Vor ungefähr vier Wochen guckte meine bessere Hälfte abends diese etwas merkwürdige Krankenhaus-Comedy mit dem Titel „Bettys Diagnose“ – eine Sendung, die so unglaublich realitätsfern daher kommt, dass sie irgendwie auf ihre ganz eigene Art und Weise schon wieder gut ist. Der Ton kam über unsere Stereoanlage. Das hatte ich schon vor zig Jahren so hingestrickt. Plötzlich fiel ein Kanal aus. Ursache waren die üblichen Wackelkontakte, Übergangswiderstände, verschlissenen Kohleschleifpotis usw. Ich meine, besagte Anlage hatte im Schnitt so um die 30-40 Jahre auf dem Buckel, in einzelnen Teilen sogar ein halbes Jahrhundert. OK, das geschah nun wirklich nicht zum ersten Mal und ist in den lezten Jahren eigentlich sogar zum Standard geworden: Der Zahn der Zeit hinterlässt eben irgendwann mal seine Spuren. War ja auch schnell wieder behoben, denn ich wusste mittlerweile im Schlaf, wo welche „Übeltöter“ sitzen, wie ich die eingetrockneten Elkos vom Verstärker wieder blitzschnell reaktivieren konnte etc. Bloß handelte es sich eben um die Lieblingssendung meiner Frau. Sie war es dann auch, die ziemlich resolut danach verlangte „Endlich eine neue Anlage!!!“ zu kaufen.

Tja… – ich trenne mich nur äußerst ungern von Bewährtem. Nach harter Verhandlung konnte ich immerhin durchsetzen, dass die vier alten 100W-Boxen (mit Holzgehäuse) erhalten bleiben, denn an deren Sound reicht keine der heutigen Plastikboxen mit ihrem blechernen Taschenradioklang ran. Aber alles andere … OK, Plattenspieler und Sat-Empfänger blieben auch. Der DVD-Player zunächst ebenso und mein uralter Kenwood-KW-Receiver ist ein Heiligtum. Da hat keiner dran zu gehen! Damit standen die Rahmenbedingungen fest. Verstärker, muckender Kassettenrekorder, defekter Tuner, zahllose Eigenbasteleien bzg. Quadrosound, Surroundsound, Stereobasisverbreiterung, Bassauskopplung für den Subwoofer etc., defekter CD-Player und-und-und sind entsorgt worden. An deren Stelle sind ein neuer Tuner und ein neuer Verstärker getreten. Bloß was konnte ich da nehmen? Ich meine, was weg kam, war noch gute alte, diskret aufgebaute Analogtechnik. Darunter ein Kombiplayer, den ich um 1970 herum noch selbst vom Felsen herunter geschmuggelt hatte (für Nicht-Norddeutsche: Felsen = Helgoland, seinerzeit zollfreie Zone). Heute läuft alles digital. Ich wollte aber analog nicht gänzlich aufgeben.

Es schloss sich eine verdammt lange Sucherei im Internet an. Welche Geräte kamen infrage, welche wiesen die richtigen Anschlüsse auf, welche unterstützten meine alten Boxen? Eine Schemazeichnung verdeutlichte die technischen Anforderungen. Anhand der technischen Anforderungen wurde dann recherchiert. Bei dem, was in die engere Auswahl kam, spielten Preis und Testberichte eine Rolle. So fiel die Entscheidung schließlich für die Kombination aus „auna iTuner CD“ als Tuner und CD-Player mit „auna AV2-CD608 BT“ als Verstärker – viermal 100W sollten für das Wohnzimmer eigentlich mehr als ausreichen, auch bei „Riders On The Storm„, „Smoke On The Water“ oder „Fuck Authority„. Außerdem weist der Verstärker die Möglichkeit zum Bluetooth-Streaming auf, so dass ich beim Tuner getrost darauf verzichten und dort eben das Modell mit eingebautem CD-Player nehmen konnte. Um Nägel mit Köpfen zu machen entschied ich mich auch gleich für neue Kabel. Das alles wurde auf einen Rutsch bestellt und traf so nach und nach kleckerweise ein.

