine ganze Reihe von regulären Suchmaschinen ab. Doch dabei existieren Fallstricke! Zum einen ist da die Auswahl der abgefragten Suchmaschinen. Werden allgemeine Suchmaschinen abgefragt – wie Google das zu tun scheint – dann erfolgt die Trefferanzeige nach dem Schema „Masse statt Klasse“. Google geht dabei sogar noch weiter und listet die Treffer, für die vom Seitenbetreiber Gebühren bezahlt werden, am weitesten oben auf. Mit Google etwas ganz Spezielles im Web auffinden zu wollen gleicht dem Schrotschuss-Verfahren: Irgendeine Kugel wird schon treffen! Ja, aber welche? Was nützt mir Google, wenn der von mir eigentlich gesuchte Treffer erst auf Position 5.398 erscheint?

Die meinerseits seit Jahrzehnten unangefochten favorisierte Metasuchmaschine ist Metager, denn die fragt spezifische Suchmaschinen ab und liefert daher Klasse statt Masse. D. h. da finde ich den meinerseits gewünschten Treffer i. d. R. schon unter den Top 50. Eine ähnlich gute Metasuchmaschine ist das seitens der der EU betriebene Startpage (früher Ixquick). Erst dann, wenn ich weder mit Metager noch mit Startpage fündig geworden bin, stürze ich mich auf die zeitaufwändige Aktion, Google bemühen zu müssen. Allen Metasuchmaschinen ist jedoch eins gemeinsam: Sie berücksichtigen nur die binnen eines relativ kurzen Zeitfensters von den Suchmaschinen eintreffenden Antworten. Ist eine I-Net-Verbindung instabil, dann fällt vielleicht gerade die Suchmaschine raus, die den Treffer geliefert hätte, den man eigentlich bräuchte. Deswegen lohnt es sich erfahrungsgemäß bei der Benutzung von Metasuchmaschinen generell, ein und die gleiche Suchabfrage in zeitlichem Abstand mehrmals durchzuführen.

Sofern man aber ganz genau weiß, wonach man sucht, sollte man spezielle Suchmaschinen bemühen. Spezielle Suchmaschinen beschränken sich auf einen Themencluster. Toorgle z. B. ist eine auf Torrents spezialisierte Suchmaschine, Scholar beschränkt sich weitgehend auf wissenschaftliche Publikationen, Klug Suchen! ist eine Suchmaschine zum Auffinden spezieller Suchmaschinen usw. Doch auch die genau gegenteilige Suche – man hat keine Ahnung vom geeigneten Suchbegriff – ist möglich, und zwar vermittels einer Bilder-Suchmaschine. In dem Falle liefert nämlich die Webseite, zu der ein Bild gehört, den exakten Suchbegriff. Wie ist das zu verstehen?

Nehmen wir dazu mal ein simples Beispiel. Da schwimmt so ein Viech in meinem Aquarium rum und ich stelle mich mal ganz blöd. Ich habe also habe keine Ahnung, um was für einen Fisch es sich handelt. Ergo bemühe ich mit dem Suchbegriff „Aquarienfische“ eine Bildersuchmaschine und schaue mir an, auf welchem Bild der gleiche Fisch zu sehen ist. Ich klicke auf das betreffende Bild und es wird mir vergrößert angezeigt. Zusätzlich finde ich die verlinkte Beschreibung mit dem Kontext. Da klicke ich drauf und auf der zugehörigen Webseite finde ich anschließend auch meinen eigentlich benötigten Suchbegriff „Xiphophorus helleri“ – so nennt sich das Viech „auf wissenschaftlich“. Vermittels dieses Suchbegriffs kann ich nun gezielt weitere Recherchen mit einer der o. a. Suchmaschinen durchführen.

Womit wir bei der Frage „Wie sucht man effektivsten?“ angekommen wären. Auf die Vor- und Nachteile der einzelnen Formen von Suchmaschinen ist ja bereits hingewiesen worden – jetzt soll es um die zweckmäßigsten Suchbegriffe gehen. Ich gehe nachfolgend mal davon aus, dass geeignete Suchbegriffe – notfalls auf dem Wege der Bildersuche – ermittelt (vgl. oben) und bereits vorhanden sind. Wie erbringen die nun die geeignetsten Treffer? Am Anfang steht immer die Frage: „Was suche ich eigentlich genau?“ Daraus ergibt sich schon mal mindestens ein passender Suchbegriff.

