Am 13.09.2020 war in Niedersachsen der „Entdeckertag“ – und das Wetter spielte auch mit: Nichts wie raus! Im örtlichen Käseblatt hatte ich zuvor gelesen, dass das Arboretum in Nettelrede (einem Ortsteil von Bad Münder) für Besucher geöffnet ist. Normalerweise ist es unzugänglich, da Privatbesitz. Dort werden Süntelbuchen gezogen und hinsichtlich fotografischer Motive stand das schon seit Jahren immer wieder auf meiner Liste – war aber auch immer wieder irgendwie nach hinten runter gefallen: Mal passte das Wetter nicht, mal hatte ich keine Zeit, mal kam was dazwischen usw. Diesesmal aber nicht. Meine Frau und ich sind hingefahren – es war ein herrlicher Sonntagnachmittag.

Das Arboretum liegt ziemlich weit außerhalb und ohne die Beschilderung hätte ich vermutlich gar nicht hingefunden. Das ist so ein Ort, an dem die Renaturierung durch den Freundeskreis Süntel-Buchen wirklich Früchte getragen hat. Zuerst war es ein Steinbruch. Später eine Müllkippe. Heute wachsen da vom Aussterben bedrohte Bäume – bzw. werden nachgezogen – und stellenweise mutet es wie ein Urwald an. Letzteres rührt daher, dass die überwiegende Mehrzahl der dortigen Süntelbuchen eine niedrige, glockenförmige Krone ausgebildet hat und dass die Bäume teilweise zu einer Art von grüner Mauer verwachsen sind. Manchmal gibt es auch Kriechswuchs: Die Süntelbuche ist vielleicht sogar der einzige Baum, auf den man heruntergucken muss!

Mit der niedrigen, glockenförmigen Krone reagiert die Süntelbuche geradezu ideal auf Wassermangel und auf zunehmende Sturmstärken: Der Wind kann nicht mehr in die Kronen rein greifen und sie nachhaltig beschädigen und das Wasser muss im Baum nicht mehr so hoch gepumpt werden, wie es bei einer normalen Buche der Fall wäre. Kurz gesagt: Die Süntelbuche profitiert von der Klimaerwärmung – z. Zt. noch, denn irgendwann wird sie der bei weiter steigenden Tempetaturen auch zum Opfer fallen (wie übrigens so ziemlich jeder Baum).

Warum wächst die Süntelbuche so ganz anders als normale Buchen? Warum zeigen andere Bäume im Umfeld der Süntelbuchen auch diesen bemerkenswerten Knick- und Drehwuchs? Genetische Ursachen hat man immer noch nicht finden können. Aber eine wissenschaftliche und ganz natürliche Erklärung ist durchaus wahrscheinlich. Die geht in Richtung Epigenetik. D. h. die Veranlagung für die unterschiedlichen Wuchsformen steckt von vornherein in jeder Buche (und auch in anderen Bäumen) drin. Aber welche Gene für welche Wuchsform quasi „eingeschaltet“ werden hängt von den äußeren Einflüssen ab.

Wie dem auch sei: Sehenswert sind Süntelbuchen immer! Da deren Wuchs sich in alle drei Dimensionen erstreckt stand für mich auch schon vorn vornherein fest, dass die Fotos mit der 3D-Kamera zu machen sind. Denn eine Süntelbuche als normales 2D-Foto: Das wirkt überhaupt nicht! Jedenfalls ist hier jetzt mal ein Dutzend 3D-Bilder. Zur Betrachtung benötigt ihr eine handelsübliche Rot-Cyan-Anaglyphenbrille mit dem Rotfilter vor dem linken Auge. Das Draufklicken stellt die Fotos groß in einem separaten Tab dar.