Dann kam der große Tag des Anlagen-Tauschs. Meine schlimmsten Befürchtungen bestätigten sich: Ich blickte bei all dem, was sich seit unserem Einzug hier vor 27 Jahren an Strippen und Zusatzteilen hinter dem Schrank angesammelt hatte nicht mehr durch. Radikalkur: Alles weg – ausnahmslos! Teile von dem „chronologisch gewachsenen“ Kabelbaum kriegte ich ohnehin bloß noch per Saitenbschneider auseinander. Außerdem glaubt man gar nicht, was sich hinter Schränken, hinter die man niemals hinkommt, für Wollmauspopulation ansammeln. Ja – früher, als unser Kater noch lebte, da war die Reinigung solcher unzugänglichen Ecken wahnsinnig einfach: Einfach ein Katzenleckerli hinwerfen, der Kater fegte hinterher, sammelte sämtlichen Staub und Spinnweben auf und putzte sich hinterher ausgiebig. Ist aber leider vorbei … Jedenfalls erfolgte irgendwann das Aufstellen und Neuverkabeln der neuen Geräte. Mit dem Sound bin ich voll zufrieden! Meine Erfahrungen mit den neuen Geräten will ich hier mal zum Besten geben, denn ich meine, für rund 400€ ganz gut eingekauft zu haben, auch wenn nicht alles ganz so funktioniert wie es sollte. Aber man darf seine Erwartungen auch nicht zu hoch schrauben und mit einem Plan B in der Hinterhand …

Fangen wir mit dem Tuner an. Der hat einen Line-Eingang. Da ist mein alter Plattenspieler dran gekommen. Der Tuner hat einen Line-Ausgang. Den brauchte ich nicht, denn die Verbindung zum Verstärker nahm ich optisch über Toslink-Kabel vor. Dann sind da zwei Antennen mitgeliefert worden – eine für’s heimische WLAN und eine für FM-Radio und DAB+. Womit wir schon bei den Empfangs- bzw. Wiedergabemöglichkeiten wären. Da ist erstmal der eingebaute CD-Player zu nennen, ein Standardteil. Dazu gibt’s noch einen USB2.0-Anschluss, den man wahlweise zum Laden eines Gerätes verwenden kann (max. 1A) oder eben zum Abspielen der MP3’s von einem USB-Datenträger bis 32GB. UKW-Radio (FM) und DAB+ sind eingebaut. Ergänzend gibt’s noch den Mediaplayer für den erwähnten USB-Anschluss, Spotify-Connect (brauche ich nicht, ist nämlich kostenpflichtig) und Internet-Radio (wäre zwar schön, brauche ich aber auch nicht unbedingt). Ach ja, und einen Kopfhörer kann man über 3,5mm Klinke auch noch anschließen.

Die WLAN-Antenne ist OK. Die FM-Antenne ist ein schlechter Witz – aber ein ganz schlechter! Nach dem ersten Ausprobieren suchte ich aus meiner Bastelkiste einen Adapter vom Typ „F-Stecker/IEC-Koax-Buchse“ raus und schraubte den anstelle der mitgelieferten, lachhaften Antenne an. Da dran kam eine ganz brauchbare Aktiv-Zimmerantenne, die ich noch irgendwo rumliegen hatte. Ich meine, der Empfang von der Kiste ist in jeder Hinsicht schwach, sowohl WLAN wie auch Rado betreffend. Für UKW reicht’s jetzt aber und – obgleich wir hier am Ende des Schaumburger Landes hinsichtlich DAB+ ein Entwicklungsland sind – sogar für die stärksten, regionalen DAB+ Sender. So weit, so gut.

Was ist jetzt mit dem in den Testberichten vielgepriesenem Internet-Radio? Fehlanzeige – jedenfalls bei mir und nach vier Stunden entnervender Verbindungssuche. Beim der Ersteinrichtung des Tuners wurde das heimische Netzwerk anstandslos erkannt. Bloß das Verbinden damit schlug fehl. Ich informierte mich: Das Gerät greift auf das Portal http://www.wifiradio-frontier.com zu. Dort muss man erst einen Account anlegen. Den dafür notwendigen Zugangscode liefert das Radio tief im Menü versteckt. Das ist aber auch die einzige sinnvolle Information, die sich der Bedienungsanleitung entnehmen lässt. Steht da irgendwo mitten drin und tief vergraben. Ansonsten ist die Anleitung das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt wurde: Ausprobieren ist im ganz, ganz großen Stil angesagt! Die Anleitung versteht man übrigens nicht mal dann, wenn man raus hat, wie’s funktioniert.