Dann hat man als Recherchierender ja auch bestimmte, oftmals nur vage Vorstellungen von der Form des Ergebnisses. Die kann man formulieren, um die Suche effektiver zu gestalten – muss man aber gar nicht. Denn die Form des Ergebnisses ergibt sich normalerweise schon aus der Denkweise von demjenigen, der etwas veröffentlicht hat. Folglich versucht man, sich in die Lage des Autors hinein zu versetzen – wie wird er geschrieben, wie könnte er formuliert haben? Journalisten, Wissenschaftler und Privatpersonen formulieren sehr unterschiedlich, wobei Fachwissen und Schreiberfahrung ausschlaggebend sind! Daraus ergeben sich dann weitere und vor allem detailliertere Suchworte.

Nächster Punkt: Wo ist das Suchthema am stärksten verbreitet? Das Ergebnis muss nicht unbedingt auf Deutsch zu finden sein. Falls die englische Sprache infrage kommt und der zu suchende Begriff in diesem Sprachraum verbreiteter ist, dann ist es u. U. zweckmäßig, auf die englische Übersetzung des Suchbegriffs auszuweichen (dabei aber bitte unterschiedliche Schreibweisen in amerikanischem und englischem Englisch beachten – Beispiel „synesthesia“ und „synaesthesia“ – bzw. „two countries divided by one language“). Übrigens: Wissenschaftliche Publikationen werden zu rund 99% in englischer Sprache abgefasst – die Suche auf Deutsch erscheint in derartigen Fällen von vornherein wenig erfolgversprechend.

Der verwendete Suchbegriff sollte immer dem Fachjargon des noch zu findenden Anbieters entstammen und dessen Nomenklatur verwenden, also bspw. „FH“ anstelle von „Fachhochschule“, „Lachrymator“ anstelle von „tränenreizend“ usw. Synonyme oder Assoziationen können eine komplexe Suche sehr vereinfachen! Sinnvoll ist häufig auch die so genannte Wortstammsuche. Dabei wird nicht der komplette Suchbegriff, sondern nur dessen Wortstamm verwendet. Man sucht also nicht nach „Automobil“ oder „Autos“, sondern nur nach „Auto“ – das erhöht zwar einerseits die Anzahl der infrage kommenden Treffer (u. a. durch Berücksichtigung von Singular und Plural), führt andererseits aber auch zu Fehltreffern, denn „vollautomatisch“ würde dem Suchkriterium ja auch entsprechen.

Hier helfen logische Verknüpfungen inklusive der Ausschluss-Suche weiter, also bspw. „Auto“ NOT „automat“. Logische Verknüpfungen werden von Suchmaschine zu Suchmaschine unterschiedlich gehandhabt; diesbezüglich sollte man die Suchmaschinen-Syntax schon beherrschen. Allein die logische AND-Verknüpfung reduziert die Trefferanzahl erfahrungsgemäß gegenüber dem Einzelbegriff um bis zu vier (!) Zehnerpotenzen: Also auf das Wesentliche! Hundert anstelle von 1.000.000 Treffern. Google bspw. verfügt über sehr mächtige logische Operatoren bei der Suche, die aber vermutlich den meisten Nutzern völlig unbekannt sind. Problematisch wird es dann, wenn man den Suchbegriff nicht exakt formulieren kann – man sucht z. B. eine bestimmte Organisation oder Person, welche da und da ansässig ist, kennt aber deren genauen Namen nicht. In solchen Fällen sind spartenorientierte Suchmaschinen (auch Branchenverzeichnisse bzw. die o. e. Kataloge, manchmal auch Das Örtliche) eindeutig von Vorteil, da sie intuitiv zum gesuchten Angebot hinführen.

Aber bleiben wir ruhig noch einen Moment bei Google. Man kann die Suchparameter verfeinern u. d. h. schon durch die geeignete Verknüpfung von Suchbegriffen quasi filtern. Dazu dienen Such-Operatoren und Google kennt davon – ganz im Gegensatz zum Gros der Suchmaschinenbenutzer – eine ganze Menge, obgleich Google selbst diesbezüglich weniger auskunftsfreudig zu sein scheint. Suchoperatoren helfen dabei, die Ergebnisse bspw. auf einen bestimmten Zeitraum, eine bestimmte Preisspanne, eine bestimmte Sprache, einen bestimmten Dateityp usw. einzugrenzen. Allerdings – das muss ganz deutlich gesagt werden – erfordert die Verwendung von Suchoperatoren bereits einiges an „Gehirnschweiß“ VOR der eigentlichen Suche, welche anschließend allerdings i. d. R. wesentlich erfolgreicher verläuft. Gut geplant ist eben schon halb erledigt!

Auf diese Weise erhält man eine Trefferliste. Es ist nun sehr verführerisch, da direkt irgendwas anzuklicken. NEIN! FALSCH! Das macht man nämlich zehnmal und schmeißt die Sache entnervt hin, wenn nicht das, was man gesucht hat, dabei war. Daher ist es ausgesprochen zweckmäßig, an dieser Stelle einen anderen Weg einzuschlagen – inden man sich nämlich aus der Trefferliste alle die URLs rauskopiert, die auf den ersten, raschen Blick beachtenswert erscheinen. Gerade bei technischen Problemen erweisen sich auch gelistete Foren mit ihren tief drin versteckten, weiterführenden Links als wahre Fundgruben!

Im zweiten Schritt wird folglich danach erst die Liste der noch am ehesten infrage kommenden Treffer abgearbeitet. Die beschriebene Vorgehensweise ist eine reine Erfahrungs- und Übungssache. Wenn sie aber erst einmal in Fleisch und Blut übergegangen ist (was allerdings dauern kann), dann gibt es kaum noch eine Information im Web, die sich im akzeptablen Zeitrahmen als unauffindbar erweist. Doch muss es wirklich immer eine Suchmaschine sein? Nein, muss es nicht! Auch die Links am Ende von Wikipedia-Einträgen sind oftmals sehr zielführend und liefern wesentlich schneller das Gesuchte, als Google das jemals könnte – einfach schon deswegen, weil hier der Autor des Artikels bereits eine hochqualifizierte Vorauswahl getroffen hat.

Ergo: Suchen im Internet will wirklich gelernt sein! Aber das ist immer irgendwo auch eine Erfahrungs- und Übungssache. Ein gewisses Maß für die Brauchbarkeit einer Suchmaschine ist irgendwo auch ihr Erfolg, der sich in ihrem Alter widerspiegelt. Von der ältesten bis zur jüngsten Suchmaschine ist das die Reihe Metager, Google, Startpage (Ixquick), Bing. Und: Keine Suchmaschine „lebt“ ewig. Selbst durchaus renommierte, sehr gute Suchmaschinen wie WebCrawler oder 123people sind inzwischen längst von der Bildfläche verschwunden. Daher lohnt es sich durchaus, den „Markt“ an Suchmaschinen im Auge zu behalten: Es gibt mehr als nur Google!

Um auf das eingangs angeführte Beispiel mit der Siedlergemeinschaft zurück zu kommen: Die Google-Suche nach dem veralteten Begriff „Siedlerbund“ lieferte heute in dritter Platzierung Lauenau und erst an fünfter Stelle den Landesverband. Sucht man jedoch korrekt nach „Verband Wohneigentum Niedersachsen“ (d. h. mit drei aktuellen Suchbegriffen, alle mit logischer UND-Verknüpfung versehen), dann findet man die betreffende Seite des VWE auch auf Anhieb ganz oben auf der Liste: So etwas vermeidet lästige und ärgerliche Irrläufer und nicht zuletzt überflüssige Arbeit sowie etwaige Missverständnisse. Suchen ist also mehr als nur ein Suchwort bei Google reinzukloppen. Suchen im Internet kann man lernen. Das geht zwar nicht von heute auf morgen, aber es geht. Anschließend ist es wie mit dem Schwimmen oder dem Radfahren: Wenn man’s einmal gelernt hat … Mit der Benutzung einer Suchmaschine verhält es sich wie mit der Bentzung eines Fahrrades: Man kann es schieben (d. h. einen Suchbegriff bei Google reinhämmern) oder die unglaublichsten Kunststücke damit vollbringen (d. h. bei genug Zielen im Leben aber zuwenig Munition mit Grams oder Torch im Darknet nach einem Auftragskiller recherchieren – vorausgesetzt es ist hinreichend viel Kleingeld da). 😉