Ohne grundlegendes technisches Verständnis, Mut zum Risiko und einige Kenntnisse hinsichtlich der Funktionsweise solcher Geräte scheitert man nämlich mit der Einrichtung in jeder Hinsicht. Gut, alles für das Internet-Radio vorbereitet. Nochmal die Einrichtung versucht. Und nochmal, und nochmal und … Jedenfalls wurde nach dem allersten Versuch nicht mal mehr das heimische Netzwerk erkannt. Bäh, kein‘ Bock mehr! Das integrierte Internet-Radio kann ich knicken. Ich kann mir ehrlich gesagt auch nicht vorstellen, dass diese in den Testberichten hochgelobte Möglichkeit von den Testern wirklich ausprobiert worden ist! Dann eben Plan B, so wie früher bei der alten Anlage – nämlich Streaming von Radio.de per Handy und Bluetooth. Jedenfalls CD-Player, USB-MP3-Anschluss, der angeschlossene Plattenspieler, UKW und DAB+ funktionieren. Mit dem eingebauten (Software-) Equalizer ließ sich auch alles relativ fein auf die Boxen abstimmen.

Streaming ist das Stichwort für den Verstärker. Als Eingänge verfügt der über Cynch-Anschlüsse für AUX (da ist der Sat-Receiver dran, der mir jede Menge Sat-Radios liefert) und CD/DVD (da liegt der DVD-Player drauf). Hinzu kommen drahtlos BT (das ist das eingebaute Bluetooth-Streaming, gerne für die I-Net-Radios vom Handy) und der Toslink-Anschluss OPT (das ist die vom Tuner kommende Glasfaser). Daneben gibt es noch „MP3“. Das ist ein frontseitiger 3,5mm Klinkeneingang, der zwar für Stand-Alone-MP3-Player gedacht, aber nichts weiter als ein weiterer AUX-Eingang ist. Ausgangsseitig ist der Verstärker mit (leider etwas wackeligen) Buchsen für 4mm-Bananenstecker bestückt. Da lassen sich zwei Stereo-Lautsprechergruppen dran anschließen. Die kann man per Schalter sowohl einzeln wie auch zusammen betreiben: Zusammen klingt besser! Die Impedanz der Lautsprecher liegt bei 4-8 Ohm. Passt exakt zu meinen Uralt-Boxen!

Nachdem ich alles zusammengefügt und eingerichtet hatte (ein voller Tag an Arbeit inklusive der Demontage von der alten Anlage) gab dann der alte DVD-Player auch noch den Geist auf – fraß die DVD! Die habe ich mittlerweile wieder bekommen, musste den Player dazu aber mit Schraubenzieher und Zange überreden. Folglich wurde der DVD-Player dann auch gleich noch ersetzt. Bei dem handelt es sich um einen „Xoro HSD 8470 HDMI„, ein Billigteil, das aber seinen Dienst verrichtet. Bloß lästig, dass man das Ding nicht wirklich abschalten kann: Eine geschaltete Zwischensteckdose aus der Bastelkiste löste das Problem. Jetzt sieht das alles viel aufgeräumter aus und der Sound ist auch klasse. Voll aufgedreht wid’s glatt zur Sound-Offensive! Und zwar wenig bekannte, aber saugute Sender wie bspw. MacSlon’s Irish Pub Radio aus Magdeburg können den ganzen Tag über laufen.

War sonst noch was? Ach ja … – habe ich aber nicht ausprobiert, weil man’s auch überteiben kann und mich das nicht interessiert, denn Alexa kommt mir nicht ins Haus. Voraus gesetzt, man bekommt es vielleicht mal zufällig irgendwie hin, das Radio im heimischen WLAN anzumelden, dann gibt’s da eine so genannte UNDOK-App. Mit der kann der Tuner angeblich Musik über’s WLAN in unterschiedliche Räume der Wohnung streamen, voraus gesetzt, man hat entsprechende, WLAN-fähige Boxen. Als Fernsteuerung dient dann das Handy. Über das wird auch Amazons Alexa angesteuert. Aber die Wanze will ich nicht haben. Wie war das doch gleich? Früher: „Vorsicht, die Wohnung ist verwanzt!“ Heute: „Wanze, bestell‘ mal ’nen Kasten Bier!“ Nee, nicht meine Welt … Mal abwarten, wie lange die neuen Geräte halten. So 40-50 Jahre sicherlich nicht. Aber ein Zehntel davon wäre schon schön …